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Samstag, 25. Juli 2015

Eine neue Sprache lernen

Die Flagge Kroatiens, wie von einigen Polen gesehen wird...

Ich kann sieben Sprachen sprechen, abgesehen von Esperanto: Italienisch, Deutsch, English, Polnisch, Französisch, Russisch, Spanisch - in der Reihenfolge, wie gut ich sie beherrsche. So behaupte ich es wenigstens. In der Tat gibt es noch viel, was ich in jeder dieser Sprachen noch lernen könnte. Seit langem möchte ich trotzdem mit dem Lernen einer weiteren Sprache anfangen. Ich wusste aber nicht, welche.

Bevor ich ernsthaft mit dem Lernen einer Sprache beginne, muss ich davon überzeugt sein, dass mir das Land, in dem sie gesprochen wird, einigermaßen gefällt. Es sollte auch nicht so schwierig sein, interessantes Material in der jeweiligen Sprache finden zu können. Es ist wichtig, dass es Bücher, Comics, Lieder und Filme in meiner Zielsprache gibt, die mich ansprechen.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, interessiere ich mich seit langem für die polnische Sprache. Am Anfang konnte ich kein interessantes Material auf Polnisch finden. Jetzt lese ich aber in dieser Sprache Comics und Bücher, höre Musik, schaue mir Filme und sogar Komplettlösungen von Computerspielen an. Daher habe ich in diesem Bereich keine Probleme mehr.

Rumänisch ist eine der Sprachen, die mich faszinieren. Ich habe aber Rumänien besichtigt und ich war nicht gerade begeistert. Unter anderem, Buchhandlungen und Bibliotheken in Rumänien sind durchwachsen. Außerdem geben Rumänen in der Europäischen Union am wenigsten für Kultur aus. Ich mag rumänische Musik, das reicht aber nicht aus. Daher beschloss ich, diese Sprache aus meiner Liste durchzustreichen. Es wäre allerdings nicht schwierig gewesen, sie zu lernen, weil sie der Gruppe der neulateinischen Sprachen gehört.

Ich wünschte, ich hätte eine gute Ausrede, um Ukrainisch zu lernen, denn diese Sprache gefällt mir sehr gut. Außerdem ist die Ukraine ein sehr großes Land, und ein Leben würde nicht ausreichen, um es vollständig zu erkunden. Das Land könnte ein großes Potenzial haben, insbesondere in meiner Branche, was die immer noch zu wenige dort angesiedelten erfolgreichen IT-Firmen teilweise beweisen. Es ist aber leider schwierig Geschäfte in Ukraine zu machen. Insbesonderes nach den letzten Ereignissen ist es unwahrscheinlich geworden, dass ich innerhalb meines Lebens die Ukraine in der Europäischen Union erleben werde.

Vor einigen Jahren habe ich Kiew besichtigt, und in diesem Jahr habe ich einen kurzen Ausflug nach Lemberg gemacht. Obwohl die russische Propaganda das Gegenteil behauptet, waren die meisten Konversationen, die ich in Lemberg gehört habe, auf Russisch und nicht auf Ukrainisch. Die meisten Filme im Fernsehen und die Musik, die man hört, sind auf Russisch. Auch die meisten Bücher in Buchhandlungen sind auf Russisch. In Ukraine ist die Arbeitssprache in vielen Branchen, einschließlich die IT-Branche, immer noch Russisch. Trotz meiner Vorliebe für die ukrainische Sprache, könnte ich es mir selber nicht rechtfertigen, wenn ich viel Zeit in das Lernen einer Sprache investieren würde, die nicht einmal in ihrem Ursprungsland weitgehend gesprochen wird.

Vor zwanzig Jahren hätte ich den ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass er serbokroatisch lernen möchte. Warum die Sprache eines Landes lernen, wo ein grausamer Bürgerkrieg tobt? Der Krieg ist aber schon lange zu Ende. Letztes Jahr bin ich erst in Belgrad und dann bei einer Polyglottkonferenz in Novi Sad gewesen, und dieses Jahr war ich bei einem Kunden in Split. Mit Serbokroatisch (das jetzt zu einer polyzentrischen Sprache geworden ist, aufgeteilt in Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Montenegrinisch) bin ich schon früher in Kontakt gekommen und die Sprache hat mir gut gefallen - ich finde, sie ist eine der schönsten Sprachen in Europa.

Lohnt es sich überhaupt, Serbokroatisch zu lernen ? Das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens ist sehr  ausgedehnt und ein Leben würde nicht ausreichen, um es zu erkunden. Kroatien ist schon in der Europäischen Union, während Serbien, Montenegro und Bosnien in die europäische Wirtschaft integriert sind, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Länder in die Europäische Union eintreten. Die Ukraine dagegen handelt immer noch vorwiegend mit Russland. Die IT-Branche macht auch in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens Fortschritte.

