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Samstag, 25. Juli 2015

Eine neue Sprache lernen

Die Flagge Kroatiens, wie von einigen Polen gesehen wird...

Ich kann sieben Sprachen sprechen, abgesehen von Esperanto: Italienisch, Deutsch, English, Polnisch, Französisch, Russisch, Spanisch - in der Reihenfolge, wie gut ich sie beherrsche. So behaupte ich es wenigstens. In der Tat gibt es noch viel, was ich in jeder dieser Sprachen noch lernen könnte. Seit langem möchte ich trotzdem mit dem Lernen einer weiteren Sprache anfangen. Ich wusste aber nicht, welche.

Bevor ich ernsthaft mit dem Lernen einer Sprache beginne, muss ich davon überzeugt sein, dass mir das Land, in dem sie gesprochen wird, einigermaßen gefällt. Es sollte auch nicht so schwierig sein, interessantes Material in der jeweiligen Sprache finden zu können. Es ist wichtig, dass es Bücher, Comics, Lieder und Filme in meiner Zielsprache gibt, die mich ansprechen.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, interessiere ich mich seit langem für die polnische Sprache. Am Anfang konnte ich kein interessantes Material auf Polnisch finden. Jetzt lese ich aber in dieser Sprache Comics und Bücher, höre Musik, schaue mir Filme und sogar Komplettlösungen von Computerspielen an. Daher habe ich in diesem Bereich keine Probleme mehr.

Rumänisch ist eine der Sprachen, die mich faszinieren. Ich habe aber Rumänien besichtigt und ich war nicht gerade begeistert. Unter anderem, Buchhandlungen und Bibliotheken in Rumänien sind durchwachsen. Außerdem geben Rumänen in der Europäischen Union am wenigsten für Kultur aus. Ich mag rumänische Musik, das reicht aber nicht aus. Daher beschloss ich, diese Sprache aus meiner Liste durchzustreichen. Es wäre allerdings nicht schwierig gewesen, sie zu lernen, weil sie der Gruppe der neulateinischen Sprachen gehört.

Ich wünschte, ich hätte eine gute Ausrede, um Ukrainisch zu lernen, denn diese Sprache gefällt mir sehr gut. Außerdem ist die Ukraine ein sehr großes Land, und ein Leben würde nicht ausreichen, um es vollständig zu erkunden. Das Land könnte ein großes Potenzial haben, insbesondere in meiner Branche, was die immer noch zu wenige dort angesiedelten erfolgreichen IT-Firmen teilweise beweisen. Es ist aber leider schwierig Geschäfte in Ukraine zu machen. Insbesonderes nach den letzten Ereignissen ist es unwahrscheinlich geworden, dass ich innerhalb meines Lebens die Ukraine in der Europäischen Union erleben werde.

Vor einigen Jahren habe ich Kiew besichtigt, und in diesem Jahr habe ich einen kurzen Ausflug nach Lemberg gemacht. Obwohl die russische Propaganda das Gegenteil behauptet, waren die meisten Konversationen, die ich in Lemberg gehört habe, auf Russisch und nicht auf Ukrainisch. Die meisten Filme im Fernsehen und die Musik, die man hört, sind auf Russisch. Auch die meisten Bücher in Buchhandlungen sind auf Russisch. In Ukraine ist die Arbeitssprache in vielen Branchen, einschließlich die IT-Branche, immer noch Russisch. Trotz meiner Vorliebe für die ukrainische Sprache, könnte ich es mir selber nicht rechtfertigen, wenn ich viel Zeit in das Lernen einer Sprache investieren würde, die nicht einmal in ihrem Ursprungsland weitgehend gesprochen wird.

Vor zwanzig Jahren hätte ich den ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass er serbokroatisch lernen möchte. Warum die Sprache eines Landes lernen, wo ein grausamer Bürgerkrieg tobt? Der Krieg ist aber schon lange zu Ende. Letztes Jahr bin ich erst in Belgrad und dann bei einer Polyglottkonferenz in Novi Sad gewesen, und dieses Jahr war ich bei einem Kunden in Split. Mit Serbokroatisch (das jetzt zu einer polyzentrischen Sprache geworden ist, aufgeteilt in Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Montenegrinisch) bin ich schon früher in Kontakt gekommen und die Sprache hat mir gut gefallen - ich finde, sie ist eine der schönsten Sprachen in Europa.

