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Sonntag, 25. Januar 2015

Meine Eindrücke vom Spiel "This War of Mine"



Laut einer Umfrage unter polnischen Spielern ist “This war of mine” der von mir schon erwähnten Warschauer "11 bit Studios” das beste polnische Spiel des Jahres 2014. Wie wir es von dieser Firma gewohnt sind, handelt es sich um ein innovatives und originelles Spiel, das man zum ersten Spiel eines neuen Genres zählen könnte.

“This War of Mine” vereinigt Elemente aus den sogenannten Survival-Spielen, die typischerweise eine postapokalyptische, von Zombies verseuchte Welt darstellen, mit Elementen aus Spielen wie The Sims und Minecraft. Hinzugefügt werden aber noch andere Elemente, daher weiß ich nicht, ob es ein halbwegs ähnliches Spiel gibt.

Im Spiel “This war of mine” führt man eine kleine Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Persönlichkeit und Eigenschaften. Das Ziel ist das Überleben in einer Stadt, die von einem Bürgerkrieg heimgesucht wird, und in der die öffentliche Infrastruktur und die meisten Fabriken nicht mehr in Betrieb sind. Man sollte sich selbstverständlich darum kümmern, dass die Gruppenmitglieder genügend Nahrung und Schlaf bekommen, gesundheitlich versorgt werden, dass es in ihrer zerbombten Wohnung warm ist und dass sie sich auch gelegentlich entspannen können. Es gibt auch Interaktionen mit den anderen Überlebenden in der Stadt, die auch feindlich sein können, daher sind Waffen und Kampf ein wichtiges Teil des Spiels.

Die Grafik des Spiels ist nicht gerade bezaubernd, weil sie weder dreidimensional noch isometrisch ist. Das ist aber Absicht, weil man die Stimmung des Anfangs der neunziger Jahre wieder herstellen möchte, als die Jugoslawien-Kriege ausgetragen wurden. Das Spiel ist in der Tat an diese Kriege angelehnt, obwohl es auch Referenzen zu der aktuellen Situation in der Ukraine gibt. Die Atmosphäre ist eben eine der Stärken dieses Spiels - man fühlt sich wirklich inmitten des Krieges.

Wie üblich habe ich mir zuerst einige “Let´s play Videos” auf Youtube angeschaut, um mir eine Idee vom Spiels zu verschaffen. Ich hatte aber kein Glück und nur ziemlich durchwachsene Spieler gefunden, von denen ich aber trotzdem etwas gelernt habe. Das Ziel dieser Videos ist übrigens eher zu unterhalten als einen perfekten Durchlauf zu zeigen, dazu ist es nicht leicht gleichzeitig zu spielen und zu sprechen - ich kann es zum Beispiel nicht.

Leider hatte ich mich dadurch in das Spiel verliebt und plötzlich sehnte ich mich unwiderstehlich danach, es selber zu probieren. Weil ich hier in Krakau keinen passenden Rechner besitze, habe ich mich endlich entschieden den Schritt zu wagen und ein mächtiges Notebook zu kaufen, das mit einem Intel Core i7  Prozessor und einer  NVIDIA GeForce Grafikkarte ausgestattet ist.

Anschließend habe ich bei es meinem zweiten Versuch geschafft, Roman, Arica, Bruno und Zlata bis zum Ende des Krieges zu begleiten. Leider mussten aber die von mir kontrollierten Spielfiguren stehlen und töten, um überleben zu können. Nachfolgend werde ich es mit der Gruppe von Marcin, Emila und Boris versuchen, die es viel schwerer haben wird, weil die Handlung gleich im Winter beginnt.

Im Moment ist “This War of Mine” das einzige Spiel, das auf meinem Notebook installiert ist und das ich spielen möchte. Es handelt sich um einem in Polen hergestelltes Spiel, das man zum Glück auch auf Polnisch spielen kann.

Freitag, 16. Januar 2015

Schwimmbäder, Meer, Seen und Berge


In Krakau gibt es kein Meer, aber wenigstens gibt es Schwimmbäder. Ich gehe zu einem, wo es auch ein Fitnessstudio gibt. Das Schwimmbad befindet sich gleich neben der Firma, in der ich arbeite, und für Angestellte ist der Zugang frei. Aufgrund dessen ist es normalerweise ziemlich voll, vor allem wenn man es gleich nach der Arbeit besucht. Es ist aber halb so schlimm.

