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Samstag, 2. Juli 2016

Kulturelle Unterschiede zwischen der Ukraine und den USA



Ich habe zwei Wochen in Odessa, in der Ukraine, verbracht, um mein Russisch zu üben. Es wurde mir klar, dass es für mich noch ein langer Weg ist, bis ich die B2-Stufe erreichen kann.

Darüber möchte ich aber nicht sprechen. Ich hatte die Gelegenheit, dort an einer Konferenz über Big Data und künstliche Intelligenz teilzunehmen. Im allgemeinen interessiert mich in der Ukraine die IT-Branche.

In der Tat hat der IT-Sektor in der Ukraine möglicherweise ein größeres Potenzial als in Polen. In dieser Präsentation steht, dass ungefähr ein Tausend Firmen, neunzigtausend Programmierer und ein hundert Entwicklungszentren in diesem Land tätig sind und internationale Kunden bedienen. Im Gegensatz zu Russland neigt die Ukraine nicht zum Isolationismus und ist von Sanktionen selbstverständlich auch nicht betroffen. Soweit ich weiß, sind es vorwiegend Startups aus der USA, die in diesem Land Entwicklungszentren eröffnet haben.

Mich persönlich hat der interessante Artikel auf der Seite 58 in dieser Präsentation beeindruckt - "Wie Kunden aus den USA und Lieferanten aus der Ukraine mit ihren kulturellen Unterschieden klarkommen können". Bislang konnte ich keinen vergleichbaren Artikel in den polnischen Medien finden. Das gibt mir den Eindruck, dass weniger naiv als Polen sein könnten, wenigstens, was  die Unterschiede zwischen ihnen und den westlichen Ländern betrifft. In der Tat kann man die in diesem Artikel beschriebenen Probleme auch in den Beziehungen zwischen polnischen Lieferanten und ihren Kunden wiederfinden.

In den USA müssen Firmen ein sehr hohes Qualitätsniveau haben und mit ihren Kunden sehr höflich umgehen, wenn sie andere Aufträge von ihnen bekommen wollen. Die Kunden haben immer Recht, weil das Machtverhältnis sehr klar zugunsten der Kunden liegt. Deswegen erwarten Kunden immer realistische und konstruktive Lösungen, wenn Probleme auftauchen.

In Ukraine liegt dagegen das Machtverhältnis zugunsten der Lieferanten, und Kunden sollten dankbar sein, dass ein Lieferant mit ihnen arbeiten möchte. Es ist nicht notwendig, freundlich im Geschäft zu sein, weil das als Heuchelei betrachtet wird. Freundlichkeit und Lächeln sind nur in den Beziehungen mit Freunden und Verwandten angebracht. Außerdem reden die Ukrainer nicht um den heißen Brei herum, und wenn etwas schlecht ist, sagen sie es einfach. Das wird oft von Amerikanern als Inflexibilität wahrgenommen . Das klingt bekannt ...

Was sollten denn ukrainische Lieferanten tun, um US-Kunden glücklich zu machen? Die Ratschläge von Jennifer Robert ähneln überraschend denen, die ich polnischen Lieferanten geben würde, die Geschäfte mit westlichen Firmen machen.
  • Keine Annahmen bei der Kommunikation mit den Kunden treffen. Man sollte keine Angst haben, auch die einfachsten Fragen zu stellen. Was für einen selbstverständlich ist, kann für jemanden anderen unklar sein, manchmal auch weil er aus einem anderen Hintergrund kommt. 
  • Die Ergebnisse seiner Arbeit so oft wie möglich zeigen.  Vertrauen aufbauen und proaktiv sein.
  • Während des Verkaufsprozesses hilft es nicht, zu sagen, dass man wunderbar ist. Anstatt dessen sollte man konkrete Lösungen vorschlagen. Der Kunde sollte das Gefühl haben, dass er sich im gleichen Team befindet.  
  • Beachten Sie, dass Sie nicht der einziger Teil des Prozesses sind. Wenn man nicht zum festgelegten Termin liefert, wird  für alle der ganze Prozess verzögert. Man sollte Termine als in Stein gemeißelt betrachten. 
  • .Im Falle einer Verspätung, sollte man nicht versuchen, die Schuld dem Kunden zuzuweisen. Das ist nämlich die beste Weise, ihn zu verlieren. Außerdem sollte man nicht das Wort "Du" verwenden. um ein Problem zu beschreiben. Man sollte stattdessen immer proaktiv versuchen, eine alternative Lösung zu finden, die beide Parteien zufrieden stellt. 
  • So schnell wie möglich auf Kundenmeldungen reagieren - auch nur um sie zur Kenntnis zu nehmen. Am Besten sollte man gleich mitteilen, dass man schon an einer Lösung arbeitet
Das alles mag für einen erfahrenen Berater selbstverständlich sein. In der Tat ist es für viele Polen
aber nicht. Polen scheinen den Ukrainer ähnlicher zu seien, als sie zugeben wollen.

