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Mittwoch, 20. Januar 2016

Ich bereite mich auf die PMBOK-Prüfung vor

PMBOK - "wydanie polskie"


Ich sollte mich mehr auf meine Karriere konzentrieren. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen Vorbereitungskurs auf die PMBOK Prüfung zu besuchen, um danach Projekt Manager zu werden. Der Kurs fand in den Schulungsräumen von Comarch in Krakau statt. Das war für mich eine interessante Erfahrung, und untypisch, auch weil ich der einzige Ausländer war.

Der Kurs hat zehn Tage gedauert, währenddessen ich einige Werkzeuge zu den verschiedenen Aspekten des Projektmanagements gelernt habe: Integration, Bereich, Zeit, Kosten, Qualität, Human Resources, Kommunikation, Risiken... Während des Kurses habe ich Lernmaterial bekommen, aber ich werde die Prüfung mithilfe der sogenannten PMBOK-Bibel vorbereiten, wovon ich die polnische Ausgabe gekauft habe. Das Buch hat mich 30 Euro gekostet, ein bisschen weniger als die Originalausgabe auf Englisch (40 Euro). Ich habe schon geschrieben, dass technische Bücher auf Polnisch billiger sind.

Der Kurs war interessant, abgesehen davon, dass der Lehrer ständig erwähnte, dass Italiener sehr gerne die Hände beim Sprechen verwenden. Ich erfuhr, dass eine negative Einstellung gegenüber Kunden in Polen überhaupt nicht so durchgängig ist, wie ich dachte und ich in einem früheren Post geschrieben habe. Es ist gut zu wissen, dass man dem Kunden nur geben sollte, was er bestellt hat, und nicht mehr - ansonsten ist das "goldplating", das heißt Funktionalitäten, wofür es nicht bezahlt wurde. Der beste Kunde ist übrigens derjenige, der zurückkommt. Er hat aber nicht immer Recht: Er kann dir sagen, was er will, aber nicht, wie es umgesetzt werden sollte.

Während des Kurses gab es Gruppenarbeiten, wie in der Schule. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor solchen Beschäftigungen, weil man nie genau weiß, wer was machen sollte. Zum Glück waren die Tätigkeiten während des Kurses ein bisschen strukturierter, allerdings auch ein bisschen seltsam. Wir bauten ein Katapult aus Pappe, um ein Ei zu zerstören, suchten nach Nägeln in einem Eimer voll Sand und bauten ein Gebäude nach, das sich in dem nächstem Raum befand. Alle diese Tätigkeiten sollten die verschiedenen Etappen eines Projektes darstellen.

Der Kurs ist jetzt zu Ende und inzwischen habe ich die C1-Prüfung der polnischen Sprachen abgegeben. Jetzt gibt es keine Ausreden: ich muss mich auf die PMBOK-Prüfung vorbereiten. Es ist aber für mich schwierig, mich selber zu motivieren, deswegen setzte ich die gleiche Strategie wie an der Uni ein: Ich lerne außerhalb meiner Wohnung. Ich pauke nur an Wochenenden. Dann sind aber Bibliotheken geschlossen, deswegen habe ich einen anderen Platz gefunden: einen Coworking-Raum in dem größten Handelszentrum in Krakau, Bronowice. Handelszentren in Krakau sind offen auch am Samstagen und Sonntagen. Ich habe fast die Hälfte der PMBOK-Bibel gelesen, mal sehen, wann ich die Prüfung versuchen werde.



Montag, 12. Oktober 2015

Neue Gebäude in Krakau

Kraków Arena
Polen hat den Ruf,  die europäische Entwicklungshilfe sehr gut auszunutzen, anders als zum Beispiel Süditalien. Das ist in Krakau klar zu erkennen, einer Stadt, die sehr schnell wächst.
Viele internationalen Firmen, die hier eine Niederlassung öffnen, mieten Räume in einem der vielen neuen Bürozentren, die von der Europäischen Union finanziert worden sind. Das ist auch der Fall für die vielen Gebäuden, die von Comarch erbaut worden sind.

