Pages

Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 25. Dezember 2015

Lesen auf Polnisch



Weil ich sehr gerne in den Büchern kritzele, kaufe ich Computerbücher normalerweise, anstatt sie aus der Bibliothek auszuleihen. Das ist auch der Grund, warum mich Bücher in elektronischem Format nicht begeistern. Auf diese Weise kann man aber schnell ein Vermögen in Büchern ausgeben.

Inzwischen ist es für mich kein Problem, Computerbücher auf Polnisch zu lesen. Das hat den Vorteil, dass solche Bücher wesentlich billiger sind. Zum Beispiel, wenn ich Angular.JS lernen möchte, könnte ich dazu Bücher auf Polnisch kaufen, entweder eines von einem Polnischen Author oder ein anderes aus dem Englischen übersetzt, die beide weniger als 10 Euros kosten. Wenn ich aber mehr über das gleiche Thema in Deutschland erfahren wollte, würde ich das gleiche Buch auf Englisch oder ein anderes von einem Deutschen Author finden, und in beiden Fällen würde ich mehr also 30 Euro ausgeben müssen.

Ich lese gerade ein Buch über Mikroservices, bei dem das Gleiche gilt. Das Buch auf Polnisch kostet ungefähr 10 Euro, andererseits kostet das Buch im Original, das ich in Deutschland kaufen könnte, ungefähr 40 Euro. Einen solchen Preisunterschied gibt es auch, zum Beispiel, bie dem Buch "Clean Code", das in Deutschland ungefähr viermal kostet als das Buch in Polnisch, das man in Polen kaufen kann. Wenn man Computerbücher kaufen muss und auf Polnisch lesen kann, ist das gut zu wissen. Als ich in Deutschland wohnte, gab ich tatsächlich ein Vermögen in Büchern aus. Von Italien wollen wir gar nicht erst sprechen, dort sind Computerbücher sogar noch teurer.

Lustigerweise sind die in polnisch übersetzten Computerbücher in Polen billiger als die gleichen Bücher in der Originalverfassung auf English. Polen, die kein Englisch lesen können, sind im Vergleich mit vielen ihrer Kollegen im Westeuropa im Vorteil. Sie haben oft keine Auswahl, weil sie ungefähr das Dreifache ausgeben würden, wenn sie unbedingt das Original lesen wollten. Ich nehme an, dass Übersetzungen ins Polnische nicht viel kosten. Das muss die einzige Möglichkeit sein, Bücher in den Markt einzuführen, die ansonsten niemand kaufen würde. Selbstverständlich haben Bücher in polnisch dann keinen Marktwert außerhalb Polens. Außerdem gibt es viele polnische Autoren, die für den heimischen Markt schreiben.

Der Preisunterschied ist nicht so atemberaubend, wenn es um normale Bücher geht. Ein Buch in deutscher Verfassung kostet typischerweise fünf Euro mehr als das gleiche Buch in Polnisch.
Bücher polnischer Autoren, in gebundener Ausgabe, kosten standardmäßig ungefähr vier-sechs Euro. Vergleichbare Bücher in Deutschland oder Italien würden einige Euros mehr kosten.

Wenn ich die jährliche Buchmesse in Kraków besuche, kaufe ich eine Menge Bücher ein, sodass ich für das ganze Jahr etwas zu lesen habe. Außerdem gibt es dort einen Rabatt. Kaum zu glauben, aber die Polen jammern, dass Bücher teuer sind...



Samstag, 15. August 2015

Neuer Polnischer Kapitalismus

"Neuer Polnischer Kapitalismus" von Jane Hardy
1989 wechselte Polen vom Kommunismus zum Kapitalismus. Es ist im Allgemeinen bekannt, dass Polen eine Schocktherapie umsetzte, die Staatsunternehmen zerlegte, sie an Privatunternehmer verkaufte und das Land fremdem Kapital öffnete, ohne auf irgendeine Weise lokale Firmen zu schützen. Anders als zum Beispiel in Russland und Jugoslawien, war die Schocktherapie in Polen einigermaßen erfolgreich und das Land wurde zu einem kapitalistischen Mekka, dessen BNE ununterbrochen wächst. So wurde uns wenigstens gesagt.

