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Samstag, 29. November 2014

Włosi (Italiener)



Ich habe gerade das Buch “Włosi” (Italiener) zu Ende gelesen.
Das Buch ist von einem Polen geschrieben worden, der zehn Jahre lang in Italien gelebt hat und subjektiv über das Belpaese berichtet..

Als ich den Buchumschlag gesehen hatte, hatte ich viel Schlimmeres erwartet. Der Autor erzäht aber keine Sachen, die völlig falsch sind und zitiert sogar seine Quellen - Bücher und Artikel. Man kann aber nicht bezweifeln, dass es sich um ein subjektives Buch handelt und der Autor selber sagt es.  Bestimmte Themen werden in der Tat erwähnt, andere dagegen vermieden.

Wie in den meisten von Ausländern geschriebenen Büchern über Italien, macht man eine große Sache aus den regionalen Unterschieden und den vielen Dialekten. Das ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich zu Polen, wo es kaum regionale Unterschiede gibt, abgesehen von den großen Ausnahmen Schlesien und Kashubien. Dagegen überraschte es mich, dass er auf das Thema des unterentwickelten Südens eingeht. Es wird sogar über die brutale Unterdrückung und die Ausbeutung der Regierung im Süditalien nach der italienischen Vereinigung gesprochen, die in Italien immer noch teilweise Tabuthemen sind. Er schreibt dagegen sehr wenig über die Mafia, wahrscheinlich weil organisierte Kriminalität kein besonders interessantes Thema für die Leser ist - davon gibt es genug auch in Polen. Wenn das Buch von einem Deutschen oder von einem Ami geschrieben worden wäre, würde es mindestens ein ganzes Kapitel über dieses Thema geben.

Es war zu erwarten, dass er nichts über die große Autonomie schreibt, die die deutsche Minderheit in Südtirol genießt - die deutschsprächige Minderheit in Polen hat lange nicht die gleichen Rechte. Grundsätzlich werden Themen vermieden, die in Polen kontrovers sein könnten, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeiten, Klassenkämpfe, Terrorismus, Gewerkschaften und die Tatsache, dass viele Fabriken in Italien dichtgemacht werden, um in Polen wieder geöffnet zu werden, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Wenn es um Politik geht, schreibt er nur, dass in Italien man immer noch auf denjenigen wartet, der das Land retten wird, und dass die Politik die Leute nicht so sehr gegeneinander ausspielt, wie in Polen. Damit bin ich nicht unbedingt einverstanden.

Ein ganzes Kapitel ist der Modegeschichte in Italien gewidmet, über die industrielle Entwicklung des Landes wird aber kaum berichtet.Es interessiert den Autor nicht,dass Italien die zweitgrößte industrielle Kapazität in Europa hat, nach Deutschland. Anscheinend spricht er nicht gern über Wirtschaft oder Industrie, aber er schreibt, dass in Italien die “internationalen Geschäftsregeln” gelten. Das ist allerdings eine sehr gefährliche Behauptung in Polen, wo viele Leute davon überzeugt sind, dass ein bisschen English und das Kenntnis sogenannter “internationaler Geschäftsregeln” ausreicht, um international erfolgreich zu sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, die nationalen Besonderheiten zu kennen, um geschäftlich erfolgreich in einem bestimmten Land sein zu können.

Wahrscheinlich am lächerlichsten in dem Buch ist die Behauptung, dass die Italiener keine Bücher lesen. Angeblich lesen nur diejenigen, deren Handy- oder Notebook-Akkus gerade leer sind. Er zitiert einige Statistiken, schade aber, dass man anhand Statistiken leicht beweisen kann, dass die Polen noch weniger lesen. Darüber hinaus macht er sich lustig über erwachsene Italiener, die Comics lesen,was seiner Meinung nach nur für Kinder ist. Comics werden in Polen tatsächlich nicht als eine Literaturform gesehen, absehen von der großen Ausnahme von Thorgal.

