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Samstag, 2. Juli 2016

Kulturelle Unterschiede zwischen der Ukraine und den USA



Ich habe zwei Wochen in Odessa, in der Ukraine, verbracht, um mein Russisch zu üben. Es wurde mir klar, dass es für mich noch ein langer Weg ist, bis ich die B2-Stufe erreichen kann.

Darüber möchte ich aber nicht sprechen. Ich hatte die Gelegenheit, dort an einer Konferenz über Big Data und künstliche Intelligenz teilzunehmen. Im allgemeinen interessiert mich in der Ukraine die IT-Branche.

In der Tat hat der IT-Sektor in der Ukraine möglicherweise ein größeres Potenzial als in Polen. In dieser Präsentation steht, dass ungefähr ein Tausend Firmen, neunzigtausend Programmierer und ein hundert Entwicklungszentren in diesem Land tätig sind und internationale Kunden bedienen. Im Gegensatz zu Russland neigt die Ukraine nicht zum Isolationismus und ist von Sanktionen selbstverständlich auch nicht betroffen. Soweit ich weiß, sind es vorwiegend Startups aus der USA, die in diesem Land Entwicklungszentren eröffnet haben.

Mich persönlich hat der interessante Artikel auf der Seite 58 in dieser Präsentation beeindruckt - "Wie Kunden aus den USA und Lieferanten aus der Ukraine mit ihren kulturellen Unterschieden klarkommen können". Bislang konnte ich keinen vergleichbaren Artikel in den polnischen Medien finden. Das gibt mir den Eindruck, dass weniger naiv als Polen sein könnten, wenigstens, was  die Unterschiede zwischen ihnen und den westlichen Ländern betrifft. In der Tat kann man die in diesem Artikel beschriebenen Probleme auch in den Beziehungen zwischen polnischen Lieferanten und ihren Kunden wiederfinden.

In den USA müssen Firmen ein sehr hohes Qualitätsniveau haben und mit ihren Kunden sehr höflich umgehen, wenn sie andere Aufträge von ihnen bekommen wollen. Die Kunden haben immer Recht, weil das Machtverhältnis sehr klar zugunsten der Kunden liegt. Deswegen erwarten Kunden immer realistische und konstruktive Lösungen, wenn Probleme auftauchen.

In Ukraine liegt dagegen das Machtverhältnis zugunsten der Lieferanten, und Kunden sollten dankbar sein, dass ein Lieferant mit ihnen arbeiten möchte. Es ist nicht notwendig, freundlich im Geschäft zu sein, weil das als Heuchelei betrachtet wird. Freundlichkeit und Lächeln sind nur in den Beziehungen mit Freunden und Verwandten angebracht. Außerdem reden die Ukrainer nicht um den heißen Brei herum, und wenn etwas schlecht ist, sagen sie es einfach. Das wird oft von Amerikanern als Inflexibilität wahrgenommen . Das klingt bekannt ...

Was sollten denn ukrainische Lieferanten tun, um US-Kunden glücklich zu machen? Die Ratschläge von Jennifer Robert ähneln überraschend denen, die ich polnischen Lieferanten geben würde, die Geschäfte mit westlichen Firmen machen.
  • Keine Annahmen bei der Kommunikation mit den Kunden treffen. Man sollte keine Angst haben, auch die einfachsten Fragen zu stellen. Was für einen selbstverständlich ist, kann für jemanden anderen unklar sein, manchmal auch weil er aus einem anderen Hintergrund kommt. 
  • Die Ergebnisse seiner Arbeit so oft wie möglich zeigen.  Vertrauen aufbauen und proaktiv sein.
  • Während des Verkaufsprozesses hilft es nicht, zu sagen, dass man wunderbar ist. Anstatt dessen sollte man konkrete Lösungen vorschlagen. Der Kunde sollte das Gefühl haben, dass er sich im gleichen Team befindet.  
  • Beachten Sie, dass Sie nicht der einziger Teil des Prozesses sind. Wenn man nicht zum festgelegten Termin liefert, wird  für alle der ganze Prozess verzögert. Man sollte Termine als in Stein gemeißelt betrachten. 
  • .Im Falle einer Verspätung, sollte man nicht versuchen, die Schuld dem Kunden zuzuweisen. Das ist nämlich die beste Weise, ihn zu verlieren. Außerdem sollte man nicht das Wort "Du" verwenden. um ein Problem zu beschreiben. Man sollte stattdessen immer proaktiv versuchen, eine alternative Lösung zu finden, die beide Parteien zufrieden stellt. 
  • So schnell wie möglich auf Kundenmeldungen reagieren - auch nur um sie zur Kenntnis zu nehmen. Am Besten sollte man gleich mitteilen, dass man schon an einer Lösung arbeitet
Das alles mag für einen erfahrenen Berater selbstverständlich sein. In der Tat ist es für viele Polen
aber nicht. Polen scheinen den Ukrainer ähnlicher zu seien, als sie zugeben wollen.

Donnerstag, 14. April 2016

Elwro 800 - ein Computer aus der Volksrepublik Polen


Seit einigen Monaten beziehe ich die polnische Ausgabe der Zeitschrift "Computerworld" im Abonnement. In einer der letzten Nummern habe ich die Geschichte des Computers "Elwro 800 Junior" gelesen.

Am Anfang der Achtziger Jahre, als es noch die Volksrepublik Polen gab, waren die Computer 'Commodore' und 'Spectrum' für die meisten Polen immer noch nicht zugänglich. Aus diesem Grund ergriff 1985 die Regierung die Initiative, die Massenherstellung eines Personalcomputers zu finanzieren, der zu Erziehungszwecken an Schulen verteilt werden sollte.

Der Rechner sollte in Polen entworfen werden und die Hardware dafür aus Osteuropa bezogen werden. Ein Projekt aus der TH Posen bekam den Zuschlag, und der Auftrag zur Massenfertigung wurde an die Elektronikfirma Elwro in Breslau vergeben, die schon die Mainframes 'Odra' herstellte.

Das Elwro 800 war ein perfekter Emulator vom ZX Spectrum, aber nicht nur das. Es basierte auf einer Client/Server-Architektur, die eine Verbindung aller Rechner eines Klassenzimmers in einem geschlossenen Netz ermöglichte. Der Lehrer konnte zum Bildschirm der Schüler wechseln und mit ihnen interagieren, ohne seinen Sitzplatz zu verlassen. Es stand vorwiegend Lernsoftware zur Verfügung, es gab aber auch Compiler für Programmiersprachen wie Pascal, C und Prolog.

Erst viele Jahre nach dem Projekt-Kickoff erreichten die ersten Elwro 800 die Klassenzimmer - Logistik und Effizienz waren nun einmal nicht gerade die Stärke der VR Polen. Immerhin war das das größte IT-Projekt, das jemals im Land realisiert wurde

Der Elwro 800 hatte einen Prozessor aus der DDR, Arbeitsspeicher aus der Sowjetunion und ein Disklaufwerk aus Ungarn oder Bulgarien. Bei Elwro waren noch nie so viele Rechner in so kurzer Zeit vom Fließband gelaufen, daher waren die ersten Exemplare mangelhaft.  Man brauchte auch eine gewisse Zeit, den Verteilungs- und Installationsprozess in Gang zu bringen, und ebenso die Ausbildung der Lehrer zu organisieren. Es muss erwähnt werden, dass im Sozialismus häufig eine Phase eines Projekts erst dann geplant wurde, wenn die vorherige Phase schon abgeschlossen war.

Trotz aller Schwierigkeiten kamen Ende der Achtziger Jahre die ersten Elwro 800 in den polnischen Schulen an. Dann aber kam die Wende und die ersten IBM-kompatiblen Rechner erschienen auf dem Markt. Aus diesem Grund waren Rechner, die auf einer ZX-Spectrum-Architektur basierten, schon gleich zu Anfang obsolet. Trotzdem waren in den neunziger Jahren immer noch Tausende von Elwro 800 in den polnischen Schulen in Gebrauch. Viele Polen lernten das Programmieren auf einem dieser Rechner. Außer den Schülern, sollten hier die Programmierer, die die Lernsoftware schrieben, und die Ingenieure, die die Bauteile entwarfen, erwähnt werden.

