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Montag, 28. März 2016

Lernen wir Russisch



Endlich habe ich das Ergebnis meiner C1-Prüfung der polnischen Sprache erhalten, die ich im Dezember letzten Jahres abgegeben habe. Ich habe sie mit 98% bestanden. Jetzt werde ich mich aber von der polnischen Sprache etwas erholen. Ich wollte nämlich kroatisch lernen, aber erst nachdem ich einen guten Kenntnisgrad der russischen Sprache erreicht habe. Mit einem B2-Niveau wäre ich zufrieden, weil ich die B1-Prüfung schon vor einigen Jahren abgegeben habe - in Kiew, Ukraine, übrigens.

Wegen der aktuellen politischen Lage in Russland, habe ich nicht wirklich Lust, einen Russischkurs in Russland oder in einem anderen russischsprachigen Land zu besuchen, um dann dort die Prüfung abzulegen. Außerdem habe ich mich immer noch nicht entschieden, ob ich die ECL-Prüfung (leicht) oder diejenige der Russischen Föderation (schwieriger) machen werde. In diesem zweiten Fall habe ich Angst, dass ich mit Politik zu tun haben könnte, und dass ich bei meiner Äußerungen vorsichtig sein sollte. Dazu habe ich nicht unbedingt Lust. Andererseits habe ich schon Sommerkurse in Moskau und Sankt Petersburg besucht, als es schon Spannungen zwischen dem Westen und Russland gab. Trotzdem waren die Professoren sehr professionell, sogar wenn sie unterschiedlicher Meinungen waren, als ich es gewohnt bin.

Ich möchte die B2-Prüfung der Russischen Sprache im Mai ablegen, aber bis dahin bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich habe dann versucht, einen Privatlehrer zu finden, der mir Nachhilfe geben könnte. Ich habe im Portal e-korepeticje gesucht und endlich habe ich eine Lehrerin mit guten Rezensionen gefunden. Ich bin zu ihr nach Hause gegangen und dann gab sie mir eine Probelektion. Sie vertrat ziemlich seltsame Meinungen - zum Beispiel, dass alle Kroaten faschistisch sind und dass sie nicht slawisch seien. Zu meinen Einwänden erwiderte sie, dass sie nichts überprüfen müsse, weil sie als Russin alles über Slawen weiß, und ich nichts wisse. Ich entschied mich, keine Lektionen mehr bei ihr zu machen.

Also habe ich eine Probelektion im Russischem Kulturzentrum gemacht. Dort fand ich die Leute einigermaßen normal, abgesehen von den typischen Russischen Meinungen. Ich habe mich für einen Semesterkurs angemeldet. Ich werde jeden Dienstag und Mittwoch bis Juli den Kurs besuchen. Danach habe ich vor, im Juli die B2-Prüfung der Russischen Föderation zu absolvieren.

Am Kurs nehmen ungefähr zehn Teilnehmer teil, die meisten davon sind schüchterne Studentinnen. Ich habe endlich die Chance zu sehen, wie schwierig Russisch für Polen ist. Es ist für sie in der Tat nicht so leicht, als ich dachte. Polen verstehen leichter grammatische Begriffe wie Aspekte der Verben, weil sie in beiden Sprachen gleich sind.  Es ist auch leichter für Polen Wörter zu lernen, die auf Russisch ähnlich sind. Trotzdem ist es selbst für Polen nicht leicht, ein gutes Niveau der russischen Sprachen zu erreichen - und nicht nur wegen dem Mangel an Motivation.


Dienstag, 1. März 2016

Verkleinerungsformen in Polnisch

Vati, Vati, was ist die Verkleinerungsform von "Waage"? ....

Als ich mich für die B2-Prüfung der polnischen Sprachen vorbereitet habe, habe ich am meisten das Kapitel über die Verkleinerungsformen der Substantive gehasst. Ich dachte, sie wären nicht wichtig, und dass die Regeln, wie man sie bildet, lächerlich kompliziert sind. Ich habe aber erst in letzter Zeit wahrgenommen, wie sehr die Polen in ihre Verkleinerungsformen verliebt sind.

Ich erinnere mich noch, dass Stephen Möller ein ganzes Kapitel über Verkleinerungsformen geschrieben hat. Er geht lieber in Polen zum Zahnarzt, wo das Karieslein aus dem Zähnlein entfernt wird, und aus dem Mündchen das Zahnsteinlein entfernt wird, und danach ist alles sauberlein (Ja, die Ärzte und insbesondere die Ärztinnen in Polen sprechen wirklich auf diese Weise)

Wenn ich ins Restaurant gehe, geben sie mir ein Nummerchen, um mich zu rufen, sobald das Salätchen fertig ist. Dann fragen sie mich, ob ich ein Säftchen aus dem Kühlschränklein möchte. Ich gehe zum Theater, und dort kaufe ich ein Eintrittskärtchen für ein Sitzplätzchen, von dem aus ich mir die Vorführung anschauen kann (Vielleicht ein "Theaterstückchen"). Und ich zahle in Zlotichen..

Man könnte vielleicht denken, dass wenigstens am Arbeitsplatz in Polen nicht auf diese Weise gesprochen wird ? Das wäre aber falsch. Man führt Testchen aus, um herauszufinden, ob das Programmchen funktioniert. Dann schreibt man ein Reportchen in einem Excelchen-Dateilein. Hast du ein Fräglein zu deinem Aufgäbchen ? Schau mal im Internetchen und finde ein Hinweischen, wie dein Problemchen gelöst werden kann.

Wenn sie auf diese Weise sprechen ist ihr Sprechton ganz normal, daher erkennt man die Verkleinerungsformen nicht, wenn man nicht aufpasst. Was machen wir denn ? Ich werde in meinem Bloglein ein Postchen über dieses Themachen schreiben.


Sonntag, 7. Februar 2016

Taxifahrer


Was ich in Krakau oft tue, ist ein Taxi zu nehmen. Auch heute bin ich mit dem Taxi zur Arbeit gefahren, und es hat mich 12 zloty gekostet - ungefähr 3 Euro. Ungefähr das Gleiche wie eine U-Bahnkarte in München.

Weil Krakau eine sehr kompakte Stadt ist, kann man überall in einer halben Stunde hinfahren, wenn man mit einem Taxi fährt. Normalerweise nehme ein Taxi, wenn ich zu einem neuen Platz fahren muss und ich es eilig habe. Dann fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, weil ich mehr Zeit habe und sehr genau weiß, wo ich wohne. Nachts fahre ich aus Sicherheitsgründen immer mit dem Taxi.

Es gibt viele Firmen in Krakau, die Taxiservices anbieten. Die Preise sind wegen der hohen Konkurrenz niedrig. Das ist der Grund, warum Uber und Car Sharing in Polen nicht verbreitet sind. Außerdem sind Taxi sehr flexibel, sie warten zehn Minuten und länger, ohne dass man dafür bezahlen muss. Sie fahren sowohl alte als auch neue Wagen.

Die Taxifirma, mit der ich normalerweise fahre, hat mich unter dem Namen "Obcokrajowec" (Ausländer) gespeichert. Offensichtlich war ich es nicht wert, mit meinem echten Namen in ihrer Datenbank gespeichert zu werden. Allerdings sind Ausländer in Polen immer noch seltsame Tiere und in Polen leicht zu erkennen.

Ein Ausländer, der Polnisch sprechen kann, ist ein noch seltsameres Tier, das die Neugier der Taxifahrer erweckt. Normalerweise spreche ich nicht während der Fahrt, es sei denn, der Fahrer fängt die Konversation an. Viele Taxifahrer erzählen interessante Geschichten, einige von ihnen haben einige Jahre im Ausland verbracht und dann sind sie nach Polen zurückgekommen.

Normalerweise gebe ich ihnen ein Trinkgeld, was in Polen nicht selbstverständlich ist. Und ich bitte immer um die Quittung. Nicht, weil ich ein ehrlicher Bürger bin, sonder weil man nur auf diese Weise das Taxi mit Sicherheit wiederfinden kann. Es ist mir schon passiert, dass ich mein Mobiltelefon in einem Taxi vergessen habe, aber dank der Quittung konnte ich es wieder finden. Das ist ein Grund mehr, um mit dem Taxi anstatt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren - es ist wahrscheinlicher, dass man verlorene Sachen wieder findet...

Mittwoch, 13. Januar 2016

Spielen auf Polnisch

Theme Hospital auf Polnisch
Computerspiele sind eine Zeitverschwendung, damit sind wir alle einverstanden. Dabei kann man aber wenigstens Fremdsprachen üben. In der Tat habe ich viel English und Deutsch aus Computerspielen gelernt. Man kann Wörter lernen, die in alltäglichen Konversationen nicht auftauchen würden. Wenn es Dialoge gibt, helfen sie dabei, das Hörverstehen zu verbessern. Sie sind meiner Meinung nach dafür noch besser geeignet als Filme.

Man könnte es erwarten, dass es für die meisten Computerspiele keine polnische Version gibt.
Laut dieser Statistik rangiert Polen auf Platz 19 am weltweiten Computerspielemarkt. Groß genug, um eine Übersetzung von Spielen wie Civilization V und Mount and Blade zu gewährleisten - zuletzt habe ich letzteres am Meisten gespielt.

Wenn die Spielverlage keine polnischen Versionen liefern, kümmert sich die Community darum. Davon kann man sich selbst überzeugen, wenn man sich das Portal "Graj po polsku", das heißt "Spiel es auf Polnisch", anschaut. Zu dessen größten Projekten zählt die Übersetzung des Spiels  "Europa Universalis IV" ins Polnische, die aber mit den dauernd veröffentlichten neuen Versionen des Spiels nicht mithalten kann.