Zum Glück gibt es genügend Schwimmbäder in Krakau. Dieser Seite zufolge sind es 31, was für eine Stadt von 800.000 Einwohnern überhaupt nicht schlecht ist.

Im Winter gibt es übrigens keine andere Möglichkeit zu schwimmen, im Sommer ist es aber nicht viel besser. Ich kenne keine Seen in der Umgebung von Krakau, im Gegensatz zu einigen Gegenden in Zentral- und Nordpolen, in denen jede Menge schöne Seen gibt.

Im Sommer kann man auch an die Ostsee fahren, die sich mehrere hunderte Kilometer nördlich von Krakau befindet. Es gibt dort viel mehr Leute, als man erwarten könnte, und billig ist es auch nicht. Es gibt mit Sicherheit viele Ortschaften am Mittelmeer, die günstiger sind. Wenn sie keine Fremdsprachen können oder keine Überraschungen möchten, verbringen die Polen aber lieber ihren Urlaub am Polnischem Meer, selber wenn es dort oft jeden zweiten Tag regnet.

In Polen würde ich meine Ferien eher in den Bergen verbringen, in den Karpaten. Sie sind billiger und nicht so überfüllt wie die Alpen. Die Slowakei, mit ihren schönen Landschaften und den vielen Bergen und Wäldern, ist auch nicht weit weg.

Samstag, 3. Januar 2015

Ist Polnisch die schwierigste Sprache der Welt?




Ich bin immer wieder auf diesen Artikel gestoßen, der häufig weitergeleitet wird. In dem wird behauptet, Polnisch sei die schwierigste Sprache der Welt, noch schwieriger als Chinesisch, Arabisch und Japanisch. Diese unwahrscheinliche Aussage wird auf eine geheimnisvolle und pseudo-wissenschaftliche Formel gestützt. Eine viel vertrauenswürdigere Quelle wie das Foreign Service Institute der USA zählt die polnische Sprache zu den schwierigsten europäischen Sprachen, zusammen unter anderem mit Tschechisch, Albanisch und Ungarisch. Sprachen wie Arabisch und Chinesisch gelten in dieser Rangliste aber als viel schwieriger.

Ich weiß nicht, wie Polnisch den Ruf der schwierigsten Sprache der Welt bekommen hat. Mit diesem Ruf scheinen die Polen übrigens sehr zufrieden zu sein. So eine Einstellung steht im starken Gegensatz zu derjenigen der Russen, die ihre Sprache nicht unbedingt  für  schwierig halten und von Ausländern in ihrem Land erwarten, dass sie Russisch sprechen. Russisch ist aber zumindest ebenso schwierig wie Polnisch.

Eine Sprache zu können heißt, vier Fähigkeiten zu meistern: Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Die Grammatik kann man als fünfte Fähigkeit dazuzahlen. Ich lese sehr gern Bücher in Fremdsprachen und mich wird man nicht davon überzeugen können, dass das Lesen auf Chinesisch und Arabisch leichter als auf Polnisch ist. Die polnische Sprache verwendet immerhin ein lateinisches Alphabet, das insgesamt nur 32 Zeichen enthält.

Es mag manchmal nicht so leicht sein, Polnisch zu verstehen, weil die weichen und harten Konsonanten nicht so leicht voneinander zu unterscheiden sind ( ć - cz, ś - sz, ż -ź, dż - dź ).  Das ist übrigens die einzige Schwierigkeit beim Hörverständnis  der polnischen Sprache, welche deswegen etwas schwieriger zu verstehen als zum Beispiel Italienisch, Spanisch, Russisch, Ukrainisch oder sogar Deutsch ist. Englisch und Französisch sind aber in dieser Beziehung viel schlimmer, weil das Überhören eines einzigen Lautes dazu führen kann, dass man den ganzen Satz nicht mehr versteht. Selber wenn man nichts überhört mag es sehr schwierig sein, einen Satz außerhalb seines Kontextes zu verstehen. Englisch und Französisch sind keine “redundanten” Sprachen, in Gegensatz zu den slawischen Sprachen, die mehr “überflüssige”  Elemente und somit mehr Kontext enthalten . Aus diesem Grunde finde ich nicht, dass Polnisch  am schwierigsten zu verstehen ist.