Die Wirklichkeit ist aber komplizierter. Die Privatisierung von Staatsunternehmen war nicht ausführlich. Vierzehn der fünfzehn größten Gesellschaften in Polen gehören dem Staat. Sie sind in Branchen wie Öl (Orlen, PGNiG, Lotos), Bergbau (KGHM Polska Miedź), Versicherung (PZU), Finanz (PKO SA), Energie (PGE) und Logistik (PKP) tätig. Die Mehrheitsmeinung in Polen ist, dass Firmen aus strategischen Branchen in Staatsbesitz bleiben sollten, ansonsten könnten sie in den Besitz von ausländischem Kapital geraten oder von Oligarchen erworben werden, die keinen Mehrwert erzeugen würden, wie es häufig der Fall in Russland ist. Ob diese Firmen vom Staat gut verwaltet werden - da scheiden sich die Geister.

Die Privatisierung in Polen traf hautpsächlich die Fertigungsbranche, wie zum Beispiel die Auto- und Elektrogeräteindustrie. Die meisten Staatsunternehmen wurden an ausländische Investoren verkauft, die sie in mehrere Teile zerlegten. Dabei behielten sie die guten Teilen und lösten die schlechten auf.  Manchmal war das einzige Ziel eines Einkaufs die Erwerbung von Immobilien und Personal, damit die Firma Fuß in dem Land fassen konnte. Das Ergebnis dieses Prozesses war die Schaffung eines ziemlichen effizienten Fertigungssektors in Polen, der aber fast vollständig im Besitz von fremdem Kapital ist. Die polnischen Arbeiter zeigten sich produktiver als diejenigen anderer Länder in Osteuropa, teilweise weil Polen schon während der kommunistischen Ära Waren für den Export nach den westlichen Märkten herstellte.

Die Transformation verursachte aber hohe soziale Kosten. Der Staat gewährleistet nicht mehr, was früher selbstverständlich war ( Wohnung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, Ausbildung, Kinderkrippen...). Die Arbeitslosigkeit ist nicht so hoch, nur weil viele Jugendliche von den offenen Grenzen Gebrauch gemacht haben und ausgewandert sind. Diejenigen, die in Polen geblieben sind,
müssen von Gehältern überleben, die sich im Bereich von 300 Euro bewegen, daher suchen sie oft einen zweiten Job. Es muss erwähnt werden, dass importierte Waren in Polen ebenso viel wie in der Eurozone kosten. Die Gewerkschaften sind stark in Staatsunternehmen, sind aber ziemlich ineffektiv in privaten Firmen, in denen eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sogar zur Entlassung führen kann.

Das Gefühl ist aber verbreitet, dass es im Land unausweichlich aufwärts geht. Weil es den Polen nicht erlaubt wird, die Mängel an Waren und die Schlangen der Kommunistischen Ära zu vergessen, muss auf sie das Einkaufen in einem der vielen Einkaufszentren fast befreiend vorkommen, selbst wenn sie wenig Geld haben. Dank den Finanzierungen der Europäischen Union konnte eine bessere Infrastruktur gebaut werden, wie zum Beispiel Straßen, Flughäfen, Eisenbahnlinien, Aquädukte, Krankenhäuser und Universitätsgebäuder. Es gibt lokale Unternehmen, die einen ungleichen Kampf gegen multinationale Firme führen, die sogar Steuererleichterungen in Polen genießen. Weil die Polen sich aber immer noch am meisten vor den Russen und vor einer möglichen Rückkehr des Kommunismus fürchten, unterstützen sie nach wie vor den Weg zum Neoliberalismus.

Samstag, 25. Juli 2015

Eine neue Sprache lernen

Die Flagge Kroatiens, wie von einigen Polen gesehen wird...

Ich kann sieben Sprachen sprechen, abgesehen von Esperanto: Italienisch, Deutsch, English, Polnisch, Französisch, Russisch, Spanisch - in der Reihenfolge, wie gut ich sie beherrsche. So behaupte ich es wenigstens. In der Tat gibt es noch viel, was ich in jeder dieser Sprachen noch lernen könnte. Seit langem möchte ich trotzdem mit dem Lernen einer weiteren Sprache anfangen. Ich wusste aber nicht, welche.

Bevor ich ernsthaft mit dem Lernen einer Sprache beginne, muss ich davon überzeugt sein, dass mir das Land, in dem sie gesprochen wird, einigermaßen gefällt. Es sollte auch nicht so schwierig sein, interessantes Material in der jeweiligen Sprache finden zu können. Es ist wichtig, dass es Bücher, Comics, Lieder und Filme in meiner Zielsprache gibt, die mich ansprechen.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, interessiere ich mich seit langem für die polnische Sprache. Am Anfang konnte ich kein interessantes Material auf Polnisch finden. Jetzt lese ich aber in dieser Sprache Comics und Bücher, höre Musik, schaue mir Filme und sogar Komplettlösungen von Computerspielen an. Daher habe ich in diesem Bereich keine Probleme mehr.