Und wie sieht es mit der Kultur aus ? Mir gefällt die serbokroatische Musik, und ich habe sogar ein Blog darüber erstellt. Obwohl sie sich gegenseitig bekämpft haben, hören die Völker im ehemaligen Jugoslawien die gleiche Musik - kroatische Sängerinnen treten in Serbien auf, und umgekehrt. Buchhandlungen und Bibliotheken sind gut gefüllt, und man kann viele Bücher in diesen Sprachen über IT und andere interessante Themen kaufen. Es gibt auch eine gute Auswahl an gehobenen Comics. In diesen Sprachen gibt es auch viele Filme, sowohl moderne als auch welche aus der Jugoslawien-Ära. Die Leuten dort bevorzugen aber ausländische Filme; heimische Filme findet man in Buchhandlungen nicht und sie werden im Fernsehen nicht gezeigt.

Daher habe ich mich entschlossen, im Juli ein paar Wochen in Zagreb zu verbringen, um Kroatisch zu lernen. Ich habe mir dort Kroatisch von einer privaten Lehrerin beibringen lassen, die mir von der Sprachschule "Sputnik" vermittelt wurde. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht und ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wenigstens die Stufe A2 erreichen werde. Ich habe zwölf Bücher auf Serbisch und Kroatisch gekauft, Material zum Übern wird mir also nicht fehlen. Ich muss eher aufpassen, dass ich Kroatisch nicht mit den anderen slawischen Sprachen die ich lerne - Polnisch und Russisch - mische.  Darüber werde ich in einem anderen Post schreiben.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Unter deutschen Betten




In diesem Post werde ich wieder über Putzfrauen sprechen. Ich werde eine Zusammenfassung von einem Buch schreiben, das von einer in Deutschland als Putzfrau tätig Polin verfasst wurde: "Unter deutschen Betten", von Justina Polanska. Sie erzählt einiges, was sie erleben musste, als sie in Deutschland private Häuser putzte. Das Buch wurde in Deutschland zu einem Bestseller, aber in Polen ist es kaum bekannt. Vielleicht möchten die Deutschen erfahren, was ihre Putzfrauen über sie denken, während Polen ihre Geschichte nicht besonders außergewöhnlich finden. Übrigens gibt es viele Polinnen, die in Deutschland als Putzfrauen arbeiten.

Was kann man unter Deutschen Betten finden ? Justina fand manchmal tote Hamster, lebende Schlangen, Nägel, Tampons, Pizzas, Milch, Hühnerbraten, aber normalerweise findet sie Socken, Flaschen, Teller, Brötchen, Bücher, Zeitschriften, Kondome und Unterwäsche. In einem der skurrilsten Kapitel erzählt sie, was sie alles fand, als sie Häuser putzte. Möglicherweise war das Buch deswegen so erfolgreich - viele Leuten sind neugierig und wollen erfahren, was die Nachbarn in ihren Schränken und Schubladen verstecken,

Viel schockierender ist zu erfahren, wieviele blöde Anmachen und sexuelle Belästigungen eine Putzfrau während ihrer Arbeit aushalten muss, Wenn sie kündigen würde, jedesmal wenn jemand ihren Hintern anfasst oder ihr "eine Zigarre" (so hat es einer ihrer Kunden benannt) gezeigt wird, könnte sie als Putzfrau nicht überleben, behauptet sie. Ihre weiblichen Kunden sind sogar schlimmer, denn sie wird häufig von ihnen angeschrien, beleidigt, des Diebstahls beschuldigt oder sogar mit Ausreden nicht bezahlt.  Letztendlich ist es kaum überraschend, dass ihre besten Kunden ... Homosexuelle und Prostituierte sind.

Mir hat jedenfalls das Buch sehr gut gefallen. Es erzählt die Geschichte einer Frau aus Polen, die in ihrem Heimatsland kaum Perspektiven hat, und deswegen ihr Glück in Deutschland versucht. Nach vielen guten und schlechten Erfahrungen findet sie endlich ihre Berufung als Putzfrau, wonach es in Deutschland eine sehr große Nachfrage gibt. Sie heiratet einen Italiener und gründet eine Familie. Sie ist eine sehr energische Dame, die niemals aufgibt und ihre gute Laune nicht verliert. Im Buch erzählt sie einfach, was sie erlebt und sieht, ohne zu viel zu beurteilen, Selbst wenn sie viele schlechte Menschen kennenlernt, überwiegen die Guten - "Wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht".

Die Moral der Geschichte ist klar: Putzfrauen sind auch Menschen und man sollte sie nicht als das fünfte Rad am Wagen behandeln. Manchmal kann eine Putzfrau sogar einem Mann helfen, die Frau zu verführen, in die er verliebt ist - und später wird sie die Wohnung putzen, in die das junge Paar eingezogen ist.

Sonntag, 10. Mai 2015

Deutsche, Italiener und Polen im Geschäftsleben

Das könnte eine Lösung sein...

Ich bin im Bezirk der Kunstmöbel von Cerea aufwachsen, in dem Möbel hergestellt werden, die so gebaut werden, dass sie einige Jahrhunderte alt aussehen und in der ganzen Welt verkauft werden. Lokale Handwerker lehnten sich traditionell an deutsche Firmen an, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten und zu verkaufen. Es gab eine symbiotische Beziehung zwischen Deutschen und Italienern und schon damals habe ich festsgestellt, dass diese zwei Völker dazu neigen, ziemlich gut miteinander zu arbeiten.