Das Kapitel über Essgewohnheiten in Italien ist jedoch interessant.  Es stimmt, dass Italiener nur frisches Obst essen, das gerade in Saison ist. In Polen dagegen (wie übrigens auch in Deutschland) wird man zum Beispiel das ganze Jahr über Orangen finden, obwohl ich sie nicht unbedingt Orangen nennen würde. Als ich in Deutschland wohnte, nahm ich tatsächlich immer mit dem Auto frisches Obst nach Deutschland mit. Er erwähnt auch andere seltsame Gewohnheiten, wie das Cappuccinoverbot nach Mittag und das Käse-Mahl-Verbot zu dem Spaghetti allo Scoglio (mit Krustentieren). Er bringt den Polen bei, dass auf eine Pizza kein Ketchup gehört - das ist eine schlechte Gewohnheit, dass die Polen von den Amis übernommen haben. Die Polen imitieren sehr gerne die Amis.

Es mag sich für einen Polen lohnen, dieses Buch zu lesen, nur um die häufigsten Fallstricke der italienischen Sprache zu lernen. “Figa” ist auf Italienisch ein sehr schlimmes Wort, und kein Name, den man einem kleinen Tier geben kann. Man sollte die doppelten Konsonanten richtig aussprechen, weil “penne”  von “pene” und “anni” von “ani” unbedingt unterscheiden sollte. Genauso, wie man  übrigens man in Polen sehr schnell lernen sollte, dass man das Wort “Kurwa” vermeiden sollte und mit Kurven nichts damit zu tun hat. Ansonsten kann einem das gleiche wie einem Bekannten von mir passieren, der beinahe einen Verkehrsunfall verursachte, als er seinem polnischen Fahrer “Attento alla curva” sagte.

Freitag, 21. November 2014

Tibia




Manchmal hat man Lust, jemanden umzubringen. Normalerweise ist das nicht möglich, aber wenigstens kann man immer noch jemanden oder etwas innerhalb eines Videospiels umbringen.

Tibia ist eines der Spiele, das mir am besten gefällt. Es gehört zu dem Genre MMORPG; das heißt Massive Multiplayer Online Role Playing Game. Das Spiel gibt es seit 1997 und im Vergleich mit aktuellen Spielen sieht es ziemlich retro aus, weil es zweidimensional ist. Es wurde von der in Regensburg ansässigen Firma Cipsoft entwickelt,


Tibia hätte ein viel erfolgreicheres Spiel sein können. Leider wurde es vor langer Zeit sogar innerhalb seiner Nische von anderen Spielen überholt, z.B. Runescape. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Cipsoft hat es nicht geschafft, die Botter loszuwerden. Das sind die Spieler, die Programme automatisch für sich spielen lassen. Außerdem gibt es keinen besonderen guten Mechanismus, um schwächere Spieler vor den stärkeren zu schützen. Am schlimmsten ist es aber, dass keine echte Community rund um das Spiel entstanden ist.

Cipsoft hat immer die Politik verfolgt, dass alles im dem Spiel auf English sein muss , und hat die Spieler immer aufgefordert, nur auf Englisch zu sprechen, damit “jeder euch verstehen kann”. Das ist ein ganz unterschiedlicher Ansatz zu demjenigen von Traviangames, einem sehr erfolgreicheren Hersteller von Browserspielen. Traviangames hat für sein erfolgreichstes Spiel “Travian” Hunderte von virtuellen Welten erschaffen, aber in jeder muss eine bestimmte nationale Sprache verwendet werden. Daher existieren Welten, wo Polnisch, Tschechisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Arabisch usw. gesprochen wird.

Auch in Tibia gibt es verschiedene Welten, eine sprachliche Segregation gibt es aber nicht. In der Praxis bildeten Spieler aus unterschiedlichen Ländern in jeder Welt Untergruppen. Heutzutage werden die Welten von Tibia von Spielern aus bestimmten Ländern  dominiert, die nur in ihrer Sprache sprechen und das Leben den Spielern aus anderen Ländern schwer machen.

Die europäischen Tibia-Welten werden von polnischen Spielern dominiert, die amerikanischen von den Brasilianern. Wenn man in Europa spielt, wird man herausfinden, dass fast alle Nachrichten in den Spielforen auf Polnisch sind. Cipsoft hat es seit langem aufgegeben, gegen diesen Zustand zu kämpfen, was allerdings dazu führt, dass die europäischen Welten ziemlich unangenehm für nicht-polnische Spieler sein können. Einige behaupten, dass Tibia von den Brasilianern und den Polen ruiniert worden sei.

