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Samstag, 3. Januar 2015

Ist Polnisch die schwierigste Sprache der Welt?




Ich bin immer wieder auf diesen Artikel gestoßen, der häufig weitergeleitet wird. In dem wird behauptet, Polnisch sei die schwierigste Sprache der Welt, noch schwieriger als Chinesisch, Arabisch und Japanisch. Diese unwahrscheinliche Aussage wird auf eine geheimnisvolle und pseudo-wissenschaftliche Formel gestützt. Eine viel vertrauenswürdigere Quelle wie das Foreign Service Institute der USA zählt die polnische Sprache zu den schwierigsten europäischen Sprachen, zusammen unter anderem mit Tschechisch, Albanisch und Ungarisch. Sprachen wie Arabisch und Chinesisch gelten in dieser Rangliste aber als viel schwieriger.

Ich weiß nicht, wie Polnisch den Ruf der schwierigsten Sprache der Welt bekommen hat. Mit diesem Ruf scheinen die Polen übrigens sehr zufrieden zu sein. So eine Einstellung steht im starken Gegensatz zu derjenigen der Russen, die ihre Sprache nicht unbedingt  für  schwierig halten und von Ausländern in ihrem Land erwarten, dass sie Russisch sprechen. Russisch ist aber zumindest ebenso schwierig wie Polnisch.

Eine Sprache zu können heißt, vier Fähigkeiten zu meistern: Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Die Grammatik kann man als fünfte Fähigkeit dazuzahlen. Ich lese sehr gern Bücher in Fremdsprachen und mich wird man nicht davon überzeugen können, dass das Lesen auf Chinesisch und Arabisch leichter als auf Polnisch ist. Die polnische Sprache verwendet immerhin ein lateinisches Alphabet, das insgesamt nur 32 Zeichen enthält.

Es mag manchmal nicht so leicht sein, Polnisch zu verstehen, weil die weichen und harten Konsonanten nicht so leicht voneinander zu unterscheiden sind ( ć - cz, ś - sz, ż -ź, dż - dź ).  Das ist übrigens die einzige Schwierigkeit beim Hörverständnis  der polnischen Sprache, welche deswegen etwas schwieriger zu verstehen als zum Beispiel Italienisch, Spanisch, Russisch, Ukrainisch oder sogar Deutsch ist. Englisch und Französisch sind aber in dieser Beziehung viel schlimmer, weil das Überhören eines einzigen Lautes dazu führen kann, dass man den ganzen Satz nicht mehr versteht. Selber wenn man nichts überhört mag es sehr schwierig sein, einen Satz außerhalb seines Kontextes zu verstehen. Englisch und Französisch sind keine “redundanten” Sprachen, in Gegensatz zu den slawischen Sprachen, die mehr “überflüssige”  Elemente und somit mehr Kontext enthalten . Aus diesem Grunde finde ich nicht, dass Polnisch  am schwierigsten zu verstehen ist.

Ist Polnisch schwierig zu sprechen als andere Sprachen ? Polnisch enthält viele Phoneme (insgesamt 41) , die gelernt und geübt werden müssen. Man muss sie gehört haben und jemand muss sie erklärt haben. Es gibt aber nichts außergewöhnliches bei der polnischen Phonetik und ich bin davon überzeugt, dass die englische Aussprache wesentlich schwieriger ist. Man braucht sich nur dieses Schema anzusehen: Es gibt wenigstens 44 Phonemen in Englisch, die man hier hören kann. Außerdem werden im Polnischen Wörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden, und die Betonung befindet sich fast immer auf der vorletzten Silbe. Deswegen sind Sätze wie "W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie" nicht so schwierig auszusprechen, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Nein, Polnisch ist nicht wegen der Aussprache schwierig.

