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Samstag, 25. Juni 2016

Ich hasse Steuern



Ich habe schon geschrieben, dass ich es hasse, Steuern zu bezahlen. Inzwischen ... hasse ich sie sogar mehr. Ich habe gerade meine polnische Steuerklärung für 2014 vervollständigt und die Steuer von 2013 zu Ende bezahlt. Aber langsam.

Meine Steuerresidenz ist in Polen, weil ich in Polen arbeite, deswegen zahle ich meine Steuern in Polen. Ich habe aber eine Einkommensquelle in Deutschland und es gibt ein Doppelsteuerabkommen zwischen Deutschland und Polen. In meiner polnischen Steuererklärung vom 2013 habe ich also mein Einkommen aus Deutschland erklärt, und das deutsche Steueramt darüber informiert, dass ich dann keine Steuern in Deutschland zahlen werde..

Wenn man aber Steuern in Polen erklärt, muss man gleich die Differenz zwischen dem bezahlten und dem zu zahlenden Betrag berechnen. Die sollte man unmittelbar begleichen, ohne auf eine Bestätigung des Steueramts zu warten. Das wusste ich nicht und nach dem Versand meiner Steuererklärung wartete ich auf eine Mitteilung vom Steueramt.

Inzwischen bekam ich von Deutschland eine Benachrichtigung, dass trotz dem Doppelsteuerabkommen Steuern auf Einkommen aus Deutschland direkt im Land bezahlt werden sollten . Also zahlte ich sie. Nach einigen Monaten forderten die polnischen Behörden eine Anzahlung von mir - und auf diese Weise lernte ich, dass in Polen Steuerschulden gleich beglichen werden sollten, ohne auf eine Mitteilung von den Steuerbehörden zu warten.  Ich habe aber die Chance benutzt, um meine Steuererklärung zu korrigieren und alle Erwähnungen von Einkommensquellen außerhalb Polens zu streichen.

Nach zwei Monaten meldete sich das polnische Steueramt wieder und verlangte, dass ich meine Einkommensquellen in Deutschland zu meiner polnischen Steuererklärung hinzufüge. Ich sollte sie nicht schon wieder besteuern, sondern  man würde sie berücksichtigen, um den Steuersatz zu berechnen, der aufs polnische Einkommen angewandt werden sollte.

So geht es: wenn das Gesamteinkommen, einschließlich das Einkommen aus Polen und außerhalb Polens, weniger als 85.528 złoty beträgt, dann liegt der Steuersatz bei 18% (keine Ahnung, woher diese magische Zahl kommt), aus dem 556,02 zloty abgezogen werden. Wenn das Jahreseinkommen in Polen zum Beispiel 40.000 und außerhalb Polens 30000 beträgt, liegt man immer noch unter der Schwelle. Der Steuersatz wird aber nur auf das Einkommen in Polen angewandt. Das ist dann der Betrag, den bezahlt werden sollte: 40.000 * 18% - 556,02 = 6.643,98 PLN, einschließlich die Gebühren, die vom Gehalt schon abgezogen wurden.

Wenn das Gesamteinkommen über 85,528 PLN liegt, wie es bei mir der Fall ist, wird es um Einiges komplizierter, weil der Steuersatz progressiv berechnet wird. Zum Beispiel, wenn man 70.000 PLN in Polen und 30.000 PLN außerhalb Polens verdient,  ist man über der Schwelle.

Erstens berechnet man die Steuern, als würde das Gesamteinkommen in Polen entstehen. Wenn man über der Quelle ist, ist das 14.839,02 PLN und 32% des Unterschieds zwischen dem Gesamteinkommen und  85.528 PLN. In diesem Fall  14.839,02 + (100.000 - 85.528) * 32% =  19.470,06

Das sind aber die Steuern, die man zahlen würde, wenn das ganze Einkommen in Polen entstehen würde.  Diese Zahl wird dagegen verwendet, um den progressiven Steuersatz zu berechnen. In diesem Fall, ist das der Prozentsatz von einem Prozentwert von 19.470,06 zu einem Grundwert von  100.000, das Gesamteinkommen, das heißt, in diesem Fall, 19,47%.

Schließlich wendet man diesen Prozentsatz aufs Einkommen in Polen an, Der zu zahlende Betrag ist 19,47% von 70,000 PLN, das heißt 13.629 PLN. Auch in diesem Fall sollten die schon ausgezahlten Sozialbeiträge abgezogen werden.

Für die Steuererklärung habe ich ein Computerprogramm (PIT Project) verwendet, es machte aber mir keinen Sinn, dass das Einkommen außerhalb Polens so stark besteuert wird, sogar wenn es in dem Ursprungsland erklärt wird. Daher wollte ich genau verstehen, wie das genau funktioniert - leicht war es aber nicht. Und ärgerlich.



Donnerstag, 14. April 2016

Elwro 800 - ein Computer aus der Volksrepublik Polen


Seit einigen Monaten beziehe ich die polnische Ausgabe der Zeitschrift "Computerworld" im Abonnement. In einer der letzten Nummern habe ich die Geschichte des Computers "Elwro 800 Junior" gelesen.

Am Anfang der Achtziger Jahre, als es noch die Volksrepublik Polen gab, waren die Computer 'Commodore' und 'Spectrum' für die meisten Polen immer noch nicht zugänglich. Aus diesem Grund ergriff 1985 die Regierung die Initiative, die Massenherstellung eines Personalcomputers zu finanzieren, der zu Erziehungszwecken an Schulen verteilt werden sollte.

Der Rechner sollte in Polen entworfen werden und die Hardware dafür aus Osteuropa bezogen werden. Ein Projekt aus der TH Posen bekam den Zuschlag, und der Auftrag zur Massenfertigung wurde an die Elektronikfirma Elwro in Breslau vergeben, die schon die Mainframes 'Odra' herstellte.

Das Elwro 800 war ein perfekter Emulator vom ZX Spectrum, aber nicht nur das. Es basierte auf einer Client/Server-Architektur, die eine Verbindung aller Rechner eines Klassenzimmers in einem geschlossenen Netz ermöglichte. Der Lehrer konnte zum Bildschirm der Schüler wechseln und mit ihnen interagieren, ohne seinen Sitzplatz zu verlassen. Es stand vorwiegend Lernsoftware zur Verfügung, es gab aber auch Compiler für Programmiersprachen wie Pascal, C und Prolog.

Erst viele Jahre nach dem Projekt-Kickoff erreichten die ersten Elwro 800 die Klassenzimmer - Logistik und Effizienz waren nun einmal nicht gerade die Stärke der VR Polen. Immerhin war das das größte IT-Projekt, das jemals im Land realisiert wurde

Der Elwro 800 hatte einen Prozessor aus der DDR, Arbeitsspeicher aus der Sowjetunion und ein Disklaufwerk aus Ungarn oder Bulgarien. Bei Elwro waren noch nie so viele Rechner in so kurzer Zeit vom Fließband gelaufen, daher waren die ersten Exemplare mangelhaft.  Man brauchte auch eine gewisse Zeit, den Verteilungs- und Installationsprozess in Gang zu bringen, und ebenso die Ausbildung der Lehrer zu organisieren. Es muss erwähnt werden, dass im Sozialismus häufig eine Phase eines Projekts erst dann geplant wurde, wenn die vorherige Phase schon abgeschlossen war.

Trotz aller Schwierigkeiten kamen Ende der Achtziger Jahre die ersten Elwro 800 in den polnischen Schulen an. Dann aber kam die Wende und die ersten IBM-kompatiblen Rechner erschienen auf dem Markt. Aus diesem Grund waren Rechner, die auf einer ZX-Spectrum-Architektur basierten, schon gleich zu Anfang obsolet. Trotzdem waren in den neunziger Jahren immer noch Tausende von Elwro 800 in den polnischen Schulen in Gebrauch. Viele Polen lernten das Programmieren auf einem dieser Rechner. Außer den Schülern, sollten hier die Programmierer, die die Lernsoftware schrieben, und die Ingenieure, die die Bauteile entwarfen, erwähnt werden.

Allerdings gibt es die Firma Elwro schon lange nicht mehr.  Sie wurde privatisiert: Siemens kaufte sie ein und nach einigen Jahren wurde sie stillgelegt. Ich habe nicht herausfinden können, was aus denjenigen geworden ist, die diesen Rechner entworfen hatten. Nicht einmal ihre Namen habe ich ausfindig machen können - alle Quellen reden von einer "Mannschaft" aus der Technischen Hochschule Posen.




Montag, 28. März 2016

Lernen wir Russisch



Endlich habe ich das Ergebnis meiner C1-Prüfung der polnischen Sprache erhalten, die ich im Dezember letzten Jahres abgegeben habe. Ich habe sie mit 98% bestanden. Jetzt werde ich mich aber von der polnischen Sprache etwas erholen. Ich wollte nämlich kroatisch lernen, aber erst nachdem ich einen guten Kenntnisgrad der russischen Sprache erreicht habe. Mit einem B2-Niveau wäre ich zufrieden, weil ich die B1-Prüfung schon vor einigen Jahren abgegeben habe - in Kiew, Ukraine, übrigens.

Wegen der aktuellen politischen Lage in Russland, habe ich nicht wirklich Lust, einen Russischkurs in Russland oder in einem anderen russischsprachigen Land zu besuchen, um dann dort die Prüfung abzulegen. Außerdem habe ich mich immer noch nicht entschieden, ob ich die ECL-Prüfung (leicht) oder diejenige der Russischen Föderation (schwieriger) machen werde. In diesem zweiten Fall habe ich Angst, dass ich mit Politik zu tun haben könnte, und dass ich bei meiner Äußerungen vorsichtig sein sollte. Dazu habe ich nicht unbedingt Lust. Andererseits habe ich schon Sommerkurse in Moskau und Sankt Petersburg besucht, als es schon Spannungen zwischen dem Westen und Russland gab. Trotzdem waren die Professoren sehr professionell, sogar wenn sie unterschiedlicher Meinungen waren, als ich es gewohnt bin.