Ist Polnisch schwierig zu sprechen als andere Sprachen ? Polnisch enthält viele Phoneme (insgesamt 41) , die gelernt und geübt werden müssen. Man muss sie gehört haben und jemand muss sie erklärt haben. Es gibt aber nichts außergewöhnliches bei der polnischen Phonetik und ich bin davon überzeugt, dass die englische Aussprache wesentlich schwieriger ist. Man braucht sich nur dieses Schema anzusehen: Es gibt wenigstens 44 Phonemen in Englisch, die man hier hören kann. Außerdem werden im Polnischen Wörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden, und die Betonung befindet sich fast immer auf der vorletzten Silbe. Deswegen sind Sätze wie "W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie" nicht so schwierig auszusprechen, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Nein, Polnisch ist nicht wegen der Aussprache schwierig.

Die polnische Grammatik ist tatsächlich kompliziert. Viele tun sich mit den grammatikalischen Fällen schwer - die gibt es aber in fast allen osteuropäischen Sprachen und im Deutschen. Man muss sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um sie zu lernen. Wenn man zum Pauken nicht viel Lust hat, gehört Polnisch in der Tat zu den schlimmsten Sprachen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man ohne Pauken irgendeine Sprache gut meistern kann.

Es gibt aber etwas, das in Polnisch schwieriger als in anderen Sprachen ist, nämlich Texte zu schreiben, ohne jeglichen Fehler in der Ortographie oder in der Grammatik zu machen. Sogar viele Polen können es nicht. Obwohl ich Polnisch seit mehreren Jahren lerne, komme ich ohne eine automatische Rechtschreibprüfung nicht aus. Das ist möglicherweise der Grund, warum manche Polnisch für die schwierigste Sprache der Welt halten.

Wenn Polen Fremdsprachen in der Schule lernen, werden sie nicht zum Sprechen ermutigt. Im Gegenteil, sie  werden jedesmal beschimpft und bestraft, wenn sie einen Fehler machen. Sogar nach ihrer Schulzeit haben sie immer noch Angst zu sprechen und sich zu blamieren. Das ist keine förderliche Einstellung, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil Perfektion in diesem Bereich fast unerreichbar ist. Man soll eher danach streben, so viel wie möglich zu verstehen und verstanden zu werden.

Es stimmt in der Tat, dass man beim Sprechen und Schreiben auf polnisch mehr Fehler machen wird als in anderen Sprachen. Ist das aber für eine erfolgreiche Kommunikation  so entscheidend ?

Sonntag, 28. Dezember 2014

Die Diktatur der Mehrheit

Nein, die Demokratie ist keine Diktatur der Mehrheit
Man sagt, dass in der Demokratie die Mehrheit regiert. Aber schon die alten Griechen wussten, dass es bestimmte Begrenzungen gibt. Einige Autoren, unter anderem der bekannte Tocqueville, haben vor einer Diktatur der Mehrheit in der Demokratie gewarnt. So etwas entsteht, wenn eine Mehrheit sich das Recht nimmt, eine Minderheit zu unterdrücken, zu verfolgen und ihr Rechte wegzunehmen.

So etwas ist  in der Geschichte mehrmals passiert, wie zum Beispiel beim Faschismus in Italien, der als eine von den Faschisten dominierte Sammlung von Parteien an die Macht kam, das sogenannte “Listone”. Der Nazismus in Deutschland wurde auch an die Macht gewählt. Es ist wahrscheinlich, dass beide diese Regierungen lange von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wurden. Dann stellt sich aber die Frage: Wenn die Mehrheit eines Landes sich einigt, eine Minderheit zu unterdrücken, dürfen wir das Demokratie benennen ? Selbstverständlich nicht. Die unantastbaren Grundrechte einer Minderheit dürfen nicht durch eine Entscheidung der Mehrheit weggenommen werden..

Dafür gibt es auch Beispiele, die nicht so lange zurückliegen. Ist es gerecht, der russischen Minderheit in der Ukraine den offiziellen Gebrauch der russischen Sprache zu verbieten, wenn die Mehrheit der Ukrainer dafür stimmt ? Ist es gerecht, die Krim illegal zu annektieren und die Ukraine zu überfallen, wenn die Mehrheit der Russen das unterstützt ? Wenn zwei Mehrheiten gegensätzlicher Ansichten sind, ist ein Krieg fast die logische Konsequenz.

Ist es gerecht, Rechte denjenigen wegzunehmen, die einen unterschiedlichen Lebensstil führen, wenn eine Mehrheit sich so etwas wünscht ? Im heutigen Russland ist die Antwort selbstverständlich ja. Russland ist heutzutage ein typisches Beispiel von Diktatur der Mehrheit, wenn wir die Statistiken glauben, laut derer die meisten Leuten immer noch Putin unterstützen..