Die polnische Grammatik ist tatsächlich kompliziert. Viele tun sich mit den grammatikalischen Fällen schwer - die gibt es aber in fast allen osteuropäischen Sprachen und im Deutschen. Man muss sich auf jeden Fall Zeit nehmen, um sie zu lernen. Wenn man zum Pauken nicht viel Lust hat, gehört Polnisch in der Tat zu den schlimmsten Sprachen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man ohne Pauken irgendeine Sprache gut meistern kann.

Es gibt aber etwas, das in Polnisch schwieriger als in anderen Sprachen ist, nämlich Texte zu schreiben, ohne jeglichen Fehler in der Ortographie oder in der Grammatik zu machen. Sogar viele Polen können es nicht. Obwohl ich Polnisch seit mehreren Jahren lerne, komme ich ohne eine automatische Rechtschreibprüfung nicht aus. Das ist möglicherweise der Grund, warum manche Polnisch für die schwierigste Sprache der Welt halten.

Wenn Polen Fremdsprachen in der Schule lernen, werden sie nicht zum Sprechen ermutigt. Im Gegenteil, sie  werden jedesmal beschimpft und bestraft, wenn sie einen Fehler machen. Sogar nach ihrer Schulzeit haben sie immer noch Angst zu sprechen und sich zu blamieren. Das ist keine förderliche Einstellung, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, weil Perfektion in diesem Bereich fast unerreichbar ist. Man soll eher danach streben, so viel wie möglich zu verstehen und verstanden zu werden.

Es stimmt in der Tat, dass man beim Sprechen und Schreiben auf polnisch mehr Fehler machen wird als in anderen Sprachen. Ist das aber für eine erfolgreiche Kommunikation  so entscheidend ?

Sonntag, 28. Dezember 2014

Die Diktatur der Mehrheit

Nein, die Demokratie ist keine Diktatur der Mehrheit
Man sagt, dass in der Demokratie die Mehrheit regiert. Aber schon die alten Griechen wussten, dass es bestimmte Begrenzungen gibt. Einige Autoren, unter anderem der bekannte Tocqueville, haben vor einer Diktatur der Mehrheit in der Demokratie gewarnt. So etwas entsteht, wenn eine Mehrheit sich das Recht nimmt, eine Minderheit zu unterdrücken, zu verfolgen und ihr Rechte wegzunehmen.

So etwas ist  in der Geschichte mehrmals passiert, wie zum Beispiel beim Faschismus in Italien, der als eine von den Faschisten dominierte Sammlung von Parteien an die Macht kam, das sogenannte “Listone”. Der Nazismus in Deutschland wurde auch an die Macht gewählt. Es ist wahrscheinlich, dass beide diese Regierungen lange von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wurden. Dann stellt sich aber die Frage: Wenn die Mehrheit eines Landes sich einigt, eine Minderheit zu unterdrücken, dürfen wir das Demokratie benennen ? Selbstverständlich nicht. Die unantastbaren Grundrechte einer Minderheit dürfen nicht durch eine Entscheidung der Mehrheit weggenommen werden..

Dafür gibt es auch Beispiele, die nicht so lange zurückliegen. Ist es gerecht, der russischen Minderheit in der Ukraine den offiziellen Gebrauch der russischen Sprache zu verbieten, wenn die Mehrheit der Ukrainer dafür stimmt ? Ist es gerecht, die Krim illegal zu annektieren und die Ukraine zu überfallen, wenn die Mehrheit der Russen das unterstützt ? Wenn zwei Mehrheiten gegensätzlicher Ansichten sind, ist ein Krieg fast die logische Konsequenz.

Ist es gerecht, Rechte denjenigen wegzunehmen, die einen unterschiedlichen Lebensstil führen, wenn eine Mehrheit sich so etwas wünscht ? Im heutigen Russland ist die Antwort selbstverständlich ja. Russland ist heutzutage ein typisches Beispiel von Diktatur der Mehrheit, wenn wir die Statistiken glauben, laut derer die meisten Leuten immer noch Putin unterstützen..