Das neue Flughafenterminal ist gerade eingeweiht worden, und gerade diese Woche hatte ich die Möglichkeit, es zu besichtigen. Die neue Kraków Arena ist nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Sportereignisse (wie zum Beispiel die Volleyball-Weltmeisterschaft des letzten Jahres) und Konzerte finden hier regelmäßig statt. Das Luftfahrtmuseum, wofür sich mein Vater während seines Besuchs in Krakau besonders begeisterte, ist auch nicht weit weg.

Viele der neuen Universitätsgebäude in Krakau sind auch von der Europäischen Union finanziert worden, wie zum Beispiel das Hauptgebäude der Fakultät für Informatik der AGH. Das gilt auch für viele Museen, wie zum Beispiel das Museum für moderne Kunst. Auf das neue Kongresszentrum ist die Stadt besonders stolz. Auch sind viele Gebäude renoviert worden, wie zum Beispiel das Collegius Maius und die Zentralbibliothek der Universität.

Die Europäische Union trug auch zu der Modernisierung von Krankenhäusern, Straßenbahnlinien, Straßen und Fahrradwegen bei. Die meisten von der Europäischen Union finanzierten Projekte sind aber IT-Projekte, wie zum Beispiel das neue Informationssystem der Gemeindeverwaltung.


Sonntag, 22. März 2015

#OMGKRK



Was ist der wichtigste Grund, warum ich mich entschieden habe, in Polen und gerade in Krakau zu arbeiten? Nicht wegen der Frauen oder des Papstes, sondern wegen der Programmierer.

Polnische Programmierer gehören zu den besten weltweit - das beweisen die vielen gewonnenen Preise bei Programmierwettbewerben. Die technische Ausbildung in Schulen und Universitäten ist sehr gut und während des Studiums muss man Praktika absolvieren - auch bei meinem Projekt bei Comarch nehmen Studenten an produktiven Aufgaben teil. Die Anzahl der Absolventen ist hoch, weil die Begabten immer die Chance haben, zu studieren, selber wennihnen wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Der Beruf des Programmierers gehört in Polen zu denjenigen, die am besten bezahlt werden (anders als zum Beispiel in Italien). Die Arbeitgeber können unterschiedliche Kompetenzstufen in verschiedenen Technologien wahrnehmen und einschätzen, daher sind technische Fähigkeiten die wichtigsten Auswahlkriterien bei den Vorstellungsgesprächen..

Ich habe an vielen IT- und Karrieremessen, sowie an abendlichen Treffen von Technikbegeisterten teilgenommen. Davon gibt es in Krakau und in Polen sehr viele, allerdings sind Polnischkenntnisse notwendig, um davon zu profitieren. Nirgendwo anders habe ich so viel Begeisterung für die Technologie wie hier gesehen. Es gibt ein Tag auf Twitter und Facebook, um die Events zu verfolgen: #OMGKRK. Nicht ohne Grund sagt man, dass Krakau das Offshoring-Zentrum Nummer Eins in Europa ist.

Es war in Polen, das ich zum ersten Mal erlebt habe, was in meinen früheren Projekten vor Ort beim Kunden immer nur ein Wunschtraum war: die konsistente Prüfung jedes Code-Ausschnittes durch einen zweiten Entwickler, bevor er eingecheckt wird, das heißt, das Vier-Augen-Prinzip. Ich erlebe hier auch einen Ansatz “Technology First”, in dem sich vorrangig zu den neuen Technologien öffnet, statt sich ausschließlich an die Wünsche des Kunden anzupassen. Wenn man an den technologischen Fortschritt glaubt, ist so ein Ansatz sehr befreiend.

Was in Polen auch sehr gut funktioniert, ist die Einbindung von neuen Mitgliedern in ein Team. Die neuen Mitarbeiter werden mit einer sehr großen Geschwindigkeit produktiv. Teilweise bereue ich, dass ich meine Karriere als Programmierer nicht in Polen begonnen habe - heutzutage wäre ich wahrscheinlich ein besserer Programmierer. Dennoch können sich meine professionellen Kompetenzen hier immer noch ausbauen.