Oft werden in den ehemaligen sozialistischen Ländern die Gefahren einer Diktatur der Minderheit nicht berücksichtigt, wenn man über Demokratie spricht. Für die meisten Leute hier steht im Gegensatz zur Demokratie eine Diktatur der Minderheit, die von einer externen Macht unterstützt wird, wie es zum Beispiel der Fall bei der Volksrepublik Polens war. Laut vielen Polen kann eine von einer Mehrheit getroffene Entscheidung nicht falsch sein.

Ein Paradebeispiel einer solchen Einstellung ist Lech Walesa, der immer noch populär ist. Als er den Kommunismus bekämpfte, fühlte er sich auf der richtigen Seite, “weil die meisten Polen mit uns waren”. Als er aber an die Macht kam, zeigte er aber, dass Antikommunist zu sein lange nicht heißt, auch ein Demokrat zu sein. Er hat mehrmals behauptet, dass Minderheiten wie Juden oder homosexuelle weniger politische Rechte haben sollten.  Wie antwortet er, wenn man ihm Diskriminierung vorwirft ? “Die meisten Polen sind der gleichen Meinung wie ich”.

Ich habe auch solche Erfahrungen in Polen gemacht. Es wurde zum Beispiel von mir verlangt, dass ich etwas in meinem Verhalten ändere, das niemanden störte. Warum hätte ich das machen sollen ? “Weil das eine Entscheidung der Mehrheit ist, und das ist die Demokratie”.  Es wäre fast das Gleiche, als würde man mich zwingen, Moslem zu werden, weil alle meine Kollegen Muslime sind. Manche Menschen sollten sich ein bisschen weiterbilden, bevor  sie so leicht das Wort “Demokratie” aussprechen.



Sonntag, 21. Dezember 2014

Ich bin drin



Ich bin seit anderthalb Jahren in Polen und erst seit einem Monat besitze ich einen Internetanschluss. Davor habe ich eine Prepaidkarte verwendet, “Orange Free na Karte”, die aber keine große Datenübertragung erlaubt. In der Tat kosten 6GB 100 zloty. Innerhalb meiner Wohnung funktioniert außerdem die Verbindung nicht gut, daher musste ich nach draußen gehen, um über Skype sprechen zu können.

Also habe ich mich entschieden, eine Festnetzverbindung bei mir einrichten zu lassen. Als die Techniker zu mir kamen, stellten sie fest, dass keine Telefonverbindung in meiner Wohnung vorhanden war. Sie meinten, dass  ein Kabel von der Schaltzentrale im Korridor bis zu meiner Wohnung gezogen werden sollte, und  dafür wäre eine Genehmigung von der Hausverwaltung notwendig. Die wird aber selten erteilt.

Ich beschloss daher, mir eine mobile Internetverbindung zu besorgen. Ich hatte es früher ohne Erfolg versucht, wie ich in einem vorherigen Beitrag geschrieben habe. Dieses Mal ging ich zu einem T-Mobile Shop. Dort reichte ich eine Kopie von meinem Pass, meinem Arbeitserlaubnis und eine Bescheinigung zur Festanstellung ein. Nach meinem PESEL fragten sie selbstverständlich auch. Die Mitarbeiterin fragte gleich in der Zentrale, ob mein Antrag genehmigt werden dürfe. Zum Glück waren sie großzügig und ich durfte direkt vor Ort den Vertrag unterschreiben.

Infolgedessen stehen mir jetzt jeden Monat 90 GBs zur Verfügung. Außerdem habe ich ein Paket gekauft, das eine unbegrenzte Datenübertragung während der Nachtstunden beinhaltet. Am wichtigsten ist es aber für mich, dass die Verbindung viel besser ist. Skype kann ich jetzt von zu Hause verwenden, ohne nach draußen gehen zu müssen. Allerdings bevorzuge ich jetzt ein anderes Programm, ooVoo, das geringere Anforderungen bezüglich der zu übertragenden Datenmenge hat.

Ich habe zusätzlich ein Netbook gekauft, ein Toshiba Satellite, welches ich zusammen  mit meiner mobilen Verbindung verwende. Dieses Netbook verwende ich gerade jetzt, um diesen Artikel auf Google Docs zu schreiben. Ein solches Netbook is aber absolut in der Lage, Spiele wie Rise of Nations und Civilization IV laufen zu lassen, die vor einigen Jahren einen Rechner auf dem neuesten Stand der Technik erforderten. Ich konnte mich nicht zurückhalten und ich habe sie wieder installiert, weil man von Zeit zu Zeit etwas spielen muss, um Dampf abzulassen.