Lohnt es sich überhaupt, Serbokroatisch zu lernen ? Das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist sehr  ausgedehnt und ein Leben würde nicht ausreichen, um es zu erkunden. Kroatien ist schon in der Europäischen Union, während Serbien, Montenegro und Bosnien in die europäische Wirtschaft integriert sind, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Länder in die Europäische Union eintreten. Die Ukraine dagegen handelt immer noch vorwiegend mit Russland. Die IT-Branche macht auch in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens Fortschritte.

Und wie sieht es mit der Kultur aus ? Mir gefällt die serbokroatische Musik, und ich habe sogar ein Blog darüber erstellt. Obwohl sie sich gegenseitig bekämpft haben, hören die Völker im ehemaligen Jugoslawien die gleiche Musik - kroatische Sängerinnen treten in Serbien auf, und umgekehrt. Buchhandlungen und Bibliotheken sind gut gefüllt, und man kann viele Bücher in diesen Sprachen über IT und andere interessante Themen kaufen. Es gibt auch eine gute Auswahl an gehobenen Comics. In diesen Sprachen gibt es auch viele Filme, sowohl moderne als auch welche aus der Jugoslawien-Ära. Die Leuten dort bevorzugen aber ausländische Filme; heimische Filme findet man in Buchhandlungen nicht und sie werden im Fernsehen nicht gezeigt.

Daher habe ich mich entschlossen, im Juli ein paar Wochen in Zagreb zu verbringen, um Kroatisch zu lernen. Ich habe mir dort Kroatisch von einer privaten Lehrerin beibringen lassen, die mir von der Sprachschule "Sputnik" vermittelt wurde. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wenigstens die Stufe A2 erreichen werde. Ich habe zwölf Bücher auf Serbisch und Kroatisch gekauft, Material zum Übern wird mir also nicht fehlen. Ich muss eher aufpassen, dass ich Kroatisch nicht mit den anderen slawischen Sprachen die ich lerne - Polnisch und Russisch - mische.  Darüber werde ich in einem anderen Post schreiben.

Mittwoch, 1. Juli 2015

DIe Welt braucht keine Helden, sondern Fachleute

Geralt mit Triss (links) und Yennefer

Über die Spiele „The Witcher 1“ und „The Witcher 2“ , und über ihren Hauptprotagonisten Gerald habe ich in einem vorherigen Post schon geschrieben. In der Zwischenzeit ist in Polen das Spiel „The Witcher 3„ veröffentlicht worden und darüber haben die Medien in Polen ausgiebig berichtet. Es hat Premieren in allen größeren polnischen Städten gegeben (die ich leider verpasst habe, weil ich auf Dienstreise war) und das Spiel ist schon vier Millionen mal verkauft worden. Jeder halbwegs patriotische Pole hat es schon gekauft, weil Spiele für Polen sind, was für Italiener Kleider und für Deutschen Autos sind: eine Quelle nationalen Stolzes, die man mit dem eigenen Geldbeutel unterstützen sollte.

Ich habe Wiedzmin 3 (wie es auf polnisch heißt) nicht gekauft. Ich würde viel zu lange brauchen, um das Spiel zu Ende zu spielen. Daher schaue mir lieber „Let´s play“ Videos an, in denen Spieldurchgänge gezeigt werden. Ich bekam, im Gegensatz zu „This War of Mine“, nicht die Lust, das Spiel selber zu spielen, weil „The Witcher“ nicht zu meinen beliebtesten Genres gehört. Mir gefallen eher Spiele, die dem Spieler eine große Bewegungsfreiheit geben. Aus diesem Gesichtspunkt ist „The Witcher 3“ für mich eine Enttäuschung gewesen, weil man sich nicht frei auf dem Kontinent bewegen kann, in dem die Geschichte verläuft, und nur einige Städte besichtigen kann. Es gibt viele Dialoge auf Polnisch, welche eine Auswahl verschiedener Optionen erlauben, was eine gute Übung für meine Sprachfähigkeit ist.