Italiener und Deutsche sind ziemlich unterschiedlich, aber Geschäftsbeziehungen zwischen diesen zwei Völkern haben eine lange Tradition. Sie kennen einander, sie schätzen einander, beide wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Selbstverständlich gibt es Schwierigkeiten und Missverständisse, die aber überwunden werden können, wenn es notwendig und sinnvoll ist, miteinander zu arbeiten.

Um bei dem Beispiel der Möbel zu bleiben, Italien ist immer noch das Land in Europa, das die meisten Möbel ins Ausland exportiert. In letzter Zeit  kaufen die Deutschen aber lieber Möbel von den Polen. In der Tat habe ich in diesem Land jede Menge kleine Möbelfabriken gesehen. Soweit ich weiß arbeiten polnische Hersteller arbeiten eng mit deutschen Firmen zusammen, um ihre Waren zu vermarkten und zu verbreiten.

Deutsche und Polen arbeiten auch ziemlich gut zusammen. Sie kennen einander, sie wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Vor allem betrügen sie sich nicht - sie tun nicht so, als würden sie einander mögen. Es sind Beziehungen, die nur auf gegenseitigem Respekt und Interessen basieren.

Wie sieht es aus, wenn Italiener und Polen zusammenarbeiten? Läuft es gut ? Laut meiner Erfahrung gibt es viele Fallen. Italiener und Polen kennen sich gegenseitig nicht weshalb sie nicht wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Daher bildet man sich einfach ein, dass man ähnlich ist - nichts könnter falscher sein. Es gibt viele Unterschiede, die eine Geschäftsbeziehung ruinieren können. Zum Beispiel haben Polen einen sehr direkten Kommunikationsstil, im Gegensatz zu Italienern, die sich gerne um Kopf und Kragen reden. Der Polnische Humor ist sehr schwarz, Italiener dagegen erzählen lieber Witze mit sexuellen Anspielungen, von denen Polinnen sich beleidigt fühlen könnten. Übrigens sitzen in Polen, öfter als in Italien, Frauen an Machtpositionen. Daher ist es manchmal besser mit Deutschen zu arbieten. Deutschen bilden sich nicht ein, dass sie einen tollen Sinn für Humor haben, erzählen kaum Witze wenn sie Geschäfte machen, tun aber so als ob sie die gemachten Witze lustig finden würden.

Die IT-Branche weist zusätzliche Besonderheiten auf. In Polen, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, sind die wenigen IT-Lieferanten eine Welt mit weniger Konkurrenz gewohnt, weil diese Märkte sehr lange von den größeren Beratungsfirmen ignoriert wurden. Deswegen sind die in diesen Ländern entstandenen IT-Firmen gewohnt, sich in einer starken Stellung gegenüber ihren Kunden zu befinden, weil IT-Lieferanten nicht so leicht ausgetauscht werden können wie in westlichen Ländern.

Außerdem haben viele deutsche Firmen ihre Prozesse so gestaltet, dass man sie leicht auslagern kann. Die großen Beratungsfirmen sind anwesend, aber sie überschreiten ihre Kompetenzen nicht und beschränken sich auf ihre Kernkompetenz: die Beratung. Dagegen sind Geschäftsprozesse in Italien häufig nicht so gut strukturiert und daher können die großen Beratungsfirmen eine große Macht an sich reißen, die weit über die Beratung hinausgeht. Sie kennen die Geschäftsprozesse besser als ihre Kunden und machen sich auf eine fast pathologische Weise unentbehrlich.

Für einen osteuropäischen IT-Lieferanten ist es viel leichter, Geschäfte in Deutschland als in Italien zu führen. Offshore-Firmen brauchen klar und gut definierte Prozesse, weil sie nicht tun können, was eine lokal ansässige Beratungsfirma machen würde: viel Zeit in langen und langweiligen Meeting zu verbringen, was häufig die einzige Methode ist, um herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte.

Samstag, 25. April 2015

Welcher Sprache ähnelt die polnische Sprache ?




Welcher Sprache ähnelt die polnische Sprache ? Der deutschen oder der russischen Sprache? Ich werde häufig danach gefragt, worauf ich immer antworte, dass Polnisch weder an Deutsch, noch an Russisch, noch an irgendeine andere Sprache erinnert. Das stimmt aber nicht ganz.

Slawische Sprachen sind in drei Unterkategorien aufgeteilt: Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch), Westslawisch (Polnisch, Tschechisch, Slovakisch und Sorbisch) und Südslawisch (Slovenisch, Serbisch-Bosnisch-Kroatisch, Mazedonisch und Bulgarisch). Sprachen werden in Gruppen und Untergruppen auf Basis von grammatikalischen und lexikalischen Ähnlichkeiten aufgeteilt, es handelt sich aber immer um eine ungenaue Klassifizierung.