Mit Sicherheit werde ich nicht mehr Tibia spielen. Ich habe in der Tat beschlossen, meinen Druiden der Level 43 und meine anderen Spielcharaktere zu entfernen. Ich nehme alles zurück, was ich in einem vorherigen Artikel darüber geschrieben habe: Die Tibia Gemeinschaft ist immer noch so unreif und feindlich, wie ich sie in Erinnerung hatte.  Der einzige Unterschied ist nur, dass jetzt weniger Leute spielen. Ohne Grund im Spiel von Jugendlichen ermordet zu werden, die mich danach vulgär auf Polnisch verspotten, ist nicht unbedingt meine Idee von Spaß nach der Arbeit.


Freitag, 12. Dezember 2014

Der Kunde hat immer Recht

Hier werden Arbeiter schnell und höflich bedient

Sollte der Kunde mit deiner Arbeit nicht zufrieden sein, ist es nicht besonders hilfreich zu versuchen, den Fehler bei ihm zu suchen oder zu behaupten, dass er Unrecht hat. Eine solche Einstellung wird negative Folgen haben, weil ein Kunde normalerweise jemanden sucht , der seine Probleme löst, mit dem es angenehm ist, zu arbeiten und der ihm nicht das Gefühlt gibt, blöd zu sein. Meistens ist die Beziehung mit einem Kunden asymmetrisch, weil du ihn mehr brauchst als er dich braucht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es andere Fachleute oder Firmen, die in der Lage sind, die gleiche Arbeit für ihn zu erledigen, und es ist unvermeidlich, dass er dich mit der Konkurrenz vergleichen wird.

Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass ein Kunde mit deiner Arbeit völlig zufrieden sein wird. Er wird immer neue Anforderungen stellen. Wenn er aber wirklich unzufrieden wäre, hätte er seit Langem aufgehört, mit dir zu arbeiten. Ich stelle mir eine Beziehung zu einem Kunden so ähnlich wie die Beziehung zu einem Ehepartner vor. Es ist nie eine gute Idee zu versuchen, seine Frau davon zu überzeugen, dass sie Unrecht hat. Allerdings beweist die Tatsache, dass sie immer noch mit dir zusammen ist, dass sie nicht völlig unzufrieden mit dir ist.

Es gibt aber auf jeden Fall wenige Leute in Osteuropa, die die Regeln der Beziehung zu den Kunden verinnerlicht haben. Diese Regeln habe ich aber immer als unantastbare Grundsätze betrachtet. Hier in Polen jedoch bemerke ich des Öfteren eine feindliche Einstellung zum Kunden, was in Westeuropa sehr ungünstig ist. Mehr oder weniger unterbewusst betrachten viele Polen den Kunden als den Feind, und nicht als einen Partner, mit dem ein gemeinsames Ziel erreicht wird - solange er bezahlen kann. Einer der Gründe dieser Einstellung ist die Tatsache, dass zur Zeit des Kommunismus waren es die Anbieter, die den Markt beherrschten.

Dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt Polen mögen den Kommunismus nicht erlebt haben, das heißt aber noch lange nicht, dass sie jetzt “Kapitalisten” sind. Wenn jemand in einem osteuropäischen Land geboren wurde und aufgewachsen ist, hat er nicht viele Vorbilder gehabt, von denen er die Kundenorientierung hätte erlernen können. Mit Sicherheit wird er sie nicht von seinen Eltern und Lehrern gelernt haben können, dagegen hat er von ihnen möglicherweise gelernt, dass er keine eigene Meinung haben und keine Eigeninitiative ergreifen sollte, und andere Verhaltensmuster, die in einer Marktwirtschaft nicht gerade förderlich sind. Was man als Kind gelernt hat, ist leider sehr schwierig zu verlernen, selbst nachdem man mehrmals erlebt hat, dass das Erlernte falsch ist.

Fortschritte hat es jedoch schon gegeben. Vor zwanzig Jahren wurde man in jedem Laden in Polen als ein unwillkommener Eindringling wahrgenommen. Jetzt haßen sie den Kunden zumindest nicht und betrachten ihn als einen gleichwertigen Mensch, was aber in so einer umkämpften Branche wie der IT oft nicht genug ist. Ein suboptimales Kundenservice wird teilweise durch niedrigere Preise kompensiert.