Oft werden in den ehemaligen sozialistischen Ländern die Gefahren einer Diktatur der Minderheit nicht berücksichtigt, wenn man über Demokratie spricht. Für die meisten Leute hier steht im Gegensatz zur Demokratie eine Diktatur der Minderheit, die von einer externen Macht unterstützt wird, wie es zum Beispiel der Fall bei der Volksrepublik Polens war. Laut vielen Polen kann eine von einer Mehrheit getroffene Entscheidung nicht falsch sein.

Ein Paradebeispiel einer solchen Einstellung ist Lech Walesa, der immer noch populär ist. Als er den Kommunismus bekämpfte, fühlte er sich auf der richtigen Seite, “weil die meisten Polen mit uns waren”. Als er aber an die Macht kam, zeigte er aber, dass Antikommunist zu sein lange nicht heißt, auch ein Demokrat zu sein. Er hat mehrmals behauptet, dass Minderheiten wie Juden oder homosexuelle weniger politische Rechte haben sollten.  Wie antwortet er, wenn man ihm Diskriminierung vorwirft ? “Die meisten Polen sind der gleichen Meinung wie ich”.

Ich habe auch solche Erfahrungen in Polen gemacht. Es wurde zum Beispiel von mir verlangt, dass ich etwas in meinem Verhalten ändere, das niemanden störte. Warum hätte ich das machen sollen ? “Weil das eine Entscheidung der Mehrheit ist, und das ist die Demokratie”.  Es wäre fast das Gleiche, als würde man mich zwingen, Moslem zu werden, weil alle meine Kollegen Muslime sind. Manche Menschen sollten sich ein bisschen weiterbilden, bevor  sie so leicht das Wort “Demokratie” aussprechen.



Sonntag, 21. Dezember 2014

Ich bin drin



Ich bin seit anderthalb Jahren in Polen und erst seit einem Monat besitze ich einen Internetanschluss. Davor habe ich eine Prepaidkarte verwendet, “Orange Free na Karte”, die aber keine große Datenübertragung erlaubt. In der Tat kosten 6GB 100 zloty. Innerhalb meiner Wohnung funktioniert außerdem die Verbindung nicht gut, daher musste ich nach draußen gehen, um über Skype sprechen zu können.

Also habe ich mich entschieden, eine Festnetzverbindung bei mir einrichten zu lassen. Als die Techniker zu mir kamen, stellten sie fest, dass keine Telefonverbindung in meiner Wohnung vorhanden war. Sie meinten, dass  ein Kabel von der Schaltzentrale im Korridor bis zu meiner Wohnung gezogen werden sollte, und  dafür wäre eine Genehmigung von der Hausverwaltung notwendig. Die wird aber selten erteilt.

Ich beschloss daher, mir eine mobile Internetverbindung zu besorgen. Ich hatte es früher ohne Erfolg versucht, wie ich in einem vorherigen Beitrag geschrieben habe. Dieses Mal ging ich zu einem T-Mobile Shop. Dort reichte ich eine Kopie von meinem Pass, meinem Arbeitserlaubnis und eine Bescheinigung zur Festanstellung ein. Nach meinem PESEL fragten sie selbstverständlich auch. Die Mitarbeiterin fragte gleich in der Zentrale, ob mein Antrag genehmigt werden dürfe. Zum Glück waren sie großzügig und ich durfte direkt vor Ort den Vertrag unterschreiben.

Infolgedessen stehen mir jetzt jeden Monat 90 GBs zur Verfügung. Außerdem habe ich ein Paket gekauft, das eine unbegrenzte Datenübertragung während der Nachtstunden beinhaltet. Am wichtigsten ist es aber für mich, dass die Verbindung viel besser ist. Skype kann ich jetzt von zu Hause verwenden, ohne nach draußen gehen zu müssen. Allerdings bevorzuge ich jetzt ein anderes Programm, ooVoo, das geringere Anforderungen bezüglich der zu übertragenden Datenmenge hat.