Außerdem hat die Community polnische Übersetzungen von Spielen veröffentlicht, die mir sehr gut gefallen, wie zum Beispiel  "Railroad Tycoon 3", "Sid Meier's Pirates" und "Theme Hospital". Allerdings fehlen in einigen dieser Übersetzungen die polnischen Zeichen, so sind sie für das Üben der Sprache nicht am geeignetsten.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, gibt es Spiele, die ich nicht spielen würde. Ich schaue mir manchmal "Let's play" Videos von solchen Spielen an. Das sind nämlich sogenannte Computer-Rollenspiele, die am nützlichsten sind, um Fremdsprachen zu üben.


Dienstag, 29. Dezember 2015

Dying Light



In diesem Jahr haben zwei polnische Computerspiele weltweite Anerkennung erreicht. Eines davon ist "Witcher 3", von CD Project, worüber ich in einem vorigen Post berichtet habe und welches inzwischen mindestens sechs Millionen mal verkauft wurde. Das andere Spiel ist  "Dying Light", von Techland, das mindestens fünf Millionen mal verkauft wurde .

"Dying Light" ist im Gegensatz zu den zwei anderen Spielen, worüber ich schon geschrieben habe,  "Witcher 3" und "This War of Mine" , ein Spiel, das nicht einmal versucht, originell zu sein. Wie ein anderes erfolgreiches Produkt von Techland, "Dead Island", spielt es in einer post-apokalyptischen, Zombie-verseuchten Welt - ein sehr abgedroschenes Thema.  Wenigstens in diesem Fall hat sich die Epidemie nicht in die ganze Welt ausgebreitet, sondern ausschließlich in der erfundenen Stadt von Harram, die sich stark an Istanbul anlehnt. Die Stadt befindet sich im Spiel in einer Quarantäne.

Der Spielhauptprotagonist, Crane, ist ein US-Agent, der nach Harram geschickt wurde, um das Ausbreiten der Infektion in die ganze Welt zu verhindern. Während des Spiels lernen wir aber, dass das eigentliche Ziel seiner Agentur der Entwurf einer biologischen Waffe auf Basis der Infektion ist. Tatsächlich plant die Agentur in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium, die Stadt Harram flächendeckend zu bombardieren. Crane erfüllt während des Spiels viele Aufgaben, indem er gegen Zombie und plündernde Banden kämpft. andere Überlebenden rettet und die Ärzte in der Stadt unterstützt, die immer noch ein Mittel gegen die Krankheit suchen. Gleichzeitig führt er ohne Hinterfragen die Befehle seiner Agentur aus, obwohl er später typischerweise gegen sie rebelliert und alles Mögliche unternimmt, um die Stadt und ihre Überlebenden vor der Katastrophe zu retten.

Dieses mal auch habe ich dieses Spiel persönlich nicht gespielt, sondern mir nur einige "Let's play" Videos auf Youtube angeschaut. Zum Glück gibt es für dies Spiel eine lokalisierte Version auf Polnisch. Das ist nicht selbstverständlich, weil es für ein anderes Spiel von Techland, Gunslinger, nur eine englische Version gibt.

Es steht außer Zweifel, dass das Produkt sich auf dem letzten Stand der Technik befindet. Die Graphik ist hervorragend und die Spielbarkeit makellos. Andererseits ist das nicht ein Computerspiel-Genre, das mich anspricht. Dem Spieler wird keine Freiheit gelassen, weil die Geschichte sehr linear ist. Zum Beispiel kann man Crane nicht daran hindern, einige Arzneimittel zu vernichten, was zum Tod einiger Überlebenden führt. So etwas würde ich wahrscheinlich nicht tun, und daher ist es für mich unmöglich, mich in den Hauptheld hineinzufühlen. Wenigstens ermöglichen die Spiele der Serie "Witcher" eine Auswahl zwischen verschiedenen Wegen. Andererseits ist eine lineare Geschichte typisch in diesem Genre. Persönlich bevorzuge ich Sandbox-Spiele, die sich in einer offenen Welt abspielen und totale Freiheit geben.

"Dying Light" ist nämlich ein Spiel für diejenigen, die gerne um sich herumschießen und Gebäude, Brücken und Strommaste hinaufklettern. Es ist ein Spielmodus, welcher durch Spiele wie "Assassin's Creed", "Far Cry" und "Uncharted" berühmt wurde. Anscheinend lehnt sich "Dying Light" aber vorwiegend ans Spiel "The Last of Us" an, das von verschiedenen Quellen als Spiel des Jahres 2014 gekürt wurde.  Es ist daher nicht überraschend, das Techland ein ähnliches Spiel produziert hat.


Freitag, 25. Dezember 2015

Lesen auf Polnisch



Weil ich sehr gerne in den Büchern kritzele, kaufe ich Computerbücher normalerweise, anstatt sie aus der Bibliothek auszuleihen. Das ist auch der Grund, warum mich Bücher in elektronischem Format nicht begeistern. Auf diese Weise kann man aber schnell ein Vermögen in Büchern ausgeben.

Inzwischen ist es für mich kein Problem, Computerbücher auf Polnisch zu lesen. Das hat den Vorteil, dass solche Bücher wesentlich billiger sind. Zum Beispiel, wenn ich Angular.JS lernen möchte, könnte ich dazu Bücher auf Polnisch kaufen, entweder eines von einem Polnischen Author oder ein anderes aus dem Englischen übersetzt, die beide weniger als 10 Euros kosten. Wenn ich aber mehr über das gleiche Thema in Deutschland erfahren wollte, würde ich das gleiche Buch auf Englisch oder ein anderes von einem Deutschen Author finden, und in beiden Fällen würde ich mehr also 30 Euro ausgeben müssen.

Ich lese gerade ein Buch über Mikroservices, bei dem das Gleiche gilt. Das Buch auf Polnisch kostet ungefähr 10 Euro, andererseits kostet das Buch im Original, das ich in Deutschland kaufen könnte, ungefähr 40 Euro. Einen solchen Preisunterschied gibt es auch, zum Beispiel, bie dem Buch "Clean Code", das in Deutschland ungefähr viermal kostet als das Buch in Polnisch, das man in Polen kaufen kann. Wenn man Computerbücher kaufen muss und auf Polnisch lesen kann, ist das gut zu wissen. Als ich in Deutschland wohnte, gab ich tatsächlich ein Vermögen in Büchern aus. Von Italien wollen wir gar nicht erst sprechen, dort sind Computerbücher sogar noch teurer.

Lustigerweise sind die in polnisch übersetzten Computerbücher in Polen billiger als die gleichen Bücher in der Originalverfassung auf English. Polen, die kein Englisch lesen können, sind im Vergleich mit vielen ihrer Kollegen im Westeuropa im Vorteil. Sie haben oft keine Auswahl, weil sie ungefähr das Dreifache ausgeben würden, wenn sie unbedingt das Original lesen wollten. Ich nehme an, dass Übersetzungen ins Polnische nicht viel kosten. Das muss die einzige Möglichkeit sein, Bücher in den Markt einzuführen, die ansonsten niemand kaufen würde. Selbstverständlich haben Bücher in polnisch dann keinen Marktwert außerhalb Polens. Außerdem gibt es viele polnische Autoren, die für den heimischen Markt schreiben.

Der Preisunterschied ist nicht so atemberaubend, wenn es um normale Bücher geht. Ein Buch in deutscher Verfassung kostet typischerweise fünf Euro mehr als das gleiche Buch in Polnisch.
Bücher polnischer Autoren, in gebundener Ausgabe, kosten standardmäßig ungefähr vier-sechs Euro. Vergleichbare Bücher in Deutschland oder Italien würden einige Euros mehr kosten.

Wenn ich die jährliche Buchmesse in Kraków besuche, kaufe ich eine Menge Bücher ein, sodass ich für das ganze Jahr etwas zu lesen habe. Außerdem gibt es dort einen Rabatt. Kaum zu glauben, aber die Polen jammern, dass Bücher teuer sind...



Mittwoch, 9. Dezember 2015

C1-Prüfung der polnischen Sprache




Diese Woche habe ich die C1-Prüfung der polnische Sprache von ECL (European Consortium for... Languages) in Warschau abgelegt. Letztes Jahr hatte ich die B2 Staatsprüfung geschafft. Polnische Staatsprüfungen sind schwieriger, weil sie im Unterschied zu den ECL-Prüfungen auch einen  Grammatik-Teil enthalten.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass der C1-Test schwieriger als derjenige der vorherigen Stufe war, abgesehen von einer einzigen Ausnahme: dem schriftliche Teil. Als ich die B2-Prüfung machte, musste ich einen Aufsatz mit 300 Wörtern schreiben, während man für die C1-Prüfung zwei Aufsätze mit jeweils 300 Wörtern, also 600 Wörter insgesamt, in der gleichen Zeit (anderthalb Stunden) verfassen muss. Deswegen konzentrierte ich mich vor der Prüfung auf den Schreibteil, indem ich alle Artikel aus diesem Blog in ein Heft abschrieb. Als ich zur Prüfung kam, hatte ich schon viel Schreibpraxis.

Da ich zuerst dachte, dass ich die C2-Staatsprüng abgeben würde (es gibt keine C1-Staatsprüfung), lernte ich viel Grammatik. Die meisten Probleme, die ich in dieser Sprache habe, haben mit ihrer lexikalischen Komplexität zu tun. Seit einiger Zeit schreibe ich in einem Heft alle Wörter, deren Konjugation und Deklination mir Schwierigkeiten bereiten. Es ist in der Tat allgemein bekannt, dass man am Besten ein Wort auswendig lernt, wenn man verschiedene Sätze schreibt, die dieses Wort in den verschiedenen Formen enthalten. Ich setze eine Mischung von alten und neuen Technologien ein : ein Heft und eine Excel-Datei, in der ich die Seitennummer mitführe, wo ich die Sätze aufgeschrieben habe, die das jeweilige Wort enthalten. Wenn man etwas in Kursiv schreibt, kann man sich besser daran erinnern, und es funktioniert besser als modernere Werkzeuge wie Supermemo.