Unter westslawischen Sprachen gibt es eine bestimmte Ähnlichkeit und gegenseitige Verständlichkeit. Wenn jeder in seiner eigenen Sprache spräche, würden sich sowohl ein Tscheche und ein Slowake, als auch ein Pole und ein Slowake gegenseitig verstehen. Überraschenderweise würden aber ein Tscheche und ein Pole dabei größere Schwierigkeiten haben. Vielleicht ist das auch ein psychologisches Hindernis, weil Polen Slowakei mehr zu mögen scheinen als Tschechien. In der Tat ist die Slowakei ein sehr katholisches Land und ein beliebtes Urlausbziel, dagegen gehören die meisten Tschechen keiner Konfession an (aus historischen Gründen, die auf die Hussitenrevolten zurückgehen) und angeblich sind in Tschechien die Frauen ... hässlich.

Sowohl Slowakisch als auch Tschechisch klingen einigermaßen komisch für ein polnisches Ohr. In beiden Sprachen sollte man allerdings aufpassen und die polnischen Wörter "szukać" (suchen) oder "słychać" (zuhören) vermeiden, die man leicht mit dem tschechischen und slowakischen Wort "šukat" verwechseln kann. Praktisch jeder Pole kann eine Geschichte über ein Missverständis wegen dieses Wortes erzählen, als während eines Aufenthaltes in der Slovakei oder in Tschechien Sätze wie "Ich suche meine Lehrerin" oder "Wir sind alle auf der Suche nach ihm" gesagt wurden.

Polnisch ist auch einer anderen größeren Sprache ziemlich ähnlich: Ukrainisch. Diese Sprache gehört der ostslawischen Gruppe an, ihr Wortschatz ist aber näher der Polnischen als der Russischen. Das kommt aus der ukrainischen Geschichte, denn das Land wurde "russisch" geboren, verblieb aber über Jahrhunderte in einer engen Beziehung mit Polen. Es gibt einige "praktische" Kurse Ukrainisch für Polen, die zu einem guten Verständis der Sprache nach wenigen Wochen begleiten.

Trotzdem ist die Beziehung zwischen Polen und Ukrainern einigermaßen ... komplex. Es gibt immer noch eine historische Feindlichkeit zwischen diesen zwei Ländern, die noch nicht vergessen wurde. Tatsächlich war vor dem Beginn der ukrainischen Krise der Genozid von Wolhynien ein beliebtes Thema in den polnischen Medien, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von ukrainischen Partisanen an der dortigen polnischen Bevölkerung verübt wurde. Außerdem betrachten leider viele Polen Ukrainisch immer noch als einen Dialekt der russischen Sprache - was man einem Deutschen oder einem Italiener verzeihen könnte, aber nicht einem Polen. Es besteht aber keinen Zweifel daran, dass Ukrainisch eine selbstständige Sprache ist, die eine beachtliche Literatur besitzt und die von fast 40 Millionen Menschen gesprochen wird, wie Polnisch.

Ukrainisch klingt auch sehr angenehm für ein polnisches Ohr - viel mehr als Russisch. Ukrainisch wurde angeblich in einem Wettbewerb als zweitschönste Sprache nach (selbstvertständlich) Italienisch in Europa gewählt, obwohl ich nicht genau weiß wann und wo er stattgefunden hat. Die ukrainische Musik ist einigermaßen beliebt in Polen. In der Tat gibt es einige erfolgreiche Musikgruppen in Polen, wie zum Beispiel Mirami und Enej, die auf Ukrainisch singen. Es sind normalerweise die Ukrainer, und nicht die Russen, die in den Sinn kommen, wenn man über die "slawischen Brüder" spricht.

Weißrussisch ist dem Polnischen auch recht nah, aber in geringerem Maße, und das hat sowieso weniger Bedeutung, da diese Sprache selbst in Weißrussland kaum gesprochen wird. Russisch dagegen ist ziemlich weit entfernt von Polnisch, und für Polen ist diese Sprache fast ebenso schwierig zu erlernen wie für "Nicht-Slawen". Außerdem wählen sie normalerweise nicht Russisch, wenn sie eine neue Kultur und Mentalität kennenlernen möchten. Wenn man aber schon Polnisch gelernt hat, wird es einem leichter fallen, die russische Grammatik zu verstehen (und umgekehrt). Trotzdem sind diese zwei Sprahen sehr unterschiedlich und weit weg von einer gegenseitigen Verständlichkeit. Das gleiche gilt für Polnisch und südslawische Sprachen.

Daher stimmt es nicht, dass Polnisch keiner anderen Sprache ähnelt - es ist aber wahrscheinlich wie keine andere Sprache, die ihr schon gelernt habt. Wenn man aber gut Polnisch kann, kann man sich damit auch in einigen der benachbarten Länder einigermaßen verständigen.

Samstag, 3. Januar 2015

Ist Polnisch die schwierigste Sprache der Welt?




Ich bin immer wieder auf diesen Artikel gestoßen, der häufig weitergeleitet wird. In dem wird behauptet, Polnisch sei die schwierigste Sprache der Welt, noch schwieriger als Chinesisch, Arabisch und Japanisch. Diese unwahrscheinliche Aussage wird auf eine geheimnisvolle und pseudo-wissenschaftliche Formel gestützt. Eine viel vertrauenswürdigere Quelle wie das Foreign Service Institute der USA zählt die polnische Sprache zu den schwierigsten europäischen Sprachen, zusammen unter anderem mit Tschechisch, Albanisch und Ungarisch. Sprachen wie Arabisch und Chinesisch gelten in dieser Rangliste aber als viel schwieriger.