Das Universum von The Witcher ist ein Kontinent, der an ein mittelalterliches Europa angelehnt ist, auf dem fantastischen Kreaturen leben. Im Süden befindet sich das mächtige Reich von Nilfgaard samt seiner Vasallenstaaten, das teilweise an das Heilige Römisches Reich erinnert, und im Norden befinden sich die Königreiche wie Temeria, Redenia, Aediern und Kaedwen, freie Städte wie Novigrad und andere Völker wie die Elfen von Scoiatel. Während im Süden Frieden herrscht, ist der Norden viel wilder und gefährlicher, und tatsächlich sind eher in dieser Gegend Witchers aktiv. Sie ziehen von Dorf zu Dorf und werden angeheuert, um die Monster zu bekämpfen, die das Land verseuchen. Geralt, der Hauptprotaganist, reist niemals in den Süden, weil dort Witcher an der kurzen Leine gehalten werden.

Im Spiel „ The Witcher I“ hindert Geralt den Zauberer Salamander daran, seine Pläne zur Weltherrschaft zu realisieren, während im Königreich von Temeria ein Bürgerkrieg zwischen Menschen und anderen Rassen tobt. In „ The Witcher II“ wird Geralt zu Unrecht des Mordes am König von Temeria beschuldigt, und um seine Unschuld zu beweisen setzt er sich auf die Spur einer Witcherbande, die alle Könige der nördlichen Königreiche ermorden möchte. Am Ende schafft es deren Anführer, die Schuld an den Königsmörden der Magierinnenloge in die Schuhe zu schieben, aber in Wahrheit haben die Mörder ihren Auftrag von Nilfgaard bekommen.

Die Witcher-Bücher erzählen die Geschichte zweier blutiger Kriege zwischen dem Reich im Süden und den Königreichen im Norden. Nach dem Ende des ersten Krieges eroberte Nilfgaard das Königreich von Cintra, in dem zweiten wurde aber das Reich von einer starken Koalition geschlagen und musste auf weitere Expansionspläne verzichten. Im Laufe des Spieles Witcher 3, das sich einige Jahre nach den Ereignissen in den Büchern abspielt, tobt ein weiterer, dritter Krieg, in dem das Reich von Nilfgaard die Königreiche Aedirn und Temeria schon erobert hat, und ist dabei Redania anzugreifen, die auch expandiert hat und zu einem ernstzunehmenden Gegner geworden ist. Gerald stand lange zu Diensten beim Königreich von Temeria, im Witcher 3 arbeitet er aber für den Kaiser von Nilfgaard und macht sich auf die Suche nach seiner Tochter, Ciri, die Geralt selber erzogen hatte.

Auch in „The Witcher 3“ ist ein böser Magier am Werk, der „Wilde Jäger“, der von Geralt besiegt werden muss. Im Spiel gibt es auch viele Seitenquests, aber auch noch ein zusätzliches, wichtiges Ziel für Geralt: wieder mit seiner ersten und großen Liebe Yenefer zusammenfinden, die er aber in den vorherigen Spielstaffeln vergessen hatte. Er zog in der Tat die Gesellschaft der Magierin Triss vor, und scheute sich nicht davor, ab und zu eine angenehme Stunde mit den Damen zu verbringen, denen er in seinen Abenteuern begegnete. Tatsächlich hat Gerald unglaublich viel Erfolg bei Frauen, und ein zusätzliches Ziel des Spiels ist so viel Frauen wie möglich zu „sammeln“, unabhängig davon, ob sie Prostituerte, Nonnen oder Magierinnen sind. Jede erfolgreiche Verführung wird mit Spielpunkten belohnt, und dabei wird eine explizite sexuelle Szene gezeigt, die bezweifeln lassen kann, dass das Spiel in dem ach so katholischen Polen realisiert wurde.

Was ist die wichtigste Botschaft vom Spiel „The Witcher 3”? Es ist das Motto des Spiels : "Die Welt braucht keine Helden, sondern Fachleute". Gerald besiegt konsistent die Monstern nur deswegen, weil er Mutationen ausgesetzt wurde, viele Jahre lernte und intensiv an seinen Fähigkeiten arbeitete. Manchmal muss er die Fehler von Leuten beheben, die als Helden gelten wollen, aber keine Ahnung haben, wie sie vorgehen sollten. Es ist auch in der Wirklichkeit oft so: Wenn man etwas nicht kann, sollte man es eher den Fachleuten überlassen und von ihnen lernen. Ich glaube, ich werde das Motto von Geralt übernehmen.