Ich bin chronisch mit meinen Polnischkenntnissen unzufrieden (wie übrigens bei jeder anderen Sprache). Sprachen sind eine ungenaue Wissenschaft und wenn man in einer fremden Sprache schreibt oder spricht, kann man eine hohe Fehlerrate tolerieren, die beim Ingenieurwesen nicht denkbar wäre. Ich kenne die genauen Zahlen nicht, ich glaube aber, dass auf der B2-Stufe die Unkenntnis- bzw. die Unrichtigkeitsrate einer Sprache gegen 10 % tendiert, auf der C1-Stufe läuft sie gegen 5 %, und auf der C2-Stufe bewegt sie sich gegen 2 %. Das Kenntnisniveu eines ziemlich gut ausgebildeten Muttersprachlers ist wahrscheinlich vergleichbar mit der C2-Stufe, weil der Unterschied eher in den Geschwindigkeit und in den Reflexen liegt. Ich weiß genau, dass ich die meisten Fehler im Gespräch mache, weil ich schneller spreche, als ich sollte.

Wenn man eine Fremdsprache lernt, wird es zunehmend schwieriger seine Fehlerrate zu senken, je weiter man kommt. Typisch braucht man 2000 Wörter, um 90% einer Sprache abzudecken - genau das sind nämlich die Erfordernisse der B2-Stufe. Wahrscheinlich braucht man 6000 Wörter um 95 % (C1) und 15000 Wörter um 98 % (C2) einer Sprache abzudecken. Selbstverständlich setzt das voraus, dass man die entsprechenden Wörter konjugieren und deklinieren kann.

Vorausgesetzt, dass mein Kenntnisgrad der polnischen Sprache C1 ist ( warten wir mal auf das Prüfungsergebnis), würde ich viel weitere Stunden lernen müssen, um die C2-Stufe zu erreichen. Es ist unverschämt, dass man 6000 Wörter braucht, um von Null zur C1-Stufe zu kommen, und dass dann möglicherweise noch weitere 9000 Wörter notwendig sind, um nachfolgend C2 zu erreichen. Lohnt es sich überhaupt? Ich glaube nicht, dass ich ausreichend Motivation habe, um meinen Kenntnisgrad der polnischen Sprache zu einem solchen hohen Niveau zu bringen. C1 ist eine sehr hohe Stufe und es gibt nicht viele Ausländer, die so weit kommen. Die C2-Prüfungen der deutschen und englischen Sprache habe ich aber schon abgelegt.


Sonntag, 1. November 2015

Sexmission



Nicht willkommen
Unter den polnischen Komödien halten die meisten Polen "Seksmisja" für die lustigste. Wer sich diesen Film noch nicht angeschaut hat und die Handlung nicht im Voraus erfahren möchte, der sollte nicht weiterlesen.

Seksmisja ist sehr lustig - für Polen. Die Handlung spielt sich in einer Zukunft ab, in der die Erdoberfläche unbewohnbar geworden ist (guter Anfang für eine Komödie) und die Überlebenden unter der Erde leben. In dieser schönen neuen Welt leben nur Frauen. Die Fortpflanzung der Spezies ist inzwischen künstlich und wird von der Regierung völlig kontrolliert.  Es wird sichergestellt, dass keine Männer geboren werden. Männer waren nämlich für Kriege und für alles Schlimmes in dieser Welt verantwortlich. In der Tat glauben die Frauen in dieser Zukunft, dass alle große Wissenschaftler Frauen waren und dass früher Frauen systematisch von Männern gefoltert wurden.

Es werden aber zwei hybernierte Männer geweckt, um ihr Verhalten zu erforschen. Zuerst glauben die zwei Männer, in einem Paradies aufgewacht zu sein, dann wird es ihnen aber schnell klar, dass sie sich in einer Hölle auf Erden befinden. In einem Schauprozess werden die zwei Männer zur Kastration verurteilt. Die Frauen aus der Zukunft wollen kein Risiko laufen, dass die Ordnung gestört wird.

Eine der Frauen, die in Kontakt mit den zwei Männern gekommen war, will aber mehr erfahren. Nachdem sie mit ihnen und mit einer der ältesten Frauen gesprochen hat, entscheidet sie sich dafür, sie bei der Flucht zu helfen. Das Trio flieht auf die Erdoberfläche in Strahlenschutzanzügen, und die einzige Wächterin, die einen Strahlenschutzanzug finden konnte, folgt ihnen.

Auf die Erdoberfläche gekommen stellen die vier aber fest, dass die Erde inzwischen bewohnbar ist und die ganze Zeit an der Nase herumgeführt wurden. Sie finden eine luxuriöse Wohnung, die von der Führerin aller Frauen bewohnt wird. Als sie zurückkommt, greifen sie sie an, und finden heraus, dass sie eigentlich ein als Frau verkleideter Mann ist. Es ist ein Mann, der diese Welt von Frauen führt. Er möchte nicht ein Status Quo ändern, in dem er der einzige Mann in einer Welt von Frauen ist, beziehungsweise ist er zu feige, um das zu versuchen, wie er selber sagt. Die zwei Männer aus der Vergangenheit sind aber einer anderen Meinung.  Zusammen mit ihren neuen Freundinnen machen sie sich in der Wohnung breit und schmieden sie einen Plan, um die Männer in die Welt zurückzubringen...

Die Handlung dieses Films ist auf jeden Fall interessant. Eine häufige Interpretation ist es, dass die Männer die Kapitalisten ( die für eine unvollendete und ungerechte Welt stehen) und die Frauen die Kommunisten ( die das Paradies auf Erde schaffen wollen, das sich aber schnell zu einer Hölle verwandelt) darstellen. Das ist keine selbstverständliche Auslegung und mit ihr sind nicht alle Polen einverstanden. Der Film wurde nämlich zur Zeit des Sozialismus gedreht und musste durch die Zensur.

Ich glaube nicht, dass dieser Film den meisten "westlichen" Zuschauern gefallen wird. Ich habe keine Ahnung, warum er lustig sein sollte. In der einzigen Szene, die ich halbwegs lustig fand, finden die zwei Männer heraus, dass das Passwort zur Erdoberfläche "Kurwa Mac" war, dessen Bedeutung keine der Frauen verstand. Am schlimmsten ist es, dass die Schauspieler und vor allem die Schauspielerinnen sich zu "polnisch" verhalten, und für ein "internationales" Publikum  wahrscheinlich zu langweilig auftreten. Ich fand diesen Film einigermassen lustig erst nachdem ich einige Zeit in Polen verbracht hatte.

Übrigens, wenn man jemanden davon überzeugen möchte, dass der polnische Humour sehr schwarz ist, braucht man nur zu erzählen, dass die beliebteste polnische Kömodie sich in einer postapokalyptischen Welt abspielt, in der Männer regelmäßig kastriert werden.

Samstag, 25. Juli 2015

Eine neue Sprache lernen

Die Flagge Kroatiens, wie von einigen Polen gesehen wird...

Ich kann sieben Sprachen sprechen, abgesehen von Esperanto: Italienisch, Deutsch, English, Polnisch, Französisch, Russisch, Spanisch - in der Reihenfolge, wie gut ich sie beherrsche. So behaupte ich es wenigstens. In der Tat gibt es noch viel, was ich in jeder dieser Sprachen noch lernen könnte. Seit langem möchte ich trotzdem mit dem Lernen einer weiteren Sprache anfangen. Ich wusste aber nicht, welche.

Bevor ich ernsthaft mit dem Lernen einer Sprache beginne, muss ich davon überzeugt sein, dass mir das Land, in dem sie gesprochen wird, einigermaßen gefällt. Es sollte auch nicht so schwierig sein, interessantes Material in der jeweiligen Sprache finden zu können. Es ist wichtig, dass es Bücher, Comics, Lieder und Filme in meiner Zielsprache gibt, die mich ansprechen.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, interessiere ich mich seit langem für die polnische Sprache. Am Anfang konnte ich kein interessantes Material auf Polnisch finden. Jetzt lese ich aber in dieser Sprache Comics und Bücher, höre Musik, schaue mir Filme und sogar Komplettlösungen von Computerspielen an. Daher habe ich in diesem Bereich keine Probleme mehr.

Rumänisch ist eine der Sprachen, die mich faszinieren. Ich habe aber Rumänien besichtigt und ich war nicht gerade begeistert. Unter anderem, Buchhandlungen und Bibliotheken in Rumänien sind durchwachsen. Außerdem geben Rumänen in der Europäischen Union am wenigsten für Kultur aus. Ich mag rumänische Musik, das reicht aber nicht aus. Daher beschloss ich, diese Sprache aus meiner Liste durchzustreichen. Es wäre allerdings nicht schwierig gewesen, sie zu lernen, weil sie der Gruppe der neulateinischen Sprachen gehört.

Ich wünschte, ich hätte eine gute Ausrede, um Ukrainisch zu lernen, denn diese Sprache gefällt mir sehr gut. Außerdem ist die Ukraine ein sehr großes Land, und ein Leben würde nicht ausreichen, um es vollständig zu erkunden. Das Land könnte ein großes Potenzial haben, insbesondere in meiner Branche, was die immer noch zu wenige dort angesiedelten erfolgreichen IT-Firmen teilweise beweisen. Es ist aber leider schwierig Geschäfte in Ukraine zu machen. Insbesonderes nach den letzten Ereignissen ist es unwahrscheinlich geworden, dass ich innerhalb meines Lebens die Ukraine in der Europäischen Union erleben werde.