Donnerstag, 14. April 2016

Elwro 800 - ein Computer aus der Volksrepublik Polen


Seit einigen Monaten beziehe ich die polnische Ausgabe der Zeitschrift "Computerworld" im Abonnement. In einer der letzten Nummern habe ich die Geschichte des Computers "Elwro 800 Junior" gelesen.

Am Anfang der Achtziger Jahre, als es noch die Volksrepublik Polen gab, waren die Computer 'Commodore' und 'Spectrum' für die meisten Polen immer noch nicht zugänglich. Aus diesem Grund ergriff 1985 die Regierung die Initiative, die Massenherstellung eines Personalcomputers zu finanzieren, der zu Erziehungszwecken an Schulen verteilt werden sollte.

Der Rechner sollte in Polen entworfen werden und die Hardware dafür aus Osteuropa bezogen werden. Ein Projekt aus der TH Posen bekam den Zuschlag, und der Auftrag zur Massenfertigung wurde an die Elektronikfirma Elwro in Breslau vergeben, die schon die Mainframes 'Odra' herstellte.

Das Elwro 800 war ein perfekter Emulator vom ZX Spectrum, aber nicht nur das. Es basierte auf einer Client/Server-Architektur, die eine Verbindung aller Rechner eines Klassenzimmers in einem geschlossenen Netz ermöglichte. Der Lehrer konnte zum Bildschirm der Schüler wechseln und mit ihnen interagieren, ohne seinen Sitzplatz zu verlassen. Es stand vorwiegend Lernsoftware zur Verfügung, es gab aber auch Compiler für Programmiersprachen wie Pascal, C und Prolog.

Erst viele Jahre nach dem Projekt-Kickoff erreichten die ersten Elwro 800 die Klassenzimmer - Logistik und Effizienz waren nun einmal nicht gerade die Stärke der VR Polen. Immerhin war das das größte IT-Projekt, das jemals im Land realisiert wurde

Der Elwro 800 hatte einen Prozessor aus der DDR, Arbeitsspeicher aus der Sowjetunion und ein Disklaufwerk aus Ungarn oder Bulgarien. Bei Elwro waren noch nie so viele Rechner in so kurzer Zeit vom Fließband gelaufen, daher waren die ersten Exemplare mangelhaft.  Man brauchte auch eine gewisse Zeit, den Verteilungs- und Installationsprozess in Gang zu bringen, und ebenso die Ausbildung der Lehrer zu organisieren. Es muss erwähnt werden, dass im Sozialismus häufig eine Phase eines Projekts erst dann geplant wurde, wenn die vorherige Phase schon abgeschlossen war.

Trotz aller Schwierigkeiten kamen Ende der Achtziger Jahre die ersten Elwro 800 in den polnischen Schulen an. Dann aber kam die Wende und die ersten IBM-kompatiblen Rechner erschienen auf dem Markt. Aus diesem Grund waren Rechner, die auf einer ZX-Spectrum-Architektur basierten, schon gleich zu Anfang obsolet. Trotzdem waren in den neunziger Jahren immer noch Tausende von Elwro 800 in den polnischen Schulen in Gebrauch. Viele Polen lernten das Programmieren auf einem dieser Rechner. Außer den Schülern, sollten hier die Programmierer, die die Lernsoftware schrieben, und die Ingenieure, die die Bauteile entwarfen, erwähnt werden.

Allerdings gibt es die Firma Elwro schon lange nicht mehr.  Sie wurde privatisiert: Siemens kaufte sie ein und nach einigen Jahren wurde sie stillgelegt. Ich habe nicht herausfinden können, was aus denjenigen geworden ist, die diesen Rechner entworfen hatten. Nicht einmal ihre Namen habe ich ausfindig machen können - alle Quellen reden von einer "Mannschaft" aus der Technischen Hochschule Posen.




Dienstag, 1. März 2016

Verkleinerungsformen in Polnisch

Vati, Vati, was ist die Verkleinerungsform von "Waage"? ....