Ich möchte die B2-Prüfung der Russischen Sprache im Mai ablegen, aber bis dahin bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich habe dann versucht, einen Privatlehrer zu finden, der mir Nachhilfe geben könnte. Ich habe im Portal e-korepeticje gesucht und endlich habe ich eine Lehrerin mit guten Rezensionen gefunden. Ich bin zu ihr nach Hause gegangen und dann gab sie mir eine Probelektion. Sie vertrat ziemlich seltsame Meinungen - zum Beispiel, dass alle Kroaten faschistisch sind und dass sie nicht slawisch seien. Zu meinen Einwänden erwiderte sie, dass sie nichts überprüfen müsse, weil sie als Russin alles über Slawen weiß, und ich nichts wisse. Ich entschied mich, keine Lektionen mehr bei ihr zu machen.

Also habe ich eine Probelektion im Russischem Kulturzentrum gemacht. Dort fand ich die Leute einigermaßen normal, abgesehen von den typischen Russischen Meinungen. Ich habe mich für einen Semesterkurs angemeldet. Ich werde jeden Dienstag und Mittwoch bis Juli den Kurs besuchen. Danach habe ich vor, im Juli die B2-Prüfung der Russischen Föderation zu absolvieren.

Am Kurs nehmen ungefähr zehn Teilnehmer teil, die meisten davon sind schüchterne Studentinnen. Ich habe endlich die Chance zu sehen, wie schwierig Russisch für Polen ist. Es ist für sie in der Tat nicht so leicht, als ich dachte. Polen verstehen leichter grammatische Begriffe wie Aspekte der Verben, weil sie in beiden Sprachen gleich sind.  Es ist auch leichter für Polen Wörter zu lernen, die auf Russisch ähnlich sind. Trotzdem ist es selbst für Polen nicht leicht, ein gutes Niveau der russischen Sprachen zu erreichen - und nicht nur wegen dem Mangel an Motivation.


Sonntag, 7. Februar 2016

Taxifahrer


Was ich in Krakau oft tue, ist ein Taxi zu nehmen. Auch heute bin ich mit dem Taxi zur Arbeit gefahren, und es hat mich 12 zloty gekostet - ungefähr 3 Euro. Ungefähr das Gleiche wie eine U-Bahnkarte in München.

Weil Krakau eine sehr kompakte Stadt ist, kann man überall in einer halben Stunde hinfahren, wenn man mit einem Taxi fährt. Normalerweise nehme ein Taxi, wenn ich zu einem neuen Platz fahren muss und ich es eilig habe. Dann fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, weil ich mehr Zeit habe und sehr genau weiß, wo ich wohne. Nachts fahre ich aus Sicherheitsgründen immer mit dem Taxi.

Es gibt viele Firmen in Krakau, die Taxiservices anbieten. Die Preise sind wegen der hohen Konkurrenz niedrig. Das ist der Grund, warum Uber und Car Sharing in Polen nicht verbreitet sind. Außerdem sind Taxi sehr flexibel, sie warten zehn Minuten und länger, ohne dass man dafür bezahlen muss. Sie fahren sowohl alte als auch neue Wagen.

Die Taxifirma, mit der ich normalerweise fahre, hat mich unter dem Namen "Obcokrajowec" (Ausländer) gespeichert. Offensichtlich war ich es nicht wert, mit meinem echten Namen in ihrer Datenbank gespeichert zu werden. Allerdings sind Ausländer in Polen immer noch seltsame Tiere und in Polen leicht zu erkennen.

Ein Ausländer, der Polnisch sprechen kann, ist ein noch seltsameres Tier, das die Neugier der Taxifahrer erweckt. Normalerweise spreche ich nicht während der Fahrt, es sei denn, der Fahrer fängt die Konversation an. Viele Taxifahrer erzählen interessante Geschichten, einige von ihnen haben einige Jahre im Ausland verbracht und dann sind sie nach Polen zurückgekommen.

Normalerweise gebe ich ihnen ein Trinkgeld, was in Polen nicht selbstverständlich ist. Und ich bitte immer um die Quittung. Nicht, weil ich ein ehrlicher Bürger bin, sonder weil man nur auf diese Weise das Taxi mit Sicherheit wiederfinden kann. Es ist mir schon passiert, dass ich mein Mobiltelefon in einem Taxi vergessen habe, aber dank der Quittung konnte ich es wieder finden. Das ist ein Grund mehr, um mit dem Taxi anstatt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren - es ist wahrscheinlicher, dass man verlorene Sachen wieder findet...

Mittwoch, 20. Januar 2016

Ich bereite mich auf die PMBOK-Prüfung vor

PMBOK - "wydanie polskie"


Ich sollte mich mehr auf meine Karriere konzentrieren. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen Vorbereitungskurs auf die PMBOK Prüfung zu besuchen, um danach Projekt Manager zu werden. Der Kurs fand in den Schulungsräumen von Comarch in Krakau statt. Das war für mich eine interessante Erfahrung, und untypisch, auch weil ich der einzige Ausländer war.

Der Kurs hat zehn Tage gedauert, währenddessen ich einige Werkzeuge zu den verschiedenen Aspekten des Projektmanagements gelernt habe: Integration, Bereich, Zeit, Kosten, Qualität, Human Resources, Kommunikation, Risiken... Während des Kurses habe ich Lernmaterial bekommen, aber ich werde die Prüfung mithilfe der sogenannten PMBOK-Bibel vorbereiten, wovon ich die polnische Ausgabe gekauft habe. Das Buch hat mich 30 Euro gekostet, ein bisschen weniger als die Originalausgabe auf Englisch (40 Euro). Ich habe schon geschrieben, dass technische Bücher auf Polnisch billiger sind.

Der Kurs war interessant, abgesehen davon, dass der Lehrer ständig erwähnte, dass Italiener sehr gerne die Hände beim Sprechen verwenden. Ich erfuhr, dass eine negative Einstellung gegenüber Kunden in Polen überhaupt nicht so durchgängig ist, wie ich dachte und ich in einem früheren Post geschrieben habe. Es ist gut zu wissen, dass man dem Kunden nur geben sollte, was er bestellt hat, und nicht mehr - ansonsten ist das "goldplating", das heißt Funktionalitäten, wofür es nicht bezahlt wurde. Der beste Kunde ist übrigens derjenige, der zurückkommt. Er hat aber nicht immer Recht: Er kann dir sagen, was er will, aber nicht, wie es umgesetzt werden sollte.

Während des Kurses gab es Gruppenarbeiten, wie in der Schule. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor solchen Beschäftigungen, weil man nie genau weiß, wer was machen sollte. Zum Glück waren die Tätigkeiten während des Kurses ein bisschen strukturierter, allerdings auch ein bisschen seltsam. Wir bauten ein Katapult aus Pappe, um ein Ei zu zerstören, suchten nach Nägeln in einem Eimer voll Sand und bauten ein Gebäude nach, das sich in dem nächstem Raum befand. Alle diese Tätigkeiten sollten die verschiedenen Etappen eines Projektes darstellen.

Der Kurs ist jetzt zu Ende und inzwischen habe ich die C1-Prüfung der polnischen Sprachen abgegeben. Jetzt gibt es keine Ausreden: ich muss mich auf die PMBOK-Prüfung vorbereiten. Es ist aber für mich schwierig, mich selber zu motivieren, deswegen setzte ich die gleiche Strategie wie an der Uni ein: Ich lerne außerhalb meiner Wohnung. Ich pauke nur an Wochenenden. Dann sind aber Bibliotheken geschlossen, deswegen habe ich einen anderen Platz gefunden: einen Coworking-Raum in dem größten Handelszentrum in Krakau, Bronowice. Handelszentren in Krakau sind offen auch am Samstagen und Sonntagen. Ich habe fast die Hälfte der PMBOK-Bibel gelesen, mal sehen, wann ich die Prüfung versuchen werde.



Dienstag, 29. Dezember 2015

Dying Light



In diesem Jahr haben zwei polnische Computerspiele weltweite Anerkennung erreicht. Eines davon ist "Witcher 3", von CD Project, worüber ich in einem vorigen Post berichtet habe und welches inzwischen mindestens sechs Millionen mal verkauft wurde. Das andere Spiel ist  "Dying Light", von Techland, das mindestens fünf Millionen mal verkauft wurde .

"Dying Light" ist im Gegensatz zu den zwei anderen Spielen, worüber ich schon geschrieben habe,  "Witcher 3" und "This War of Mine" , ein Spiel, das nicht einmal versucht, originell zu sein. Wie ein anderes erfolgreiches Produkt von Techland, "Dead Island", spielt es in einer post-apokalyptischen, Zombie-verseuchten Welt - ein sehr abgedroschenes Thema.  Wenigstens in diesem Fall hat sich die Epidemie nicht in die ganze Welt ausgebreitet, sondern ausschließlich in der erfundenen Stadt von Harram, die sich stark an Istanbul anlehnt. Die Stadt befindet sich im Spiel in einer Quarantäne.