Ich habe zusätzlich ein Netbook gekauft, ein Toshiba Satellite, welches ich zusammen  mit meiner mobilen Verbindung verwende. Dieses Netbook verwende ich gerade jetzt, um diesen Artikel auf Google Docs zu schreiben. Ein solches Netbook is aber absolut in der Lage, Spiele wie Rise of Nations und Civilization IV laufen zu lassen, die vor einigen Jahren einen Rechner auf dem neuesten Stand der Technik erforderten. Ich konnte mich nicht zurückhalten und ich habe sie wieder installiert, weil man von Zeit zu Zeit etwas spielen muss, um Dampf abzulassen.

Mit Sicherheit werde ich nicht mehr Tibia spielen. Ich habe in der Tat beschlossen, meinen Druiden der Level 43 und meine anderen Spielcharaktere zu entfernen. Ich nehme alles zurück, was ich in einem vorherigen Artikel darüber geschrieben habe: Die Tibia Gemeinschaft ist immer noch so unreif und feindlich, wie ich sie in Erinnerung hatte.  Der einzige Unterschied ist nur, dass jetzt weniger Leute spielen. Ohne Grund im Spiel von Jugendlichen ermordet zu werden, die mich danach vulgär auf Polnisch verspotten, ist nicht unbedingt meine Idee von Spaß nach der Arbeit.


Freitag, 12. Dezember 2014

Der Kunde hat immer Recht

Hier werden Arbeiter schnell und höflich bedient

Sollte der Kunde mit deiner Arbeit nicht zufrieden sein, ist es nicht besonders hilfreich zu versuchen, den Fehler bei ihm zu suchen oder zu behaupten, dass er Unrecht hat. Eine solche Einstellung wird negative Folgen haben, weil ein Kunde normalerweise jemanden sucht , der seine Probleme löst, mit dem es angenehm ist, zu arbeiten und der ihm nicht das Gefühlt gibt, blöd zu sein. Meistens ist die Beziehung mit einem Kunden asymmetrisch, weil du ihn mehr brauchst als er dich braucht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es andere Fachleute oder Firmen, die in der Lage sind, die gleiche Arbeit für ihn zu erledigen, und es ist unvermeidlich, dass er dich mit der Konkurrenz vergleichen wird.

Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass ein Kunde mit deiner Arbeit völlig zufrieden sein wird. Er wird immer neue Anforderungen stellen. Wenn er aber wirklich unzufrieden wäre, hätte er seit Langem aufgehört, mit dir zu arbeiten. Ich stelle mir eine Beziehung zu einem Kunden so ähnlich wie die Beziehung zu einem Ehepartner vor. Es ist nie eine gute Idee zu versuchen, seine Frau davon zu überzeugen, dass sie Unrecht hat. Allerdings beweist die Tatsache, dass sie immer noch mit dir zusammen ist, dass sie nicht völlig unzufrieden mit dir ist.

Es gibt aber auf jeden Fall wenige Leute in Osteuropa, die die Regeln der Beziehung zu den Kunden verinnerlicht haben. Diese Regeln habe ich aber immer als unantastbare Grundsätze betrachtet. Hier in Polen jedoch bemerke ich des Öfteren eine feindliche Einstellung zum Kunden, was in Westeuropa sehr ungünstig ist. Mehr oder weniger unterbewusst betrachten viele Polen den Kunden als den Feind, und nicht als einen Partner, mit dem ein gemeinsames Ziel erreicht wird - solange er bezahlen kann. Einer der Gründe dieser Einstellung ist die Tatsache, dass zur Zeit des Kommunismus waren es die Anbieter, die den Markt beherrschten.

Dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt Polen mögen den Kommunismus nicht erlebt haben, das heißt aber noch lange nicht, dass sie jetzt “Kapitalisten” sind. Wenn jemand in einem osteuropäischen Land geboren wurde und aufgewachsen ist, hat er nicht viele Vorbilder gehabt, von denen er die Kundenorientierung hätte erlernen können. Mit Sicherheit wird er sie nicht von seinen Eltern und Lehrern gelernt haben können, dagegen hat er von ihnen möglicherweise gelernt, dass er keine eigene Meinung haben und keine Eigeninitiative ergreifen sollte, und andere Verhaltensmuster, die in einer Marktwirtschaft nicht gerade förderlich sind. Was man als Kind gelernt hat, ist leider sehr schwierig zu verlernen, selbst nachdem man mehrmals erlebt hat, dass das Erlernte falsch ist.