Als ich mich für die B2-Prüfung der polnischen Sprachen vorbereitet habe, habe ich am meisten das Kapitel über die Verkleinerungsformen der Substantive gehasst. Ich dachte, sie wären nicht wichtig, und dass die Regeln, wie man sie bildet, lächerlich kompliziert sind. Ich habe aber erst in letzter Zeit wahrgenommen, wie sehr die Polen in ihre Verkleinerungsformen verliebt sind.

Ich erinnere mich noch, dass Stephen Möller ein ganzes Kapitel über Verkleinerungsformen geschrieben hat. Er geht lieber in Polen zum Zahnarzt, wo das Karieslein aus dem Zähnlein entfernt wird, und aus dem Mündchen das Zahnsteinlein entfernt wird, und danach ist alles sauberlein (Ja, die Ärzte und insbesondere die Ärztinnen in Polen sprechen wirklich auf diese Weise)

Wenn ich ins Restaurant gehe, geben sie mir ein Nummerchen, um mich zu rufen, sobald das Salätchen fertig ist. Dann fragen sie mich, ob ich ein Säftchen aus dem Kühlschränklein möchte. Ich gehe zum Theater, und dort kaufe ich ein Eintrittskärtchen für ein Sitzplätzchen, von dem aus ich mir die Vorführung anschauen kann (Vielleicht ein "Theaterstückchen"). Und ich zahle in Zlotichen..

Man könnte vielleicht denken, dass wenigstens am Arbeitsplatz in Polen nicht auf diese Weise gesprochen wird ? Das wäre aber falsch. Man führt Testchen aus, um herauszufinden, ob das Programmchen funktioniert. Dann schreibt man ein Reportchen in einem Excelchen-Dateilein. Hast du ein Fräglein zu deinem Aufgäbchen ? Schau mal im Internetchen und finde ein Hinweischen, wie dein Problemchen gelöst werden kann.

Wenn sie auf diese Weise sprechen ist ihr Sprechton ganz normal, daher erkennt man die Verkleinerungsformen nicht, wenn man nicht aufpasst. Was machen wir denn ? Ich werde in meinem Bloglein ein Postchen über dieses Themachen schreiben.


Mittwoch, 20. Januar 2016

Ich bereite mich auf die PMBOK-Prüfung vor

PMBOK - "wydanie polskie"


Ich sollte mich mehr auf meine Karriere konzentrieren. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen Vorbereitungskurs auf die PMBOK Prüfung zu besuchen, um danach Projekt Manager zu werden. Der Kurs fand in den Schulungsräumen von Comarch in Krakau statt. Das war für mich eine interessante Erfahrung, und untypisch, auch weil ich der einzige Ausländer war.

Der Kurs hat zehn Tage gedauert, währenddessen ich einige Werkzeuge zu den verschiedenen Aspekten des Projektmanagements gelernt habe: Integration, Bereich, Zeit, Kosten, Qualität, Human Resources, Kommunikation, Risiken... Während des Kurses habe ich Lernmaterial bekommen, aber ich werde die Prüfung mithilfe der sogenannten PMBOK-Bibel vorbereiten, wovon ich die polnische Ausgabe gekauft habe. Das Buch hat mich 30 Euro gekostet, ein bisschen weniger als die Originalausgabe auf Englisch (40 Euro). Ich habe schon geschrieben, dass technische Bücher auf Polnisch billiger sind.

Der Kurs war interessant, abgesehen davon, dass der Lehrer ständig erwähnte, dass Italiener sehr gerne die Hände beim Sprechen verwenden. Ich erfuhr, dass eine negative Einstellung gegenüber Kunden in Polen überhaupt nicht so durchgängig ist, wie ich dachte und ich in einem früheren Post geschrieben habe. Es ist gut zu wissen, dass man dem Kunden nur geben sollte, was er bestellt hat, und nicht mehr - ansonsten ist das "goldplating", das heißt Funktionalitäten, wofür es nicht bezahlt wurde. Der beste Kunde ist übrigens derjenige, der zurückkommt. Er hat aber nicht immer Recht: Er kann dir sagen, was er will, aber nicht, wie es umgesetzt werden sollte.

Während des Kurses gab es Gruppenarbeiten, wie in der Schule. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor solchen Beschäftigungen, weil man nie genau weiß, wer was machen sollte. Zum Glück waren die Tätigkeiten während des Kurses ein bisschen strukturierter, allerdings auch ein bisschen seltsam. Wir bauten ein Katapult aus Pappe, um ein Ei zu zerstören, suchten nach Nägeln in einem Eimer voll Sand und bauten ein Gebäude nach, das sich in dem nächstem Raum befand. Alle diese Tätigkeiten sollten die verschiedenen Etappen eines Projektes darstellen.