Allerdings gibt es die Firma Elwro schon lange nicht mehr.  Sie wurde privatisiert: Siemens kaufte sie ein und nach einigen Jahren wurde sie stillgelegt. Ich habe nicht herausfinden können, was aus denjenigen geworden ist, die diesen Rechner entworfen hatten. Nicht einmal ihre Namen habe ich ausfindig machen können - alle Quellen reden von einer "Mannschaft" aus der Technischen Hochschule Posen.




Dienstag, 1. März 2016

Verkleinerungsformen in Polnisch

Vati, Vati, was ist die Verkleinerungsform von "Waage"? ....

Als ich mich für die B2-Prüfung der polnischen Sprachen vorbereitet habe, habe ich am meisten das Kapitel über die Verkleinerungsformen der Substantive gehasst. Ich dachte, sie wären nicht wichtig, und dass die Regeln, wie man sie bildet, lächerlich kompliziert sind. Ich habe aber erst in letzter Zeit wahrgenommen, wie sehr die Polen in ihre Verkleinerungsformen verliebt sind.

Ich erinnere mich noch, dass Stephen Möller ein ganzes Kapitel über Verkleinerungsformen geschrieben hat. Er geht lieber in Polen zum Zahnarzt, wo das Karieslein aus dem Zähnlein entfernt wird, und aus dem Mündchen das Zahnsteinlein entfernt wird, und danach ist alles sauberlein (Ja, die Ärzte und insbesondere die Ärztinnen in Polen sprechen wirklich auf diese Weise)

Wenn ich ins Restaurant gehe, geben sie mir ein Nummerchen, um mich zu rufen, sobald das Salätchen fertig ist. Dann fragen sie mich, ob ich ein Säftchen aus dem Kühlschränklein möchte. Ich gehe zum Theater, und dort kaufe ich ein Eintrittskärtchen für ein Sitzplätzchen, von dem aus ich mir die Vorführung anschauen kann (Vielleicht ein "Theaterstückchen"). Und ich zahle in Zlotichen..

Man könnte vielleicht denken, dass wenigstens am Arbeitsplatz in Polen nicht auf diese Weise gesprochen wird ? Das wäre aber falsch. Man führt Testchen aus, um herauszufinden, ob das Programmchen funktioniert. Dann schreibt man ein Reportchen in einem Excelchen-Dateilein. Hast du ein Fräglein zu deinem Aufgäbchen ? Schau mal im Internetchen und finde ein Hinweischen, wie dein Problemchen gelöst werden kann.

Wenn sie auf diese Weise sprechen ist ihr Sprechton ganz normal, daher erkennt man die Verkleinerungsformen nicht, wenn man nicht aufpasst. Was machen wir denn ? Ich werde in meinem Bloglein ein Postchen über dieses Themachen schreiben.


Mittwoch, 20. Januar 2016

Ich bereite mich auf die PMBOK-Prüfung vor

PMBOK - "wydanie polskie"


Ich sollte mich mehr auf meine Karriere konzentrieren. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen Vorbereitungskurs auf die PMBOK Prüfung zu besuchen, um danach Projekt Manager zu werden. Der Kurs fand in den Schulungsräumen von Comarch in Krakau statt. Das war für mich eine interessante Erfahrung, und untypisch, auch weil ich der einzige Ausländer war.

Der Kurs hat zehn Tage gedauert, währenddessen ich einige Werkzeuge zu den verschiedenen Aspekten des Projektmanagements gelernt habe: Integration, Bereich, Zeit, Kosten, Qualität, Human Resources, Kommunikation, Risiken... Während des Kurses habe ich Lernmaterial bekommen, aber ich werde die Prüfung mithilfe der sogenannten PMBOK-Bibel vorbereiten, wovon ich die polnische Ausgabe gekauft habe. Das Buch hat mich 30 Euro gekostet, ein bisschen weniger als die Originalausgabe auf Englisch (40 Euro). Ich habe schon geschrieben, dass technische Bücher auf Polnisch billiger sind.

Der Kurs war interessant, abgesehen davon, dass der Lehrer ständig erwähnte, dass Italiener sehr gerne die Hände beim Sprechen verwenden. Ich erfuhr, dass eine negative Einstellung gegenüber Kunden in Polen überhaupt nicht so durchgängig ist, wie ich dachte und ich in einem früheren Post geschrieben habe. Es ist gut zu wissen, dass man dem Kunden nur geben sollte, was er bestellt hat, und nicht mehr - ansonsten ist das "goldplating", das heißt Funktionalitäten, wofür es nicht bezahlt wurde. Der beste Kunde ist übrigens derjenige, der zurückkommt. Er hat aber nicht immer Recht: Er kann dir sagen, was er will, aber nicht, wie es umgesetzt werden sollte.

Während des Kurses gab es Gruppenarbeiten, wie in der Schule. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor solchen Beschäftigungen, weil man nie genau weiß, wer was machen sollte. Zum Glück waren die Tätigkeiten während des Kurses ein bisschen strukturierter, allerdings auch ein bisschen seltsam. Wir bauten ein Katapult aus Pappe, um ein Ei zu zerstören, suchten nach Nägeln in einem Eimer voll Sand und bauten ein Gebäude nach, das sich in dem nächstem Raum befand. Alle diese Tätigkeiten sollten die verschiedenen Etappen eines Projektes darstellen.

Der Kurs ist jetzt zu Ende und inzwischen habe ich die C1-Prüfung der polnischen Sprachen abgegeben. Jetzt gibt es keine Ausreden: ich muss mich auf die PMBOK-Prüfung vorbereiten. Es ist aber für mich schwierig, mich selber zu motivieren, deswegen setzte ich die gleiche Strategie wie an der Uni ein: Ich lerne außerhalb meiner Wohnung. Ich pauke nur an Wochenenden. Dann sind aber Bibliotheken geschlossen, deswegen habe ich einen anderen Platz gefunden: einen Coworking-Raum in dem größten Handelszentrum in Krakau, Bronowice. Handelszentren in Krakau sind offen auch am Samstagen und Sonntagen. Ich habe fast die Hälfte der PMBOK-Bibel gelesen, mal sehen, wann ich die Prüfung versuchen werde.



Freitag, 25. Dezember 2015

Lesen auf Polnisch



Weil ich sehr gerne in den Büchern kritzele, kaufe ich Computerbücher normalerweise, anstatt sie aus der Bibliothek auszuleihen. Das ist auch der Grund, warum mich Bücher in elektronischem Format nicht begeistern. Auf diese Weise kann man aber schnell ein Vermögen in Büchern ausgeben.

Inzwischen ist es für mich kein Problem, Computerbücher auf Polnisch zu lesen. Das hat den Vorteil, dass solche Bücher wesentlich billiger sind. Zum Beispiel, wenn ich Angular.JS lernen möchte, könnte ich dazu Bücher auf Polnisch kaufen, entweder eines von einem Polnischen Author oder ein anderes aus dem Englischen übersetzt, die beide weniger als 10 Euros kosten. Wenn ich aber mehr über das gleiche Thema in Deutschland erfahren wollte, würde ich das gleiche Buch auf Englisch oder ein anderes von einem Deutschen Author finden, und in beiden Fällen würde ich mehr also 30 Euro ausgeben müssen.

Ich lese gerade ein Buch über Mikroservices, bei dem das Gleiche gilt. Das Buch auf Polnisch kostet ungefähr 10 Euro, andererseits kostet das Buch im Original, das ich in Deutschland kaufen könnte, ungefähr 40 Euro. Einen solchen Preisunterschied gibt es auch, zum Beispiel, bie dem Buch "Clean Code", das in Deutschland ungefähr viermal kostet als das Buch in Polnisch, das man in Polen kaufen kann. Wenn man Computerbücher kaufen muss und auf Polnisch lesen kann, ist das gut zu wissen. Als ich in Deutschland wohnte, gab ich tatsächlich ein Vermögen in Büchern aus. Von Italien wollen wir gar nicht erst sprechen, dort sind Computerbücher sogar noch teurer.