In Deutschland ist das Spiel Tibia praktisch unbekannt, dagegen kennt es in Polen fast jeder, sogar  diejenigen die nicht spielen. Es sieht so aus, als würde es jeder Jugendliche spielen oder als hätte es jeder irgendwann gespielt. Die Medien haben oft über Tibia geredet, weil viele in Polen danach süchtig sind, und weil vor einigen Jahren ein Sechzenjähriger seine Mutter umgebracht hat, nachdem sie seinen Rechner ausgeschaltet hatte, während er Tibia spielte.

Ich kam wieder zu Tibia, weil es mich interessierte, wie sich das Spiel inzwischen geändert hatte, und außerdem wollte mich ein bisschen entspannen. Das Spiel wird immer noch von den Polen dominiert, es ist alles aber nicht so schlecht, wie es früher war. Teilweise weil ich mittlerweile Polnisch kann, teilweise weil diejenigen, die noch spielen, älter geworden sind.

Die Welt von Tibia ist enorm, das Spiel ist sehr komplex und ein ganzes Leben würde nicht ausreichen, um alles zu erkunden. Ich kenne das Spiel aber gut genug, um einigermaßen weiterzukommen. Mein Hauptcharakter ist ein Level 38 Druide (es gibt vier Klassen : Krieger, Paladine, Magier und Druide). Es ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass es Level 800 Spieler gibt. Wenn man aber berücksichtigt, dass ich nicht so oft spiele, und dass ich in dem Spiel keine Freunde habe, die mir helfen könnten, ist das ein Ergebnis, mit dem ich zufrieden bin. Und dazu darf ich von Zeit zu Zeit ein paar Monster umbringen.

Samstag, 15. November 2014

Vorsicht vor Kurven !



Letztes Jahr, als ich noch in Deutschland lebte und den Umzug nach Polen plante, gab mir ein polnischer Kollege den folgenden Ratschlag: Auf keinen Fall solltest du das Wort “kurwa” lernen. Es ist ein Wort, dessen sich viele Polen bedienen, das aber einen schlechten Eindruck macht, vor allem wenn es von einem Ausländer benutzt wird.

Während meiner ersten Monate in Polen sprach ich tatsächlich dieses Wort nie aus, selbst wenn ich es sehr häufig an der Arbeit hörte. Dann kam aber etwas dazwischen.

Erstens begann ich, mir polnische Filme anzuschauen. In Polen fing man erst in den Neunziger Jahren an, Schimpfwörter in  Filmen und im Fernsehen zu verwenden. Der Film „Psy“ (1993) ist der allererste gewesen. Leider interessieren mich nur moderne Filme, diejenigen aus der kommunistischen Ära langweilen mich.

Bei der Arbeit bekam ich den Eindruck, dass die Kollegen aufmerksamer zuhören, wenn man das Gespräch mit dem Wort „Kurwa“ an verschiedenen Stellen bereichert. Auf diese Weise gewinnt man auch Zeit, wenn man nicht sicher ist, was man zunächst sagen möchte.

Mir wurde dieses Video gezeigt, in dem erklärt wird, wie wichtig dieses Wort in der polnischen Sprache ist. Außerdem habe ich das Buch „Homo corporaticus, czyli przewodnik przetrwania w korporacji” (Wie man in einem  Großunternehmen  überlebt) gelesen. Aus dem Buch habe ich gelernt, dass man auf der Arbeit unbedingt schimpfen sollte, um den Ruf eines harten Kerls zu bekommen. Übrigens würde mir auch mehrmals gesagt, dass man nicht wirklich Polnisch sprechen kann, wenn man kaum Gebrauch von dem Wort „Kurwa“ macht.

Aus all diesen Gründen begann ich unterbewusst dieses Wort zu verwenden, und tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mich die Kollegen deswegen mich mehr respektierten und aufmerksamer zuhörten. Es ist übrigens eines der wenigen polnischen Wörter, die man leicht aussprechen kann.

Man muss dabei allerdings auch berücksichtigen,  dass dieses Wort die Frauen irritiert, wahrscheinlich wegen seiner Bedeutung („Prostituierte“), was in Polen sehr negative Assoziationen hervorruft. Außerdem, in so einem traditionalistischen Land wie Polen,  schimpfen Frauen nicht und wollen Schimpfwörter auch nicht hören. Manchmal rufen sie zu einem Kreuzzug gegen Schimpfwörter auf und führen Vorschriften ein, die das Schimpfen erschweren sollten: zu jedem Schimpfwort sollte man eine Münze in die Spardose geben.