Ich weiß nicht, wie Polnisch den Ruf der schwierigsten Sprache der Welt bekommen hat. Mit diesem Ruf scheinen die Polen übrigens sehr zufrieden zu sein. So eine Einstellung steht im starken Gegensatz zu derjenigen der Russen, die ihre Sprache nicht unbedingt  für  schwierig halten und von Ausländern in ihrem Land erwarten, dass sie Russisch sprechen. Russisch ist aber zumindest ebenso schwierig wie Polnisch.

Eine Sprache zu können heißt, vier Fähigkeiten zu meistern: Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Die Grammatik kann man als fünfte Fähigkeit dazuzahlen. Ich lese sehr gern Bücher in Fremdsprachen und mich wird man nicht davon überzeugen können, dass das Lesen auf Chinesisch und Arabisch leichter als auf Polnisch ist. Die polnische Sprache verwendet immerhin ein lateinisches Alphabet, das insgesamt nur 32 Zeichen enthält.

Es mag manchmal nicht so leicht sein, Polnisch zu verstehen, weil die weichen und harten Konsonanten nicht so leicht voneinander zu unterscheiden sind ( ć - cz, ś - sz, ż -ź, dż - dź ).  Das ist übrigens die einzige Schwierigkeit beim Hörverständnis  der polnischen Sprache, welche deswegen etwas schwieriger zu verstehen als zum Beispiel Italienisch, Spanisch, Russisch, Ukrainisch oder sogar Deutsch ist. Englisch und Französisch sind aber in dieser Beziehung viel schlimmer, weil das Überhören eines einzigen Lautes dazu führen kann, dass man den ganzen Satz nicht mehr versteht. Selber wenn man nichts überhört mag es sehr schwierig sein, einen Satz außerhalb seines Kontextes zu verstehen. Englisch und Französisch sind keine “redundanten” Sprachen, in Gegensatz zu den slawischen Sprachen, die mehr “überflüssige”  Elemente und somit mehr Kontext enthalten . Aus diesem Grunde finde ich nicht, dass Polnisch  am schwierigsten zu verstehen ist.

Ist Polnisch schwierig zu sprechen als andere Sprachen ? Polnisch enthält viele Phoneme (insgesamt 41) , die gelernt und geübt werden müssen. Man muss sie gehört haben und jemand muss sie erklärt haben. Es gibt aber nichts außergewöhnliches bei der polnischen Phonetik und ich bin davon überzeugt, dass die englische Aussprache wesentlich schwieriger ist. Man braucht sich nur dieses Schema anzusehen: Es gibt wenigstens 44 Phonemen in Englisch, die man hier hören kann. Außerdem werden im Polnischen Wörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden, und die Betonung befindet sich fast immer auf der vorletzten Silbe. Deswegen sind Sätze wie "W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie" nicht so schwierig auszusprechen, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Nein, Polnisch ist nicht wegen der Aussprache schwierig.

Die polnische Grammatik ist tatsächlich kompliziert. Viele tun sich mit den grammatikalischen Fällen schwer - die gibt es aber in fast allen osteuropäischen Sprachen und im Deutschen. Man muss sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um sie zu lernen. Wenn man zum Pauken nicht viel Lust hat, gehört Polnisch in der Tat zu den schlimmsten Sprachen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man ohne Pauken irgendeine Sprache gut meistern kann.

Es gibt aber etwas, das in Polnisch schwieriger als in anderen Sprachen ist, nämlich Texte zu schreiben, ohne jeglichen Fehler in der Ortographie oder in der Grammatik zu machen. Sogar viele Polen können es nicht. Obwohl ich Polnisch seit mehreren Jahren lerne, komme ich ohne eine automatische Rechtschreibprüfung nicht aus. Das ist möglicherweise der Grund, warum manche Polnisch für die schwierigste Sprache der Welt halten.

Wenn Polen Fremdsprachen in der Schule lernen, werden sie nicht zum Sprechen ermutigt. Im Gegenteil, sie  werden jedesmal beschimpft und bestraft, wenn sie einen Fehler machen. Sogar nach ihrer Schulzeit haben sie immer noch Angst zu sprechen und sich zu blamieren. Das ist keine förderliche Einstellung, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil Perfektion in diesem Bereich fast unerreichbar ist. Man soll eher danach streben, so viel wie möglich zu verstehen und verstanden zu werden.

Es stimmt in der Tat, dass man beim Sprechen und Schreiben auf polnisch mehr Fehler machen wird als in anderen Sprachen. Ist das aber für eine erfolgreiche Kommunikation  so entscheidend ?

Samstag, 29. November 2014

Włosi (Italiener)



Ich habe gerade das Buch “Włosi” (Italiener) zu Ende gelesen.
Das Buch ist von einem Polen geschrieben worden, der zehn Jahre lang in Italien gelebt hat und subjektiv über das Belpaese berichtet..