Rumänisch ist eine der Sprachen, die mich faszinieren. Ich habe aber Rumänien besichtigt und ich war nicht gerade begeistert. Unter anderem, Buchhandlungen und Bibliotheken in Rumänien sind durchwachsen. Außerdem geben Rumänen in der Europäischen Union am wenigsten für Kultur aus. Ich mag rumänische Musik, das reicht aber nicht aus. Daher beschloss ich, diese Sprache aus meiner Liste durchzustreichen. Es wäre allerdings nicht schwierig gewesen, sie zu lernen, weil sie der Gruppe der neulateinischen Sprachen gehört.

Ich wünschte, ich hätte eine gute Ausrede, um Ukrainisch zu lernen, denn diese Sprache gefällt mir sehr gut. Außerdem ist die Ukraine ein sehr großes Land, und ein Leben würde nicht ausreichen, um es vollständig zu erkunden. Das Land könnte ein großes Potenzial haben, insbesondere in meiner Branche, was die immer noch zu wenige dort angesiedelten erfolgreichen IT-Firmen teilweise beweisen. Es ist aber leider schwierig Geschäfte in Ukraine zu machen. Insbesonderes nach den letzten Ereignissen ist es unwahrscheinlich geworden, dass ich innerhalb meines Lebens die Ukraine in der Europäischen Union erleben werde.

Vor einigen Jahren habe ich Kiew besichtigt, und in diesem Jahr habe ich einen kurzen Ausflug nach Lemberg gemacht. Obwohl die russische Propaganda das Gegenteil behauptet, waren die meisten Konversationen, die ich in Lemberg gehört habe, auf Russisch und nicht auf Ukrainisch. Die meisten Filme im Fernsehen und die Musik, die man hört, sind auf Russisch. Auch die meisten Bücher in Buchhandlungen sind auf Russisch. In Ukraine ist die Arbeitssprache in vielen Branchen, einschließlich die IT-Branche, immer noch Russisch. Trotz meiner Vorliebe für die ukrainische Sprache, könnte ich es mir selber nicht rechtfertigen, wenn ich viel Zeit in das Lernen einer Sprache investieren würde, die nicht einmal in ihrem Ursprungsland weitgehend gesprochen wird.

Vor zwanzig Jahren hätte ich den ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass er serbokroatisch lernen möchte. Warum die Sprache eines Landes lernen, wo ein grausamer Bürgerkrieg tobt? Der Krieg ist aber schon lange zu Ende. Letztes Jahr bin ich erst in Belgrad und dann bei einer Polyglottkonferenz in Novi Sad gewesen, und dieses Jahr war ich bei einem Kunden in Split. Mit Serbokroatisch (das jetzt zu einer polyzentrischen Sprache geworden ist, aufgeteilt in Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Montenegrinisch) bin ich schon früher in Kontakt gekommen und die Sprache hat mir gut gefallen - ich finde, sie ist eine der schönsten Sprachen in Europa.

Lohnt es sich überhaupt, Serbokroatisch zu lernen ? Das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist sehr  ausgedehnt und ein Leben würde nicht ausreichen, um es zu erkunden. Kroatien ist schon in der Europäischen Union, während Serbien, Montenegro und Bosnien in die europäische Wirtschaft integriert sind, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Länder in die Europäische Union eintreten. Die Ukraine dagegen handelt immer noch vorwiegend mit Russland. Die IT-Branche macht auch in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens Fortschritte.

Und wie sieht es mit der Kultur aus ? Mir gefällt die serbokroatische Musik, und ich habe sogar ein Blog darüber erstellt. Obwohl sie sich gegenseitig bekämpft haben, hören die Völker im ehemaligen Jugoslawien die gleiche Musik - kroatische Sängerinnen treten in Serbien auf, und umgekehrt. Buchhandlungen und Bibliotheken sind gut gefüllt, und man kann viele Bücher in diesen Sprachen über IT und andere interessante Themen kaufen. Es gibt auch eine gute Auswahl an gehobenen Comics. In diesen Sprachen gibt es auch viele Filme, sowohl moderne als auch welche aus der Jugoslawien-Ära. Die Leuten dort bevorzugen aber ausländische Filme; heimische Filme findet man in Buchhandlungen nicht und sie werden im Fernsehen nicht gezeigt.