Der Kurs ist jetzt zu Ende und inzwischen habe ich die C1-Prüfung der polnischen Sprachen abgegeben. Jetzt gibt es keine Ausreden: ich muss mich auf die PMBOK-Prüfung vorbereiten. Es ist aber für mich schwierig, mich selber zu motivieren, deswegen setzte ich die gleiche Strategie wie an der Uni ein: Ich lerne außerhalb meiner Wohnung. Ich pauke nur an Wochenenden. Dann sind aber Bibliotheken geschlossen, deswegen habe ich einen anderen Platz gefunden: einen Coworking-Raum in dem größten Handelszentrum in Krakau, Bronowice. Handelszentren in Krakau sind offen auch am Samstagen und Sonntagen. Ich habe fast die Hälfte der PMBOK-Bibel gelesen, mal sehen, wann ich die Prüfung versuchen werde.



Freitag, 25. Dezember 2015

Lesen auf Polnisch



Weil ich sehr gerne in den Büchern kritzele, kaufe ich Computerbücher normalerweise, anstatt sie aus der Bibliothek auszuleihen. Das ist auch der Grund, warum mich Bücher in elektronischem Format nicht begeistern. Auf diese Weise kann man aber schnell ein Vermögen in Büchern ausgeben.

Inzwischen ist es für mich kein Problem, Computerbücher auf Polnisch zu lesen. Das hat den Vorteil, dass solche Bücher wesentlich billiger sind. Zum Beispiel, wenn ich Angular.JS lernen möchte, könnte ich dazu Bücher auf Polnisch kaufen, entweder eines von einem Polnischen Author oder ein anderes aus dem Englischen übersetzt, die beide weniger als 10 Euros kosten. Wenn ich aber mehr über das gleiche Thema in Deutschland erfahren wollte, würde ich das gleiche Buch auf Englisch oder ein anderes von einem Deutschen Author finden, und in beiden Fällen würde ich mehr also 30 Euro ausgeben müssen.

Ich lese gerade ein Buch über Mikroservices, bei dem das Gleiche gilt. Das Buch auf Polnisch kostet ungefähr 10 Euro, andererseits kostet das Buch im Original, das ich in Deutschland kaufen könnte, ungefähr 40 Euro. Einen solchen Preisunterschied gibt es auch, zum Beispiel, bie dem Buch "Clean Code", das in Deutschland ungefähr viermal kostet als das Buch in Polnisch, das man in Polen kaufen kann. Wenn man Computerbücher kaufen muss und auf Polnisch lesen kann, ist das gut zu wissen. Als ich in Deutschland wohnte, gab ich tatsächlich ein Vermögen in Büchern aus. Von Italien wollen wir gar nicht erst sprechen, dort sind Computerbücher sogar noch teurer.

Lustigerweise sind die in polnisch übersetzten Computerbücher in Polen billiger als die gleichen Bücher in der Originalverfassung auf English. Polen, die kein Englisch lesen können, sind im Vergleich mit vielen ihrer Kollegen im Westeuropa im Vorteil. Sie haben oft keine Auswahl, weil sie ungefähr das Dreifache ausgeben würden, wenn sie unbedingt das Original lesen wollten. Ich nehme an, dass Übersetzungen ins Polnische nicht viel kosten. Das muss die einzige Möglichkeit sein, Bücher in den Markt einzuführen, die ansonsten niemand kaufen würde. Selbstverständlich haben Bücher in polnisch dann keinen Marktwert außerhalb Polens. Außerdem gibt es viele polnische Autoren, die für den heimischen Markt schreiben.

Der Preisunterschied ist nicht so atemberaubend, wenn es um normale Bücher geht. Ein Buch in deutscher Verfassung kostet typischerweise fünf Euro mehr als das gleiche Buch in Polnisch.
Bücher polnischer Autoren, in gebundener Ausgabe, kosten standardmäßig ungefähr vier-sechs Euro. Vergleichbare Bücher in Deutschland oder Italien würden einige Euros mehr kosten.

Wenn ich die jährliche Buchmesse in Kraków besuche, kaufe ich eine Menge Bücher ein, sodass ich für das ganze Jahr etwas zu lesen habe. Außerdem gibt es dort einen Rabatt. Kaum zu glauben, aber die Polen jammern, dass Bücher teuer sind...