Samstag, 20. Juni 2015

Supermärkte und kleine Läden

Nachbarschaftsladen der Kette "Fröschlein"
In einem vorherigen Post habe ich erzählt, dass in polnischen Geschäften häufig mehr Verkäufer als Kunden zu finden sind. Ich gestehe, dass ich ein bisschen übertrieben habe. Das stimmt nur, wenn man spätabends in einen der teuersten Supermärkte einkaufen geht, so um die 21 Uhr. Am Anfang kaufte ich fast ausschließlich in Supermärkten ein, die Großketten wie Alma, Carrefour und Real gehörten. Dort kann man praktisch alles finden und die Qualität ist gut, das alles kommt aber zu einem hohen Preis. Diese Supermärkte sind an Werktagen bis 22 Uhr und an Feiertagen bis 20 Uhr offen, Tesco ist sogar rund um die Uhr offen. Wenn man nicht die Wohnung verlassen möchte, kann man sogar auf ihren Internetseiten bestellen und eine Lieferung in Auftrag geben.

Es gibt aber auch billigere Supermärkte, die einen nicht ganz so vollständigen Service anbieten. Sie gehören zum Beispiel den Ketten Biedronka (der "Marienkäfer") und Lewiatan. Sie sind im Land flächendeckend verbreitet und verkaufen einen höheren Anteil von einheimischen Waren. Ihre Öffnungszeiten sind kürzer, die Auswahl ist kleiner und manchmal sind bestimmte Produkte nicht verfügbar, dafür sind die Preise niedriger. Diese Supermärkte nehmen den Platz ein, der in den westeuropäischen Ländern von Discountern besetzt wird. Trotzdem ist es mir auch in diesen Geschäften nur selten passiert, dass ich länger in einer Schlange warten musste.

Nachbarschaftsläden in Polen, die Ketten wie Żabka ("Fröschlein" ), Małpka ("Äfflein") oder Fresh Market gehören, sprechen einen anderen Kundenkreis an. Diese kleinen Läden bieten eine kleinere Auswahl. Man kann sich aber trotzdem problemlos ernähren und dabei wenig ausgeben, indem man ausschließlich in solchen Geschäften einkauft. Wenn man aber spätabends hingeht, sind einige Produkte ausverkauft und man muss etwas Anderes kaufen. Außerdem kann es vorkommen, dass sich zu Stoßzeiten Schlangen an der Kasse bilden, obwohl es nie wirklich schlimm wird. Nachbarschaftsläden haben die besten Öffnungszeiten: jeden Tag von 6 bis 23 Uhr. Sie können es sich leisten, Preise sehr niedrig zu halten, weil sie wenig für Miete und Personal zahlen.

Die gleiche Zielgruppe sprechen auch Nachbarschaftsläden an, die keiner Großkette, sondern kleinen Ladenbesitzern gehören. Es scheint mir, dass sie bessere Produkte anbieten, aber ihre Öffnungszeiten sind wesentlich kürzer. Daher kaufe ich in diesen Geschäften nur ein, wenn ich nicht spät von der Arbeit zurückkomme. Das ist die einzige Art Laden, in dem eine kurze Konversation mit dem Verkäufer denkbar ist.

Beim Einkaufen in Polen wird man bemerken, dass die Polen es nicht gewohnt sind, andere Leuten in der Kasseschlange vorzulassen, selbst wenn ihr Einkaufswagen voll ist und der Nächste in der Schlange nur ein einziges Ding kaufen möchte. In Polen ist die Reihenfolge in der Schlange heilig.

Außerdem zahlt man in Polen sehr häufig mit Karte, selbst wenn der Betrag sehr niedrig ist. Wenn man aber lieber mit Bargeld bezahlt, wird man häufig die Frage "Nie ma pan drobnych?" (Haben Sie kein Kleingeld?) hören . Es sieht so aus, als würden alle Läden in Polen, einschließlich Supermärkte, unter einem chronischen Mangel an Kleingeld leiden. Deswegen sollte man die polnischen Zahlen lernen und Verkäufern den genauen Betrag geben, damit sie glücklich sind.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Rettet die blauen Schmetterlinge !

Am großen Tag

Es gibt einen sehr schönen Park innerhalb der Gemeinde von Krakau, in dem sich ein schöner See befindet, der die Gestalt eines Schmetterlings hat: Zakrzówek. Dort hat man fast das Gefühl, dass man sich in den Bergen befindet. In diesem Park kann man auch eine sehr seltene Art von blauen Schmetterlingen finden.