Als ich den Buchumschlag gesehen hatte, hatte ich viel Schlimmeres erwartet. Der Autor erzäht aber keine Sachen, die völlig falsch sind und zitiert sogar seine Quellen - Bücher und Artikel. Man kann aber nicht bezweifeln, dass es sich um ein subjektives Buch handelt und der Autor selber sagt es.  Bestimmte Themen werden in der Tat erwähnt, andere dagegen vermieden.

Wie in den meisten von Ausländern geschriebenen Büchern über Italien, macht man eine große Sache aus den regionalen Unterschieden und den vielen Dialekten. Das ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich zu Polen, wo es kaum regionale Unterschiede gibt, abgesehen von den großen Ausnahmen Schlesien und Kashubien. Dagegen überraschte es mich, dass er auf das Thema des unterentwickelten Südens eingeht. Es wird sogar über die brutale Unterdrückung und die Ausbeutung der Regierung im Süditalien nach der italienischen Vereinigung gesprochen, die in Italien immer noch teilweise Tabuthemen sind. Er schreibt dagegen sehr wenig über die Mafia, wahrscheinlich weil organisierte Kriminalität kein besonders interessantes Thema für die Leser ist - davon gibt es genug auch in Polen. Wenn das Buch von einem Deutschen oder von einem Ami geschrieben worden wäre, würde es mindestens ein ganzes Kapitel über dieses Thema geben.

Es war zu erwarten, dass er nichts über die große Autonomie schreibt, die die deutsche Minderheit in Südtirol genießt - die deutschsprächige Minderheit in Polen hat lange nicht die gleichen Rechte. Grundsätzlich werden Themen vermieden, die in Polen kontrovers sein könnten, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeiten, Klassenkämpfe, Terrorismus, Gewerkschaften und die Tatsache, dass viele Fabriken in Italien dichtgemacht werden, um in Polen wieder geöffnet zu werden, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Wenn es um Politik geht, schreibt er nur, dass in Italien man immer noch auf denjenigen wartet, der das Land retten wird, und dass die Politik die Leute nicht so sehr gegeneinander ausspielt, wie in Polen. Damit bin ich nicht unbedingt einverstanden.

Ein ganzes Kapitel ist der Modegeschichte in Italien gewidmet, über die industrielle Entwicklung des Landes wird aber kaum berichtet.Es interessiert den Autor nicht,dass Italien die zweitgrößte industrielle Kapazität in Europa hat, nach Deutschland. Anscheinend spricht er nicht gern über Wirtschaft oder Industrie, aber er schreibt, dass in Italien die “internationalen Geschäftsregeln” gelten. Das ist allerdings eine sehr gefährliche Behauptung in Polen, wo viele Leute davon überzeugt sind, dass ein bisschen English und das Kenntnis sogenannter “internationaler Geschäftsregeln” ausreicht, um international erfolgreich zu sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, die nationalen Besonderheiten zu kennen, um geschäftlich erfolgreich in einem bestimmten Land sein zu können.

Wahrscheinlich am lächerlichsten in dem Buch ist die Behauptung, dass die Italiener keine Bücher lesen. Angeblich lesen nur diejenigen, deren Handy- oder Notebook-Akkus gerade leer sind. Er zitiert einige Statistiken, schade aber, dass man anhand Statistiken leicht beweisen kann, dass die Polen noch weniger lesen. Darüber hinaus macht er sich lustig über erwachsene Italiener, die Comics lesen,was seiner Meinung nach nur für Kinder ist. Comics werden in Polen tatsächlich nicht als eine Literaturform gesehen, absehen von der großen Ausnahme von Thorgal.

Das Kapitel über Essgewohnheiten in Italien ist jedoch interessant.  Es stimmt, dass Italiener nur frisches Obst essen, das gerade in Saison ist. In Polen dagegen (wie übrigens auch in Deutschland) wird man zum Beispiel das ganze Jahr über Orangen finden, obwohl ich sie nicht unbedingt Orangen nennen würde. Als ich in Deutschland wohnte, nahm ich tatsächlich immer mit dem Auto frisches Obst nach Deutschland mit. Er erwähnt auch andere seltsame Gewohnheiten, wie das Cappuccinoverbot nach Mittag und das Käse-Mahl-Verbot zu dem Spaghetti allo Scoglio (mit Krustentieren). Er bringt den Polen bei, dass auf eine Pizza kein Ketchup gehört - das ist eine schlechte Gewohnheit, dass die Polen von den Amis übernommen haben. Die Polen imitieren sehr gerne die Amis.

Es mag sich für einen Polen lohnen, dieses Buch zu lesen, nur um die häufigsten Fallstricke der italienischen Sprache zu lernen. “Figa” ist auf Italienisch ein sehr schlimmes Wort, und kein Name, den man einem kleinen Tier geben kann. Man sollte die doppelten Konsonanten richtig aussprechen, weil “penne”  von “pene” und “anni” von “ani” unbedingt unterscheiden sollte. Genauso, wie man  übrigens man in Polen sehr schnell lernen sollte, dass man das Wort “Kurwa” vermeiden sollte und mit Kurven nichts damit zu tun hat. Ansonsten kann einem das gleiche wie einem Bekannten von mir passieren, der beinahe einen Verkehrsunfall verursachte, als er seinem polnischen Fahrer “Attento alla curva” sagte.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Polnischer Humor und Komödien



Man sagt, dass die Deutschen keinen Sinn für Humor haben. Ich finde es auch, dass die Deutschen sich sehr schwertun, über sich selbst zu lachen.  Beziehungsweise finden sie die Witze mit Nazi-Anspielungen nicht lustig, die der Rest der Welt so gern über sie erzählt.