Lustigerweise sind die in polnisch übersetzten Computerbücher in Polen billiger als die gleichen Bücher in der Originalverfassung auf English. Polen, die kein Englisch lesen können, sind im Vergleich mit vielen ihrer Kollegen im Westeuropa im Vorteil. Sie haben oft keine Auswahl, weil sie ungefähr das Dreifache ausgeben würden, wenn sie unbedingt das Original lesen wollten. Ich nehme an, dass Übersetzungen ins Polnische nicht viel kosten. Das muss die einzige Möglichkeit sein, Bücher in den Markt einzuführen, die ansonsten niemand kaufen würde. Selbstverständlich haben Bücher in polnisch dann keinen Marktwert außerhalb Polens. Außerdem gibt es viele polnische Autoren, die für den heimischen Markt schreiben.

Der Preisunterschied ist nicht so atemberaubend, wenn es um normale Bücher geht. Ein Buch in deutscher Verfassung kostet typischerweise fünf Euro mehr als das gleiche Buch in Polnisch.
Bücher polnischer Autoren, in gebundener Ausgabe, kosten standardmäßig ungefähr vier-sechs Euro. Vergleichbare Bücher in Deutschland oder Italien würden einige Euros mehr kosten.

Wenn ich die jährliche Buchmesse in Kraków besuche, kaufe ich eine Menge Bücher ein, sodass ich für das ganze Jahr etwas zu lesen habe. Außerdem gibt es dort einen Rabatt. Kaum zu glauben, aber die Polen jammern, dass Bücher teuer sind...



Montag, 12. Oktober 2015

Neue Gebäude in Krakau

Kraków Arena
Polen hat den Ruf,  die europäische Entwicklungshilfe sehr gut auszunutzen, anders als zum Beispiel Süditalien. Das ist in Krakau klar zu erkennen, einer Stadt, die sehr schnell wächst.
Viele internationalen Firmen, die hier eine Niederlassung öffnen, mieten Räume in einem der vielen neuen Bürozentren, die von der Europäischen Union finanziert worden sind. Das ist auch der Fall für die vielen Gebäuden, die von Comarch erbaut worden sind.

Das neue Flughafenterminal ist gerade eingeweiht worden, und gerade diese Woche hatte ich die Möglichkeit, es zu besichtigen. Die neue Kraków Arena ist nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Sportereignisse (wie zum Beispiel die Volleyball-Weltmeisterschaft des letzten Jahres) und Konzerte finden hier regelmäßig statt. Das Luftfahrtmuseum, wofür sich mein Vater während seines Besuchs in Krakau besonders begeisterte, ist auch nicht weit weg.

Viele der neuen Universitätsgebäude in Krakau sind auch von der Europäischen Union finanziert worden, wie zum Beispiel das Hauptgebäude der Fakultät für Informatik der AGH. Das gilt auch für viele Museen, wie zum Beispiel das Museum für moderne Kunst. Auf das neue Kongresszentrum ist die Stadt besonders stolz. Auch sind viele Gebäude renoviert worden, wie zum Beispiel das Collegius Maius und die Zentralbibliothek der Universität.

Die Europäische Union trug auch zu der Modernisierung von Krankenhäusern, Straßenbahnlinien, Straßen und Fahrradwegen bei. Die meisten von der Europäischen Union finanzierten Projekte sind aber IT-Projekte, wie zum Beispiel das neue Informationssystem der Gemeindeverwaltung.


Samstag, 3. Oktober 2015

Alte und neue Złoty


Eine Millione alter Złoty - damit könnte man ein Cappuccino kaufen
Man verwendet den Euro in Polen nicht, und wegen der letzten Ereignisse in Griechenland sind die Polen nicht gerade begeistert von der Idee, ihn in ihrem Land einzuführen. Das polnische Wirtschaftswunder würde möglicherweise ins Stocken geraten, wenn der Złoty-Kurs auf dem Währungsmarkt nicht frei schwanken dürfte. Andererseits behaupten viele heimische und internationale Firmen, dass sie mit einer gemeinsamen Währung ihre Abwicklungsverfahren vereinfachen könnten und Geld sparen würden. Es ist zugleich ein Vorteil und ein Nachteil, sich außerhalb der Euro-Zone zu befinden.

Auch erfüllt Polen die Budgetanforderungen noch gar nicht, die für einen Eintritt in die Eurozone erforderlich wären. Um ihnen gerecht zu werden, müsste das Land die Sozialausgaben dermaßen kürzen, dass das für einen großen Teil der Bevölkerung inakzeptabel wäre. Daher glaube ich, dass der Złoty noch eine Weile bleiben wird.

Der Złoty ist eine einigermaßen stabile Währung und wird zu einem Kurs von ca. vier Złoty je Euro getauscht. Das ist aber nicht immer so gewesen. Polen erlebte nämlich am Anfang der Neunziger Jahre eine dreistellige Inflation (die sogar 640% erreichte), wie übrigens auch viele andere osteuropäische Länder. Viele Menschen verloren ihre sämtlichen Ersparnisse. Eine solche Erfahrung kann man nur nachfühlen, wenn man sie selber einmal erlebt hat.

Dann gab es den Wechsel von den alten Złoty zu den neuen. Ein neuer Złoty wurde gegen 10.000 alte Złoty getauscht. Dann konnte es einem passieren, dass man in Polen um 30.000 Złoty gebeten wurde, wenn es in Wirklichkeit um drei Złoty ging. Es gab lauter Gauner, die beim Geldwechsel alte Złoty statt neue herausgaben. Übrigens rechnen viele Leute heute immer noch in ihren Köpfen mit alten Złoty.

Geld war in den Zeiten des Sozialismus nicht viel wert. Es ist ein Gerücht, dass die Preise damals niedriger waren. Es stimmt aber allerdings, dass man lange Schlange stehen musste und es in den Geschäften nicht viel zu kaufen gab.

Das ist der Grund, warum für Leute aus Osteuropa das Geld nicht den gleichen Wert hat wie für die Leute in den sogenannten westlichen Ländern. Für mich ist es immer selbstverständlich gewesen, dass man mit Geld alles - außer Liebe und Freundschaft - kaufen kann. Geld ist aber nur solange etwas wert, wie die Wirtschaft des Landes einigermaßen stabil ist. Wenn sie zusammenbricht, wie es in der Polnischen Volksrepublik passiert ist, ist eine galoppierende Inflation die wahrscheinliche Folge.

Es ist daher nicht überraschend, dass die meisten Polen die Häuser besitzen, in denen sie wohnen, weil sie mehr Vertrauen in Immobilieneigentum als in bedrucktes Papier haben. Es ist sogar üblich, dass man einen Kredit aufnimmt, um in den Urlaub fahren zu können. Es ist besser sein Geld heute auszugeben, wenn es noch etwas wert ist, als es auf der Bank zu lassen, mit dem Risiko, es alles bei der nächsten Krise zu verlieren. Am Ende sind die echten Gewinner während einer hohen Inflation nämlich diejenigen, die hohe Schulden haben.

Deshalb ist es besser hundert Freunde als hundert Rubbel zu haben. Ich habe schon geschrieben, dass Polen ihren Platz in einer Schlange niemals aufgeben würden. Andererseits ist es wahrscheinlicher, dass sie einem Fremden Geld anbieten, der gerade knapp bei Kasse ist. Schließlich ist dein Geld heute etwas wert, aber morgen könnte es nichts mehr wert sein. Deshalb könnte es besser sein jemandem zu helfen, der später den Gefallen erwidern könnte.


Donnerstag, 4. Juni 2015

Unter deutschen Betten




In diesem Post werde ich wieder über Putzfrauen sprechen. Ich werde eine Zusammenfassung von einem Buch schreiben, das von einer in Deutschland als Putzfrau tätig Polin verfasst wurde: "Unter deutschen Betten", von Justina Polanska. Sie erzählt einiges, was sie erleben musste, als sie in Deutschland private Häuser putzte. Das Buch wurde in Deutschland zu einem Bestseller, aber in Polen ist es kaum bekannt. Vielleicht möchten die Deutschen erfahren, was ihre Putzfrauen über sie denken, während Polen ihre Geschichte nicht besonders außergewöhnlich finden. Übrigens gibt es viele Polinnen, die in Deutschland als Putzfrauen arbeiten.