Dafür, dass der Park immer noch existiert, müssen wir der Künstlerin Cecylia Malik danken, wie sie in diesem Video erzählt. In der Tat hatte die Gemeinde die Wiese neben dem See 2011 an eine portugiesischen Baufirma verkauft, die dort ein Wohngebiet entstehen lassen wollte. Die Gemeindeverwaltung hatte die Öffentlichkeit nicht darüber informiert und die Transaktion wurde fast geheimgehalten. Cecylia erfuhr davon per Zufall. Ihre Kontakte sagten ihr, dass die Entscheidung schon getroffen worden war und man konnte nichts mehr dagegen unternehmen.

Als sie vom Plan des Wohngebiets erfuhr, fuhr sie mit dem Fahrrad zum Park und entschied sie, nicht untätig zusehen zu wollen, dass der Park zerstört wird. Dann plante sie zusammen mit ihrer Schwester eine Aktion, die die Aufmerksameit der Öffentlichkeit und der Presse erregen würde, um Druck auf die Gemeindeverwaltung zu machen. Sie beschlossen, eine Armee von blauen Schmetterlingen ins Leben zu rufen.

Sie drehten ein Video, in dem es beschrieben wurde, wie man sich zwei Paare blauer Schmetterlingsflügel ausschneiden kann. Sie hatten vor, innerhalb eines Monats ein Kollektiv der blauen Schmetterlinge ("Modraszek Kolektyw") zu etablieren, das sich zu einem bestimmten Datum im Park Zakrzówek treffen würde und einen riesigen Schmetterling aus Menschen bilden würde.

Die Initiative wurde sehr schnell viral. Innerhalb des folgenden Monats wurden überall blaue Schmetterlinge gesichtet, sowohl in der Stadt als auch in den  sozialen Netzwerken. Kultur-, Politik- und Ökovereine wurden involviert (einschließlich des Verbandes der Anarchisten), es wurden Infostände in der Stand aufgestellt, Flyer verteilt, Videos gedreht, Artikel in den Zeitungen geschrieben und Berichte im Radio gesendet. Alle Erwartungen wurden übertroffen und an dem großen Tag eroberten die blauen Schmetterlinge nicht nur den Park, sondern die ganze Stadt - sogar die Denkmäler zogen blaue Schmetterlingsflügel an.

Vetreter des Kollektivs trafen einige Vertreter der Gemeindeverwaltung, die sich gezwungen sahen, das Projekt zu streichen. Der Park existiert immer noch, aber nur die Schlacht wurde gewonnen, und nicht der Krieg. Der See ist mit Drahtzaun umgeben und nicht frei zugänglich, weil er immer noch Gerium gehört. Trotzdem schlagen Bürger und Angehörigen des Kollektives immer noch Löcher in den Zaun, damit man an den Wochenenden einige Stunden am See verbringen kann, obwohl es illegal ist und man theoretisch ein Jahr Gefängnis riskiert. Ich bin selber einmal hingegangen. Die Gemeinde plant schon wieder, dort ein Wohngebiet erbauen zu lassen. Ich befürchte, man wird noch einmal auf die Straße gehen müssen. Diesmal gehe ich mit, ich muss nur lernen, wie man Schmetterlingsflügel bastelt...

Donnerstag, 4. Juni 2015

Unter deutschen Betten




In diesem Post werde ich wieder über Putzfrauen sprechen. Ich werde eine Zusammenfassung von einem Buch schreiben, das von einer in Deutschland als Putzfrau tätig Polin verfasst wurde: "Unter deutschen Betten", von Justina Polanska. Sie erzählt einiges, was sie erleben musste, als sie in Deutschland private Häuser putzte. Das Buch wurde in Deutschland zu einem Bestseller, aber in Polen ist es kaum bekannt. Vielleicht möchten die Deutschen erfahren, was ihre Putzfrauen über sie denken, während Polen ihre Geschichte nicht besonders außergewöhnlich finden. Übrigens gibt es viele Polinnen, die in Deutschland als Putzfrauen arbeiten.