Ich habe dreizehn Jahre in Deutschland verbracht, wobei es für mich immer sehr schwierig gewesen ist, den deutsche Humor zu verstehen. Jedoch konnte sich ein Komiker, der vor kurzem gestorben ist, sehr gut über die Deutschen lustig machen : Loriot. Allerdings muss man die Deutschen schon kennen, um seinen Humor zu verstehen. Erst nach mehreren Jahren in Deutschland fing ich an, ihn lustig zu finden.

Die Polen behaupten gerne von sich, dass sie einen sehr guten Sinn für Humor hätten. Tatsächlich schaffen sie es, über sich und über die Polen-Witze zu lachen, in denen sie typischerweise als zwanghafte Diebe dargestellt werden. Das ändert sich allerdings langsam, weil sie dieses Stereotyp selbst leid sind. Persönlich halte ich den polnischen Humor für ziemlich merkwürdig, manchmal sogar für nervig, wenn es zum Beispiel in Witzen um das Schlagen von Frauen geht.

Es gibt keinen Mangel an Komödien auf Polnisch . Die beliebtesten sind immer noch die aus der sozialistischen Ära. Sie werden immer noch regelmäßig im Fernsehen
gezeigt. Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, wie oft ich die Filme “Nie lubię poniedziałku”, “Poszukiwani, Poszukiwana”, “Nic śmiesznego” und “Mis” im Fernsehen gesehen habe. Diese Komödien machen sich über typische Situationen in der Volksrepublik Polens lustig. Weil ich dieses Ära nicht erlebt habe, finde ich diese Filme normalerweise nicht komisch, sondern eher traurig.

Als ich mir das erste Mal die bekannteste polnische Komödie angeschaut habe, “Seksmisja”, war ich von den Schauspielern überhaupt nicht beeindruckt. Erst nachdem ich schon ein Jahr in Polen gelebt hatte und mir den Film erneut angeschaut hatte, stellte ich fest, dass die Schauspieler eigentlich auf glaubwürdige Weise Polen verkörpern. Trotzdem konnte ich kein einziges Mal lachen, während ich mir den Film anschaute. Die meisten Polen finden aber “Sexmisja” sehr lustig. Es ist eine sehr versteckte Satyre über den Kommunismus (was für eine Überraschung), allerdings ist es so gut versteckt, dass es schon langweilig ist. Das Gleiche, was ich über “Sexmisja” gesagt habe, könnte ich auch über eine andere kultige polnische Komödie sagen:”Rejs”.

Die einzige polnische Komödien, die ich halbwegs lustig finde, sind diejenigen mit der fiktiven Gestalt des Adaś Miaucziński.  Ich habe zwei von insgesamt acht solchen Filmen gesehen:  “Nic śmiesznego” und “Dzień świra”. Adaś ist ein typischer Intellektueller und ein notorischer Versager. Er erinnert mich teilweise an die Gestalten von Woody Allen, teilweise auch an den italienischen “Fantozzi” und an den französischen “Pignon”. In den Filmen, die ich gesehen habe, ist der Hauptdarsteller auch der Erzähler, was es leichter macht, der Geschichte zu folgen - im Gegensatz zum Beispiel zu den viel chaotischeren “Mis” und “Nie lubie poniedzialku”. Das könnte der Gründ sein, weil ich die Filme mit Adaś wenigstens teilweise lustig finde.

Oder kann es sein, dass ich selber keinen Sinn für Humor habe ? Wer weiß ?


Samstag, 23. August 2014

Sind Polen sprachbegabt ?

Polen sprechen Englisch besser nach einem Jahr als Tellerwäscher in England,
als nach 17 Jahren Pauken in der Schule und an der Uni.

Polen haben den Ruf, sehr sprachbegabt zu sein.  Tatsächlich kann man oft in England, Deutschland oder Italien Polen treffen, die die lokale Sprache fast perfekt sprechen. Dieser Ruf betrifft nicht nur Auswanderer, sondern auch diejenigen, die im Land geblieben sind. Geschäftsführer internationaler Firmen schwärmen oft von den Sprachfähigkeiten polnischer Absolventen, die angeblich alle perfekt Englisch, Deutsch und ein paar andere Sprachen können.

Aber wenn man an bestimmte Statistiken glaubt, sind die Sprachfähigkeiten der Polen nicht außerordentlich. Laut dieser Karte ist der Prozentsatz der Polen, die Englisch können, nicht höher als bei den Franzosen oder Italienern, die dagegen den Ruf haben, nicht besonders sprachbegabt zu sein. Laut dieser anderen Karte können relative wenige Polen Deutsch sprechen. Es ist aber erwähnenswert, dass unter den früheren nicht-sowjetischen  Ländern in der Europäischen Union in Polen Russisch am meisten gesprochen wird.  Das wird aus einer anderen Karte deutlich.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung gibt es nicht so viele Leute in Polen, die eine Fremdsprache wirklich gut beherrschen. Möglicherweise sind viele der Sprachbegabtesten schon ausgewandert.