Es gibt andere Bereiche, in denen aber die Polen nicht ebenso gut sind - davon aber ich habe schon gesprochen.

Samstag, 15. November 2014

Vorsicht vor Kurven !



Letztes Jahr, als ich noch in Deutschland lebte und den Umzug nach Polen plante, gab mir ein polnischer Kollege den folgenden Ratschlag: Auf keinen Fall solltest du das Wort “kurwa” lernen. Es ist ein Wort, dessen sich viele Polen bedienen, das aber einen schlechten Eindruck macht, vor allem wenn es von einem Ausländer benutzt wird.

Während meiner ersten Monate in Polen sprach ich tatsächlich dieses Wort nie aus, selbst wenn ich es sehr häufig an der Arbeit hörte. Dann kam aber etwas dazwischen.

Erstens begann ich, mir polnische Filme anzuschauen. In Polen fing man erst in den Neunziger Jahren an, Schimpfwörter in  Filmen und im Fernsehen zu verwenden. Der Film „Psy“ (1993) ist der allererste gewesen. Leider interessieren mich nur moderne Filme, diejenigen aus der kommunistischen Ära langweilen mich.

Bei der Arbeit bekam ich den Eindruck, dass die Kollegen aufmerksamer zuhören, wenn man das Gespräch mit dem Wort „Kurwa“ an verschiedenen Stellen bereichert. Auf diese Weise gewinnt man auch Zeit, wenn man nicht sicher ist, was man zunächst sagen möchte.

Mir wurde dieses Video gezeigt, in dem erklärt wird, wie wichtig dieses Wort in der polnischen Sprache ist. Außerdem habe ich das Buch „Homo corporaticus, czyli przewodnik przetrwania w korporacji” (Wie man in einem  Großunternehmen  überlebt) gelesen. Aus dem Buch habe ich gelernt, dass man auf der Arbeit unbedingt schimpfen sollte, um den Ruf eines harten Kerls zu bekommen. Übrigens würde mir auch mehrmals gesagt, dass man nicht wirklich Polnisch sprechen kann, wenn man kaum Gebrauch von dem Wort „Kurwa“ macht.

Aus all diesen Gründen begann ich unterbewusst dieses Wort zu verwenden, und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mich die Kollegen deswegen mich mehr respektierten und aufmerksamer zuhörten. Es ist übrigens eines der wenigen polnischen Wörter, die man leicht aussprechen kann.

Man muss dabei allerdings auch berücksichtigen,  dass dieses Wort die Frauen irritiert, wahrscheinlich wegen seiner Bedeutung („Prostituierte“), was in Polen sehr negative Assoziationen hervorruft. Außerdem, in so einem traditionalistischen Land wie Polen,  schimpfen Frauen nicht und wollen Schimpfwörter auch nicht hören. Manchmal rufen sie zu einem Kreuzzug gegen Schimpfwörter auf und führen Vorschriften ein, die das Schimpfen erschweren sollten: zu jedem Schimpfwort sollte man eine Münze in die Spardose geben.

Hinzu kommt, dass die Varianten von „Kurwa“ (“Kurczę”, “Kurka”, “Kurna” oder “Kurdy”) nicht als Schimpfwörter gelten. Eine Person, die alles Mögliche  gegen den Gebrauch des Wortes „Kurwa“ unternimmt, mag die ganze Zeit sorglos “Kurna” oder “Kurdy” aussprechen.

Ich habe es letztendlich aufgegeben, das Wort  “Kurwa” zu verwenden, weil mein „unangemessener Missbrauch“ des Wortes die Kolleginnen zu sehr „störte“. Selbst wenn meine männlichen Kollegen dieses Wort weiter verwenden. Zum Glück darf ich aber auf Italienisch weiter schimpfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn ein paar Wochen lang war es mir verboten, in der Firma auf Italienisch zu schimpfen – so eine Regel gab es tatsächlich auf einem Zettel, der an der Wand hing. Ich brauche es nicht zu erzählen, was aus diesem Zettel letztendlich wurde.