Was kann man unter Deutschen Betten finden ? Justina fand manchmal tote Hamster, lebende Schlangen, Nägel, Tampons, Pizzas, Milch, Hühnerbraten, aber normalerweise findet sie Socken, Flaschen, Teller, Brötchen, Bücher, Zeitschriften, Kondome und Unterwäsche. In einem der skurrilsten Kapitel erzählt sie, was sie alles fand, als sie Häuser putzte. Möglicherweise war das Buch deswegen so erfolgreich - viele Leuten sind neugierig und wollen erfahren, was die Nachbarn in ihren Schränken und Schubladen verstecken,

Viel schockierender ist zu erfahren, wieviele blöde Anmachen und sexuelle Belästigungen eine Putzfrau während ihrer Arbeit aushalten muss, Wenn sie kündigen würde, jedesmal wenn jemand ihren Hintern anfasst oder ihr "eine Zigarre" (so hat es einer ihrer Kunden benannt) gezeigt wird, könnte sie als Putzfrau nicht überleben, behauptet sie. Ihre weiblichen Kunden sind sogar schlimmer, denn sie wird häufig von ihnen angeschrien, beleidigt, des Diebstahls beschuldigt oder sogar mit Ausreden nicht bezahlt.  Letztendlich ist es kaum überraschend, dass ihre besten Kunden ... Homosexuelle und Prostituierte sind.

Mir hat jedenfalls das Buch sehr gut gefallen. Es erzählt die Geschichte einer Frau aus Polen, die in ihrem Heimatsland kaum Perspektiven hat, und deswegen ihr Glück in Deutschland versucht. Nach vielen guten und schlechten Erfahrungen findet sie endlich ihre Berufung als Putzfrau, wonach es in Deutschland eine sehr große Nachfrage gibt. Sie heiratet einen Italiener und gründet eine Familie. Sie ist eine sehr energische Dame, die niemals aufgibt und ihre gute Laune nicht verliert. Im Buch erzählt sie einfach, was sie erlebt und sieht, ohne zu viel zu beurteilen, Selbst wenn sie viele schlechte Menschen kennenlernt, überwiegen die Guten - "Wo es Schatten gibt, gibt es auch Licht".

Die Moral der Geschichte ist klar: Putzfrauen sind auch Menschen und man sollte sie nicht als das fünfte Rad am Wagen behandeln. Manchmal kann eine Putzfrau sogar einem Mann helfen, die Frau zu verführen, in die er verliebt ist - und später wird sie die Wohnung putzen, in die das junge Paar eingezogen ist.

Freitag, 15. Mai 2015

Putzen, Wäsche waschen, nähen

Gib deine Wäsche hier ab, und hole sie ab, sauber und fein duftend

Wisst ihr, was ich hasse ? Putzen. Zum Glück wohne ich in einer kleinen Wohnung für Junggesellen, und zum Glück existieren Putzfrauen.

In Polen ist es nicht schwierig, eine Putzfrau zu finden. Es ist aber schwierig jemanden zu finden, auf den man sich verlassen kann. Normalerweise bleibt man nicht zu Hause, wenn die Putzfrau kommt, daher gibt man ihr den Hausschlüssel und hofft, dass sie nichts stehlen oder kaputtmachen wird.

Bislang musste ich nicht selber eine Putzfrau suchen, denn zu mir kommt immer noch diejenige, die von meiner Firma empfohlen wurde. Ihr Stundensatz ist ein bisschen höher als der Marktpreis. Früher ließ ich sie nur die Wohnung putzen, dann habe ich sie aber gebeten, die Wäsche zu waschen und zu bügeln. Leider verstehen wir uns manchmal nicht und sie wäscht nicht, was ich gerade brauche, oder wäscht etwas, das ich schon selber gewaschen habe.

Es ist auch möglich, zum Waschsalon zu gehen, um dort seine Wäsche waschen und bügeln zu lassen. Waschsalons sind nicht besonders billig und der nächste ist ziemlich weit von meiner Wohnung entfernt. Aber wenigstens sind sie effizient - nach einem Tag ist die Wäsche schon abholungsbereit.

Diese Woche habe ich zum ersten Mal den “pralniomat” probiert, der sich von meiner Firma befindet. Es handelt sich um einen Automaten mit Schließfächern, in dem man seine Wäsche abgeben kann, nachdem man seine Telefonnummer und Emailadresse in das angeschlossene Steuerungsgerät eingegeben hat. Schon am darauffolgenden Tag kann man die gewaschene und gebügelte Wäsche abholen, indem man den zugewiesenen Code eingibt und mit Kreditkarte zahlt.

In Polen ist es auch leicht jemanden zu finden, der Näharbeiten zu guten Preisen macht. Auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel einen Knopf an einem Hemd annähen. Ich weiß, ich könnte es selber tun, aber … jeder sollte machen, was er am Besten kann!

Sonntag, 10. Mai 2015

Deutsche, Italiener und Polen im Geschäftsleben

Das könnte eine Lösung sein...

Ich bin im Bezirk der Kunstmöbel von Cerea aufwachsen, in dem Möbel hergestellt werden, die so gebaut werden, dass sie einige Jahrhunderte alt aussehen und in der ganzen Welt verkauft werden. Lokale Handwerker lehnten sich traditionell an deutsche Firmen an, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten und zu verkaufen. Es gab eine symbiotische Beziehung zwischen Deutschen und Italienern und schon damals habe ich festsgestellt, dass diese zwei Völker dazu neigen, ziemlich gut miteinander zu arbeiten.

Italiener und Deutsche sind ziemlich unterschiedlich, aber Geschäftsbeziehungen zwischen diesen zwei Völkern haben eine lange Tradition. Sie kennen einander, sie schätzen einander, beide wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Selbstverständlich gibt es Schwierigkeiten und Missverständisse, die aber überwunden werden können, wenn es notwendig und sinnvoll ist, miteinander zu arbeiten.

Um bei dem Beispiel der Möbel zu bleiben, Italien ist immer noch das Land in Europa, das die meisten Möbel ins Ausland exportiert. In letzter Zeit  kaufen die Deutschen aber lieber Möbel von den Polen. In der Tat habe ich in diesem Land jede Menge kleine Möbelfabriken gesehen. Soweit ich weiß arbeiten polnische Hersteller arbeiten eng mit deutschen Firmen zusammen, um ihre Waren zu vermarkten und zu verbreiten.

Deutsche und Polen arbeiten auch ziemlich gut zusammen. Sie kennen einander, sie wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Vor allem betrügen sie sich nicht - sie tun nicht so, als würden sie einander mögen. Es sind Beziehungen, die nur auf gegenseitigem Respekt und Interessen basieren.

Wie sieht es aus, wenn Italiener und Polen zusammenarbeiten? Läuft es gut ? Laut meiner Erfahrung gibt es viele Fallen. Italiener und Polen kennen sich gegenseitig nicht weshalb sie nicht wissen, was man von dem Anderen erwarten kann. Daher bildet man sich einfach ein, dass man ähnlich ist - nichts könnter falscher sein. Es gibt viele Unterschiede, die eine Geschäftsbeziehung ruinieren können. Zum Beispiel haben Polen einen sehr direkten Kommunikationsstil, im Gegensatz zu Italienern, die sich gerne um Kopf und Kragen reden. Der Polnische Humor ist sehr schwarz, Italiener dagegen erzählen lieber Witze mit sexuellen Anspielungen, von denen Polinnen sich beleidigt fühlen könnten. Übrigens sitzen in Polen, öfter als in Italien, Frauen an Machtpositionen. Daher ist es manchmal besser mit Deutschen zu arbieten. Deutschen bilden sich nicht ein, dass sie einen tollen Sinn für Humor haben, erzählen kaum Witze wenn sie Geschäfte machen, tun aber so als ob sie die gemachten Witze lustig finden würden.