Hinzu kommt, dass die Varianten von „Kurwa“ (“Kurczę”, “Kurka”, “Kurna” oder “Kurdy”) nicht als Schimpfwörter gelten. Eine Person, die alles Mögliche  gegen den Gebrauch des Wortes „Kurwa“ unternimmt, mag die ganze Zeit sorglos “Kurna” oder “Kurdy” aussprechen.

Ich habe es letztendlich aufgegeben, das Wort  “Kurwa” zu verwenden, weil mein „unangemessener Missbrauch“ des Wortes die Kolleginnen zu sehr „störte“. Selbst wenn meine männlichen Kollegen dieses Wort weiter verwenden. Zum Glück darf ich aber auf Italienisch weiter schimpfen. Das ist nicht selbstverständlich, denn ein paar Wochen lang war es mir verboten, in der Firma auf Italienisch zu schimpfen – so eine Regel gab es tatsächlich auf einem Zettel, der an der Wand hing. Ich brauche es nicht zu erzählen, was aus diesem Zettel letztendlich wurde.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Polnischer Humor und Komödien



Man sagt, dass die Deutschen keinen Sinn für Humor haben. Ich finde es auch, dass die Deutschen sich sehr schwertun, über sich selbst zu lachen.  Beziehungsweise finden sie die Witze mit Nazi-Anspielungen nicht lustig, die der Rest der Welt so gern über sie erzählt.

Ich habe dreizehn Jahre in Deutschland verbracht, wobei es für mich immer sehr schwierig gewesen ist, den deutsche Humor zu verstehen. Jedoch konnte sich ein Komiker, der vor kurzem gestorben ist, sehr gut über die Deutschen lustig machen : Loriot. Allerdings muss man die Deutschen schon kennen, um seinen Humor zu verstehen. Erst nach mehreren Jahren in Deutschland fing ich an, ihn lustig zu finden.

Die Polen behaupten gerne von sich, dass sie einen sehr guten Sinn für Humor hätten. Tatsächlich schaffen sie es, über sich und über die Polen-Witze zu lachen, in denen sie typischerweise als zwanghafte Diebe dargestellt werden. Das ändert sich allerdings langsam, weil sie dieses Stereotyp selbst leid sind. Persönlich halte ich den polnischen Humor für ziemlich merkwürdig, manchmal sogar für nervig, wenn es zum Beispiel in Witzen um das Schlagen von Frauen geht.

Es gibt keinen Mangel an Komödien auf Polnisch . Die beliebtesten sind immer noch die aus der sozialistischen Ära. Sie werden immer noch regelmäßig im Fernsehen
gezeigt. Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, wie oft ich die Filme “Nie lubię poniedziałku”, “Poszukiwani, Poszukiwana”, “Nic śmiesznego” und “Mis” im Fernsehen gesehen habe. Diese Komödien machen sich über typische Situationen in der Volksrepublik Polens lustig. Weil ich dieses Ära nicht erlebt habe, finde ich diese Filme normalerweise nicht komisch, sondern eher traurig.

Als ich mir das erste Mal die bekannteste polnische Komödie angeschaut habe, “Seksmisja”, war ich von den Schauspielern überhaupt nicht beeindruckt. Erst nachdem ich schon ein Jahr in Polen gelebt hatte und mir den Film erneut angeschaut hatte, stellte ich fest, dass die Schauspieler eigentlich auf glaubwürdige Weise Polen verkörpern. Trotzdem konnte ich kein einziges Mal lachen, während ich mir den Film anschaute. Die meisten Polen finden aber “Sexmisja” sehr lustig. Es ist eine sehr versteckte Satyre über den Kommunismus (was für eine Überraschung), allerdings ist es so gut versteckt, dass es schon langweilig ist. Das Gleiche, was ich über “Sexmisja” gesagt habe, könnte ich auch über eine andere kultige polnische Komödie sagen:”Rejs”.