Vor einigen Jahren habe ich Kiew besichtigt, und in diesem Jahr habe ich einen kurzen Ausflug nach Lemberg gemacht. Obwohl die russische Propaganda das Gegenteil behauptet, waren die meisten Konversationen, die ich in Lemberg gehört habe, auf Russisch und nicht auf Ukrainisch. Die meisten Filme im Fernsehen und die Musik, die man hört, sind auf Russisch. Auch die meisten Bücher in Buchhandlungen sind auf Russisch. In Ukraine ist die Arbeitssprache in vielen Branchen, einschließlich die IT-Branche, immer noch Russisch. Trotz meiner Vorliebe für die ukrainische Sprache, könnte ich es mir selber nicht rechtfertigen, wenn ich viel Zeit in das Lernen einer Sprache investieren würde, die nicht einmal in ihrem Ursprungsland weitgehend gesprochen wird.

Vor zwanzig Jahren hätte ich den ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass er serbokroatisch lernen möchte. Warum die Sprache eines Landes lernen, wo ein grausamer Bürgerkrieg tobt? Der Krieg ist aber schon lange zu Ende. Letztes Jahr bin ich erst in Belgrad und dann bei einer Polyglottkonferenz in Novi Sad gewesen, und dieses Jahr war ich bei einem Kunden in Split. Mit Serbokroatisch (das jetzt zu einer polyzentrischen Sprache geworden ist, aufgeteilt in Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Montenegrinisch) bin ich schon früher in Kontakt gekommen und die Sprache hat mir gut gefallen - ich finde, sie ist eine der schönsten Sprachen in Europa.

Lohnt es sich überhaupt, Serbokroatisch zu lernen ? Das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist sehr  ausgedehnt und ein Leben würde nicht ausreichen, um es zu erkunden. Kroatien ist schon in der Europäischen Union, während Serbien, Montenegro und Bosnien in die europäische Wirtschaft integriert sind, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Länder in die Europäische Union eintreten. Die Ukraine dagegen handelt immer noch vorwiegend mit Russland. Die IT-Branche macht auch in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens Fortschritte.

Und wie sieht es mit der Kultur aus ? Mir gefällt die serbokroatische Musik, und ich habe sogar ein Blog darüber erstellt. Obwohl sie sich gegenseitig bekämpft haben, hören die Völker im ehemaligen Jugoslawien die gleiche Musik - kroatische Sängerinnen treten in Serbien auf, und umgekehrt. Buchhandlungen und Bibliotheken sind gut gefüllt, und man kann viele Bücher in diesen Sprachen über IT und andere interessante Themen kaufen. Es gibt auch eine gute Auswahl an gehobenen Comics. In diesen Sprachen gibt es auch viele Filme, sowohl moderne als auch welche aus der Jugoslawien-Ära. Die Leuten dort bevorzugen aber ausländische Filme; heimische Filme findet man in Buchhandlungen nicht und sie werden im Fernsehen nicht gezeigt.

Daher habe ich mich entschlossen, im Juli ein paar Wochen in Zagreb zu verbringen, um Kroatisch zu lernen. Ich habe mir dort Kroatisch von einer privaten Lehrerin beibringen lassen, die mir von der Sprachschule "Sputnik" vermittelt wurde. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wenigstens die Stufe A2 erreichen werde. Ich habe zwölf Bücher auf Serbisch und Kroatisch gekauft, Material zum Übern wird mir also nicht fehlen. Ich muss eher aufpassen, dass ich Kroatisch nicht mit den anderen slawischen Sprachen die ich lerne - Polnisch und Russisch - mische.  Darüber werde ich in einem anderen Post schreiben.

Mittwoch, 1. Juli 2015

DIe Welt braucht keine Helden, sondern Fachleute

Geralt mit Triss (links) und Yennefer

Über die Spiele „The Witcher 1“ und „The Witcher 2“ , und über ihren Hauptprotagonisten Gerald habe ich in einem vorherigen Post schon geschrieben. In der Zwischenzeit ist in Polen das Spiel „The Witcher 3„ veröffentlicht worden und darüber haben die Medien in Polen ausgiebig berichtet. Es hat Premieren in allen größeren polnischen Städten gegeben (die ich leider verpasst habe, weil ich auf Dienstreise war) und das Spiel ist schon vier Millionen mal verkauft worden. Jeder halbwegs patriotische Pole hat es schon gekauft, weil Spiele für Polen sind, was für Italiener Kleider und für Deutschen Autos sind: eine Quelle nationalen Stolzes, die man mit dem eigenen Geldbeutel unterstützen sollte.

Ich habe Wiedzmin 3 (wie es auf polnisch heißt) nicht gekauft. Ich würde viel zu lange brauchen, um das Spiel zu Ende zu spielen. Daher schaue mir lieber „Let´s play“ Videos an, in denen Spieldurchgänge gezeigt werden. Ich bekam, im Gegensatz zu „This War of Mine“, nicht die Lust, das Spiel selber zu spielen, weil „The Witcher“ nicht zu meinen beliebtesten Genres gehört. Mir gefallen eher Spiele, die dem Spieler eine große Bewegungsfreiheit geben. Aus diesem Gesichtspunkt ist „The Witcher 3“ für mich eine Enttäuschung gewesen, weil man sich nicht frei auf dem Kontinent bewegen kann, in dem die Geschichte verläuft, und nur einige Städte besichtigen kann. Es gibt viele Dialoge auf Polnisch, welche eine Auswahl verschiedener Optionen erlauben, was eine gute Übung für meine Sprachfähigkeit ist.

Das Universum von The Witcher ist ein Kontinent, der an ein mittelalterliches Europa angelehnt ist, auf dem fantastischen Kreaturen leben. Im Süden befindet sich das mächtige Reich von Nilfgaard samt seiner Vasallenstaaten, das teilweise an das Heilige Römisches Reich erinnert, und im Norden befinden sich die Königreiche wie Temeria, Redenia, Aediern und Kaedwen, freie Städte wie Novigrad und andere Völker wie die Elfen von Scoiatel. Während im Süden Frieden herrscht, ist der Norden viel wilder und gefährlicher, und tatsächlich sind eher in dieser Gegend Witchers aktiv. Sie ziehen von Dorf zu Dorf und werden angeheuert, um die Monster zu bekämpfen, die das Land verseuchen. Geralt, der Hauptprotaganist, reist niemals in den Süden, weil dort Witcher an der kurzen Leine gehalten werden.

Im Spiel „ The Witcher I“ hindert Geralt den Zauberer Salamander daran, seine Pläne zur Weltherrschaft zu realisieren, während im Königreich von Temeria ein Bürgerkrieg zwischen Menschen und anderen Rassen tobt. In „ The Witcher II“ wird Geralt zu Unrecht des Mordes am König von Temeria beschuldigt, und um seine Unschuld zu beweisen setzt er sich auf die Spur einer Witcherbande, die alle Könige der nördlichen Königreiche ermorden möchte. Am Ende schafft es deren Anführer, die Schuld an den Königsmörden der Magierinnenloge in die Schuhe zu schieben, aber in Wahrheit haben die Mörder ihren Auftrag von Nilfgaard bekommen.

Die Witcher-Bücher erzählen die Geschichte zweier blutiger Kriege zwischen dem Reich im Süden und den Königreichen im Norden. Nach dem Ende des ersten Krieges eroberte Nilfgaard das Königreich von Cintra, in dem zweiten wurde aber das Reich von einer starken Koalition geschlagen und musste auf weitere Expansionspläne verzichten. Im Laufe des Spieles Witcher 3, das sich einige Jahre nach den Ereignissen in den Büchern abspielt, tobt ein weiterer, dritter Krieg, in dem das Reich von Nilfgaard die Königreiche Aedirn und Temeria schon erobert hat, und ist dabei Redania anzugreifen, die auch expandiert hat und zu einem ernstzunehmenden Gegner geworden ist. Gerald stand lange zu Diensten beim Königreich von Temeria, im Witcher 3 arbeitet er aber für den Kaiser von Nilfgaard und macht sich auf die Suche nach seiner Tochter, Ciri, die Geralt selber erzogen hatte.

Auch in „The Witcher 3“ ist ein böser Magier am Werk, der „Wilde Jäger“, der von Geralt besiegt werden muss. Im Spiel gibt es auch viele Seitenquests, aber auch noch ein zusätzliches, wichtiges Ziel für Geralt: wieder mit seiner ersten und großen Liebe Yenefer zusammenfinden, die er aber in den vorherigen Spielstaffeln vergessen hatte. Er zog in der Tat die Gesellschaft der Magierin Triss vor, und scheute sich nicht davor, ab und zu eine angenehme Stunde mit den Damen zu verbringen, denen er in seinen Abenteuern begegnete. Tatsächlich hat Gerald unglaublich viel Erfolg bei Frauen, und ein zusätzliches Ziel des Spiels ist so viel Frauen wie möglich zu „sammeln“, unabhängig davon, ob sie Prostituerte, Nonnen oder Magierinnen sind. Jede erfolgreiche Verführung wird mit Spielpunkten belohnt, und dabei wird eine explizite sexuelle Szene gezeigt, die bezweifeln lassen kann, dass das Spiel in dem ach so katholischen Polen realisiert wurde.

Was ist die wichtigste Botschaft vom Spiel „The Witcher 3”? Es ist das Motto des Spiels : "Die Welt braucht keine Helden, sondern Fachleute". Gerald besiegt konsistent die Monstern nur deswegen, weil er Mutationen ausgesetzt wurde, viele Jahre lernte und intensiv an seinen Fähigkeiten arbeitete. Manchmal muss er die Fehler von Leuten beheben, die als Helden gelten wollen, aber keine Ahnung haben, wie sie vorgehen sollten. Es ist auch in der Wirklichkeit oft so: Wenn man etwas nicht kann, sollte man es eher den Fachleuten überlassen und von ihnen lernen. Ich glaube, ich werde das Motto von Geralt übernehmen.