Die IT-Branche weist zusätzliche Besonderheiten auf. In Polen, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, sind die wenigen IT-Lieferanten eine Welt mit weniger Konkurrenz gewohnt, weil diese Märkte sehr lange von den größeren Beratungsfirmen ignoriert wurden. Deswegen sind die in diesen Ländern entstandenen IT-Firmen gewohnt, sich in einer starken Stellung gegenüber ihren Kunden zu befinden, weil IT-Lieferanten nicht so leicht ausgetauscht werden können wie in westlichen Ländern.

Außerdem haben viele deutsche Firmen ihre Prozesse so gestaltet, dass man sie leicht auslagern kann. Die großen Beratungsfirmen sind anwesend, aber sie überschreiten ihre Kompetenzen nicht und beschränken sich auf ihre Kernkompetenz: die Beratung. Dagegen sind Geschäftsprozesse in Italien häufig nicht so gut strukturiert und daher können die großen Beratungsfirmen eine große Macht an sich reißen, die weit über die Beratung hinausgeht. Sie kennen die Geschäftsprozesse besser als ihre Kunden und machen sich auf eine fast pathologische Weise unentbehrlich.

Für einen osteuropäischen IT-Lieferanten ist es viel leichter, Geschäfte in Deutschland als in Italien zu führen. Offshore-Firmen brauchen klar und gut definierte Prozesse, weil sie nicht tun können, was eine lokal ansässige Beratungsfirma machen würde: viel Zeit in langen und langweiligen Meeting zu verbringen, was häufig die einzige Methode ist, um herauszufinden, was der Kunde wirklich möchte.

Sonntag, 22. März 2015

#OMGKRK



Was ist der wichtigste Grund, warum ich mich entschieden habe, in Polen und gerade in Krakau zu arbeiten? Nicht wegen der Frauen oder des Papstes, sondern wegen der Programmierer.

Polnische Programmierer gehören zu den besten weltweit - das beweisen die vielen gewonnenen Preise bei Programmierwettbewerben. Die technische Ausbildung in Schulen und Universitäten ist sehr gut und während des Studiums muss man Praktika absolvieren - auch bei meinem Projekt bei Comarch nehmen Studenten an produktiven Aufgaben teil. Die Anzahl der Absolventen ist hoch, weil die Begabten immer die Chance haben, zu studieren, selber wennihnen wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Der Beruf des Programmierers gehört in Polen zu denjenigen, die am besten bezahlt werden (anders als zum Beispiel in Italien). Die Arbeitgeber können unterschiedliche Kompetenzstufen in verschiedenen Technologien wahrnehmen und einschätzen, daher sind technische Fähigkeiten die wichtigsten Auswahlkriterien bei den Vorstellungsgesprächen..

Ich habe an vielen IT- und Karrieremessen, sowie an abendlichen Treffen von Technikbegeisterten teilgenommen. Davon gibt es in Krakau und in Polen sehr viele, allerdings sind Polnischkenntnisse notwendig, um davon zu profitieren. Nirgendwo anders habe ich so viel Begeisterung für die Technologie wie hier gesehen. Es gibt ein Tag auf Twitter und Facebook, um die Events zu verfolgen: #OMGKRK. Nicht ohne Grund sagt man, dass Krakau das Offshoring-Zentrum Nummer Eins in Europa ist.

Es war in Polen, das ich zum ersten Mal erlebt habe, was in meinen früheren Projekten vor Ort beim Kunden immer nur ein Wunschtraum war: die konsistente Prüfung jedes Code-Ausschnittes durch einen zweiten Entwickler, bevor er eingecheckt wird, das heißt, das Vier-Augen-Prinzip. Ich erlebe hier auch einen Ansatz “Technology First”, in dem sich vorrangig zu den neuen Technologien öffnet, statt sich ausschließlich an die Wünsche des Kunden anzupassen. Wenn man an den technologischen Fortschritt glaubt, ist so ein Ansatz sehr befreiend.

Was in Polen auch sehr gut funktioniert, ist die Einbindung von neuen Mitgliedern in ein Team. Die neuen Mitarbeiter werden mit einer sehr großen Geschwindigkeit produktiv. Teilweise bereue ich, dass ich meine Karriere als Programmierer nicht in Polen begonnen habe - heutzutage wäre ich wahrscheinlich ein besserer Programmierer. Dennoch können sich meine professionellen Kompetenzen hier immer noch ausbauen.

Es gibt andere Bereiche, in denen aber die Polen nicht ebenso gut sind - davon aber ich habe schon gesprochen.

Dienstag, 17. März 2015

Schwarzer Humor



Ich habe schon geschrieben, dass ich polnische Komödien wie Mis, Sexmisja und Rejs nicht besonders lustig finde. Noch schlimmer für mich sind aber polnische Witze.

Zwei Männer in Polen unterhalten sich. Der erste sagt: “In den nächsten Monaten werden die Russen kommen, uns alle in Zugwagen verstauen und nach Sibirien deportieren!” Der zweite erwidert: “Du bist aber ein Optimist! Wenn die Russen kommen, werden wir alle zu Fuss nach Sibirien gehen müssen !” Und dann endet der Witz. So wird er von Stephen Möller erzählt. Ich würde einen dritten Mann dazunehmen, der darauf antwortet : “Ihr beide seid zu optimistisch! Die Russen werden uns zuerst die Beine abschneiden und wir werden alle nach Siberien kriechen müssen!”
.
Seid ihr noch am Lachen? Ich nicht. Das ist ein typisches Beispiel vom polnischen schwarzen Humor. Schauen wir uns einen anderen Witz an.

Ein Mann kommt von der Arbeit zurück und hat Lust, seine Frau zu verprügeln. Dazu braucht er aber eine Ausrede. Er sagt ihr “Ich möchte eine Suppe!” - auf den Tisch kommt gleich eine leckere Suppe. “Ich möchte einen Schnitzel!” Blitzschnell kocht seine Frau einen Schnitzel. Dann sagt der Mann : “Kriech unter den Tisch!” . Die Frau kriecht gehorsam unter den Tisch. “Und jetzt bell!” , sagt der Mann, und seine Frau bellt. “Was ? Du bellst deinen Herrchen an ? Jetzt wirst du den Arsch voll kriegen!” . Diesen Witz habe ich auch in diesem Portal gefunden.
Polen erzählen gerne diese Art Witze, selbst wenn Frauen anwesend sind.

Ich werde noch einen besseren Witz erzählen. Ein Mann hat seine Frau ins Krankenhaus gebracht und wartet auf die Entbindung neben dem Kreisssaal. Ein Arzt kommt aus dem Saal und trägt ein Baby. Der Mann greift nach dem Baby, aber der Arzt lässt es fallen. Der Arzt schlägt dann das Baby gegen die Wand und prügelt mit Fäusten darauf. Der Mann ist verzweifelt. Der Arzt beruhigt ihn : “Das war ein Scherz! Das Baby war bei der Geburt schon tot !”. Diesen Witz habe ich bei einem Abendessen mit den Kollegen gehört, und alle bis auf mich haben es lustig gefunden. Später habe ich diesen Witz in diesem Forum gefunden.

Es scheint nicht besonder schwierig zu sein, die Polen zum Lachen zu bringen. Das Kind sagt : “Vati! Vati! Adam hat mein Spielzeugauto kaputtgemacht!” Der Vater darauf : “Geschieht dir recht! Das hat er getan, weil du ein Arschloch bist!” Hier kann man den Comic-streifen finden. Nein, dieser Witz ist nicht nur für Teenagers gedacht, sondern auch für Erwachsene. Mir wurde gesagt, dass ich keinen Humor habe, weil ich ihn nicht verstanden habe.

Findet irgendjemand diese Witze lustig, der nicht aus Polen stammt ? Mich würde es interessieren.

Freitag, 12. Dezember 2014

Der Kunde hat immer Recht

Hier werden Arbeiter schnell und höflich bedient

Sollte der Kunde mit deiner Arbeit nicht zufrieden sein, ist es nicht besonders hilfreich zu versuchen, den Fehler bei ihm zu suchen oder zu behaupten, dass er Unrecht hat. Eine solche Einstellung wird negative Folgen haben, weil ein Kunde normalerweise jemanden sucht , der seine Probleme löst, mit dem es angenehm ist, zu arbeiten und der ihm nicht das Gefühlt gibt, blöd zu sein. Meistens ist die Beziehung mit einem Kunden asymmetrisch, weil du ihn mehr brauchst als er dich braucht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es andere Fachleute oder Firmen, die in der Lage sind, die gleiche Arbeit für ihn zu erledigen, und es ist unvermeidlich, dass er dich mit der Konkurrenz vergleichen wird.

Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass ein Kunde mit deiner Arbeit völlig zufrieden sein wird. Er wird immer neue Anforderungen stellen. Wenn er aber wirklich unzufrieden wäre, hätte er seit Langem aufgehört, mit dir zu arbeiten. Ich stelle mir eine Beziehung zu einem Kunden so ähnlich wie die Beziehung zu einem Ehepartner vor. Es ist nie eine gute Idee zu versuchen, seine Frau davon zu überzeugen, dass sie Unrecht hat. Allerdings beweist die Tatsache, dass sie immer noch mit dir zusammen ist, dass sie nicht völlig unzufrieden mit dir ist.

Es gibt aber auf jeden Fall wenige Leute in Osteuropa, die die Regeln der Beziehung zu den Kunden verinnerlicht haben. Diese Regeln habe ich aber immer als unantastbare Grundsätze betrachtet. Hier in Polen jedoch bemerke ich des Öfteren eine feindliche Einstellung zum Kunden, was in Westeuropa sehr ungünstig ist. Mehr oder weniger unterbewusst betrachten viele Polen den Kunden als den Feind, und nicht als einen Partner, mit dem ein gemeinsames Ziel erreicht wird - solange er bezahlen kann. Einer der Gründe dieser Einstellung ist die Tatsache, dass zur Zeit des Kommunismus waren es die Anbieter, die den Markt beherrschten.

Dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt Polen mögen den Kommunismus nicht erlebt haben, das heißt aber noch lange nicht, dass sie jetzt “Kapitalisten” sind. Wenn jemand in einem osteuropäischen Land geboren wurde und aufgewachsen ist, hat er nicht viele Vorbilder gehabt, von denen er die Kundenorientierung hätte erlernen können. Mit Sicherheit wird er sie nicht von seinen Eltern und Lehrern gelernt haben können, dagegen hat er von ihnen möglicherweise gelernt, dass er keine eigene Meinung haben und keine Eigeninitiative ergreifen sollte, und andere Verhaltensmuster, die in einer Marktwirtschaft nicht gerade förderlich sind. Was man als Kind gelernt hat, ist leider sehr schwierig zu verlernen, selbst nachdem man mehrmals erlebt hat, dass das Erlernte falsch ist.

Fortschritte hat es jedoch schon gegeben. Vor zwanzig Jahren wurde man in jedem Laden in Polen als ein unwillkommener Eindringling wahrgenommen. Jetzt haßen sie den Kunden zumindest nicht und betrachten ihn als einen gleichwertigen Mensch, was aber in so einer umkämpften Branche wie der IT oft nicht genug ist. Ein suboptimales Kundenservice wird teilweise durch niedrigere Preise kompensiert.

Jede Medaille hat aber zwei Seiten. Eine der positive Hinterlassenschaften des Kommunismus ist ein gut entwickeltes Ausbildungssystem,  das für alle talentierten Menschen zugänglich ist, unabhängig von der finanziellen Situation der Familie. Die technischen Fähigkeiten der polnischen Absolventen und ihre Motivation, neue Technologien zu erlernen, überraschen mich immer wieder. Abeitgeber verlangen aber nicht unbedingt soziale Fähigkeiten und geben sich mit Programmierern zufrieden, die nur technische Skills besitzen. Das ist aber nur ein weiterer Grund, um sich Soft-Skills anzueignen und sich somit von der Masse abzuheben. Dann stellt sich aber für manche Polen die Frage: Von wem sollte ich sie erlernen ?

Samstag, 15. November 2014

Vorsicht vor Kurven !



Letztes Jahr, als ich noch in Deutschland lebte und den Umzug nach Polen plante, gab mir ein polnischer Kollege den folgenden Ratschlag: Auf keinen Fall solltest du das Wort “kurwa” lernen. Es ist ein Wort, dessen sich viele Polen bedienen, das aber einen schlechten Eindruck macht, vor allem wenn es von einem Ausländer benutzt wird.

Während meiner ersten Monate in Polen sprach ich tatsächlich dieses Wort nie aus, selbst wenn ich es sehr häufig an der Arbeit hörte. Dann kam aber etwas dazwischen.

Erstens begann ich, mir polnische Filme anzuschauen. In Polen fing man erst in den Neunziger Jahren an, Schimpfwörter in  Filmen und im Fernsehen zu verwenden. Der Film „Psy“ (1993) ist der allererste gewesen. Leider interessieren mich nur moderne Filme, diejenigen aus der kommunistischen Ära langweilen mich.

Bei der Arbeit bekam ich den Eindruck, dass die Kollegen aufmerksamer zuhören, wenn man das Gespräch mit dem Wort „Kurwa“ an verschiedenen Stellen bereichert. Auf diese Weise gewinnt man auch Zeit, wenn man nicht sicher ist, was man zunächst sagen möchte.

Mir wurde dieses Video gezeigt, in dem erklärt wird, wie wichtig dieses Wort in der polnischen Sprache ist. Außerdem habe ich das Buch „Homo corporaticus, czyli przewodnik przetrwania w korporacji” (Wie man in einem  Großunternehmen  überlebt) gelesen. Aus dem Buch habe ich gelernt, dass man auf der Arbeit unbedingt schimpfen sollte, um den Ruf eines harten Kerls zu bekommen. Übrigens würde mir auch mehrmals gesagt, dass man nicht wirklich Polnisch sprechen kann, wenn man kaum Gebrauch von dem Wort „Kurwa“ macht.

Aus all diesen Gründen begann ich unterbewusst dieses Wort zu verwenden, und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mich die Kollegen deswegen mich mehr respektierten und aufmerksamer zuhörten. Es ist übrigens eines der wenigen polnischen Wörter, die man leicht aussprechen kann.

Man muss dabei allerdings auch berücksichtigen,  dass dieses Wort die Frauen irritiert, wahrscheinlich wegen seiner Bedeutung („Prostituierte“), was in Polen sehr negative Assoziationen hervorruft. Außerdem, in so einem traditionalistischen Land wie Polen,  schimpfen Frauen nicht und wollen Schimpfwörter auch nicht hören. Manchmal rufen sie zu einem Kreuzzug gegen Schimpfwörter auf und führen Vorschriften ein, die das Schimpfen erschweren sollten: zu jedem Schimpfwort sollte man eine Münze in die Spardose geben.

Hinzu kommt, dass die Varianten von „Kurwa“ (“Kurczę”, “Kurka”, “Kurna” oder “Kurdy”) nicht als Schimpfwörter gelten. Eine Person, die alles Mögliche  gegen den Gebrauch des Wortes „Kurwa“ unternimmt, mag die ganze Zeit sorglos “Kurna” oder “Kurdy” aussprechen.

Ich habe es letztendlich aufgegeben, das Wort  “Kurwa” zu verwenden, weil mein „unangemessener Missbrauch“ des Wortes die Kolleginnen zu sehr „störte“. Selbst wenn meine männlichen Kollegen dieses Wort weiter verwenden. Zum Glück darf ich aber auf Italienisch weiter schimpfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn ein paar Wochen lang war es mir verboten, in der Firma auf Italienisch zu schimpfen – so eine Regel gab es tatsächlich auf einem Zettel, der an der Wand hing. Ich brauche es nicht zu erzählen, was aus diesem Zettel letztendlich wurde.

Donnerstag, 4. September 2014

Ein Land von Spielentwicklern

Ein Screenshot aus dem Trailer des Spiels "Get Even"
Als Kind träumte ich davon, Spieleprogrammierer zu werden. Warscheinlich wird sich dieser Traum nicht erfüllen, aber wenigstens bin ich in ein Land geraten, wo eine Karriere als Spielentwickler durchaus üblich ist.