Der Spielhauptprotagonist, Crane, ist ein US-Agent, der nach Harram geschickt wurde, um das Ausbreiten der Infektion in die ganze Welt zu verhindern. Während des Spiels lernen wir aber, dass das eigentliche Ziel seiner Agentur der Entwurf einer biologischen Waffe auf Basis der Infektion ist. Tatsächlich plant die Agentur in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium, die Stadt Harram flächendeckend zu bombardieren. Crane erfüllt während des Spiels viele Aufgaben, indem er gegen Zombie und plündernde Banden kämpft. andere Überlebenden rettet und die Ärzte in der Stadt unterstützt, die immer noch ein Mittel gegen die Krankheit suchen. Gleichzeitig führt er ohne Hinterfragen die Befehle seiner Agentur aus, obwohl er später typischerweise gegen sie rebelliert und alles Mögliche unternimmt, um die Stadt und ihre Überlebenden vor der Katastrophe zu retten.

Dieses mal auch habe ich dieses Spiel persönlich nicht gespielt, sondern mir nur einige "Let's play" Videos auf Youtube angeschaut. Zum Glück gibt es für dies Spiel eine lokalisierte Version auf Polnisch. Das ist nicht selbstverständlich, weil es für ein anderes Spiel von Techland, Gunslinger, nur eine englische Version gibt.

Es steht außer Zweifel, dass das Produkt sich auf dem letzten Stand der Technik befindet. Die Graphik ist hervorragend und die Spielbarkeit makellos. Andererseits ist das nicht ein Computerspiel-Genre, das mich anspricht. Dem Spieler wird keine Freiheit gelassen, weil die Geschichte sehr linear ist. Zum Beispiel kann man Crane nicht daran hindern, einige Arzneimittel zu vernichten, was zum Tod einiger Überlebenden führt. So etwas würde ich wahrscheinlich nicht tun, und daher ist es für mich unmöglich, mich in den Hauptheld hineinzufühlen. Wenigstens ermöglichen die Spiele der Serie "Witcher" eine Auswahl zwischen verschiedenen Wegen. Andererseits ist eine lineare Geschichte typisch in diesem Genre. Persönlich bevorzuge ich Sandbox-Spiele, die sich in einer offenen Welt abspielen und totale Freiheit geben.

"Dying Light" ist nämlich ein Spiel für diejenigen, die gerne um sich herumschießen und Gebäude, Brücken und Strommaste hinaufklettern. Es ist ein Spielmodus, welcher durch Spiele wie "Assassin's Creed", "Far Cry" und "Uncharted" berühmt wurde. Anscheinend lehnt sich "Dying Light" aber vorwiegend ans Spiel "The Last of Us" an, das von verschiedenen Quellen als Spiel des Jahres 2014 gekürt wurde.  Es ist daher nicht überraschend, das Techland ein ähnliches Spiel produziert hat.


Sonntag, 1. November 2015

Sexmission



Nicht willkommen
Unter den polnischen Komödien halten die meisten Polen "Seksmisja" für die lustigste. Wer sich diesen Film noch nicht angeschaut hat und die Handlung nicht im Voraus erfahren möchte, der sollte nicht weiterlesen.

Seksmisja ist sehr lustig - für Polen. Die Handlung spielt sich in einer Zukunft ab, in der die Erdoberfläche unbewohnbar geworden ist (guter Anfang für eine Komödie) und die Überlebenden unter der Erde leben. In dieser schönen neuen Welt leben nur Frauen. Die Fortpflanzung der Spezies ist inzwischen künstlich und wird von der Regierung völlig kontrolliert.  Es wird sichergestellt, dass keine Männer geboren werden. Männer waren nämlich für Kriege und für alles Schlimmes in dieser Welt verantwortlich. In der Tat glauben die Frauen in dieser Zukunft, dass alle große Wissenschaftler Frauen waren und dass früher Frauen systematisch von Männern gefoltert wurden.

Es werden aber zwei hybernierte Männer geweckt, um ihr Verhalten zu erforschen. Zuerst glauben die zwei Männer, in einem Paradies aufgewacht zu sein, dann wird es ihnen aber schnell klar, dass sie sich in einer Hölle auf Erden befinden. In einem Schauprozess werden die zwei Männer zur Kastration verurteilt. Die Frauen aus der Zukunft wollen kein Risiko laufen, dass die Ordnung gestört wird.

Eine der Frauen, die in Kontakt mit den zwei Männern gekommen war, will aber mehr erfahren. Nachdem sie mit ihnen und mit einer der ältesten Frauen gesprochen hat, entscheidet sie sich dafür, sie bei der Flucht zu helfen. Das Trio flieht auf die Erdoberfläche in Strahlenschutzanzügen, und die einzige Wächterin, die einen Strahlenschutzanzug finden konnte, folgt ihnen.

Auf die Erdoberfläche gekommen stellen die vier aber fest, dass die Erde inzwischen bewohnbar ist und die ganze Zeit an der Nase herumgeführt wurden. Sie finden eine luxuriöse Wohnung, die von der Führerin aller Frauen bewohnt wird. Als sie zurückkommt, greifen sie sie an, und finden heraus, dass sie eigentlich ein als Frau verkleideter Mann ist. Es ist ein Mann, der diese Welt von Frauen führt. Er möchte nicht ein Status Quo ändern, in dem er der einzige Mann in einer Welt von Frauen ist, beziehungsweise ist er zu feige, um das zu versuchen, wie er selber sagt. Die zwei Männer aus der Vergangenheit sind aber einer anderen Meinung.  Zusammen mit ihren neuen Freundinnen machen sie sich in der Wohnung breit und schmieden sie einen Plan, um die Männer in die Welt zurückzubringen...

Die Handlung dieses Films ist auf jeden Fall interessant. Eine häufige Interpretation ist es, dass die Männer die Kapitalisten ( die für eine unvollendete und ungerechte Welt stehen) und die Frauen die Kommunisten ( die das Paradies auf Erde schaffen wollen, das sich aber schnell zu einer Hölle verwandelt) darstellen. Das ist keine selbstverständliche Auslegung und mit ihr sind nicht alle Polen einverstanden. Der Film wurde nämlich zur Zeit des Sozialismus gedreht und musste durch die Zensur.

Ich glaube nicht, dass dieser Film den meisten "westlichen" Zuschauern gefallen wird. Ich habe keine Ahnung, warum er lustig sein sollte. In der einzigen Szene, die ich halbwegs lustig fand, finden die zwei Männer heraus, dass das Passwort zur Erdoberfläche "Kurwa Mac" war, dessen Bedeutung keine der Frauen verstand. Am schlimmsten ist es, dass die Schauspieler und vor allem die Schauspielerinnen sich zu "polnisch" verhalten, und für ein "internationales" Publikum  wahrscheinlich zu langweilig auftreten. Ich fand diesen Film einigermassen lustig erst nachdem ich einige Zeit in Polen verbracht hatte.

Übrigens, wenn man jemanden davon überzeugen möchte, dass der polnische Humour sehr schwarz ist, braucht man nur zu erzählen, dass die beliebteste polnische Kömodie sich in einer postapokalyptischen Welt abspielt, in der Männer regelmäßig kastriert werden.

Samstag, 3. Oktober 2015

Alte und neue Złoty


Eine Millione alter Złoty - damit könnte man ein Cappuccino kaufen
Man verwendet den Euro in Polen nicht, und wegen der letzten Ereignisse in Griechenland sind die Polen nicht gerade begeistert von der Idee, ihn in ihrem Land einzuführen. Das polnische Wirtschaftswunder würde möglicherweise ins Stocken geraten, wenn der Złoty-Kurs auf dem Währungsmarkt nicht frei schwanken dürfte. Andererseits behaupten viele heimische und internationale Firmen, dass sie mit einer gemeinsamen Währung ihre Abwicklungsverfahren vereinfachen könnten und Geld sparen würden. Es ist zugleich ein Vorteil und ein Nachteil, sich außerhalb der Euro-Zone zu befinden.

Auch erfüllt Polen die Budgetanforderungen noch gar nicht, die für einen Eintritt in die Eurozone erforderlich wären. Um ihnen gerecht zu werden, müsste das Land die Sozialausgaben dermaßen kürzen, dass das für einen großen Teil der Bevölkerung inakzeptabel wäre. Daher glaube ich, dass der Złoty noch eine Weile bleiben wird.

Der Złoty ist eine einigermaßen stabile Währung und wird zu einem Kurs von ca. vier Złoty je Euro getauscht. Das ist aber nicht immer so gewesen. Polen erlebte nämlich am Anfang der Neunziger Jahre eine dreistellige Inflation (die sogar 640% erreichte), wie übrigens auch viele andere osteuropäische Länder. Viele Menschen verloren ihre sämtlichen Ersparnisse. Eine solche Erfahrung kann man nur nachfühlen, wenn man sie selber einmal erlebt hat.

Dann gab es den Wechsel von den alten Złoty zu den neuen. Ein neuer Złoty wurde gegen 10.000 alte Złoty getauscht. Dann konnte es einem passieren, dass man in Polen um 30.000 Złoty gebeten wurde, wenn es in Wirklichkeit um drei Złoty ging. Es gab lauter Gauner, die beim Geldwechsel alte Złoty statt neue herausgaben. Übrigens rechnen viele Leute heute immer noch in ihren Köpfen mit alten Złoty.

Geld war in den Zeiten des Sozialismus nicht viel wert. Es ist ein Gerücht, dass die Preise damals niedriger waren. Es stimmt aber allerdings, dass man lange Schlange stehen musste und es in den Geschäften nicht viel zu kaufen gab.

Das ist der Grund, warum für Leute aus Osteuropa das Geld nicht den gleichen Wert hat wie für die Leute in den sogenannten westlichen Ländern. Für mich ist es immer selbstverständlich gewesen, dass man mit Geld alles - außer Liebe und Freundschaft - kaufen kann. Geld ist aber nur solange etwas wert, wie die Wirtschaft des Landes einigermaßen stabil ist. Wenn sie zusammenbricht, wie es in der Polnischen Volksrepublik passiert ist, ist eine galoppierende Inflation die wahrscheinliche Folge.