Samstag, 20. Juni 2015

Supermärkte und kleine Läden

Nachbarschaftsladen der Kette "Fröschlein"
In einem vorherigen Post habe ich erzählt, dass in polnischen Geschäften häufig mehr Verkäufer als Kunden zu finden sind. Ich gestehe, dass ich ein bisschen übertrieben habe. Das stimmt nur, wenn man spätabends in einen der teuersten Supermärkte einkaufen geht, so um die 21 Uhr. Am Anfang kaufte ich fast ausschließlich in Supermärkten ein, die Großketten wie Alma, Carrefour und Real gehörten. Dort kann man praktisch alles finden und die Qualität ist gut, das alles kommt aber zu einem hohen Preis. Diese Supermärkte sind an Werktagen bis 22 Uhr und an Feiertagen bis 20 Uhr offen, Tesco ist sogar rund um die Uhr offen. Wenn man nicht die Wohnung verlassen möchte, kann man sogar auf ihren Internetseiten bestellen und eine Lieferung in Auftrag geben.

Es gibt aber auch billigere Supermärkte, die einen nicht ganz so vollständigen Service anbieten. Sie gehören zum Beispiel den Ketten Biedronka (der "Marienkäfer") und Lewiatan. Sie sind im Land flächendeckend verbreitet und verkaufen einen höheren Anteil von einheimischen Waren. Ihre Öffnungszeiten sind kürzer, die Auswahl ist kleiner und manchmal sind bestimmte Produkte nicht verfügbar, dafür sind die Preise niedriger. Diese Supermärkte nehmen den Platz ein, der in den westeuropäischen Ländern von Discountern besetzt wird. Trotzdem ist es mir auch in diesen Geschäften nur selten passiert, dass ich länger in einer Schlange warten musste.

Nachbarschaftsläden in Polen, die Ketten wie Żabka ("Fröschlein" ), Małpka ("Äfflein") oder Fresh Market gehören, sprechen einen anderen Kundenkreis an. Diese kleinen Läden bieten eine kleinere Auswahl. Man kann sich aber trotzdem problemlos ernähren und dabei wenig ausgeben, indem man ausschließlich in solchen Geschäften einkauft. Wenn man aber spätabends hingeht, sind einige Produkte ausverkauft und man muss etwas Anderes kaufen. Außerdem kann es vorkommen, dass sich zu Stoßzeiten Schlangen an der Kasse bilden, obwohl es nie wirklich schlimm wird. Nachbarschaftsläden haben die besten Öffnungszeiten: jeden Tag von 6 bis 23 Uhr. Sie können es sich leisten, Preise sehr niedrig zu halten, weil sie wenig für Miete und Personal zahlen.

Die gleiche Zielgruppe sprechen auch Nachbarschaftsläden an, die keiner Großkette, sondern kleinen Ladenbesitzern gehören. Es scheint mir, dass sie bessere Produkte anbieten, aber ihre Öffnungszeiten sind wesentlich kürzer. Daher kaufe ich in diesen Geschäften nur ein, wenn ich nicht spät von der Arbeit zurückkomme. Das ist die einzige Art Laden, in dem eine kurze Konversation mit dem Verkäufer denkbar ist.

Beim Einkaufen in Polen wird man bemerken, dass die Polen es nicht gewohnt sind, andere Leuten in der Kasseschlange vorzulassen, selbst wenn ihr Einkaufswagen voll ist und der Nächste in der Schlange nur ein einziges Ding kaufen möchte. In Polen ist die Reihenfolge in der Schlange heilig.

Außerdem zahlt man in Polen sehr häufig mit Karte, selbst wenn der Betrag sehr niedrig ist. Wenn man aber lieber mit Bargeld bezahlt, wird man häufig die Frage "Nie ma pan drobnych?" (Haben Sie kein Kleingeld?) hören . Es sieht so aus, als würden alle Läden in Polen, einschließlich Supermärkte, unter einem chronischen Mangel an Kleingeld leiden. Deswegen sollte man die polnischen Zahlen lernen und Verkäufern den genauen Betrag geben, damit sie glücklich sind.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Rettet die blauen Schmetterlinge !

Am großen Tag

Es gibt einen sehr schönen Park innerhalb der Gemeinde von Krakau, in dem sich ein schöner See befindet, der die Gestalt eines Schmetterlings hat: Zakrzówek. Dort hat man fast das Gefühl, dass man sich in den Bergen befindet. In diesem Park kann man auch eine sehr seltene Art von blauen Schmetterlingen finden.

Dafür, dass der Park immer noch existiert, müssen wir der Künstlerin Cecylia Malik danken, wie sie in diesem Video erzählt. In der Tat hatte die Gemeinde die Wiese neben dem See 2011 an eine portugiesischen Baufirma verkauft, die dort ein Wohngebiet entstehen lassen wollte. Die Gemeindeverwaltung hatte die Öffentlichkeit nicht darüber informiert und die Transaktion wurde fast geheimgehalten. Cecylia erfuhr davon per Zufall. Ihre Kontakte sagten ihr, dass die Entscheidung schon getroffen worden war und man konnte nichts mehr dagegen unternehmen.

Als sie vom Plan des Wohngebiets erfuhr, fuhr sie mit dem Fahrrad zum Park und entschied sie, nicht untätig zusehen zu wollen, dass der Park zerstört wird. Dann plante sie zusammen mit ihrer Schwester eine Aktion, die die Aufmerksameit der Öffentlichkeit und der Presse erregen würde, um Druck auf die Gemeindeverwaltung zu machen. Sie beschlossen, eine Armee von blauen Schmetterlingen ins Leben zu rufen.

Sie drehten ein Video, in dem es beschrieben wurde, wie man sich zwei Paare blauer Schmetterlingsflügel ausschneiden kann. Sie hatten vor, innerhalb eines Monats ein Kollektiv der blauen Schmetterlinge ("Modraszek Kolektyw") zu etablieren, das sich zu einem bestimmten Datum im Park Zakrzówek treffen würde und einen riesigen Schmetterling aus Menschen bilden würde.

Die Initiative wurde sehr schnell viral. Innerhalb des folgenden Monats wurden überall blaue Schmetterlinge gesichtet, sowohl in der Stadt als auch in den  sozialen Netzwerken. Kultur-, Politik- und Ökovereine wurden involviert (einschließlich des Verbandes der Anarchisten), es wurden Infostände in der Stand aufgestellt, Flyer verteilt, Videos gedreht, Artikel in den Zeitungen geschrieben und Berichte im Radio gesendet. Alle Erwartungen wurden übertroffen und an dem großen Tag eroberten die blauen Schmetterlinge nicht nur den Park, sondern die ganze Stadt - sogar die Denkmäler zogen blaue Schmetterlingsflügel an.

Vetreter des Kollektivs trafen einige Vertreter der Gemeindeverwaltung, die sich gezwungen sahen, das Projekt zu streichen. Der Park existiert immer noch, aber nur die Schlacht wurde gewonnen, und nicht der Krieg. Der See ist mit Drahtzaun umgeben und nicht frei zugänglich, weil er immer noch Gerium gehört. Trotzdem schlagen Bürger und Angehörigen des Kollektives immer noch Löcher in den Zaun, damit man an den Wochenenden einige Stunden am See verbringen kann, obwohl es illegal ist und man theoretisch ein Jahr Gefängnis riskiert. Ich bin selber einmal hingegangen. Die Gemeinde plant schon wieder, dort ein Wohngebiet erbauen zu lassen. Ich befürchte, man wird noch einmal auf die Straße gehen müssen. Diesmal gehe ich mit, ich muss nur lernen, wie man Schmetterlingsflügel bastelt...

Freitag, 15. Mai 2015

Putzen, Wäsche waschen, nähen

Gib deine Wäsche hier ab, und hole sie ab, sauber und fein duftend

Wisst ihr, was ich hasse ? Putzen. Zum Glück wohne ich in einer kleinen Wohnung für Junggesellen, und zum Glück existieren Putzfrauen.

In Polen ist es nicht schwierig, eine Putzfrau zu finden. Es ist aber schwierig jemanden zu finden, auf den man sich verlassen kann. Normalerweise bleibt man nicht zu Hause, wenn die Putzfrau kommt, daher gibt man ihr den Hausschlüssel und hofft, dass sie nichts stehlen oder kaputtmachen wird.

Bislang musste ich nicht selber eine Putzfrau suchen, denn zu mir kommt immer noch diejenige, die von meiner Firma empfohlen wurde. Ihr Stundensatz ist ein bisschen höher als der Marktpreis. Früher ließ ich sie nur die Wohnung putzen, dann habe ich sie aber gebeten, die Wäsche zu waschen und zu bügeln. Leider verstehen wir uns manchmal nicht und sie wäscht nicht, was ich gerade brauche, oder wäscht etwas, das ich schon selber gewaschen habe.

Es ist auch möglich, zum Waschsalon zu gehen, um dort seine Wäsche waschen und bügeln zu lassen. Waschsalons sind nicht besonders billig und der nächste ist ziemlich weit von meiner Wohnung entfernt. Aber wenigstens sind sie effizient - nach einem Tag ist die Wäsche schon abholungsbereit.

Diese Woche habe ich zum ersten Mal den “pralniomat” probiert, der sich von meiner Firma befindet. Es handelt sich um einen Automaten mit Schließfächern, in dem man seine Wäsche abgeben kann, nachdem man seine Telefonnummer und Emailadresse in das angeschlossene Steuerungsgerät eingegeben hat. Schon am darauffolgenden Tag kann man die gewaschene und gebügelte Wäsche abholen, indem man den zugewiesenen Code eingibt und mit Kreditkarte zahlt.

In Polen ist es auch leicht jemanden zu finden, der Näharbeiten zu guten Preisen macht. Auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel einen Knopf an einem Hemd annähen. Ich weiß, ich könnte es selber tun, aber … jeder sollte machen, was er am Besten kann!

Sonntag, 10. Mai 2015

Deutsche, Italiener und Polen im Geschäftsleben

Das könnte eine Lösung sein...