Die einzige polnische Komödien, die ich halbwegs lustig finde, sind diejenigen mit der fiktiven Gestalt des Adaś Miaucziński.  Ich habe zwei von insgesamt acht solchen Filmen gesehen:  “Nic śmiesznego” und “Dzień świra”. Adaś ist ein typischer Intellektueller und ein notorischer Versager. Er erinnert mich teilweise an die Gestalten von Woody Allen, teilweise auch an den italienischen “Fantozzi” und an den französischen “Pignon”. In den Filmen, die ich gesehen habe, ist der Hauptdarsteller auch der Erzähler, was es leichter macht, der Geschichte zu folgen - im Gegensatz zum Beispiel zu den viel chaotischeren “Mis” und “Nie lubie poniedzialku”. Das könnte der Gründ sein, weil ich die Filme mit Adaś wenigstens teilweise lustig finde.

Oder kann es sein, dass ich selber keinen Sinn für Humor habe ? Wer weiß ?


Donnerstag, 25. September 2014

Noch ein bisschen mehr in Polen herumgefahren

Vor dem Krieg dauerte die Zufahrt von Danzig nach Warschau
drei Stunden, jetzt dauert sie fünf.
In einem früheren Artikel habe ich von meinen Ausflügen erzählt. Mittlerweile bin ich ein bisschen mehr herumgefahren. Ich bin nicht mit Fernbussen gefahren, abgesehen von einem Wochenende, an dem ich Kattowitz besichtigt habe. Die Verbindung zwischen Krakau und Kattowitz ist hervorragend. In der Tat verkehrt alle fünfzehn Minuten ein Bus zwischen den zwei Städten..

Dieses Jahr habe ich zweimal ein Auto gemietet, das erste Mal für vier Tage während eines langen Wochenendes, das zweite Mal für zwei Wochen, als ich Urlaub gemacht habe. Ich bin in Polen herumgefahren und wie ich schon früher geschrieben habe, ist das Fahren in Polen unproblematisch. Wenn man die meistbesuchten Orte meidet, gibt es sehr wenig Vekehr und es ist nicht schwierig, ein Zimmer in einem Hotel zu finden. Die Straßen sind normalerweise in gutem Zustand. Mich haben nur die vielen Straßenbahnen gestört. Auf sie muss man auf jeden Fall ein Auge haben.

Während meiner Polenrundfahrt bin ich mit dem Auto nicht in die Großstädte gefahren, weil ich vorhatte, sie bei Wochenendtrips ausführlicher zu besichtigen. Dafür habe ich das Flugzeug gewählt. Das ist nicht das billigste Verkehrsmittel, es ist aber das sicherste, schnellste und bequemste. Auf diese Weise bin ich in den letzten zwei Monaten nach Posen, Danzig und Stettin geflogen und habe ich in jeder Stadt jeweils ein Wochenende verbracht. Zweimal musste ich in Warschau umsteigen. Ich bin mit Lot und Eurolot geflogen. Alles lief wie geplant. Bald werde ich ein paar Tage in Warschau verbringen müssen, weil ich meinen Italienischen Pass erneuern muss - leider ist das in Krakau nicht möglich.

Zum Glück musste in der letzten Zeit nicht mit Ryanair fliegen, obwohl sie in Krakau sehr präsent sind. Sie ist sehr billig, wenn man aber andere Fluggesellschaften gewohnt ist, kann ihr Verhalten sehr schockierend sein, weil es oft so aussieht, als ob sie ihre Kunden betrügen möchten. Einmal ließen sie mich nicht fliegen, weil es weniger als 40 Minuten bis zum Abflug waren, nachdem ich mehr als eine Stunde in der Schlange gestanden hatte. Sie sind sehr unflexibel. Wenn man den Flugschein nicht ausgedruckt hat, wenn man zusätzliches Gepäck hat oder wenn es ein bisschen mehr wiegt, als es von ihren komischen Regeln erlaubt wird, dann muss man eine Strafe zahlen, was auch viel Zeit kostet. Ihre Kunden behandeln sie schlecht, weil sie wissen, dass sie noch andere finden werden. <sarcasm>Meiner Meinung nach, sind sie eine kommunistische Fluggesellschaft ! </sarcasm>

Das letzte Wochenende habe ich in Torun verbracht. Weil ich keinen Flug dorthin finden konnte, bin ich mit dem Zug gefahren. Leider sind Züge in Polen schrecklich langsam, selbst Intercitys. Von Krakau nach Warschau braucht man vier Stunden (316 Km), während man von Warschau nach Torun zusätzliche drei Stunden braucht (220 Km). Am Freitag bin ich losgefahren und  ich habe die Nacht in Warschau verbracht.