In einem früheren Artikel habe ich über das Spiel “Witcher” von der Firma CD Project berichtet. Ich habe mir auf Youtube gerade Walkthroughs des ersten und zweiten Teil bis zum Ende angeschaut. Jetzt habe ich mehr Ahnung von der alternativen Welt, in der sich “The Witcher” abspielt. Nachfolgend habe ich mir polnische Walkthroughs von SargeThePlayer der folgenden Spiele angeschaut: "The Last of Us", "GTA 5", "Far Cry 3" und "Uncharted 3". Im Moment schaue ich mir ein Walkthrough von "Battlefield 4" an. Auf diese Weise schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe : Ich übe mein Polnisch und halte ich mich auf dem Laufenden über Videospiele.

Ich hatte eigentlich vor, mir Walkthroughs von polnischen Spielen anzuschauen. Das beste polnische Spiel des Jahres 2013, “Call of Juarez : Gunslinger”, wurde leider nur auf Englisch synchronisiert. Die Firma, die es entwickelt hat, heißt Techland und befindet sich in einem kleinen Ort, Ostrów Wielkopolski. Ihre Spiele werden allerdings international von der Firma Ubis vermarktet, die das Ursprungsland nicht gerade an die große Glocke hängt. Techland hat Dutzende von Spielen gemacht; das erfolgreichste ist "Dead Island" gewesen, das fast 8 Millionen mal verkauft worden ist - mehr als “The Witcher”.

“The Farm 51”, das sich in Gliwice befindet, hat Spiele mit guter Grafik entwickelt, die aber sich international nicht durchsetzen konnten. Die Spielebranche ist nähmlich erbarmungslos und sehr umkämpft; es ist sehr schwierig, Schritt zu halten. Trotzdem sollte ihr neues Spiel “Get Even”, das für 2015 geplant ist, die Firma endlich zum Erfolg bringen. Das Trailer des Spiels überzeugt mit hervorragender Grafik.

Abgesehen von CD Projekt, gibt es in Warschau noch einen anderen wichtigen Spielproduzenten : “11 bit studios”, die von einigen ehemaligen Mitarbeitern der nicht mehr existierenden “Metropolis Software” gegründet wurde. Ihr Spiel “Anomaly : Warzone Earth” wurde mehrfach hoch gelobt; es stehen jetzt mehrere Varianten zur Verfügung.

Wie sieht es aber in Krakau aus ? Auch hier kann man Spielproduzenten für alle Genres und Plattformen finden : Ganimede, Bloober Team, Reality Pump Studios (Two Worlds), Tate Interactive, Teyon und viele andere. In Krakau findet das internationale Festival der digitalen Spiele “Digital Dragons” statt. Hier kämpfen Spielproduzenten um die besten Absolventen, die vielleicht aber eher davon träumen, in einer eigenen Firma “Indie” Spiele zu entwickeln.

Sollte ich vielleicht doch versuchen, meinen Jugendtraum zu erfüllen und in die Spielebranche einsteigen? Was haltet ihr davon ?

Samstag, 23. August 2014

Sind Polen sprachbegabt ?

Polen sprechen Englisch besser nach einem Jahr als Tellerwäscher in England,
als nach 17 Jahren Pauken in der Schule und an der Uni.

Polen haben den Ruf, sehr sprachbegabt zu sein.  Tatsächlich kann man oft in England, Deutschland oder Italien Polen treffen, die die lokale Sprache fast perfekt sprechen. Dieser Ruf betrifft nicht nur Auswanderer, sondern auch diejenigen, die im Land geblieben sind. Geschäftsführer internationaler Firmen schwärmen oft von den Sprachfähigkeiten polnischer Absolventen, die angeblich alle perfekt Englisch, Deutsch und ein paar andere Sprachen können.

Aber wenn man an bestimmte Statistiken glaubt, sind die Sprachfähigkeiten der Polen nicht außerordentlich. Laut dieser Karte ist der Prozentsatz der Polen, die Englisch können, nicht höher als bei den Franzosen oder Italienern, die dagegen den Ruf haben, nicht besonders sprachbegabt zu sein. Laut dieser anderen Karte können relative wenige Polen Deutsch sprechen. Es ist aber erwähnenswert, dass unter den früheren nicht-sowjetischen  Ländern in der Europäischen Union in Polen Russisch am meisten gesprochen wird.  Das wird aus einer anderen Karte deutlich.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung gibt es nicht so viele Leute in Polen, die eine Fremdsprache wirklich gut beherrschen. Möglicherweise sind viele der Sprachbegabtesten schon ausgewandert.

Typischerweise haben die Polen, die eine Fremdsprache beherrschen, eine gute Aussprache. Slawische Sprachen sind reich an unterschiedlichen Lauten und daher bilden sie einen guten Startpunkt, um die Phonetik anderer Sprachen zu lernen. Hinzu kommt, dass sich die Polen normalerweise wirklich integrieren und dazu gehören wollen. Deswegen können sie leichter die dabei entstehenden psychologischen Barrieren überwinden.

Dagegen gibt es Fehler, die die Polen typisch machen, wenn sie Englisch oder andere westliche Sprachen sprechen oder schreiben. Oft vergessen sie die Artikel „der/die/das“ und „ein/eine“ oder verwenden den falschen oder sie fügen einen hinzu, wenn er nicht gebraucht wird. In den slawischen Sprachen gibt es tatsächlich keine Artikel, anders als in allen westlichen Sprachen. Sie verwechseln oft auch „dieser“ mit „jener“. Nur wenn sie die Sprachen sehr gut können, machen sie diesen Fehler nicht mehr.

Im Vergleich zu Italienern, Franzosen oder Spaniern sind für sie Wörter lateinischer Herkunft schwieriger. Davon gibt es aber viele im Englischen. Germanische Völker sprechen Englisch am besten, sowohl wegen der Ähnlichkeiten der Sprachen als auch wegen des ausgezeichneten Bildungssystems.

Der echte Unterschied ist aber, dass in Polen Fremdsprachenkenntnisse viel mehr Türen öffnen als in Westeuropa. Wie in den meisten Ländern lernen polnische Ingenieure und Informatiker nicht so gerne Fremdsprachen. Es kann aber passieren, dass die Kenntnis einer bestimmten Sprache bei der Karriere mehr hilft als hervorragende technische Fähigkeiten. Es werden in Polen nämlich viele Projekte für ausländische Kunden realisiert. Aber es gibt sehr wenige Ausländer im Land die dabei helfen können.

Sonntag, 11. Mai 2014

Ein paar Wörter über Comarch



Ich werde jetzt etwas über die Firma schreiben, in der ich arbeite. Comarch wurde 1993 in Krakow vom Professor Janusz Filipiak und seinen Studenten gegründet. Jetzt ist sie eine der zwei größten IT-Firmen in Polen (Asseco ist die zweitgrößte) und ist eine der hundert größten IT-Firmen in Europa. Sie beschäftigt ungefähr 4000 Angestellten.

Die Firma implementierte zahlreiche Systeme in Polen und ungefähr die Hälfte der Einkünfte der Firma stammen immer noch aus dem Ursprungsland. Comarch ist unter anderem in folgenden Branchen tätig : Banken, öffentliche Verwaltung, Gesundheit und Telekommunikation. Die Firma entwickelt aber eigene Produkte, die kontinuierlich verbessert und an die Anforderungen der akquirierten Kunden angepasst werden.

Seit mehreren Jahren ist die Firma auf dem deutschen IT-Markt anwesend, dank dem Kauf der Firma Soft-M. Ich habe in den letzten Jahren mehrmals von Comarch gehört, meistens während des Lesens der Zeitschrift „Computerwoche“, die in Deutschland beinahe eine Pflichtlektüre für alle IT-Fachleute und  Entscheider ist.

Ich besuchte den Messestand Comarchs 2013 in Hannover, bei der Cebit, der größten IT-Messe in ganz Europa. Ich hatte dort die Möglichkeit, das CRM-Produkt der Firma auszuprobieren – ich fand es sehr innovativ. Ungefähr 200 polnische Firmen waren auf der Messe vertreten – das Hauptthema war eben die Partnerschaft Deutschland-Polen. Auch Frau Merkel besuchte den Stand von Comarch, ich verpasste sie aber – erst nach ein paar Tagen erfuhr ich von ihrem Besuch auf der Webseite der Messe.