Freitag, 12. September 2014

Die schlimmsten Tiere

Ein persönlicher Alarm

Ich habe schon über meine schlechte Erfahrung mit einem Hund berichtet. Seitdem passe ich mehr auf und ich habe festgestellt, dass die Schilder “Vorsicht vor Hunden” leicht zu übersehen sind. Oft sind sie klein, verrostet und hängen an den Zäunen von Häusern, die so aussehen, als stünden sie seit mehreren Jahren leer. Den Hund gibt es aber tatsächlich und er mag sehr böse sein.

In diesem Post möchte ich aber über die gefährlichsten Tiere schreiben : die Menschen. Nachdem ich mehrere Jahre in einer relativ sicheren Stadt wie München gewohnt habe, ist Kraków eine große Veränderung.

Es gibt im allgemeinen ein größeres Risiko an Diebstählen. Dafür gibt es viele Gründe : Armut, Arbeitslosigkeit, ein schwacher Sozialstaat, niedrige Löhne. Ich darf nicht vergessen, die Tür meiner Wohnung zuzusperren, aber ansonsten hat das meinen Lebensstil kaum verändert. Die meisten Leute hier sind aber ehrlich. Ich habe schon ein paar mal Sachen vergessen und sie wiedergefunden, wo ich sie gelassen hatte. Daher habe ich mich entschlossen, mich beim Service foundintown anzumelden. Weil viel mehr Sachen verloren als gestohlen werden.

DIe Jugendlichen, die Pseudofans genannt werden, sind aber eine ganz andere Sorte Mensch. Ich würde sie eher die Ärger-Suchenden nennen. Sie schwärmen zwar für Fussballmannschaften, aber tatsächlich gehen sie mit Messern und Äxten bewaffnet zu Fussballspielen. Sie schlendern aber auch während der Woche umher, daher sollte man sich nicht als Fan von einer der zwei Mannschaften in Kraków erkennen lassen : “Cracovia” und “Wisła”. Es wurde mir sogar empfohlen, das Abzeichen von Comarch zu verstecken, wenn ich in der Stadt bin, weil die Firma der Sponsor von Cracovia ist.

Ärger-Suchenden sind oft nachtaktiv. Die Spuren, die sie manchmal hinterlassen, sind Randale gegen öffentliches und privates Eigentum. Ich bin einmal einem Rudel begegnet, als ich an einem Monntag um ein Uhr alleine nach Hause zurückkehrte. Vier Jugendliche standen mitten in der Strasse und fingen an, mich zu beschimpfen. Einer von ihnen rannte auf mich zu und gab mir einen kräftigen Schubs, der mich fast aus der Balance brachte. Ich ging meinen Weg weiter und die Ärger-Suchenden interessierten sich für mich nicht weiter.

Seitdem versuche ich eher mit dem Taxi als mit dem Bus nach Hause zu fahren, wenn es spät ist. Es ist auch ärgerlich, dass so viele Strassen in der Stadt schlecht beleuchtet sind. Deshalb habe ich einen persönlichen Alarm gekauft, der eine Stunde lang einen Lärm von 140 Dezibel von sich gibt, wenn man die Schnur zieht. Das sollte ausreichen, um die meisten Ärger-Suchenden abzuschrecken, die eher eine leichte Beute suchen.

In Polen gibt es praktisch keine Ausländer, daher sind sowohl die Opfer als auch die Täter polnisch. Kriminelle Vorfälle führen zu keiner Immigrationsdebatte. In der Tat sind die  meisten Ärger-Suchenden nicht arbeitslos, sondern eher in einem der vielen unterbezahlten und perspektivlosen Jobs beschäftigt. Sie sind weder in einer politischen Partei noch in einer Gewerkschaft, Ärger zu suchen ist ihr Ventil. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem irgendeine extremistische politische Partei oder Bewegung sie vereinigen könnte.