Daher habe ich mich entschlossen, im Juli ein paar Wochen in Zagreb zu verbringen, um Kroatisch zu lernen. Ich habe mir dort Kroatisch von einer privaten Lehrerin beibringen lassen, die mir von der Sprachschule "Sputnik" vermittelt wurde. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wenigstens die Stufe A2 erreichen werde. Ich habe zwölf Bücher auf Serbisch und Kroatisch gekauft, Material zum Übern wird mir also nicht fehlen. Ich muss eher aufpassen, dass ich Kroatisch nicht mit den anderen slawischen Sprachen die ich lerne - Polnisch und Russisch - mische.  Darüber werde ich in einem anderen Post schreiben.

Freitag, 6. März 2015

Viva Polonia


Ich habe gerade das Buch "Viva Polonia" von Steffen Möller gelesen, der sich als einen "deutschen Gastarbeiter in Polen" betrachtet. Ich bin gegenüber diesem Buch immer skeptisch gewesen, weil ich schon einige Teile im Polnischkurs gelesen hatte und mir seine Meinungen über die polnische Sprache nicht gefallen haben. Er vergleicht Polnisch mit anderen Sprachen wie Englisch und Italienisch. Meiner Meinung nach wäre ein Vergleich mit anderen osteuropäischen Sprachen viel sinnvoller.

Das Buch ist aber interessant und es lohnt sich, es zu lesen. Der Autor empfindet Hassliebe für Polen. In diesem Land hat er aber seine Berufung gefunden und ist zu einem bekannten Schauspieler und Komödianten  geworden. Alle erkennen ihn, wenn er unterwegs ist. Daher lernt er interessante Leute kennen, wie zum Beispiel einen ehemaligen deutschen Soldaten, der während des zweiten Weltkriegs desertierte, und nie nach Deutschland zurückgekehrt ist, weil er sich für seinen Verrat schämte.

Ich kann viele von seinen Äußerungen nachvollziehen. Wie ich auch, versteht der Autor den polnischen Humor nicht und findet, dass die Polen wenig kommunikativ und pessimistich sind und viel jammern - und das kommt von einem Deutschen ! Es gibt viele interessante Bemerkungen, wie zum Beispel, dass es in Polen sehr früh dunkel wird, weil das Land sich in der gleichen Zeitzone wie Spanien befindet, oder dass die Polen sehr gerne Kosenamen verwenden. Deswegen ist ein Besuch beim Zahnarzt nicht so schrecklich, weil dort nur das Karieslein auf dem Zahnlein geheilt wird.

Mit anderen Äußerungen bin ich nicht unbedingt einverstanden. Abgesehen von den Beschwerden über die Sprache (die eigentlich nicht schwieriger als viele andere Sprachen ist) hat mich die Meinung insbesonders verblüfft, dass die Polen.... die Italiener Nordeuropas sind, weil sie nicht die gleichen Ängste und Bessesenheiten der Deutschen teilen. Aus den gleichen Gründen könnte man behaupten, dass Inder, Griechen und Morokkaner auch Italiener sind. Ich bin aber der Meinung, dass die Polen und Deutschen sich sehr ähneln. Sie sind übrigens auf die gleiche Art von Regelungen besessen. Möglicherweise würden viele Deutschen und Polen diese Meinung nicht teilen.


Am nützlichsten in dem Buch sind höchstwahrscheinlich die praktischen Tips. Man sollte schon wissen, dass das Dreieck für die Herrentoilette und der Kreis für die Damentoilette steht - und niemand weiß warum. Die angenehmsten Teile des Buches sind aber die Beschreibungen einiger Alltagssituationen in Polen - wie zum Beispiel Kirchenbesuche, Zugfahrten und Arbeitssituationen, währenddessen praktisch ohne Unterbrechung Witze erzählt werden.

Samstag, 29. November 2014

Włosi (Italiener)



Ich habe gerade das Buch “Włosi” (Italiener) zu Ende gelesen.
Das Buch ist von einem Polen geschrieben worden, der zehn Jahre lang in Italien gelebt hat und subjektiv über das Belpaese berichtet..

Als ich den Buchumschlag gesehen hatte, hatte ich viel Schlimmeres erwartet. Der Autor erzäht aber keine Sachen, die völlig falsch sind und zitiert sogar seine Quellen - Bücher und Artikel. Man kann aber nicht bezweifeln, dass es sich um ein subjektives Buch handelt und der Autor selber sagt es.  Bestimmte Themen werden in der Tat erwähnt, andere dagegen vermieden.