Es ist daher nicht überraschend, dass die meisten Polen die Häuser besitzen, in denen sie wohnen, weil sie mehr Vertrauen in Immobilieneigentum als in bedrucktes Papier haben. Es ist sogar üblich, dass man einen Kredit aufnimmt, um in den Urlaub fahren zu können. Es ist besser sein Geld heute auszugeben, wenn es noch etwas wert ist, als es auf der Bank zu lassen, mit dem Risiko, es alles bei der nächsten Krise zu verlieren. Am Ende sind die echten Gewinner während einer hohen Inflation nämlich diejenigen, die hohe Schulden haben.

Deshalb ist es besser hundert Freunde als hundert Rubbel zu haben. Ich habe schon geschrieben, dass Polen ihren Platz in einer Schlange niemals aufgeben würden. Andererseits ist es wahrscheinlicher, dass sie einem Fremden Geld anbieten, der gerade knapp bei Kasse ist. Schließlich ist dein Geld heute etwas wert, aber morgen könnte es nichts mehr wert sein. Deshalb könnte es besser sein jemandem zu helfen, der später den Gefallen erwidern könnte.


Mittwoch, 9. September 2015

Wir kommen nach Krakau, und du wirst unser Fremdenführer sein

Eine Übersicht des Kalvarienbergs Zebrzydowski 

Wir kommen nach Krakau, und du wirst unser Fremdenführer sein. Das wird kein Problem sein, dachte ich. Ich kenne Krakau, oder zumindest glaube ich, es zu kennen. Nachdem ich meine Eltern in einer Wohnung untergebracht hatte, nahm ich sie zu einem Spaziergang im Zentrum mit.

Zuerst machten wir eine Rundfahrt in einem Fahrradtaxi für Touristen. Dann führte ich meine Eltern im Zentrum zu Fuß herum, aber leider stellte sich heraus, dass ich die Stadt doch nicht so gut kenne.
Ich wusste nicht, wem das Denkmal auf dem Hauptplatz gewidmet ist, und warum es dort einen großen begehbaren Kopf gibt. Außerdem verwechselte ich das Florianskator mit dem Barbakan.
Wir stiegen zum Schloss Wawel hinauf, aber wir traten nicht ein, weil es zu viele Leute gab.

Dann führte ich sie zum Museum, das sich unter dem Hauptplatz befinden, und dann zum Turm des ehemaligen Rathauses hinauf. Beide Orte waren enttäuschend. Außerdem überraschte uns ein fast apokalyptisches Gewitter, daher waren wir nass, als wir nach Hause zurückkehrten. Wenigstens lief der Besuch im Kollegius Maius gut.

Am folgenden Wochenende besichtigten wir zwei Sanktuarien im südlichen Teil von Krakau, die dem ehemaligen Papst Johannes Paul II und der heiligen Faustina gewidmet sind. Ich wusste nicht einmal, dass sie existierte, und wer die heilige Faustina überhaupt war. Im Kloster gibt es einen Knochen, der angeblich Wunder wirken kann. Der Papst Wojtila hatte Faustina zur Heiligen erklärt, weil ein Amerikaner eine plötzliche Heilung erlebte, gerade nachdem er diesen Knochen geküsst hatte. Leider wollte aber keiner von uns die Reliquie küssen, deswegen werden wir wahrscheinlich kränklich bleiben. Wir stiegen den Glockenturm hinauf, von dem wir eine schöne Sicht auf die Stadt genießen konnten. Das Sanktuarium von Papst Johannes Paul II beeindruckte uns, aber leider war das Museum geschlossen, als wir dorthin kamen.

Am Tag danach stiegen wir den Hügel hinauf, der sich im westlichen Teil von Krakau befindet. Auch von dort hat man eine herrliche Sicht auf die Stadt. Leider war es sehr heiß und am Ende waren meine Eltern erschöpft. Wir gingen in ein Museum, das Kościuszki gewidmet ist, das aber nicht sehr interessant war. Am Abend aßen wir eine Zapiekanka am Platz Nova. Aber ich schaffte es nicht, eine zu bekommen, die mir schmeckte.

Am nächsten Wochenende fuhren wir zum Kalvarienberg Zebrzydowski. Der Besuch besteht in einem Aufstieg zu einem Hügel und dann in einer Wanderung zu den verschiedenen Kapellen. Der Rundgang erwies sich als zu anstrengend für meine Eltern. Außerdem hatten wir wenig Zeit, weil wir vor hatten, auch nach Wadowice zu fahren. Dort kann man das Haus besichtigen, in dem der Papst Wojtila aufgewachsen ist.  Zur Führung in der italienische Sprache kamen wir um 10 Minuten zu spät, daher gingen wir mit einer polnischen Gruppe zusammen - aber meine Eltern verstanden dabei kein Wort.

Für unserem letzten gemeinsamen Ausflug kauften wir Tageskarten für den Stadtverkehr in Krakau und fuhren wir mit Bus und Straßenbahn in der Stadt herum. Da es sich aber um einen Werktag handelte, waren die Fahrzeuge ziemlich voll und es wurde nicht zu einer umwerfenden Erfahrung.

Trotz einiger erlebten Unannehmlichkeiten sagten mir meine Eltern, dass sie eine Menge Spaß in Krakau gehabt hatten. Sie kauften viele Sachen in Geschäften und an Buden ein, und zu meiner Überraschung schmeckte ihnen das Essen. Sie waren auch in vielen Einkaufszentren. Mein Vater war mehrmals im Flugzeugmuseum.

Vielleicht liegt das an mir und ich ärgere mich zu leicht. Keiner ist als Meister oder als Fremdenführer geboren worden.  Man kann sich aber immer  noch verbessern. An diesem Sonntag bin ich wieder zum Kalvarienberg gefahren und habe den Rundgang dann wirklich gemacht. Zusätzlich bin ich den Hügel hinaufgestiegen. Insgesamt habe ich für alles fünf Stunden gebraucht. Länger, als ich erwartet hatte.

Mittwoch, 26. August 2015

Blitzer und Parkverbote

In Krakau heißt das .... gebührenpflichtiger Parkplatz!

Ich habe in einem vorherigen Post geschrieben, dass man in Polen auf die vielen Blitzer aufpassen sollte, wenn man im Land herumfährt. Ein gutes Navi wird vor den Blitzern warnen. Während meiner letzten Autofahrten in Polen  habe ich aber mein Mobilgerät mit Google Maps als Navigator eingesetzt. Leider enthält diese Software keine Daten über Blitzer, daher bekam ich zwei Strafen wegen zu hoher Geschwindigkeit.

Diesen Monat habe ich einen bedrohlichen Brief aus dem Straßensverkehrinspektorat bekommen, der mich darüber informierte, dass ich im April dieses Jahres die Höchstgeschwindigkeit in einem Stadtgebiet um 30 km/h überschritten hatte. Das wird mich 200 zloty (50 euro) und sechs Punkte im Verkehrssünderregister kosten. Der Maximalwert ist 24 Punkte, aber soweit ich weiß verfallen Punkte in Polen nach einem Jahr, wenn die Strafen bezahlt worden sind. Da ich einen deutschen Führerschein besitze, können, wie ich herausgefunden habe, die polnischen Behörden mir den Führerschein nicht wegnehmen, aber sie können mir das Fahren in Polen verbieten. Ich sollte mehr aufpassen.

Jedenfalls bin ich nicht der Einzige, der Verkehrsstrafen bekommen hat. Meine Eltern sind diesen Monat in Krakau und haben zwei Strafen wegen Parkverbot bekommen. In der Nachbarschaft, wo meine Eltern eine Unterkunft durch Airbnb gefunden haben, hat die Stadtverwaltung mehrere Parkuhren aufgestellt. Mein Vater wurde dadurch verwirrt, dass die gebührenpflichtigen Parkplätze mit weißen Streifen markiert sind und sich neben einem Straßenzeichen befinden, das ein "P" zeigt. In Italien würde das auf kostenfreies Parken hinweisen, aber in Polen heißt das gebührenpflichtig ! Sie dürfen ihr Auto vor der Wohnung parken, in der sie untergekommen sind, obwohl es dort ein Parkverbot-Straßenzeichen gibt! Davor waren sie von ihrer Hausbesitzerin gewarnt worden, an ihren Hinweis glaubte sie aber nicht und daher bekamen sie zwei Strafen, bis sie endlich verstanden, wie es hier funktionert....

In Polen scheint die Polizei immer plötzlich und magisch zu erscheinen, jedes mal wenn man sein Auto in einer Parkverbotszone geparkt hat. Einmal bekam ich auch eine Strafe, als ich mein Auto in einer gebührenpflichtigen Parkzone verlassen hatte und dabei vergessen hatte, ein Parkticket zu kaufen.

Mein Vater erwägte die Möglichkeit, die Strafen nicht zu bezahlen. Es ist nämlich bekannt, dass in Ausländer, die in Italien unterwegs sind, typischerweise ihre Strafen nicht bezahlen, selbst wenn sie ihnen nach Haus geschickt werden. Es gibt nämlich in Italien kein Zentralsystem für Verkehrsstrafen, daher werden Ausländer nicht einmal zur Kasse gebeten, wenn sie von Polizeistreifen aufgehalten werden. In Polen soll es aber anders laufen. Ich habe von ausländischen Autofahrern gehört, die von der Polizei aufgehalten wurden und ihre alten Verkehrsstrafen mit Zinsen bezahlen mussten, ansonsten wäre ihr Auto beschlagnahmt worden.