Als ich am Sonntag aber von Torun zurückfahren wollte, erlebte ich eine böse Überraschung. Im Toruner Bahnhof gibt es keine elektronischen Tafeln und ich konnte die Service-Durchsagen nicht verstehen. Ich hatte im Fahrplan nachgeschaut und dort in der “peron/tor” (“Bahnsteig/Gleis”) Spalte “I-2” gelesen. Ich wartete auf den Zug auf Bahnsteig 2, aber der Zug fuhr vom Bahnsteig 1, Tor 2  ab. Tatsächlich ist es am wichtigsten zu wissen, von welchem Bahnsteig der Zug abfährt, weil es bei jedem Bahnsteig nur zwei Gleise gibt. Ich hatte im Fahrplan die Bahnsteignummer nicht bemerkt, weil sie in römischen Buchstaben geschrieben war, und ich hielt sie auch nicht für wichtig. Ich fuhr mit dem nächsten Zug nach Warschau, aber wegen dieser Panne musste ich dort noch einmal die Nacht verbringen und erst am nächsten Tag konnte ich mit dem 5-Uhr Zug nach Krakau zuruckfahren. Der Zug war zu allem Übel auch noch ungeheizt. Ich hatte keine warmen Kleider dabei, so habe ich die Fahrt im Speisewagen verbracht, wo es ein bisschen wärmer war. Wenigstens war das Essen gut und die Preise niedrig.

In den nächsten kälteren Monaten plane ich keine Wochenendausflüge.


Freitag, 12. September 2014

Die schlimmsten Tiere

Ein persönlicher Alarm

Ich habe schon über meine schlechte Erfahrung mit einem Hund berichtet. Seitdem passe ich mehr auf und ich habe festgestellt, dass die Schilder “Vorsicht vor Hunden” leicht zu übersehen sind. Oft sind sie klein, verrostet und hängen an den Zäunen von Häusern, die so aussehen, als stünden sie seit mehreren Jahren leer. Den Hund gibt es aber tatsächlich und er mag sehr böse sein.

In diesem Post möchte ich aber über die gefährlichsten Tiere schreiben : die Menschen. Nachdem ich mehrere Jahre in einer relativ sicheren Stadt wie München gewohnt habe, ist Kraków eine große Veränderung.

Es gibt im allgemeinen ein größeres Risiko an Diebstählen. Dafür gibt es viele Gründe : Armut, Arbeitslosigkeit, ein schwacher Sozialstaat, niedrige Löhne. Ich darf nicht vergessen, die Tür meiner Wohnung zuzusperren, aber ansonsten hat das meinen Lebensstil kaum verändert. Die meisten Leute hier sind aber ehrlich. Ich habe schon ein paar mal Sachen vergessen und sie wiedergefunden, wo ich sie gelassen hatte. Daher habe ich mich entschlossen, mich beim Service foundintown anzumelden. Weil viel mehr Sachen verloren als gestohlen werden.

DIe Jugendlichen, die Pseudofans genannt werden, sind aber eine ganz andere Sorte Mensch. Ich würde sie eher die Ärger-Suchenden nennen. Sie schwärmen zwar für Fussballmannschaften, aber tatsächlich gehen sie mit Messern und Äxten bewaffnet zu Fussballspielen. Sie schlendern aber auch während der Woche umher, daher sollte man sich nicht als Fan von einer der zwei Mannschaften in Kraków erkennen lassen : “Cracovia” und “Wisła”. Es wurde mir sogar empfohlen, das Abzeichen von Comarch zu verstecken, wenn ich in der Stadt bin, weil die Firma der Sponsor von Cracovia ist.

Ärger-Suchenden sind oft nachtaktiv. Die Spuren, die sie manchmal hinterlassen, sind Randale gegen öffentliches und privates Eigentum. Ich bin einmal einem Rudel begegnet, als ich an einem Monntag um ein Uhr alleine nach Hause zurückkehrte. Vier Jugendliche standen mitten in der Strasse und fingen an, mich zu beschimpfen. Einer von ihnen rannte auf mich zu und gab mir einen kräftigen Schubs, der mich fast aus der Balance brachte. Ich ging meinen Weg weiter und die Ärger-Suchenden interessierten sich für mich nicht weiter.