Typischerweise haben die Polen, die eine Fremdsprache beherrschen, eine gute Aussprache. Slawische Sprachen sind reich an unterschiedlichen Lauten und daher bilden sie einen guten Startpunkt, um die Phonetik anderer Sprachen zu lernen. Hinzu kommt, dass sich die Polen normalerweise wirklich integrieren und dazu gehören wollen. Deswegen können sie leichter die dabei entstehenden psychologischen Barrieren überwinden.

Dagegen gibt es Fehler, die die Polen typisch machen, wenn sie Englisch oder andere westliche Sprachen sprechen oder schreiben. Oft vergessen sie die Artikel „der/die/das“ und „ein/eine“ oder verwenden den falschen oder sie fügen einen hinzu, wenn er nicht gebraucht wird. In den slawischen Sprachen gibt es tatsächlich keine Artikel, anders als in allen westlichen Sprachen. Sie verwechseln oft auch „dieser“ mit „jener“. Nur wenn sie die Sprachen sehr gut können, machen sie diesen Fehler nicht mehr.

Im Vergleich zu Italienern, Franzosen oder Spaniern sind für sie Wörter lateinischer Herkunft schwieriger. Davon gibt es aber viele im Englischen. Germanische Völker sprechen Englisch am besten, sowohl wegen der Ähnlichkeiten der Sprachen als auch wegen des ausgezeichneten Bildungssystems.

Der echte Unterschied ist aber, dass in Polen Fremdsprachenkenntnisse viel mehr Türen öffnen als in Westeuropa. Wie in den meisten Ländern lernen polnische Ingenieure und Informatiker nicht so gerne Fremdsprachen. Es kann aber passieren, dass die Kenntnis einer bestimmten Sprache bei der Karriere mehr hilft als hervorragende technische Fähigkeiten. Es werden in Polen nämlich viele Projekte für ausländische Kunden realisiert. Aber es gibt sehr wenige Ausländer im Land die dabei helfen können.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Warum sollte man Polnisch sprechen ?



Als ich nach Deutschland auswanderte, war ich davon überzeugt, dass mein Deutsch sehr gut war und es nicht nötig sein würde, die Sprache weiter zu lernen. Die Tests vom Goethe Institut löste ich ohne Probleme und ich konnte mich auf Deutsch ohne Probleme unterhalten. Aber wenn man direkt in dem Land wohnt und arbeitet, sieht es anders aus. Man muss die Probleme der Kunden lösen, ihre Anforderungen sammeln und technische Dokumentation erstellen.

Während meiner Karriere in Deutschland war ich ausschließlich als Berater in kleinen deutschen Firmen tätig, unsere Kunden waren auch ausschließlich deutsch. Das war eine Arbeit, die sehr gute Deutschkenntnisse erforderte. Während der ersten Monate meines Aufenthalts in Deutschland hatte ich mit der Sprache große Schwierigkeiten, aber nach einigen Jahren war ich bei technischen Fragen fast ebenso wortgewandt wie ein Einheimischer.

Aufgrund meiner Erfahrungen in Deutschland war mir bewusst, dass es mir am Anfang schwer fallen könnte, mich über technische Fragen auf Polnisch zu unterhalten, selbst wenn ich Polnisch schon ein paar Jahre gelernt hatte. Ich wusste aber, dass ich in internationalen Projekten tätig sein würde, deswegen wären  Polnisch-Kenntnisse nicht notwendigen gewesen. Aufgrund dessen erwartete ich, dass ich mich wenigstens in den ersten Monaten eher auf English unterhalten würde.

Aber schon am ersten Tag wurde mir gleich klar, dass es für mich viel sinnvoller war, gleich von Anfang an nur auf Polnisch zu sprechen. Es hätte mir nicht gefallen, wenn die Kollegen unter sich auf Polnisch gesprochen hätten, und nur mit mir auf Englisch. Es hätte bedeutet, dass ich an zahlreichen Konversationen nicht teilgenommen hätte. Die ersten Monate waren tatsächlich schwierig, es wurde aber jeden Tag ein bisschen besser – was mich ermutigte, denn ich hatte das Gleiche früher in Deutschland erlebt. Jeden Tag verstand ich mehr und schaffte es häufiger, genau auszudrücken, was ich im Kopf hatte. Auch die Berichte über meine Dienstreisen schreibe ich inzwischen auf Polnisch.

In Deutschland kam ich häufig in Kontakt mit Leuten, die nicht Deutsch lernen wollten oder es nicht schafften. Eine Arbeit konnten sie schon finden, aber viele Karrieremöglichkeit standen ihnen nicht offen und normalerweise hielten sie nicht länger als zwei oder drei Jahre im Land aus. Übrigens, wenn ich jetzt selber bei und auch außerhalb der Arbeit nicht auf Polnisch sprechen würde, würde ich mir über kurz oder lang die Frage stellen : Warum bin ich überhaupt in Polen ?