Ich bin im Bezirk der Kunstmöbel von Cerea aufwachsen, in dem Möbel hergestellt werden, die so gebaut werden, dass sie einige Jahrhunderte alt aussehen und in der ganzen Welt verkauft werden. Lokale Handwerker lehnten sich traditionell an deutsche Firmen an, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten und zu verkaufen. Es gab eine symbiotische Beziehung zwischen Deutschen und Italienern und schon damals habe ich festsgestellt, dass diese zwei Völker dazu neigen, ziemlich gut miteinander zu arbeiten.

Italiener und Deutsche sind ziemlich unterschiedlich, aber Geschäftsbeziehungen zwischen diesen zwei Völkern haben eine lange Tradition. Sie kennen einander, sie schätzen einander, beide wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Selbstverständlich gibt es Schwierigkeiten und Missverständisse, die aber überwunden werden können, wenn es notwendig und sinnvoll ist, miteinander zu arbeiten.

Um bei dem Beispiel der Möbel zu bleiben, Italien ist immer noch das Land in Europa, das die meisten Möbel ins Ausland exportiert. In letzter Zeit  kaufen die Deutschen aber lieber Möbel von den Polen. In der Tat habe ich in diesem Land jede Menge kleine Möbelfabriken gesehen. Soweit ich weiß arbeiten polnische Hersteller arbeiten eng mit deutschen Firmen zusammen, um ihre Waren zu vermarkten und zu verbreiten.

Deutsche und Polen arbeiten auch ziemlich gut zusammen. Sie kennen einander, sie wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Vor allem betrügen sie sich nicht - sie tun nicht so, als würden sie einander mögen. Es sind Beziehungen, die nur auf gegenseitigem Respekt und Interessen basieren.

Wie sieht es aus, wenn Italiener und Polen zusammenarbeiten? Läuft es gut ? Laut meiner Erfahrung gibt es viele Fallen. Italiener und Polen kennen sich gegenseitig nicht weshalb sie nicht wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Daher bildet man sich einfach ein, dass man ähnlich ist - nichts könnter falscher sein. Es gibt viele Unterschiede, die eine Geschäftsbeziehung ruinieren können. Zum Beispiel haben Polen einen sehr direkten Kommunikationsstil, im Gegensatz zu Italienern, die sich gerne um Kopf und Kragen reden. Der Polnische Humor ist sehr schwarz, Italiener dagegen erzählen lieber Witze mit sexuellen Anspielungen, von denen Polinnen sich beleidigt fühlen könnten. Übrigens sitzen in Polen, öfter als in Italien, Frauen an Machtpositionen. Daher ist es manchmal besser mit Deutschen zu arbieten. Deutschen bilden sich nicht ein, dass sie einen tollen Sinn für Humor haben, erzählen kaum Witze wenn sie Geschäfte machen, tun aber so als ob sie die gemachten Witze lustig finden würden.

Die IT-Branche weist zusätzliche Besonderheiten auf. In Polen, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, sind die wenigen IT-Lieferanten eine Welt mit weniger Konkurrenz gewohnt, weil diese Märkte sehr lange von den größeren Beratungsfirmen ignoriert wurden. Deswegen sind die in diesen Ländern entstandenen IT-Firmen gewohnt, sich in einer starken Stellung gegenüber ihren Kunden zu befinden, weil IT-Lieferanten nicht so leicht ausgetauscht werden können wie in westlichen Ländern.

Außerdem haben viele deutsche Firmen ihre Prozesse so gestaltet, dass man sie leicht auslagern kann. Die großen Beratungsfirmen sind anwesend, aber sie überschreiten ihre Kompetenzen nicht und beschränken sich auf ihre Kernkompetenz: die Beratung. Dagegen sind Geschäftsprozesse in Italien häufig nicht so gut strukturiert und daher können die großen Beratungsfirmen eine große Macht an sich reißen, die weit über die Beratung hinausgeht. Sie kennen die Geschäftsprozesse besser als ihre Kunden und machen sich auf eine fast pathologische Weise unentbehrlich.

Für einen osteuropäischen IT-Lieferanten ist es viel leichter, Geschäfte in Deutschland als in Italien zu führen. Offshore-Firmen brauchen klar und gut definierte Prozesse, weil sie nicht tun können, was eine lokal ansässige Beratungsfirma machen würde: viel Zeit in langen und langweiligen Meeting zu verbringen, was häufig die einzige Methode ist, um herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte.

Samstag, 25. April 2015

Welcher Sprache ähnelt die polnische Sprache ?




Welcher Sprache ähnelt die polnische Sprache ? Der deutschen oder der russischen Sprache? Ich werde häufig danach gefragt, worauf ich immer antworte, dass Polnisch weder an Deutsch, noch an Russisch, noch an irgendeine andere Sprache erinnert. Das stimmt aber nicht ganz.

Slawische Sprachen sind in drei Unterkategorien aufgeteilt: Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Westslawisch (Polnisch, Tschechisch, Slovakisch und Sorbisch) und Südslawisch (Slovenisch, Serbisch-Bosnisch-Kroatisch, Mazedonisch und Bulgarisch). Sprachen werden in Gruppen und Untergruppen auf Basis von grammatikalischen und lexikalischen Ähnlichkeiten aufgeteilt, es handelt sich aber immer um eine ungenaue Klassifizierung.

Unter westslawischen Sprachen gibt es eine bestimmte Ähnlichkeit und gegenseitige Verständlichkeit. Wenn jeder in seiner eigenen Sprache spräche, würden sich sowohl ein Tscheche und ein Slowake, als auch ein Pole und ein Slowake gegenseitig verstehen. Überraschenderweise würden aber ein Tscheche und ein Pole dabei größere Schwierigkeiten haben. Vielleicht ist das auch ein psychologisches Hindernis, weil Polen Slowakei mehr zu mögen scheinen als Tschechien. In der Tat ist die Slowakei ein sehr katholisches Land und ein beliebtes Urlausbziel, dagegen gehören die meisten Tschechen keiner Konfession an (aus historischen Gründen, die auf die Hussitenrevolten zurückgehen) und angeblich sind in Tschechien die Frauen ... hässlich.

Sowohl Slowakisch als auch Tschechisch klingen einigermaßen komisch für ein polnisches Ohr. In beiden Sprachen sollte man allerdings aufpassen und die polnischen Wörter "szukać" (suchen) oder "słychać" (zuhören) vermeiden, die man leicht mit dem tschechischen und slowakischen Wort "šukat" verwechseln kann. Praktisch jeder Pole kann eine Geschichte über ein Missverständis wegen dieses Wortes erzählen, als während eines Aufenthaltes in der Slovakei oder in Tschechien Sätze wie "Ich suche meine Lehrerin" oder "Wir sind alle auf der Suche nach ihm" gesagt wurden.

Polnisch ist auch einer anderen größeren Sprache ziemlich ähnlich: Ukrainisch. Diese Sprache gehört der ostslawischen Gruppe an, ihr Wortschatz ist aber näher der Polnischen als der Russischen. Das kommt aus der ukrainischen Geschichte, denn das Land wurde "russisch" geboren, verblieb aber über Jahrhunderte in einer engen Beziehung mit Polen. Es gibt einige "praktische" Kurse Ukrainisch für Polen, die zu einem guten Verständis der Sprache nach wenigen Wochen begleiten.

Trotzdem ist die Beziehung zwischen Polen und Ukrainern einigermaßen ... komplex. Es gibt immer noch eine historische Feindlichkeit zwischen diesen zwei Ländern, die noch nicht vergessen wurde. Tatsächlich war vor dem Beginn der ukrainischen Krise der Genozid von Wolhynien ein beliebtes Thema in den polnischen Medien, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von ukrainischen Partisanen an der dortigen polnischen Bevölkerung verübt wurde. Außerdem betrachten leider viele Polen Ukrainisch immer noch als einen Dialekt der russischen Sprache - was man einem Deutschen oder einem Italiener verzeihen könnte, aber nicht einem Polen. Es besteht aber keinen Zweifel daran, dass Ukrainisch eine selbstständige Sprache ist, die eine beachtliche Literatur besitzt und die von fast 40 Millionen Menschen gesprochen wird, wie Polnisch.

Ukrainisch klingt auch sehr angenehm für ein polnisches Ohr - viel mehr als Russisch. Ukrainisch wurde angeblich in einem Wettbewerb als zweitschönste Sprache nach (selbstvertständlich) Italienisch in Europa gewählt, obwohl ich nicht genau weiß wann und wo er stattgefunden hat. Die ukrainische Musik ist einigermaßen beliebt in Polen. In der Tat gibt es einige erfolgreiche Musikgruppen in Polen, wie zum Beispiel Mirami und Enej, die auf Ukrainisch singen. Es sind normalerweise die Ukrainer, und nicht die Russen, die in den Sinn kommen, wenn man über die "slawischen Brüder" spricht.

Weißrussisch ist dem Polnischen auch recht nah, aber in geringerem Maße, und das hat sowieso weniger Bedeutung, da diese Sprache selbst in Weißrussland kaum gesprochen wird. Russisch dagegen ist ziemlich weit entfernt von Polnisch, und für Polen ist diese Sprache fast ebenso schwierig zu erlernen wie für "Nicht-Slawen". Außerdem wählen sie normalerweise nicht Russisch, wenn sie eine neue Kultur und Mentalität kennenlernen möchten. Wenn man aber schon Polnisch gelernt hat, wird es einem leichter fallen, die russische Grammatik zu verstehen (und umgekehrt). Trotzdem sind diese zwei Sprahen sehr unterschiedlich und weit weg von einer gegenseitigen Verständlichkeit. Das gleiche gilt für Polnisch und südslawische Sprachen.