Schließlich bezahlte mein Vater (oder besser gesagt, ich) die Strafen, die sich auf die Gesamtsumme von 100 Zloty, das heißt 25 Euro, belief. Es hätte schlimmer sein können. Wenigstens mussten sie nicht den Schock erleben, dass ihr Auto von einer Parkkralle blockiert wurde, wie es mir passierte, als ich mein Auto in Tschechien in einer anderen Touristenfalle parkte. So etwas kann man in Krakau auch erleben, wenn man das Auto in der Altstadt parkt...

Sonntag, 31. Mai 2015

Die Freiheit ist nutzlos


Zur Zeit des Kommunismus hattest du Geld, aber es gab nichts, das man kaufen könnte.
Zur Zeit der Demokratie sind die Regale voller Waren, du hast aber das Geld nicht, um sie zu kaufen.


Ein Thema, mit dem man sich unvermeidlich auseinandersetzen muss, wenn man in Polen oder in einem anderen osteuropäischen Land lebt, ist die kommunistische Ära. Viele der Meinungen und Verhalten können nicht verstanden werden, wenn man dieses historische Erbe nicht in Betracht zieht. Polen, im Unterschied zu den Russen, sind nicht besonders behilflich, wenn es darum geht, diese Ära zu verstehen. Wahrscheinlich wollen sie damit beweisen, dass sie den Kommunismus überwunden haben, und im Allgemeinen reden sie nicht gerne darüber. Es handelte sich übrigens um ein Regime, das von außen aufgezwungen wurde.

Angeblich sagte einmal Lenin, dass "die Freheit ist nutzlos, wenn man verhungert". Mich beeindruckte dieser Satz, und ich glaube, dass er die Grundidee vom Kommunismus sehr gut darstellt. Nahrung, Wohnung, Arbeit und medizinische Versorgung werden zugesichert, aber viele Freiheiten werden entnommen und es ist nicht erlaubt, sich von der Masse abzuheben oder etwas Neues zu versuchen. Es ist eine Ideologie, die immer noch für Arme und Besitzlose anziehend wirkt. Übrigens sind die kommunistische Regierungen in Osteuropa letztendlich gescheitert, nicht weil es keine Freiheit gab, sondern weil sie nicht mehr in der Lage waren, ihr Grundversprechen zu halten. In China entwickelte sich die Lage anders.

Es ist aber fraglich, ob die Volksrepublik Polen und die anderen osteuropäischen Staaten wirklich "kommunistisch" waren. Laut Marx ist der Kommunismus die letzte Stufe des Revolutionprozesses. In dieser Phase gibt es eine klassenlose Gesellschaft. Jeder nimmt nach seinem Bedarf und gibt nach seinen Möglichkeiten. Gesellschaftsklassen aber existierten immer noch in den kommunistischen Ländern, abhängig von der Stelle, die man in der Machthierarchie einnahm, und von dem Zugang zu den chronisch "defizitären" Konsumgütern. Sogar diejenigen an der Spitze gaben zu, dass die Revolution noch nicht vollständig war und sich immer noch im Stadium der Diktatur des Proletariats befand, weil der Kampf gegen die dekadenten kapitalistischen Länder weitergeführt werden musste. Der politsche Verfolgte Trotzky dagegen behauptete, dass es sich um eine "Verratene Revolution" handelte, die zu einer "Diktatur der Bürokraten" ausgeartet war, und sah voraus, dass sie letztendlich scheitern würde.

In der Volksrepublik Polen gab es die Todestrafe, die gegen Hunderten von Leuten vollzogen wurde. Das Auswandern war nicht erlaubt und sogar als Schwerverbrechen gesehen, und nur wenige Priviligierte durften ins Ausland reisen. Viele Bücher waren verboten. Der cronische Mangel an Verbrauchsgütern wurde sowohl durch Inkompetenz, Korruption und Ineffizienz, als auch durch schlechte Logistik, Infrastruktur und technologischen Rückstand verursacht. Ich habe immer noch nicht verstanden, wie so ein strenges Regime es nicht schaffte, die Leuten zur Arbeit zu zwingen, und zuließ, dass die Arbeiter "immer Recht auf zwei Tausend zloty pro Monat hatten, unabhängig davon, ob sie schliefen oder arbeiteten". Hinzu kommt, dass in den Staatsfabriken die Arbeiter sehr viel gestohlen wurde.

Die Volksrepublik Polen war aber deutlich anders als die Sowietjunion. In Polen wurde die Landwirtschaft kaum kollektiviert. Die katholische Kirche genoß einige Priviligien, und einige Oppositionsbewegungen wie Solidarność wurden toleriert, bis es dann aber doch zu ihrer Niederschlagung während des Ausnahmezustands zwischen 1981 und 1983 kam.

Am Ende gab es keine Revolution, sonder einen runden Tisch. Vertreter der Regierung und der Opposition setzten sich zusammen und einigten sich, wie sich der Regimewandel abspielen sollte. Da es keinen Bruch gab, konnten viele Kommunisten in dem neuen System überleben und sogar erfolgreich sein. Sogar der letzte Diktator Jaruzelski konnte sich aus der Verantwortung für den Ausnahmezustand herausreden, wurde zum Präsidenten gewählt und starb in seinem eigenen Bett, statt erschossen oder ins Gefängnis gebracht zu werden. Die Nachfolger der Kommunistischen Partei schafften es, mehrmals wieder an die Macht zu kommen, bis sie in einige Skandale verwickelt waren und die Partei zusammenbrach..

Tatsächlich scheinen die Polen gegenüber der kommunistischen Ära nicht wirklich von Grund auf negativ eingestellt zu sein. Die Filme, die in jener Periode gedreht wurden, sind immer noch die beliebtesten, obwohl sie versteckte Propaganda enthalten. Es werden regelmäßig Bücher veröffentlicht, die den Eindruck geben, dass das Leben unter dem Kommunismus nicht so schlecht war. Die Meinung, dass der Kommunismus doch viele gute Seiten hatte, ist verbreitet und akzeptabel - das Gleiche in Italien und Deutschland über den Faschismus zu behaupten wäre viel problematischer. Ich stelle mir die Frage, was wohl passieren wird, wenn es dem neuen polnischen Kapitalismus nicht gelingen sollte, sein Versprechen zu halten: über Jahrzehnte ungebrochenes Wachstum und ein Lebensniveau vergleichbar dem in Westeuropa .



Sonntag, 10. Mai 2015

Deutsche, Italiener und Polen im Geschäftsleben

Das könnte eine Lösung sein...

Ich bin im Bezirk der Kunstmöbel von Cerea aufwachsen, in dem Möbel hergestellt werden, die so gebaut werden, dass sie einige Jahrhunderte alt aussehen und in der ganzen Welt verkauft werden. Lokale Handwerker lehnten sich traditionell an deutsche Firmen an, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten und zu verkaufen. Es gab eine symbiotische Beziehung zwischen Deutschen und Italienern und schon damals habe ich festsgestellt, dass diese zwei Völker dazu neigen, ziemlich gut miteinander zu arbeiten.

Italiener und Deutsche sind ziemlich unterschiedlich, aber Geschäftsbeziehungen zwischen diesen zwei Völkern haben eine lange Tradition. Sie kennen einander, sie schätzen einander, beide wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Selbstverständlich gibt es Schwierigkeiten und Missverständisse, die aber überwunden werden können, wenn es notwendig und sinnvoll ist, miteinander zu arbeiten.

Um bei dem Beispiel der Möbel zu bleiben, Italien ist immer noch das Land in Europa, das die meisten Möbel ins Ausland exportiert. In letzter Zeit  kaufen die Deutschen aber lieber Möbel von den Polen. In der Tat habe ich in diesem Land jede Menge kleine Möbelfabriken gesehen. Soweit ich weiß arbeiten polnische Hersteller arbeiten eng mit deutschen Firmen zusammen, um ihre Waren zu vermarkten und zu verbreiten.

Deutsche und Polen arbeiten auch ziemlich gut zusammen. Sie kennen einander, sie wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Vor allem betrügen sie sich nicht - sie tun nicht so, als würden sie einander mögen. Es sind Beziehungen, die nur auf gegenseitigem Respekt und Interessen basieren.

Wie sieht es aus, wenn Italiener und Polen zusammenarbeiten? Läuft es gut ? Laut meiner Erfahrung gibt es viele Fallen. Italiener und Polen kennen sich gegenseitig nicht weshalb sie nicht wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Daher bildet man sich einfach ein, dass man ähnlich ist - nichts könnter falscher sein. Es gibt viele Unterschiede, die eine Geschäftsbeziehung ruinieren können. Zum Beispiel haben Polen einen sehr direkten Kommunikationsstil, im Gegensatz zu Italienern, die sich gerne um Kopf und Kragen reden. Der Polnische Humor ist sehr schwarz, Italiener dagegen erzählen lieber Witze mit sexuellen Anspielungen, von denen Polinnen sich beleidigt fühlen könnten. Übrigens sitzen in Polen, öfter als in Italien, Frauen an Machtpositionen. Daher ist es manchmal besser mit Deutschen zu arbieten. Deutschen bilden sich nicht ein, dass sie einen tollen Sinn für Humor haben, erzählen kaum Witze wenn sie Geschäfte machen, tun aber so als ob sie die gemachten Witze lustig finden würden.

Die IT-Branche weist zusätzliche Besonderheiten auf. In Polen, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, sind die wenigen IT-Lieferanten eine Welt mit weniger Konkurrenz gewohnt, weil diese Märkte sehr lange von den größeren Beratungsfirmen ignoriert wurden. Deswegen sind die in diesen Ländern entstandenen IT-Firmen gewohnt, sich in einer starken Stellung gegenüber ihren Kunden zu befinden, weil IT-Lieferanten nicht so leicht ausgetauscht werden können wie in westlichen Ländern.

