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Samstag, 3. Oktober 2015

Alte und neue Złoty


Eine Millione alter Złoty - damit könnte man ein Cappuccino kaufen
Man verwendet den Euro in Polen nicht, und wegen der letzten Ereignisse in Griechenland sind die Polen nicht gerade begeistert von der Idee, ihn in ihrem Land einzuführen. Das polnische Wirtschaftswunder würde möglicherweise ins Stocken geraten, wenn der Złoty-Kurs auf dem Währungsmarkt nicht frei schwanken dürfte. Andererseits behaupten viele heimische und internationale Firmen, dass sie mit einer gemeinsamen Währung ihre Abwicklungsverfahren vereinfachen könnten und Geld sparen würden. Es ist zugleich ein Vorteil und ein Nachteil, sich außerhalb der Euro-Zone zu befinden.

Auch erfüllt Polen die Budgetanforderungen noch gar nicht, die für einen Eintritt in die Eurozone erforderlich wären. Um ihnen gerecht zu werden, müsste das Land die Sozialausgaben dermaßen kürzen, dass das für einen großen Teil der Bevölkerung inakzeptabel wäre. Daher glaube ich, dass der Złoty noch eine Weile bleiben wird.

Der Złoty ist eine einigermaßen stabile Währung und wird zu einem Kurs von ca. vier Złoty je Euro getauscht. Das ist aber nicht immer so gewesen. Polen erlebte nämlich am Anfang der Neunziger Jahre eine dreistellige Inflation (die sogar 640% erreichte), wie übrigens auch viele andere osteuropäische Länder. Viele Menschen verloren ihre sämtlichen Ersparnisse. Eine solche Erfahrung kann man nur nachfühlen, wenn man sie selber einmal erlebt hat.

Dann gab es den Wechsel von den alten Złoty zu den neuen. Ein neuer Złoty wurde gegen 10.000 alte Złoty getauscht. Dann konnte es einem passieren, dass man in Polen um 30.000 Złoty gebeten wurde, wenn es in Wirklichkeit um drei Złoty ging. Es gab lauter Gauner, die beim Geldwechsel alte Złoty statt neue herausgaben. Übrigens rechnen viele Leute heute immer noch in ihren Köpfen mit alten Złoty.

Geld war in den Zeiten des Sozialismus nicht viel wert. Es ist ein Gerücht, dass die Preise damals niedriger waren. Es stimmt aber allerdings, dass man lange Schlange stehen musste und es in den Geschäften nicht viel zu kaufen gab.

Das ist der Grund, warum für Leute aus Osteuropa das Geld nicht den gleichen Wert hat wie für die Leute in den sogenannten westlichen Ländern. Für mich ist es immer selbstverständlich gewesen, dass man mit Geld alles - außer Liebe und Freundschaft - kaufen kann. Geld ist aber nur solange etwas wert, wie die Wirtschaft des Landes einigermaßen stabil ist. Wenn sie zusammenbricht, wie es in der Polnischen Volksrepublik passiert ist, ist eine galoppierende Inflation die wahrscheinliche Folge.

Es ist daher nicht überraschend, dass die meisten Polen die Häuser besitzen, in denen sie wohnen, weil sie mehr Vertrauen in Immobilieneigentum als in bedrucktes Papier haben. Es ist sogar üblich, dass man einen Kredit aufnimmt, um in den Urlaub fahren zu können. Es ist besser sein Geld heute auszugeben, wenn es noch etwas wert ist, als es auf der Bank zu lassen, mit dem Risiko, es alles bei der nächsten Krise zu verlieren. Am Ende sind die echten Gewinner während einer hohen Inflation nämlich diejenigen, die hohe Schulden haben.

Deshalb ist es besser hundert Freunde als hundert Rubbel zu haben. Ich habe schon geschrieben, dass Polen ihren Platz in einer Schlange niemals aufgeben würden. Andererseits ist es wahrscheinlicher, dass sie einem Fremden Geld anbieten, der gerade knapp bei Kasse ist. Schließlich ist dein Geld heute etwas wert, aber morgen könnte es nichts mehr wert sein. Deshalb könnte es besser sein jemandem zu helfen, der später den Gefallen erwidern könnte.


Dienstag, 20. Mai 2014

Bürokratie



Wenn man in ein anderes Land zieht, selbst innerhalb der europäische Union , muss man sich um viele bürokratische Angelegenheiten kümmern. Der erste wichtige Schritt war für mich das Anlegen eines Bankkontos, was erforderlich war, um mein Gehalt zu bekommen. Diese Aufgabe konnte ich bei einer internationalen Bank selbst ohne PESEL erledigen, was in Polen nicht unkompliziert ist.

Mein PESEL bekam ich erst nach anderthalb Monaten durch meine Firma. Das ist eine eindeutige Identifikationsnummer, die für viele bürokratische Vorgänge erforderlich ist. Meine Firma meldet mich beim ZUS (Zakład Ubezpieczeń Społecznych) an, das für Renten- und Krankenversicherung verantwortlich ist.

Das PESEL ist notwendig, um sich in Polen beim Ausländeramt anzumelden. Das muss man direkt im Büro machen, dazu muss man ein Formular ausfüllen und zahlreiche Unterlagen einreichen, außerdem muss man eine Bescheinigung eines Arbeitsverhältnisses beilegen.

Die Anmeldung beim Ausländeramt ist wiederum notwendig, um seinen Aufenthaltsort im Rathaus anzumelden. Dafür braucht man auch einen Mietvertrag. Die Anmeldung eines Aufenthaltsorts braucht man unter Anderem für die Steuererklärung und für die Anmeldung beim Konsulat.

Die Steuererklärung muss man in Polen spätestens bis Ende April einreichen, sonst droht eine Strafe. Als Arbeitnehmer musste ich nur die Daten vom PIT-11 Formular, das mir von der Firma gegeben wurde, ins Formular PIT-37 übertragen, und es im Steueramt abgeben. Dort bekam ich auch die Bescheinigung der Steuerresidenz in Polen, die ich nach Deutschland schicken muss – um die Steuern nur in einem Land zahlen zu müssen.

Der Umgang mit der polnischen Bürokratie war nicht so schlecht, wie ich mir vorstellte. Die Schlangen vor den Schaltern waren nicht lang, die Konsulate und das Ausländeramt waren sogar fast leer – anscheinend gibt es sehr wenige Ausländer in Polen. Den meisten Polen ist es nicht klar, dass ein Ausländer so viele bürokratische Vorgänge erledigen muss. Manche versuchten sogar, mich von der Anmeldung meines Aufenthaltsort abzuhalten, weil sie diesen Vorgang irgendwie mit dem früheren Regime assoziieren. Es stimmt auch, dass die Beamten nicht übermäßig freundlich sind – meine Angelegenheiten wurde aber immer ziemlich schnell erledigt.