Daher stimmt es nicht, dass Polnisch keiner anderen Sprache ähnelt - es ist aber wahrscheinlich wie keine andere Sprache, die ihr schon gelernt habt. Wenn man aber gut Polnisch kann, kann man sich damit auch in einigen der benachbarten Länder einigermaßen verständigen.

Freitag, 6. März 2015

Viva Polonia


Ich habe gerade das Buch "Viva Polonia" von Steffen Möller gelesen, der sich als einen "deutschen Gastarbeiter in Polen" betrachtet. Ich bin gegenüber diesem Buch immer skeptisch gewesen, weil ich schon einige Teile im Polnischkurs gelesen hatte und mir seine Meinungen über die polnische Sprache nicht gefallen haben. Er vergleicht Polnisch mit anderen Sprachen wie Englisch und Italienisch. Meiner Meinung nach wäre ein Vergleich mit anderen osteuropäischen Sprachen viel sinnvoller.

Das Buch ist aber interessant und es lohnt sich, es zu lesen. Der Autor empfindet Hassliebe für Polen. In diesem Land hat er aber seine Berufung gefunden und ist zu einem bekannten Schauspieler und Komödianten  geworden. Alle erkennen ihn, wenn er unterwegs ist. Daher lernt er interessante Leute kennen, wie zum Beispiel einen ehemaligen deutschen Soldaten, der während des zweiten Weltkriegs desertierte, und nie nach Deutschland zurückgekehrt ist, weil er sich für seinen Verrat schämte.

Ich kann viele von seinen Äußerungen nachvollziehen. Wie ich auch, versteht der Autor den polnischen Humor nicht und findet, dass die Polen wenig kommunikativ und pessimistich sind und viel jammern - und das kommt von einem Deutschen ! Es gibt viele interessante Bemerkungen, wie zum Beispel, dass es in Polen sehr früh dunkel wird, weil das Land sich in der gleichen Zeitzone wie Spanien befindet, oder dass die Polen sehr gerne Kosenamen verwenden. Deswegen ist ein Besuch beim Zahnarzt nicht so schrecklich, weil dort nur das Karieslein auf dem Zahnlein geheilt wird.

Mit anderen Äußerungen bin ich nicht unbedingt einverstanden. Abgesehen von den Beschwerden über die Sprache (die eigentlich nicht schwieriger als viele andere Sprachen ist) hat mich die Meinung insbesonders verblüfft, dass die Polen.... die Italiener Nordeuropas sind, weil sie nicht die gleichen Ängste und Bessesenheiten der Deutschen teilen. Aus den gleichen Gründen könnte man behaupten, dass Inder, Griechen und Morokkaner auch Italiener sind. Ich bin aber der Meinung, dass die Polen und Deutschen sich sehr ähneln. Sie sind übrigens auf die gleiche Art von Regelungen besessen. Möglicherweise würden viele Deutschen und Polen diese Meinung nicht teilen.


Am nützlichsten in dem Buch sind höchstwahrscheinlich die praktischen Tips. Man sollte schon wissen, dass das Dreieck für die Herrentoilette und der Kreis für die Damentoilette steht - und niemand weiß warum. Die angenehmsten Teile des Buches sind aber die Beschreibungen einiger Alltagssituationen in Polen - wie zum Beispiel Kirchenbesuche, Zugfahrten und Arbeitssituationen, währenddessen praktisch ohne Unterbrechung Witze erzählt werden.

Samstag, 3. Januar 2015

Ist Polnisch die schwierigste Sprache der Welt?




Ich bin immer wieder auf diesen Artikel gestoßen, der häufig weitergeleitet wird. In dem wird behauptet, Polnisch sei die schwierigste Sprache der Welt, noch schwieriger als Chinesisch, Arabisch und Japanisch. Diese unwahrscheinliche Aussage wird auf eine geheimnisvolle und pseudo-wissenschaftliche Formel gestützt. Eine viel vertrauenswürdigere Quelle wie das Foreign Service Institute der USA zählt die polnische Sprache zu den schwierigsten europäischen Sprachen, zusammen unter anderem mit Tschechisch, Albanisch und Ungarisch. Sprachen wie Arabisch und Chinesisch gelten in dieser Rangliste aber als viel schwieriger.

Ich weiß nicht, wie Polnisch den Ruf der schwierigsten Sprache der Welt bekommen hat. Mit diesem Ruf scheinen die Polen übrigens sehr zufrieden zu sein. So eine Einstellung steht im starken Gegensatz zu derjenigen der Russen, die ihre Sprache nicht unbedingt  für  schwierig halten und von Ausländern in ihrem Land erwarten, dass sie Russisch sprechen. Russisch ist aber zumindest ebenso schwierig wie Polnisch.

Eine Sprache zu können heißt, vier Fähigkeiten zu meistern: Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Die Grammatik kann man als fünfte Fähigkeit dazuzahlen. Ich lese sehr gern Bücher in Fremdsprachen und mich wird man nicht davon überzeugen können, dass das Lesen auf Chinesisch und Arabisch leichter als auf Polnisch ist. Die polnische Sprache verwendet immerhin ein lateinisches Alphabet, das insgesamt nur 32 Zeichen enthält.

Es mag manchmal nicht so leicht sein, Polnisch zu verstehen, weil die weichen und harten Konsonanten nicht so leicht voneinander zu unterscheiden sind ( ć - cz, ś - sz, ż -ź, dż - dź ).  Das ist übrigens die einzige Schwierigkeit beim Hörverständnis  der polnischen Sprache, welche deswegen etwas schwieriger zu verstehen als zum Beispiel Italienisch, Spanisch, Russisch, Ukrainisch oder sogar Deutsch ist. Englisch und Französisch sind aber in dieser Beziehung viel schlimmer, weil das Überhören eines einzigen Lautes dazu führen kann, dass man den ganzen Satz nicht mehr versteht. Selber wenn man nichts überhört mag es sehr schwierig sein, einen Satz außerhalb seines Kontextes zu verstehen. Englisch und Französisch sind keine “redundanten” Sprachen, in Gegensatz zu den slawischen Sprachen, die mehr “überflüssige”  Elemente und somit mehr Kontext enthalten . Aus diesem Grunde finde ich nicht, dass Polnisch  am schwierigsten zu verstehen ist.

Ist Polnisch schwierig zu sprechen als andere Sprachen ? Polnisch enthält viele Phoneme (insgesamt 41) , die gelernt und geübt werden müssen. Man muss sie gehört haben und jemand muss sie erklärt haben. Es gibt aber nichts außergewöhnliches bei der polnischen Phonetik und ich bin davon überzeugt, dass die englische Aussprache wesentlich schwieriger ist. Man braucht sich nur dieses Schema anzusehen: Es gibt wenigstens 44 Phonemen in Englisch, die man hier hören kann. Außerdem werden im Polnischen Wörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden, und die Betonung befindet sich fast immer auf der vorletzten Silbe. Deswegen sind Sätze wie "W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie" nicht so schwierig auszusprechen, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Nein, Polnisch ist nicht wegen der Aussprache schwierig.

Die polnische Grammatik ist tatsächlich kompliziert. Viele tun sich mit den grammatikalischen Fällen schwer - die gibt es aber in fast allen osteuropäischen Sprachen und im Deutschen. Man muss sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um sie zu lernen. Wenn man zum Pauken nicht viel Lust hat, gehört Polnisch in der Tat zu den schlimmsten Sprachen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man ohne Pauken irgendeine Sprache gut meistern kann.

Es gibt aber etwas, das in Polnisch schwieriger als in anderen Sprachen ist, nämlich Texte zu schreiben, ohne jeglichen Fehler in der Ortographie oder in der Grammatik zu machen. Sogar viele Polen können es nicht. Obwohl ich Polnisch seit mehreren Jahren lerne, komme ich ohne eine automatische Rechtschreibprüfung nicht aus. Das ist möglicherweise der Grund, warum manche Polnisch für die schwierigste Sprache der Welt halten.

Wenn Polen Fremdsprachen in der Schule lernen, werden sie nicht zum Sprechen ermutigt. Im Gegenteil, sie  werden jedesmal beschimpft und bestraft, wenn sie einen Fehler machen. Sogar nach ihrer Schulzeit haben sie immer noch Angst zu sprechen und sich zu blamieren. Das ist keine förderliche Einstellung, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil Perfektion in diesem Bereich fast unerreichbar ist. Man soll eher danach streben, so viel wie möglich zu verstehen und verstanden zu werden.

Es stimmt in der Tat, dass man beim Sprechen und Schreiben auf polnisch mehr Fehler machen wird als in anderen Sprachen. Ist das aber für eine erfolgreiche Kommunikation  so entscheidend ?

Dienstag, 9. Dezember 2014

No...



Ich habe schon mehrmals im Polen beobachtet, wie jemand am Handy wiederholt sagte “No...No...No….” . Ich habe auch oft gehört, wie in einer Konversation unter Polen jemand auf eine Frage mit “No…” geantwortet hatte. In diesem Kontext bedeutet das polnische Wort “No” nicht “Nein”, wie man es erwarten könnte, sondern “Ja” ! Mit diesem Wort teilt man seinem Ansprechspartner mit, dass man ihn verstanden hat, das man einverstanden ist und man ermutigt ihn, weiterzureden.

Es ist mir schon passiert, dass ich auf eine Frage unterbewusst mit “No” geantwortet hatte, mit der Absicht, “Nein” zu sagen. Das wurde aber als “Ja” verstanden. “No” heißt auf Italienisch letztendlich “Nein”. Ich habe schon mehrmals die Geschichte von einem Italiener gehört, der zum Abendessen bei einer polnischen Familie eingeladenen wurde und nicht deutlich machen konnte, dass er nichts mehr zu essen und zu trinken wollte. Er wiederholte immer wieder “No!” (“Nein”), was seine Gastgeber aber so interpretierten : “No! Was ist das für eine Frage ? Selbstverständlich will ich mehr!”