Außerdem haben viele deutsche Firmen ihre Prozesse so gestaltet, dass man sie leicht auslagern kann. Die großen Beratungsfirmen sind anwesend, aber sie überschreiten ihre Kompetenzen nicht und beschränken sich auf ihre Kernkompetenz: die Beratung. Dagegen sind Geschäftsprozesse in Italien häufig nicht so gut strukturiert und daher können die großen Beratungsfirmen eine große Macht an sich reißen, die weit über die Beratung hinausgeht. Sie kennen die Geschäftsprozesse besser als ihre Kunden und machen sich auf eine fast pathologische Weise unentbehrlich.

Für einen osteuropäischen IT-Lieferanten ist es viel leichter, Geschäfte in Deutschland als in Italien zu führen. Offshore-Firmen brauchen klar und gut definierte Prozesse, weil sie nicht tun können, was eine lokal ansässige Beratungsfirma machen würde: viel Zeit in langen und langweiligen Meeting zu verbringen, was häufig die einzige Methode ist, um herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte.

Montag, 30. März 2015

Gender und Feminismus in Polen

Gender zerstört Polen! Gender zerstört die Familie.
Ich habe mehrmals in den Medien in Polen von den Gender-Ideologie gehört, aber am Anfang war es mir unklar, worum es eigentlich ging. Große Teile der Bevölkerung glauben, dass die Europäische Union eine sogenannte "Gender-Ideologie" verbreitet, und somit beabsichtigt, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu verwischen, was gefährlicher als Nazismus und Kommunismus ist. Tatsächlich, wenn ein kleiner Junge aus Versehen mit einer Puppe spielen sollte, wird er fast unvermeidlich zu einem Homosexuellen, dagegen werden Mädchen, die mit Autos spielen sollten, keine Kinder gebären wollen. Außerdem würde sexuelle Erziehung in der Schule die Jungs zu Pervertierten machen, über Sex sollten sie sich anhand Internetpornographie schlau machen.

Diese Leute befürchten auch, dass die Gender Ideologie zu mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen führen könnte. Dann könnten alle Männer zu Homosexuellen werden, wie es in Westeuropa schon passiert ist. Moment...

Manchmal wird das Thema Gender mit Feminismus vermischt. Im Unterschied zum Westen gibt es in Polen keine verbreitete Meinung, dass Frauen sich wie Männer verhalten müssten, um zu den gleichen Rechten zu kommen. Daher sind Frauen in Polen weiblicher und erwarten, dass sie mit Galanterie behandelt werden: man sollte ihnen den Sitz überlassen, die Türen öffnen, ihnen beim Gepäcktragen helfen, ihnen in den Mantel helfen, zuerst ihnen die Hände schütteln und vor allem in ihrer Anwesenheit nicht schimpfen.

Es muss erwähnt werden, dass in Polen wie in den anderen osteuropäischen Ländern ist der Anteil der Frauen, die eine Machtposition innehaben, höher als in Westeuropa ist. Das ist eine Hinterlassenschaft des Kommunismus, der den Frauen die gleichen Rechte und vor allem die gleichen Pflichten wie den Männern gab. Trotzdem sind es in den polnischen Haushalten immer noch die Frauen, die die Hausarbeiten erledigen.

Die Angst vor der Gender-Ideologie hat auch damit zu tun, dass der Feminismus im "westlichen" Sinn in Polen nicht existiert. Der Feminismus kann auch für Männer günstig sein, die somit von den sozialen Konventionen nicht dazu gezwungen werden, unbekannten Frauen behilflich zu sein. Ich bin der gleichen Meinung wie der Hauptprotagonist des Filmes "Dzien Swira" in dieser Szene: Ich bin für die volle Gleichheit der Geschlechter, sowohl in den Rechten als auch in den Pflichten.

Dienstag, 17. März 2015

Schwarzer Humor



Ich habe schon geschrieben, dass ich polnische Komödien wie Mis, Sexmisja und Rejs nicht besonders lustig finde. Noch schlimmer für mich sind aber polnische Witze.

Zwei Männer in Polen unterhalten sich. Der erste sagt: “In den nächsten Monaten werden die Russen kommen, uns alle in Zugwagen verstauen und nach Sibirien deportieren!” Der zweite erwidert: “Du bist aber ein Optimist! Wenn die Russen kommen, werden wir alle zu Fuss nach Sibirien gehen müssen !” Und dann endet der Witz. So wird er von Stephen Möller erzählt. Ich würde einen dritten Mann dazunehmen, der darauf antwortet : “Ihr beide seid zu optimistisch! Die Russen werden uns zuerst die Beine abschneiden und wir werden alle nach Siberien kriechen müssen!”
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Seid ihr noch am Lachen? Ich nicht. Das ist ein typisches Beispiel vom polnischen schwarzen Humor. Schauen wir uns einen anderen Witz an.

Ein Mann kommt von der Arbeit zurück und hat Lust, seine Frau zu verprügeln. Dazu braucht er aber eine Ausrede. Er sagt ihr “Ich möchte eine Suppe!” - auf den Tisch kommt gleich eine leckere Suppe. “Ich möchte einen Schnitzel!” Blitzschnell kocht seine Frau einen Schnitzel. Dann sagt der Mann : “Kriech unter den Tisch!” . Die Frau kriecht gehorsam unter den Tisch. “Und jetzt bell!” , sagt der Mann, und seine Frau bellt. “Was ? Du bellst deinen Herrchen an ? Jetzt wirst du den Arsch voll kriegen!” . Diesen Witz habe ich auch in diesem Portal gefunden.
Polen erzählen gerne diese Art Witze, selbst wenn Frauen anwesend sind.

Ich werde noch einen besseren Witz erzählen. Ein Mann hat seine Frau ins Krankenhaus gebracht und wartet auf die Entbindung neben dem Kreisssaal. Ein Arzt kommt aus dem Saal und trägt ein Baby. Der Mann greift nach dem Baby, aber der Arzt lässt es fallen. Der Arzt schlägt dann das Baby gegen die Wand und prügelt mit Fäusten darauf. Der Mann ist verzweifelt. Der Arzt beruhigt ihn : “Das war ein Scherz! Das Baby war bei der Geburt schon tot !”. Diesen Witz habe ich bei einem Abendessen mit den Kollegen gehört, und alle bis auf mich haben es lustig gefunden. Später habe ich diesen Witz in diesem Forum gefunden.

Es scheint nicht besonder schwierig zu sein, die Polen zum Lachen zu bringen. Das Kind sagt : “Vati! Vati! Adam hat mein Spielzeugauto kaputtgemacht!” Der Vater darauf : “Geschieht dir recht! Das hat er getan, weil du ein Arschloch bist!” Hier kann man den Comic-streifen finden. Nein, dieser Witz ist nicht nur für Teenagers gedacht, sondern auch für Erwachsene. Mir wurde gesagt, dass ich keinen Humor habe, weil ich ihn nicht verstanden habe.

Findet irgendjemand diese Witze lustig, der nicht aus Polen stammt ? Mich würde es interessieren.

Freitag, 6. März 2015

Viva Polonia


Ich habe gerade das Buch "Viva Polonia" von Steffen Möller gelesen, der sich als einen "deutschen Gastarbeiter in Polen" betrachtet. Ich bin gegenüber diesem Buch immer skeptisch gewesen, weil ich schon einige Teile im Polnischkurs gelesen hatte und mir seine Meinungen über die polnische Sprache nicht gefallen haben. Er vergleicht Polnisch mit anderen Sprachen wie Englisch und Italienisch. Meiner Meinung nach wäre ein Vergleich mit anderen osteuropäischen Sprachen viel sinnvoller.

Das Buch ist aber interessant und es lohnt sich, es zu lesen. Der Autor empfindet Hassliebe für Polen. In diesem Land hat er aber seine Berufung gefunden und ist zu einem bekannten Schauspieler und Komödianten  geworden. Alle erkennen ihn, wenn er unterwegs ist. Daher lernt er interessante Leute kennen, wie zum Beispiel einen ehemaligen deutschen Soldaten, der während des zweiten Weltkriegs desertierte, und nie nach Deutschland zurückgekehrt ist, weil er sich für seinen Verrat schämte.

Ich kann viele von seinen Äußerungen nachvollziehen. Wie ich auch, versteht der Autor den polnischen Humor nicht und findet, dass die Polen wenig kommunikativ und pessimistich sind und viel jammern - und das kommt von einem Deutschen ! Es gibt viele interessante Bemerkungen, wie zum Beispel, dass es in Polen sehr früh dunkel wird, weil das Land sich in der gleichen Zeitzone wie Spanien befindet, oder dass die Polen sehr gerne Kosenamen verwenden. Deswegen ist ein Besuch beim Zahnarzt nicht so schrecklich, weil dort nur das Karieslein auf dem Zahnlein geheilt wird.

Mit anderen Äußerungen bin ich nicht unbedingt einverstanden. Abgesehen von den Beschwerden über die Sprache (die eigentlich nicht schwieriger als viele andere Sprachen ist) hat mich die Meinung insbesonders verblüfft, dass die Polen.... die Italiener Nordeuropas sind, weil sie nicht die gleichen Ängste und Bessesenheiten der Deutschen teilen. Aus den gleichen Gründen könnte man behaupten, dass Inder, Griechen und Morokkaner auch Italiener sind. Ich bin aber der Meinung, dass die Polen und Deutschen sich sehr ähneln. Sie sind übrigens auf die gleiche Art von Regelungen besessen. Möglicherweise würden viele Deutschen und Polen diese Meinung nicht teilen.


Am nützlichsten in dem Buch sind höchstwahrscheinlich die praktischen Tips. Man sollte schon wissen, dass das Dreieck für die Herrentoilette und der Kreis für die Damentoilette steht - und niemand weiß warum. Die angenehmsten Teile des Buches sind aber die Beschreibungen einiger Alltagssituationen in Polen - wie zum Beispiel Kirchenbesuche, Zugfahrten und Arbeitssituationen, währenddessen praktisch ohne Unterbrechung Witze erzählt werden.