Seitdem versuche ich eher mit dem Taxi als mit dem Bus nach Hause zu fahren, wenn es spät ist. Es ist auch ärgerlich, dass so viele Strassen in der Stadt schlecht beleuchtet sind. Deshalb habe ich einen persönlichen Alarm gekauft, der eine Stunde lang einen Lärm von 140 Dezibel von sich gibt, wenn man die Schnur zieht. Das sollte ausreichen, um die meisten Ärger-Suchenden abzuschrecken, die eher eine leichte Beute suchen.

In Polen gibt es praktisch keine Ausländer, daher sind sowohl die Opfer als auch die Täter polnisch. Kriminelle Vorfälle führen zu keiner Immigrationsdebatte. In der Tat sind die  meisten Ärger-Suchenden nicht arbeitslos, sondern eher in einem der vielen unterbezahlten und perspektivlosen Jobs beschäftigt. Sie sind weder in einer politischen Partei noch in einer Gewerkschaft, Ärger zu suchen ist ihr Ventil. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem irgendeine extremistische politische Partei oder Bewegung sie vereinigen könnte.

Donnerstag, 4. September 2014

Ein Land von Spielentwicklern

Ein Screenshot aus dem Trailer des Spiels "Get Even"
Als Kind träumte ich davon, Spieleprogrammierer zu werden. Warscheinlich wird sich dieser Traum nicht erfüllen, aber wenigstens bin ich in ein Land geraten, wo eine Karriere als Spielentwickler durchaus üblich ist.

In einem früheren Artikel habe ich über das Spiel “Witcher” von der Firma CD Project berichtet. Ich habe mir auf Youtube gerade Walkthroughs des ersten und zweiten Teil bis zum Ende angeschaut. Jetzt habe ich mehr Ahnung von der alternativen Welt, in der sich “The Witcher” abspielt. Nachfolgend habe ich mir polnische Walkthroughs von SargeThePlayer der folgenden Spiele angeschaut: "The Last of Us", "GTA 5", "Far Cry 3" und "Uncharted 3". Im Moment schaue ich mir ein Walkthrough von "Battlefield 4" an. Auf diese Weise schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe : Ich übe mein Polnisch und halte ich mich auf dem Laufenden über Videospiele.

Ich hatte eigentlich vor, mir Walkthroughs von polnischen Spielen anzuschauen. Das beste polnische Spiel des Jahres 2013, “Call of Juarez : Gunslinger”, wurde leider nur auf Englisch synchronisiert. Die Firma, die es entwickelt hat, heißt Techland und befindet sich in einem kleinen Ort, Ostrów Wielkopolski. Ihre Spiele werden allerdings international von der Firma Ubis vermarktet, die das Ursprungsland nicht gerade an die große Glocke hängt. Techland hat Dutzende von Spielen gemacht; das erfolgreichste ist "Dead Island" gewesen, das fast 8 Millionen mal verkauft worden ist - mehr als “The Witcher”.

“The Farm 51”, das sich in Gliwice befindet, hat Spiele mit guter Grafik entwickelt, die aber sich international nicht durchsetzen konnten. Die Spielebranche ist nähmlich erbarmungslos und sehr umkämpft; es ist sehr schwierig, Schritt zu halten. Trotzdem sollte ihr neues Spiel “Get Even”, das für 2015 geplant ist, die Firma endlich zum Erfolg bringen. Das Trailer des Spiels überzeugt mit hervorragender Grafik.

Abgesehen von CD Projekt, gibt es in Warschau noch einen anderen wichtigen Spielproduzenten : “11 bit studios”, die von einigen ehemaligen Mitarbeitern der nicht mehr existierenden “Metropolis Software” gegründet wurde. Ihr Spiel “Anomaly : Warzone Earth” wurde mehrfach hoch gelobt; es stehen jetzt mehrere Varianten zur Verfügung.

Wie sieht es aber in Krakau aus ? Auch hier kann man Spielproduzenten für alle Genres und Plattformen finden : Ganimede, Bloober Team, Reality Pump Studios (Two Worlds), Tate Interactive, Teyon und viele andere. In Krakau findet das internationale Festival der digitalen Spiele “Digital Dragons” statt. Hier kämpfen Spielproduzenten um die besten Absolventen, die vielleicht aber eher davon träumen, in einer eigenen Firma “Indie” Spiele zu entwickeln.

Sollte ich vielleicht doch versuchen, meinen Jugendtraum zu erfüllen und in die Spielebranche einsteigen? Was haltet ihr davon ?