Ich bin in der Finanzbranche tätig. Ich habe festgestellt, dass es international eine große Nachfrage nach den Produkten von Comarch gibt. Die größte Aufgabe ist ihre Erweiterung, damit alle Anforderung der westlichen Kunden erfüllt werden können, und die Einstellung von Informatikern – was überhaupt nicht leicht ist, weil der IT-Arbeitsmarkt sich in Polen immer mehr zu einem Arbeitnehmermarkt wandelt.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Warum sollte man Polnisch sprechen ?



Als ich nach Deutschland auswanderte, war ich davon überzeugt, dass mein Deutsch sehr gut war und es nicht nötig sein würde, die Sprache weiter zu lernen. Die Tests vom Goethe Institut löste ich ohne Probleme und ich konnte mich auf Deutsch ohne Probleme unterhalten. Aber wenn man direkt in dem Land wohnt und arbeitet, sieht es anders aus. Man muss die Probleme der Kunden lösen, ihre Anforderungen sammeln und technische Dokumentation erstellen.

Während meiner Karriere in Deutschland war ich ausschließlich als Berater in kleinen deutschen Firmen tätig, unsere Kunden waren auch ausschließlich deutsch. Das war eine Arbeit, die sehr gute Deutschkenntnisse erforderte. Während der ersten Monate meines Aufenthalts in Deutschland hatte ich mit der Sprache große Schwierigkeiten, aber nach einigen Jahren war ich bei technischen Fragen fast ebenso wortgewandt wie ein Einheimischer.

Aufgrund meiner Erfahrungen in Deutschland war mir bewusst, dass es mir am Anfang schwer fallen könnte, mich über technische Fragen auf Polnisch zu unterhalten, selbst wenn ich Polnisch schon ein paar Jahre gelernt hatte. Ich wusste aber, dass ich in internationalen Projekten tätig sein würde, deswegen wären  Polnisch-Kenntnisse nicht notwendigen gewesen. Aufgrund dessen erwartete ich, dass ich mich wenigstens in den ersten Monaten eher auf English unterhalten würde.

Aber schon am ersten Tag wurde mir gleich klar, dass es für mich viel sinnvoller war, gleich von Anfang an nur auf Polnisch zu sprechen. Es hätte mir nicht gefallen, wenn die Kollegen unter sich auf Polnisch gesprochen hätten, und nur mit mir auf Englisch. Es hätte bedeutet, dass ich an zahlreichen Konversationen nicht teilgenommen hätte. Die ersten Monate waren tatsächlich schwierig, es wurde aber jeden Tag ein bisschen besser – was mich ermutigte, denn ich hatte das Gleiche früher in Deutschland erlebt. Jeden Tag verstand ich mehr und schaffte es häufiger, genau auszudrücken, was ich im Kopf hatte. Auch die Berichte über meine Dienstreisen schreibe ich inzwischen auf Polnisch.

In Deutschland kam ich häufig in Kontakt mit Leuten, die nicht Deutsch lernen wollten oder es nicht schafften. Eine Arbeit konnten sie schon finden, aber viele Karrieremöglichkeit standen ihnen nicht offen und normalerweise hielten sie nicht länger als zwei oder drei Jahre im Land aus. Übrigens, wenn ich jetzt selber bei und auch außerhalb der Arbeit nicht auf Polnisch sprechen würde, würde ich mir über kurz oder lang die Frage stellen : Warum bin ich überhaupt in Polen ?

Donnerstag, 10. April 2014

My job has gone to Poland ...



Offshoring wird von vielen gemacht, aber die wenigsten sprechen offen darüber. Es handelt sich darum, Jobs und Tätigkeiten in sogenannte Billiglohnländer zu verlagern. Offshoring ist sehr verbreitet in der IT-Branche, aber normalerweise wird der Begriff in Verbindung mit Indien oder China gebracht. Diese Form der Verlagerung wird unter anderem in dem Buch von US-Autor Chad Fowler “My job went to India, and all I got was this lousy book” beschrieben.

In Europa wird häufig eher „Nearshoring“ eingesetzt, das heißt die Verlagerung von Tätigkeiten in geographisch und kulturell nähere Länder. In Deutschland ist damit meistens Osteuropa gemeint. Tatsächlich habe ich während meiner Zeit in Deutschland erlebt, dass manche Programmieraufgaben nach Rumänien und Ungarn ausgelagert wurden, bis ich in 2011 schließlich erleben musste, dass mein Job nach Polen verlagert wurde.

Die Firma Pentasys, bei der ich angestellt war, hatte für einen Kunden in der Automobilbranche eine Anwendung zur Konfiguration von Fahrzeugen entwickelt. Das Projekt war bereits in die Wartungsphase gekommen, und es war zu erwarten, dass sich unsere Firma um die Wartung kümmern würde. Doch unser Kunde entschied sich für einen Wartungsvertrag mit einer IT-Firma in Wrocław, mit der er schon in Kontakt war. Ich glaube nicht, dass der Kunde damals die beste Entscheidung traf. Berufliche Konsequenzen hatte das für mich nicht, ich kam sehr schnell in ein besseres Projekt. Trotzdem brachte mich diese Erfahrung zu bestimmten Überlegungen.

 Ich bin davon überzeugt, dass Offshoring, wie auch die Realisierung beliebiger IT-Projekte, am effektivsten ist, wenn sowohl die Entwicklung als auch die Wartung von der gleichen Firma ausgeführt werden. Manche geringschätzen die Wartung von Legacy Code, aber sie ist tatsächlich eine sehr komplexe Tätigkeit, um die sich irgendwann fast jeder Entwickler kümmern muss. Ich nahm mir dann vor, nach einem Job in der Offshoring-Welt zu suchen, wo aber Entwicklung und Wartung unter einem Dach sein sollten. Zum Glück ist dies die Situation, die ich bei Comarch vorfand.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich Offshoring noch weiter ausbreiten. Selbst in Italien hat es ein für mich überraschendes Ausmaß erreicht, wie ich feststellen konnte, da ich jetzt häufiger in diesem Land bin. Tatsächlich scheint es oft die einzige Möglichkeit zu sein, Produkte, die es der Firma erlauben, wettbewerbsfähig zu bleiben, in einem vernünftigen Zeitraum auf den Markt zu bringen.



Freitag, 21. März 2014

Wie ich nach Polen geraten bin


Seit langem interessiere ich mich für Polen, obwohl ich nicht genau sagen könnte warum. Als ich noch in Italien studierte, hatte ich aus reiner Neugier ein bisschen Polnisch gelernt. Später, als ich schon in Deutschland als Programmierer tätig war, entschloss ich mich die Sprache weiter zu lernen, und nahm ich an einem Sommerkurs für polnische Sprache in Krakau teil. In Deutschland war es mir inzwischen langweilig geworden,  deswegen war ich auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Zudem war es mir bekannt geworden, dass sich Polen in meiner Branche eine sehr gute Reputation aufgebaut hatte.

Wenn man auswandern möchte, sollte man sich vor allem um die Suche nach einer neuen Arbeit kümmern. 2013 stieß ich auf ein Arbeitsangebot in Polen, das genau auf mich zugeschnitten schien. Comarch, die größte Firma in der IT-Branche in Polen, suchte gerade einen Berater mit Italienisch-Kenntnisse, der verantwortlich für das Deployment von IT-Systemen sein sollte. Ich dachte, ich wäre für so eine Stelle geeignet. Nach dem Einsenden meines Lebenslaufs und einem Vorstellungsgespräch über Skype wurde ich tatsächlich eingestellt.

Seit Juni 2013 arbeite ich für Comarch in Krakau. Insgesamt bin ich mit der Änderung zufrieden. Ich nehme zusammen mit sehr gut ausgebildeten Fachleuten an Projekten teil, bei denen die modernsten Technologien eingesetzt werden, Ich bin in der Lage, sowohl meine technischen als auch meine menschlichen Fähigkeiten anwenden. Ich habe die Chance, den Unterschied zu machen.