Wie in den meisten von Ausländern geschriebenen Büchern über Italien, macht man eine große Sache aus den regionalen Unterschieden und den vielen Dialekten. Das ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich zu Polen, wo es kaum regionale Unterschiede gibt, abgesehen von den großen Ausnahmen Schlesien und Kashubien. Dagegen überraschte es mich, dass er auf das Thema des unterentwickelten Südens eingeht. Es wird sogar über die brutale Unterdrückung und die Ausbeutung der Regierung im Süditalien nach der italienischen Vereinigung gesprochen, die in Italien immer noch teilweise Tabuthemen sind. Er schreibt dagegen sehr wenig über die Mafia, wahrscheinlich weil organisierte Kriminalität kein besonders interessantes Thema für die Leser ist - davon gibt es genug auch in Polen. Wenn das Buch von einem Deutschen oder von einem Ami geschrieben worden wäre, würde es mindestens ein ganzes Kapitel über dieses Thema geben.

Es war zu erwarten, dass er nichts über die große Autonomie schreibt, die die deutsche Minderheit in Südtirol genießt - die deutschsprächige Minderheit in Polen hat lange nicht die gleichen Rechte. Grundsätzlich werden Themen vermieden, die in Polen kontrovers sein könnten, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeiten, Klassenkämpfe, Terrorismus, Gewerkschaften und die Tatsache, dass viele Fabriken in Italien dichtgemacht werden, um in Polen wieder geöffnet zu werden, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Wenn es um Politik geht, schreibt er nur, dass in Italien man immer noch auf denjenigen wartet, der das Land retten wird, und dass die Politik die Leute nicht so sehr gegeneinander ausspielt, wie in Polen. Damit bin ich nicht unbedingt einverstanden.

Ein ganzes Kapitel ist der Modegeschichte in Italien gewidmet, über die industrielle Entwicklung des Landes wird aber kaum berichtet.Es interessiert den Autor nicht,dass Italien die zweitgrößte industrielle Kapazität in Europa hat, nach Deutschland. Anscheinend spricht er nicht gern über Wirtschaft oder Industrie, aber er schreibt, dass in Italien die “internationalen Geschäftsregeln” gelten. Das ist allerdings eine sehr gefährliche Behauptung in Polen, wo viele Leute davon überzeugt sind, dass ein bisschen English und das Kenntnis sogenannter “internationaler Geschäftsregeln” ausreicht, um international erfolgreich zu sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, die nationalen Besonderheiten zu kennen, um geschäftlich erfolgreich in einem bestimmten Land sein zu können.

Wahrscheinlich am lächerlichsten in dem Buch ist die Behauptung, dass die Italiener keine Bücher lesen. Angeblich lesen nur diejenigen, deren Handy- oder Notebook-Akkus gerade leer sind. Er zitiert einige Statistiken, schade aber, dass man anhand Statistiken leicht beweisen kann, dass die Polen noch weniger lesen. Darüber hinaus macht er sich lustig über erwachsene Italiener, die Comics lesen,was seiner Meinung nach nur für Kinder ist. Comics werden in Polen tatsächlich nicht als eine Literaturform gesehen, absehen von der großen Ausnahme von Thorgal.

Das Kapitel über Essgewohnheiten in Italien ist jedoch interessant.  Es stimmt, dass Italiener nur frisches Obst essen, das gerade in Saison ist. In Polen dagegen (wie übrigens auch in Deutschland) wird man zum Beispiel das ganze Jahr über Orangen finden, obwohl ich sie nicht unbedingt Orangen nennen würde. Als ich in Deutschland wohnte, nahm ich tatsächlich immer mit dem Auto frisches Obst nach Deutschland mit. Er erwähnt auch andere seltsame Gewohnheiten, wie das Cappuccinoverbot nach Mittag und das Käse-Mahl-Verbot zu dem Spaghetti allo Scoglio (mit Krustentieren). Er bringt den Polen bei, dass auf eine Pizza kein Ketchup gehört - das ist eine schlechte Gewohnheit, dass die Polen von den Amis übernommen haben. Die Polen imitieren sehr gerne die Amis.

Es mag sich für einen Polen lohnen, dieses Buch zu lesen, nur um die häufigsten Fallstricke der italienischen Sprache zu lernen. “Figa” ist auf Italienisch ein sehr schlimmes Wort, und kein Name, den man einem kleinen Tier geben kann. Man sollte die doppelten Konsonanten richtig aussprechen, weil “penne”  von “pene” und “anni” von “ani” unbedingt unterscheiden sollte. Genauso, wie man  übrigens man in Polen sehr schnell lernen sollte, dass man das Wort “Kurwa” vermeiden sollte und mit Kurven nichts damit zu tun hat. Ansonsten kann einem das gleiche wie einem Bekannten von mir passieren, der beinahe einen Verkehrsunfall verursachte, als er seinem polnischen Fahrer “Attento alla curva” sagte.