Was kann man unter Deutschen Betten finden ? Justina fand manchmal tote Hamster, lebende Schlangen, Nägel, Tampons, Pizzas, Milch, Hühnerbraten, aber normalerweise findet sie Socken, Flaschen, Teller, Brötchen, Bücher, Zeitschriften, Kondome und Unterwäsche. In einem der skurrilsten Kapitel erzählt sie, was sie alles fand, als sie Häuser putzte. Möglicherweise war das Buch deswegen so erfolgreich - viele Leuten sind neugierig und wollen erfahren, was die Nachbarn in ihren Schränken und Schubladen verstecken,

Viel schockierender ist zu erfahren, wieviele blöde Anmachen und sexuelle Belästigungen eine Putzfrau während ihrer Arbeit aushalten muss, Wenn sie kündigen würde, jedesmal wenn jemand ihren Hintern anfasst oder ihr "eine Zigarre" (so hat es einer ihrer Kunden benannt) gezeigt wird, könnte sie als Putzfrau nicht überleben, behauptet sie. Ihre weiblichen Kunden sind sogar schlimmer, denn sie wird häufig von ihnen angeschrien, beleidigt, des Diebstahls beschuldigt oder sogar mit Ausreden nicht bezahlt.  Letztendlich ist es kaum überraschend, dass ihre besten Kunden ... Homosexuelle und Prostituierte sind.

Mir hat jedenfalls das Buch sehr gut gefallen. Es erzählt die Geschichte einer Frau aus Polen, die in ihrem Heimatsland kaum Perspektiven hat, und deswegen ihr Glück in Deutschland versucht. Nach vielen guten und schlechten Erfahrungen findet sie endlich ihre Berufung als Putzfrau, wonach es in Deutschland eine sehr große Nachfrage gibt. Sie heiratet einen Italiener und gründet eine Familie. Sie ist eine sehr energische Dame, die niemals aufgibt und ihre gute Laune nicht verliert. Im Buch erzählt sie einfach, was sie erlebt und sieht, ohne zu viel zu beurteilen, Selbst wenn sie viele schlechte Menschen kennenlernt, überwiegen die Guten - "Wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht".

Die Moral der Geschichte ist klar: Putzfrauen sind auch Menschen und man sollte sie nicht als das fünfte Rad am Wagen behandeln. Manchmal kann eine Putzfrau sogar einem Mann helfen, die Frau zu verführen, in die er verliebt ist - und später wird sie die Wohnung putzen, in die das junge Paar eingezogen ist.

Sonntag, 31. Mai 2015

Die Freiheit ist nutzlos


Zur Zeit des Kommunismus hattest du Geld, aber es gab nichts, das man kaufen könnte.
Zur Zeit der Demokratie sind die Regale voller Waren, du hast aber das Geld nicht, um sie zu kaufen.


Ein Thema, mit dem man sich unvermeidlich auseinandersetzen muss, wenn man in Polen oder in einem anderen osteuropäischen Land lebt, ist die kommunistische Ära. Viele der Meinungen und Verhalten können nicht verstanden werden, wenn man dieses historische Erbe nicht in Betracht zieht. Polen, im Unterschied zu den Russen, sind nicht besonders behilflich, wenn es darum geht, diese Ära zu verstehen. Wahrscheinlich wollen sie damit beweisen, dass sie den Kommunismus überwunden haben, und im Allgemeinen reden sie nicht gerne darüber. Es handelte sich übrigens um ein Regime, das von außen aufgezwungen wurde.

Angeblich sagte einmal Lenin, dass "die Freheit ist nutzlos, wenn man verhungert". Mich beeindruckte dieser Satz, und ich glaube, dass er die Grundidee vom Kommunismus sehr gut darstellt. Nahrung, Wohnung, Arbeit und medizinische Versorgung werden zugesichert, aber viele Freiheiten werden entnommen und es ist nicht erlaubt, sich von der Masse abzuheben oder etwas Neues zu versuchen. Es ist eine Ideologie, die immer noch für Arme und Besitzlose anziehend wirkt. Übrigens sind die kommunistische Regierungen in Osteuropa letztendlich gescheitert, nicht weil es keine Freiheit gab, sondern weil sie nicht mehr in der Lage waren, ihr Grundversprechen zu halten. In China entwickelte sich die Lage anders.