Freitag, 16. Januar 2015

Schwimmbäder, Meer, Seen und Berge


In Krakau gibt es kein Meer, aber wenigstens gibt es Schwimmbäder. Ich gehe zu einem, wo es auch ein Fitnessstudio gibt. Das Schwimmbad befindet sich gleich neben der Firma, in der ich arbeite, und für Angestellte ist der Zugang frei. Aufgrund dessen ist es normalerweise ziemlich voll, vor allem wenn man es gleich nach der Arbeit besucht. Es ist aber halb so schlimm.

Zum Glück gibt es genügend Schwimmbäder in Krakau. Dieser Seite zufolge sind es 31, was für eine Stadt von 800.000 Einwohnern überhaupt nicht schlecht ist.

Im Winter gibt es übrigens keine andere Möglichkeit zu schwimmen, im Sommer ist es aber nicht viel besser. Ich kenne keine Seen in der Umgebung von Krakau, im Gegensatz zu einigen Gegenden in Zentral- und Nordpolen, in denen jede Menge schöne Seen gibt.

Im Sommer kann man auch an die Ostsee fahren, die sich mehrere hunderte Kilometer nördlich von Krakau befindet. Es gibt dort viel mehr Leute, als man erwarten könnte, und billig ist es auch nicht. Es gibt mit Sicherheit viele Ortschaften am Mittelmeer, die günstiger sind. Wenn sie keine Fremdsprachen können oder keine Überraschungen möchten, verbringen die Polen aber lieber ihren Urlaub am Polnischem Meer, selber wenn es dort oft jeden zweiten Tag regnet.

In Polen würde ich meine Ferien eher in den Bergen verbringen, in den Karpaten. Sie sind billiger und nicht so überfüllt wie die Alpen. Die Slowakei, mit ihren schönen Landschaften und den vielen Bergen und Wäldern, ist auch nicht weit weg.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Die Diktatur der Mehrheit

Nein, die Demokratie ist keine Diktatur der Mehrheit
Man sagt, dass in der Demokratie die Mehrheit regiert. Aber schon die alten Griechen wussten, dass es bestimmte Begrenzungen gibt. Einige Autoren, unter anderem der bekannte Tocqueville, haben vor einer Diktatur der Mehrheit in der Demokratie gewarnt. So etwas entsteht, wenn eine Mehrheit sich das Recht nimmt, eine Minderheit zu unterdrücken, zu verfolgen und ihr Rechte wegzunehmen.

So etwas ist  in der Geschichte mehrmals passiert, wie zum Beispiel beim Faschismus in Italien, der als eine von den Faschisten dominierte Sammlung von Parteien an die Macht kam, das sogenannte “Listone”. Der Nazismus in Deutschland wurde auch an die Macht gewählt. Es ist wahrscheinlich, dass beide diese Regierungen lange von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wurden. Dann stellt sich aber die Frage: Wenn die Mehrheit eines Landes sich einigt, eine Minderheit zu unterdrücken, dürfen wir das Demokratie benennen ? Selbstverständlich nicht. Die unantastbaren Grundrechte einer Minderheit dürfen nicht durch eine Entscheidung der Mehrheit weggenommen werden..

Dafür gibt es auch Beispiele, die nicht so lange zurückliegen. Ist es gerecht, der russischen Minderheit in der Ukraine den offiziellen Gebrauch der russischen Sprache zu verbieten, wenn die Mehrheit der Ukrainer dafür stimmt ? Ist es gerecht, die Krim illegal zu annektieren und die Ukraine zu überfallen, wenn die Mehrheit der Russen das unterstützt ? Wenn zwei Mehrheiten gegensätzlicher Ansichten sind, ist ein Krieg fast die logische Konsequenz.

Ist es gerecht, Rechte denjenigen wegzunehmen, die einen unterschiedlichen Lebensstil führen, wenn eine Mehrheit sich so etwas wünscht ? Im heutigen Russland ist die Antwort selbstverständlich ja. Russland ist heutzutage ein typisches Beispiel von Diktatur der Mehrheit, wenn wir die Statistiken glauben, laut derer die meisten Leuten immer noch Putin unterstützen..

Oft werden in den ehemaligen sozialistischen Ländern die Gefahren einer Diktatur der Minderheit nicht berücksichtigt, wenn man über Demokratie spricht. Für die meisten Leute hier steht im Gegensatz zur Demokratie eine Diktatur der Minderheit, die von einer externen Macht unterstützt wird, wie es zum Beispiel der Fall bei der Volksrepublik Polens war. Laut vielen Polen kann eine von einer Mehrheit getroffene Entscheidung nicht falsch sein.

Ein Paradebeispiel einer solchen Einstellung ist Lech Walesa, der immer noch populär ist. Als er den Kommunismus bekämpfte, fühlte er sich auf der richtigen Seite, “weil die meisten Polen mit uns waren”. Als er aber an die Macht kam, zeigte er aber, dass Antikommunist zu sein lange nicht heißt, auch ein Demokrat zu sein. Er hat mehrmals behauptet, dass Minderheiten wie Juden oder homosexuelle weniger politische Rechte haben sollten.  Wie antwortet er, wenn man ihm Diskriminierung vorwirft ? “Die meisten Polen sind der gleichen Meinung wie ich”.

Ich habe auch solche Erfahrungen in Polen gemacht. Es wurde zum Beispiel von mir verlangt, dass ich etwas in meinem Verhalten ändere, das niemanden störte. Warum hätte ich das machen sollen ? “Weil das eine Entscheidung der Mehrheit ist, und das ist die Demokratie”.  Es wäre fast das Gleiche, als würde man mich zwingen, Moslem zu werden, weil alle meine Kollegen Muslime sind. Manche Menschen sollten sich ein bisschen weiterbilden, bevor  sie so leicht das Wort “Demokratie” aussprechen.



Freitag, 12. Dezember 2014

Der Kunde hat immer Recht

Hier werden Arbeiter schnell und höflich bedient

Sollte der Kunde mit deiner Arbeit nicht zufrieden sein, ist es nicht besonders hilfreich zu versuchen, den Fehler bei ihm zu suchen oder zu behaupten, dass er Unrecht hat. Eine solche Einstellung wird negative Folgen haben, weil ein Kunde normalerweise jemanden sucht , der seine Probleme löst, mit dem es angenehm ist, zu arbeiten und der ihm nicht das Gefühlt gibt, blöd zu sein. Meistens ist die Beziehung mit einem Kunden asymmetrisch, weil du ihn mehr brauchst als er dich braucht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es andere Fachleute oder Firmen, die in der Lage sind, die gleiche Arbeit für ihn zu erledigen, und es ist unvermeidlich, dass er dich mit der Konkurrenz vergleichen wird.

Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass ein Kunde mit deiner Arbeit völlig zufrieden sein wird. Er wird immer neue Anforderungen stellen. Wenn er aber wirklich unzufrieden wäre, hätte er seit Langem aufgehört, mit dir zu arbeiten. Ich stelle mir eine Beziehung zu einem Kunden so ähnlich wie die Beziehung zu einem Ehepartner vor. Es ist nie eine gute Idee zu versuchen, seine Frau davon zu überzeugen, dass sie Unrecht hat. Allerdings beweist die Tatsache, dass sie immer noch mit dir zusammen ist, dass sie nicht völlig unzufrieden mit dir ist.

Es gibt aber auf jeden Fall wenige Leute in Osteuropa, die die Regeln der Beziehung zu den Kunden verinnerlicht haben. Diese Regeln habe ich aber immer als unantastbare Grundsätze betrachtet. Hier in Polen jedoch bemerke ich des Öfteren eine feindliche Einstellung zum Kunden, was in Westeuropa sehr ungünstig ist. Mehr oder weniger unterbewusst betrachten viele Polen den Kunden als den Feind, und nicht als einen Partner, mit dem ein gemeinsames Ziel erreicht wird - solange er bezahlen kann. Einer der Gründe dieser Einstellung ist die Tatsache, dass zur Zeit des Kommunismus waren es die Anbieter, die den Markt beherrschten.

Dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt Polen mögen den Kommunismus nicht erlebt haben, das heißt aber noch lange nicht, dass sie jetzt “Kapitalisten” sind. Wenn jemand in einem osteuropäischen Land geboren wurde und aufgewachsen ist, hat er nicht viele Vorbilder gehabt, von denen er die Kundenorientierung hätte erlernen können. Mit Sicherheit wird er sie nicht von seinen Eltern und Lehrern gelernt haben können, dagegen hat er von ihnen möglicherweise gelernt, dass er keine eigene Meinung haben und keine Eigeninitiative ergreifen sollte, und andere Verhaltensmuster, die in einer Marktwirtschaft nicht gerade förderlich sind. Was man als Kind gelernt hat, ist leider sehr schwierig zu verlernen, selbst nachdem man mehrmals erlebt hat, dass das Erlernte falsch ist.

Fortschritte hat es jedoch schon gegeben. Vor zwanzig Jahren wurde man in jedem Laden in Polen als ein unwillkommener Eindringling wahrgenommen. Jetzt haßen sie den Kunden zumindest nicht und betrachten ihn als einen gleichwertigen Mensch, was aber in so einer umkämpften Branche wie der IT oft nicht genug ist. Ein suboptimales Kundenservice wird teilweise durch niedrigere Preise kompensiert.