Das Wort “Dziękuję” (“Danke”) hat auch eine versteckte Bedeutung. Mit diesem Wort kann man höflich “Nein” sagen, anstatt “Nie”, zum Beispiel wenn etwas zum Trinken angeboten wird. Um “Ja” zu sagen, sagt man “No” (oder “Tak”), um “Nein” zu sagen, sagt man “Dziękuję”, weil “Nie” unhöflich ist. Alles klar ?

Wenn man  “Dziękuję”  einem Kellner oder einem Taxifahrer sagt, nachdem man ihn gerade bezahlt hat, heißt das implizit “Bitte behalten Sie den Rest”. Normalerweise sagen die Polen nicht explizit “Reszty nie trzeba” sondern “Dziękuję”. Selbstverständlich kann man auch sagen, wieviel man genau bezahlen möchte. Trinkgeld ist in Polen aber nicht üblich.

Wen mann etwas kauft, sollte man nicht sagen “Ich hätte gern (ein Bier)”. Man sagt nicht “Chciałbym piwo*.”, sondern “Piwo, Proszę”, wie dieser Herr, oder "Poproszę o piwo". Das heißt “Ein Bier, bitte”. “Ich hätte gern ein Bier” klingt komisch.  Man würde auch nicht einen Gast fragen, ob er noch etwas zu trinken möchte, sondern einfach “Coś (jeszcze) podać ?”  - “(Noch) etwas bringen?“. In Polen, muss man schnell zum Punkt kommen.
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Obwohl die Polen Anglophile sind, verwenden sie polnische Wörter, wenn man englische erwarten könnte. Weil ich nicht wusste, dass “odprawa” auf Polnisch “check-in” heißt, habe ich einmal meinen Flug verpasst. Es sind aber die technische Wörter aus der Informatik, die mir die größten Probleme bereiten. “Query” (Abfrage) ist “zapytanie”, “by default” (defaultmäßig) ist “domyślnie”, “loop” (Schleife) ist “pętlo”, variable ist “zmienna” und “downloads” (Heruntergeladenes) sind “pobrane”.  Trotzdem erfinden meine Kollegen komische neue Wörter, wie zum Beispiel “butony” (ausgesprochen “batony”) für “buttons” (Knöpfe als GUI-Element). Dafür gibt es aber ein schönes polnisches Wort : “przycisk”.

Samstag, 15. November 2014

Vorsicht vor Kurven !



Letztes Jahr, als ich noch in Deutschland lebte und den Umzug nach Polen plante, gab mir ein polnischer Kollege den folgenden Ratschlag: Auf keinen Fall solltest du das Wort “kurwa” lernen. Es ist ein Wort, dessen sich viele Polen bedienen, das aber einen schlechten Eindruck macht, vor allem wenn es von einem Ausländer benutzt wird.

Während meiner ersten Monate in Polen sprach ich tatsächlich dieses Wort nie aus, selbst wenn ich es sehr häufig an der Arbeit hörte. Dann kam aber etwas dazwischen.

Erstens begann ich, mir polnische Filme anzuschauen. In Polen fing man erst in den Neunziger Jahren an, Schimpfwörter in  Filmen und im Fernsehen zu verwenden. Der Film „Psy“ (1993) ist der allererste gewesen. Leider interessieren mich nur moderne Filme, diejenigen aus der kommunistischen Ära langweilen mich.

Bei der Arbeit bekam ich den Eindruck, dass die Kollegen aufmerksamer zuhören, wenn man das Gespräch mit dem Wort „Kurwa“ an verschiedenen Stellen bereichert. Auf diese Weise gewinnt man auch Zeit, wenn man nicht sicher ist, was man zunächst sagen möchte.

Mir wurde dieses Video gezeigt, in dem erklärt wird, wie wichtig dieses Wort in der polnischen Sprache ist. Außerdem habe ich das Buch „Homo corporaticus, czyli przewodnik przetrwania w korporacji” (Wie man in einem  Großunternehmen  überlebt) gelesen. Aus dem Buch habe ich gelernt, dass man auf der Arbeit unbedingt schimpfen sollte, um den Ruf eines harten Kerls zu bekommen. Übrigens würde mir auch mehrmals gesagt, dass man nicht wirklich Polnisch sprechen kann, wenn man kaum Gebrauch von dem Wort „Kurwa“ macht.

Aus all diesen Gründen begann ich unterbewusst dieses Wort zu verwenden, und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mich die Kollegen deswegen mich mehr respektierten und aufmerksamer zuhörten. Es ist übrigens eines der wenigen polnischen Wörter, die man leicht aussprechen kann.

Man muss dabei allerdings auch berücksichtigen,  dass dieses Wort die Frauen irritiert, wahrscheinlich wegen seiner Bedeutung („Prostituierte“), was in Polen sehr negative Assoziationen hervorruft. Außerdem, in so einem traditionalistischen Land wie Polen,  schimpfen Frauen nicht und wollen Schimpfwörter auch nicht hören. Manchmal rufen sie zu einem Kreuzzug gegen Schimpfwörter auf und führen Vorschriften ein, die das Schimpfen erschweren sollten: zu jedem Schimpfwort sollte man eine Münze in die Spardose geben.

Hinzu kommt, dass die Varianten von „Kurwa“ (“Kurczę”, “Kurka”, “Kurna” oder “Kurdy”) nicht als Schimpfwörter gelten. Eine Person, die alles Mögliche  gegen den Gebrauch des Wortes „Kurwa“ unternimmt, mag die ganze Zeit sorglos “Kurna” oder “Kurdy” aussprechen.

Ich habe es letztendlich aufgegeben, das Wort  “Kurwa” zu verwenden, weil mein „unangemessener Missbrauch“ des Wortes die Kolleginnen zu sehr „störte“. Selbst wenn meine männlichen Kollegen dieses Wort weiter verwenden. Zum Glück darf ich aber auf Italienisch weiter schimpfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn ein paar Wochen lang war es mir verboten, in der Firma auf Italienisch zu schimpfen – so eine Regel gab es tatsächlich auf einem Zettel, der an der Wand hing. Ich brauche es nicht zu erzählen, was aus diesem Zettel letztendlich wurde.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Polnischer Humor und Komödien



Man sagt, dass die Deutschen keinen Sinn für Humor haben. Ich finde es auch, dass die Deutschen sich sehr schwertun, über sich selbst zu lachen.  Beziehungsweise finden sie die Witze mit Nazi-Anspielungen nicht lustig, die der Rest der Welt so gern über sie erzählt.

Ich habe dreizehn Jahre in Deutschland verbracht, wobei es für mich immer sehr schwierig gewesen ist, den deutsche Humor zu verstehen. Jedoch konnte sich ein Komiker, der vor kurzem gestorben ist, sehr gut über die Deutschen lustig machen : Loriot. Allerdings muss man die Deutschen schon kennen, um seinen Humor zu verstehen. Erst nach mehreren Jahren in Deutschland fing ich an, ihn lustig zu finden.

Die Polen behaupten gerne von sich, dass sie einen sehr guten Sinn für Humor hätten. Tatsächlich schaffen sie es, über sich und über die Polen-Witze zu lachen, in denen sie typischerweise als zwanghafte Diebe dargestellt werden. Das ändert sich allerdings langsam, weil sie dieses Stereotyp selbst leid sind. Persönlich halte ich den polnischen Humor für ziemlich merkwürdig, manchmal sogar für nervig, wenn es zum Beispiel in Witzen um das Schlagen von Frauen geht.

Es gibt keinen Mangel an Komödien auf Polnisch . Die beliebtesten sind immer noch die aus der sozialistischen Ära. Sie werden immer noch regelmäßig im Fernsehen
gezeigt. Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, wie oft ich die Filme “Nie lubię poniedziałku”, “Poszukiwani, Poszukiwana”, “Nic śmiesznego” und “Mis” im Fernsehen gesehen habe. Diese Komödien machen sich über typische Situationen in der Volksrepublik Polens lustig. Weil ich dieses Ära nicht erlebt habe, finde ich diese Filme normalerweise nicht komisch, sondern eher traurig.

Als ich mir das erste Mal die bekannteste polnische Komödie angeschaut habe, “Seksmisja”, war ich von den Schauspielern überhaupt nicht beeindruckt. Erst nachdem ich schon ein Jahr in Polen gelebt hatte und mir den Film erneut angeschaut hatte, stellte ich fest, dass die Schauspieler eigentlich auf glaubwürdige Weise Polen verkörpern. Trotzdem konnte ich kein einziges Mal lachen, während ich mir den Film anschaute. Die meisten Polen finden aber “Sexmisja” sehr lustig. Es ist eine sehr versteckte Satyre über den Kommunismus (was für eine Überraschung), allerdings ist es so gut versteckt, dass es schon langweilig ist. Das Gleiche, was ich über “Sexmisja” gesagt habe, könnte ich auch über eine andere kultige polnische Komödie sagen:”Rejs”.

Die einzige polnische Komödien, die ich halbwegs lustig finde, sind diejenigen mit der fiktiven Gestalt des Adaś Miaucziński.  Ich habe zwei von insgesamt acht solchen Filmen gesehen:  “Nic śmiesznego” und “Dzień świra”. Adaś ist ein typischer Intellektueller und ein notorischer Versager. Er erinnert mich teilweise an die Gestalten von Woody Allen, teilweise auch an den italienischen “Fantozzi” und an den französischen “Pignon”. In den Filmen, die ich gesehen habe, ist der Hauptdarsteller auch der Erzähler, was es leichter macht, der Geschichte zu folgen - im Gegensatz zum Beispiel zu den viel chaotischeren “Mis” und “Nie lubie poniedzialku”. Das könnte der Gründ sein, weil ich die Filme mit Adaś wenigstens teilweise lustig finde.

Oder kann es sein, dass ich selber keinen Sinn für Humor habe ? Wer weiß ?