Es ist aber fraglich, ob die Volksrepublik Polen und die anderen osteuropäischen Staaten wirklich "kommunistisch" waren. Laut Marx ist der Kommunismus die letzte Stufe des Revolutionprozesses. In dieser Phase gibt es eine klassenlose Gesellschaft. Jeder nimmt nach seinem Bedarf und gibt nach seinen Möglichkeiten. Gesellschaftsklassen aber existierten immer noch in den kommunistischen Ländern, abhängig von der Stelle, die man in der Machthierarchie einnahm, und von dem Zugang zu den chronisch "defizitären" Konsumgütern. Sogar diejenigen an der Spitze gaben zu, dass die Revolution noch nicht vollständig war und sich immer noch im Stadium der Diktatur des Proletariats befand, weil der Kampf gegen die dekadenten kapitalistischen Länder weitergeführt werden musste. Der politsche Verfolgte Trotzky dagegen behauptete, dass es sich um eine "Verratene Revolution" handelte, die zu einer "Diktatur der Bürokraten" ausgeartet war, und sah voraus, dass sie letztendlich scheitern würde.

In der Volksrepublik Polen gab es die Todestrafe, die gegen Hunderten von Leuten vollzogen wurde. Das Auswandern war nicht erlaubt und sogar als Schwerverbrechen gesehen, und nur wenige Priviligierte durften ins Ausland reisen. Viele Bücher waren verboten. Der cronische Mangel an Verbrauchsgütern wurde sowohl durch Inkompetenz, Korruption und Ineffizienz, als auch durch schlechte Logistik, Infrastruktur und technologischen Rückstand verursacht. Ich habe immer noch nicht verstanden, wie so ein strenges Regime es nicht schaffte, die Leuten zur Arbeit zu zwingen, und zuließ, dass die Arbeiter "immer Recht auf zwei Tausend zloty pro Monat hatten, unabhängig davon, ob sie schliefen oder arbeiteten". Hinzu kommt, dass in den Staatsfabriken die Arbeiter sehr viel gestohlen wurde.

Die Volksrepublik Polen war aber deutlich anders als die Sowietjunion. In Polen wurde die Landwirtschaft kaum kollektiviert. Die katholische Kirche genoß einige Priviligien, und einige Oppositionsbewegungen wie Solidarność wurden toleriert, bis es dann aber doch zu ihrer Niederschlagung während des Ausnahmezustands zwischen 1981 und 1983 kam.

Am Ende gab es keine Revolution, sonder einen runden Tisch. Vertreter der Regierung und der Opposition setzten sich zusammen und einigten sich, wie sich der Regimewandel abspielen sollte. Da es keinen Bruch gab, konnten viele Kommunisten in dem neuen System überleben und sogar erfolgreich sein. Sogar der letzte Diktator Jaruzelski konnte sich aus der Verantwortung für den Ausnahmezustand herausreden, wurde zum Präsidenten gewählt und starb in seinem eigenen Bett, statt erschossen oder ins Gefängnis gebracht zu werden. Die Nachfolger der Kommunistischen Partei schafften es, mehrmals wieder an die Macht zu kommen, bis sie in einige Skandale verwickelt waren und die Partei zusammenbrach..

Tatsächlich scheinen die Polen gegenüber der kommunistischen Ära nicht wirklich von Grund auf negativ eingestellt zu sein. Die Filme, die in jener Periode gedreht wurden, sind immer noch die beliebtesten, obwohl sie versteckte Propaganda enthalten. Es werden regelmäßig Bücher veröffentlicht, die den Eindruck geben, dass das Leben unter dem Kommunismus nicht so schlecht war. Die Meinung, dass der Kommunismus doch viele gute Seiten hatte, ist verbreitet und akzeptabel - das Gleiche in Italien und Deutschland über den Faschismus zu behaupten wäre viel problematischer. Ich stelle mir die Frage, was wohl passieren wird, wenn es dem neuen polnischen Kapitalismus nicht gelingen sollte, sein Versprechen zu halten: über Jahrzehnte ungebrochenes Wachstum und ein Lebensniveau vergleichbar dem in Westeuropa .



Samstag, 23. Mai 2015

Bring einen Esel nach Paris...

Er hatte mir eine romantische Reise versprochen...

Man sagt, dass Reisen den Geist öffnet. Wenn man aber einen Esel nach Paris bringt, wird er ein Esel bleiben.
Ich bin viel in Polen herumgefahren, in der Hoffnung, dass ich etwas über dieses Land lernen würde. Ich habe aber das Gefühl, dass ich nicht besonders viel gelernt habe. Ich kann mich nicht einmal an alle Orte erinnern, wo ich gewesen bin. Ich bin schon mehrmals durch eine Stadt gefahren, ohne zu bemerken, dass ich dort einen Monat zuvor schon gewesen war.