Jede Medaille hat aber zwei Seiten. Eine der positive Hinterlassenschaften des Kommunismus ist ein gut entwickeltes Ausbildungssystem,  das für alle talentierten Menschen zugänglich ist, unabhängig von der finanziellen Situation der Familie. Die technischen Fähigkeiten der polnischen Absolventen und ihre Motivation, neue Technologien zu erlernen, überraschen mich immer wieder. Abeitgeber verlangen aber nicht unbedingt soziale Fähigkeiten und geben sich mit Programmierern zufrieden, die nur technische Skills besitzen. Das ist aber nur ein weiterer Grund, um sich Soft-Skills anzueignen und sich somit von der Masse abzuheben. Dann stellt sich aber für manche Polen die Frage: Von wem sollte ich sie erlernen ?

Dienstag, 9. Dezember 2014

No...



Ich habe schon mehrmals im Polen beobachtet, wie jemand am Handy wiederholt sagte “No...No...No….” . Ich habe auch oft gehört, wie in einer Konversation unter Polen jemand auf eine Frage mit “No…” geantwortet hatte. In diesem Kontext bedeutet das polnische Wort “No” nicht “Nein”, wie man es erwarten könnte, sondern “Ja” ! Mit diesem Wort teilt man seinem Ansprechspartner mit, dass man ihn verstanden hat, das man einverstanden ist und man ermutigt ihn, weiterzureden.

Es ist mir schon passiert, dass ich auf eine Frage unterbewusst mit “No” geantwortet hatte, mit der Absicht, “Nein” zu sagen. Das wurde aber als “Ja” verstanden. “No” heißt auf Italienisch letztendlich “Nein”. Ich habe schon mehrmals die Geschichte von einem Italiener gehört, der zum Abendessen bei einer polnischen Familie eingeladenen wurde und nicht deutlich machen konnte, dass er nichts mehr zu essen und zu trinken wollte. Er wiederholte immer wieder “No!” (“Nein”), was seine Gastgeber aber so interpretierten : “No! Was ist das für eine Frage ? Selbstverständlich will ich mehr!”

Das Wort “Dziękuję” (“Danke”) hat auch eine versteckte Bedeutung. Mit diesem Wort kann man höflich “Nein” sagen, anstatt “Nie”, zum Beispiel wenn etwas zum Trinken angeboten wird. Um “Ja” zu sagen, sagt man “No” (oder “Tak”), um “Nein” zu sagen, sagt man “Dziękuję”, weil “Nie” unhöflich ist. Alles klar ?

Wenn man  “Dziękuję”  einem Kellner oder einem Taxifahrer sagt, nachdem man ihn gerade bezahlt hat, heißt das implizit “Bitte behalten Sie den Rest”. Normalerweise sagen die Polen nicht explizit “Reszty nie trzeba” sondern “Dziękuję”. Selbstverständlich kann man auch sagen, wieviel man genau bezahlen möchte. Trinkgeld ist in Polen aber nicht üblich.

Wen mann etwas kauft, sollte man nicht sagen “Ich hätte gern (ein Bier)”. Man sagt nicht “Chciałbym piwo*.”, sondern “Piwo, Proszę”, wie dieser Herr, oder "Poproszę o piwo". Das heißt “Ein Bier, bitte”. “Ich hätte gern ein Bier” klingt komisch.  Man würde auch nicht einen Gast fragen, ob er noch etwas zu trinken möchte, sondern einfach “Coś (jeszcze) podać ?”  - “(Noch) etwas bringen?“. In Polen, muss man schnell zum Punkt kommen.
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Obwohl die Polen Anglophile sind, verwenden sie polnische Wörter, wenn man englische erwarten könnte. Weil ich nicht wusste, dass “odprawa” auf Polnisch “check-in” heißt, habe ich einmal meinen Flug verpasst. Es sind aber die technische Wörter aus der Informatik, die mir die größten Probleme bereiten. “Query” (Abfrage) ist “zapytanie”, “by default” (defaultmäßig) ist “domyślnie”, “loop” (Schleife) ist “pętlo”, variable ist “zmienna” und “downloads” (Heruntergeladenes) sind “pobrane”.  Trotzdem erfinden meine Kollegen komische neue Wörter, wie zum Beispiel “butony” (ausgesprochen “batony”) für “buttons” (Knöpfe als GUI-Element). Dafür gibt es aber ein schönes polnisches Wort : “przycisk”.