Jede Medaille hat aber zwei Seiten. Eine der positive Hinterlassenschaften des Kommunismus ist ein gut entwickeltes Ausbildungssystem,  das für alle talentierten Menschen zugänglich ist, unabhängig von der finanziellen Situation der Familie. Die technischen Fähigkeiten der polnischen Absolventen und ihre Motivation, neue Technologien zu erlernen, überraschen mich immer wieder. Abeitgeber verlangen aber nicht unbedingt soziale Fähigkeiten und geben sich mit Programmierern zufrieden, die nur technische Skills besitzen. Das ist aber nur ein weiterer Grund, um sich Soft-Skills anzueignen und sich somit von der Masse abzuheben. Dann stellt sich aber für manche Polen die Frage: Von wem sollte ich sie erlernen ?

Dienstag, 9. Dezember 2014

No...



Ich habe schon mehrmals im Polen beobachtet, wie jemand am Handy wiederholt sagte “No...No...No….” . Ich habe auch oft gehört, wie in einer Konversation unter Polen jemand auf eine Frage mit “No…” geantwortet hatte. In diesem Kontext bedeutet das polnische Wort “No” nicht “Nein”, wie man es erwarten könnte, sondern “Ja” ! Mit diesem Wort teilt man seinem Ansprechspartner mit, dass man ihn verstanden hat, das man einverstanden ist und man ermutigt ihn, weiterzureden.

Es ist mir schon passiert, dass ich auf eine Frage unterbewusst mit “No” geantwortet hatte, mit der Absicht, “Nein” zu sagen. Das wurde aber als “Ja” verstanden. “No” heißt auf Italienisch letztendlich “Nein”. Ich habe schon mehrmals die Geschichte von einem Italiener gehört, der zum Abendessen bei einer polnischen Familie eingeladenen wurde und nicht deutlich machen konnte, dass er nichts mehr zu essen und zu trinken wollte. Er wiederholte immer wieder “No!” (“Nein”), was seine Gastgeber aber so interpretierten : “No! Was ist das für eine Frage ? Selbstverständlich will ich mehr!”

Das Wort “Dziękuję” (“Danke”) hat auch eine versteckte Bedeutung. Mit diesem Wort kann man höflich “Nein” sagen, anstatt “Nie”, zum Beispiel wenn etwas zum Trinken angeboten wird. Um “Ja” zu sagen, sagt man “No” (oder “Tak”), um “Nein” zu sagen, sagt man “Dziękuję”, weil “Nie” unhöflich ist. Alles klar ?

Wenn man  “Dziękuję”  einem Kellner oder einem Taxifahrer sagt, nachdem man ihn gerade bezahlt hat, heißt das implizit “Bitte behalten Sie den Rest”. Normalerweise sagen die Polen nicht explizit “Reszty nie trzeba” sondern “Dziękuję”. Selbstverständlich kann man auch sagen, wieviel man genau bezahlen möchte. Trinkgeld ist in Polen aber nicht üblich.

Wen mann etwas kauft, sollte man nicht sagen “Ich hätte gern (ein Bier)”. Man sagt nicht “Chciałbym piwo*.”, sondern “Piwo, Proszę”, wie dieser Herr, oder "Poproszę o piwo". Das heißt “Ein Bier, bitte”. “Ich hätte gern ein Bier” klingt komisch.  Man würde auch nicht einen Gast fragen, ob er noch etwas zu trinken möchte, sondern einfach “Coś (jeszcze) podać ?”  - “(Noch) etwas bringen?“. In Polen, muss man schnell zum Punkt kommen.
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Obwohl die Polen Anglophile sind, verwenden sie polnische Wörter, wenn man englische erwarten könnte. Weil ich nicht wusste, dass “odprawa” auf Polnisch “check-in” heißt, habe ich einmal meinen Flug verpasst. Es sind aber die technische Wörter aus der Informatik, die mir die größten Probleme bereiten. “Query” (Abfrage) ist “zapytanie”, “by default” (defaultmäßig) ist “domyślnie”, “loop” (Schleife) ist “pętlo”, variable ist “zmienna” und “downloads” (Heruntergeladenes) sind “pobrane”.  Trotzdem erfinden meine Kollegen komische neue Wörter, wie zum Beispiel “butony” (ausgesprochen “batony”) für “buttons” (Knöpfe als GUI-Element). Dafür gibt es aber ein schönes polnisches Wort : “przycisk”.

Samstag, 29. November 2014

Włosi (Italiener)



Ich habe gerade das Buch “Włosi” (Italiener) zu Ende gelesen.
Das Buch ist von einem Polen geschrieben worden, der zehn Jahre lang in Italien gelebt hat und subjektiv über das Belpaese berichtet..

Als ich den Buchumschlag gesehen hatte, hatte ich viel Schlimmeres erwartet. Der Autor erzäht aber keine Sachen, die völlig falsch sind und zitiert sogar seine Quellen - Bücher und Artikel. Man kann aber nicht bezweifeln, dass es sich um ein subjektives Buch handelt und der Autor selber sagt es.  Bestimmte Themen werden in der Tat erwähnt, andere dagegen vermieden.

Wie in den meisten von Ausländern geschriebenen Büchern über Italien, macht man eine große Sache aus den regionalen Unterschieden und den vielen Dialekten. Das ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich zu Polen, wo es kaum regionale Unterschiede gibt, abgesehen von den großen Ausnahmen Schlesien und Kashubien. Dagegen überraschte es mich, dass er auf das Thema des unterentwickelten Südens eingeht. Es wird sogar über die brutale Unterdrückung und die Ausbeutung der Regierung im Süditalien nach der italienischen Vereinigung gesprochen, die in Italien immer noch teilweise Tabuthemen sind. Er schreibt dagegen sehr wenig über die Mafia, wahrscheinlich weil organisierte Kriminalität kein besonders interessantes Thema für die Leser ist - davon gibt es genug auch in Polen. Wenn das Buch von einem Deutschen oder von einem Ami geschrieben worden wäre, würde es mindestens ein ganzes Kapitel über dieses Thema geben.

Es war zu erwarten, dass er nichts über die große Autonomie schreibt, die die deutsche Minderheit in Südtirol genießt - die deutschsprächige Minderheit in Polen hat lange nicht die gleichen Rechte. Grundsätzlich werden Themen vermieden, die in Polen kontrovers sein könnten, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeiten, Klassenkämpfe, Terrorismus, Gewerkschaften und die Tatsache, dass viele Fabriken in Italien dichtgemacht werden, um in Polen wieder geöffnet zu werden, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Wenn es um Politik geht, schreibt er nur, dass in Italien man immer noch auf denjenigen wartet, der das Land retten wird, und dass die Politik die Leute nicht so sehr gegeneinander ausspielt, wie in Polen. Damit bin ich nicht unbedingt einverstanden.

Ein ganzes Kapitel ist der Modegeschichte in Italien gewidmet, über die industrielle Entwicklung des Landes wird aber kaum berichtet.Es interessiert den Autor nicht,dass Italien die zweitgrößte industrielle Kapazität in Europa hat, nach Deutschland. Anscheinend spricht er nicht gern über Wirtschaft oder Industrie, aber er schreibt, dass in Italien die “internationalen Geschäftsregeln” gelten. Das ist allerdings eine sehr gefährliche Behauptung in Polen, wo viele Leute davon überzeugt sind, dass ein bisschen English und das Kenntnis sogenannter “internationaler Geschäftsregeln” ausreicht, um international erfolgreich zu sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, die nationalen Besonderheiten zu kennen, um geschäftlich erfolgreich in einem bestimmten Land sein zu können.

Wahrscheinlich am lächerlichsten in dem Buch ist die Behauptung, dass die Italiener keine Bücher lesen. Angeblich lesen nur diejenigen, deren Handy- oder Notebook-Akkus gerade leer sind. Er zitiert einige Statistiken, schade aber, dass man anhand Statistiken leicht beweisen kann, dass die Polen noch weniger lesen. Darüber hinaus macht er sich lustig über erwachsene Italiener, die Comics lesen,was seiner Meinung nach nur für Kinder ist. Comics werden in Polen tatsächlich nicht als eine Literaturform gesehen, absehen von der großen Ausnahme von Thorgal.

Das Kapitel über Essgewohnheiten in Italien ist jedoch interessant.  Es stimmt, dass Italiener nur frisches Obst essen, das gerade in Saison ist. In Polen dagegen (wie übrigens auch in Deutschland) wird man zum Beispiel das ganze Jahr über Orangen finden, obwohl ich sie nicht unbedingt Orangen nennen würde. Als ich in Deutschland wohnte, nahm ich tatsächlich immer mit dem Auto frisches Obst nach Deutschland mit. Er erwähnt auch andere seltsame Gewohnheiten, wie das Cappuccinoverbot nach Mittag und das Käse-Mahl-Verbot zu dem Spaghetti allo Scoglio (mit Krustentieren). Er bringt den Polen bei, dass auf eine Pizza kein Ketchup gehört - das ist eine schlechte Gewohnheit, dass die Polen von den Amis übernommen haben. Die Polen imitieren sehr gerne die Amis.

Es mag sich für einen Polen lohnen, dieses Buch zu lesen, nur um die häufigsten Fallstricke der italienischen Sprache zu lernen. “Figa” ist auf Italienisch ein sehr schlimmes Wort, und kein Name, den man einem kleinen Tier geben kann. Man sollte die doppelten Konsonanten richtig aussprechen, weil “penne”  von “pene” und “anni” von “ani” unbedingt unterscheiden sollte. Genauso, wie man  übrigens man in Polen sehr schnell lernen sollte, dass man das Wort “Kurwa” vermeiden sollte und mit Kurven nichts damit zu tun hat. Ansonsten kann einem das gleiche wie einem Bekannten von mir passieren, der beinahe einen Verkehrsunfall verursachte, als er seinem polnischen Fahrer “Attento alla curva” sagte.