Daher werde ich die Ausflüge zusammenfassen, die ich innerhalb von Polen gemacht habe, seitdem ich in diesem Land arbeite.

Im März 2014 habe ich diesen Ausflug gemacht: Ich bin durch die Städte Tarnów, Rzeszów, Przemyśl, Biłgoraj, Zwierzyniec, Szczebrzeszyn (ja, genau die Stadt, die im Zungenbrecher erwähnt wird), Zamośc, Lublin and Sandomierz gefahren

Ich habe genauere Daten über die Ausflüge, die ich im letzten Jahr gemacht habe, weil mein Android-Gerät alle Orte gespeichert hat, wo ich gewesen war. Ich mache mir wegen meiner Privatsphäre keine Sorgen, deswegen werde ich mit euch die Protokolle teilen.

Das sind die Städte, wo ich im Juni 2014 gewesen bin: Kraków, Olkusz, Sosnowice, Częstochowa, Piotrków Tribunalski, Tomaszów Mazowiecki, Rawa Mazowiecka, Skierniewice, Łowicz, Łódź (ich bin durch diese Stadt nur durchgefahren, weil ich 2013 dort schon ein Wochenende verbracht hatte), Łęczyca, Poddębice,  Zduńska Wola, Sieradz, Wieluń, Olesno, Lubliniec, Tarnowskie Góry und dann fuhr ich durch den schlesischen Ballungsraum, den ich schon mehrmals besucht habe.

Hier sind die Städte, die ich während meiner Sommerferien im Juli 2014 durchfahren habe: in den ersten Tagen war ich in Głogówek bei einem Freund und wir sind in der Umgebung herumgefahren (in Opole und Krapkowice unter Anderem). In den folgenden Tagen fuhr ich nach: Prudnik, Nysa, Ząbkowiece Śląskie, Paczków, Otmuchów, Klodzko, Głuszyca, Walim (wo ich eine unangenehme Begegnung mit einem Hund hatte), Wałbrzych, Kamienna Góra, Jawor, Legnica, Lubin, Polkowice, Głogów, Zielona Góra, Sieraków, Czarnków, Chodzież, Człuchów, Chojnice, Bytów, Kościerzyna, Szymbark (die Stadt, in der sich das umgedrehte Haus befindet), Kartuzy, Gdansk (die ich nur durchfuhr, weil ich es schon vorhatte, diese Stadt an einem der folgenden Wochenenden zu besuchen. Ich besichtigte aber einen Strand, der nicht sehr weit weg war), Malbork, Elbląg, Ostróda, Działdowo, Mława, Płock, Włocławek, Koło, Konin, Kalisz, Ostrów Wielkopolski, Wieluń, Olesno (ich fuhr durch diese Städte, ohne zu bemerken, dass ich sie einen Monat zuvor schon durchfahren hatte), Strelce Opolskie and dann nach Hause. Ich lernte, dass es viele Seen in Zentralpolen gibt. Außerdem besichtigte ich preussische Festungen, Schlösser des Deuschen Ordens und einige von Nazis erbaute Bunker. Ich sah auch das polnische Meer.

Im August 2014, flog ich nach Poznań, Szczecin und Gdansk , was auch von meinem Mobilgerät mitverfolgt wurde. Ich lernte, dass Trójmiasto einen Ballungsraum mit Gdansk, Gdynia und Sopot bildet.

Im September 2014 fuhr ich mit dem Zug nach Torun, und ich habe schon erzählt, dass ich bei der Rückfaht meinen Zug verpasste.

Im April 2015 fuhr ich durch die folgenden Städte: Oświęcim, Kęty, Żywiec, Istebna, Wisła, Ustron, Cieszyn/Český Těšín, Jastrzębie-Zdrój, Wodzisław Śląski, Racibórz, Krapkowice, Grodków, Brzeg, Oława, Kiełczów, Oleśnica, Trzebnica, Brzeg Dolny, Ścinawa, Lubin, Legnica (Ich hatte diese zwei Städte im vorigen Jahr besichtigt) und dann nach Hause.

Wahrscheinlich werde ich meinen nächsten Urlaub aber außerhalb von Polen verbringen, um eine andere Fremdsprache zu üben. Darüber werde ich aber in einem der folgenden Beiträge schreiben.