Fortschritte hat es jedoch schon gegeben. Vor zwanzig Jahren wurde man in jedem Laden in Polen als ein unwillkommener Eindringling wahrgenommen. Jetzt haßen sie den Kunden zumindest nicht und betrachten ihn als einen gleichwertigen Mensch, was aber in so einer umkämpften Branche wie der IT oft nicht genug ist. Ein suboptimales Kundenservice wird teilweise durch niedrigere Preise kompensiert.

Jede Medaille hat aber zwei Seiten. Eine der positive Hinterlassenschaften des Kommunismus ist ein gut entwickeltes Ausbildungssystem,  das für alle talentierten Menschen zugänglich ist, unabhängig von der finanziellen Situation der Familie. Die technischen Fähigkeiten der polnischen Absolventen und ihre Motivation, neue Technologien zu erlernen, überraschen mich immer wieder. Abeitgeber verlangen aber nicht unbedingt soziale Fähigkeiten und geben sich mit Programmierern zufrieden, die nur technische Skills besitzen. Das ist aber nur ein weiterer Grund, um sich Soft-Skills anzueignen und sich somit von der Masse abzuheben. Dann stellt sich aber für manche Polen die Frage: Von wem sollte ich sie erlernen ?

Dienstag, 9. Dezember 2014

No...



Ich habe schon mehrmals im Polen beobachtet, wie jemand am Handy wiederholt sagte “No...No...No….” . Ich habe auch oft gehört, wie in einer Konversation unter Polen jemand auf eine Frage mit “No…” geantwortet hatte. In diesem Kontext bedeutet das polnische Wort “No” nicht “Nein”, wie man es erwarten könnte, sondern “Ja” ! Mit diesem Wort teilt man seinem Ansprechspartner mit, dass man ihn verstanden hat, das man einverstanden ist und man ermutigt ihn, weiterzureden.

Es ist mir schon passiert, dass ich auf eine Frage unterbewusst mit “No” geantwortet hatte, mit der Absicht, “Nein” zu sagen. Das wurde aber als “Ja” verstanden. “No” heißt auf Italienisch letztendlich “Nein”. Ich habe schon mehrmals die Geschichte von einem Italiener gehört, der zum Abendessen bei einer polnischen Familie eingeladenen wurde und nicht deutlich machen konnte, dass er nichts mehr zu essen und zu trinken wollte. Er wiederholte immer wieder “No!” (“Nein”), was seine Gastgeber aber so interpretierten : “No! Was ist das für eine Frage ? Selbstverständlich will ich mehr!”

Das Wort “Dziękuję” (“Danke”) hat auch eine versteckte Bedeutung. Mit diesem Wort kann man höflich “Nein” sagen, anstatt “Nie”, zum Beispiel wenn etwas zum Trinken angeboten wird. Um “Ja” zu sagen, sagt man “No” (oder “Tak”), um “Nein” zu sagen, sagt man “Dziękuję”, weil “Nie” unhöflich ist. Alles klar ?

Wenn man  “Dziękuję”  einem Kellner oder einem Taxifahrer sagt, nachdem man ihn gerade bezahlt hat, heißt das implizit “Bitte behalten Sie den Rest”. Normalerweise sagen die Polen nicht explizit “Reszty nie trzeba” sondern “Dziękuję”. Selbstverständlich kann man auch sagen, wieviel man genau bezahlen möchte. Trinkgeld ist in Polen aber nicht üblich.

Wen mann etwas kauft, sollte man nicht sagen “Ich hätte gern (ein Bier)”. Man sagt nicht “Chciałbym piwo*.”, sondern “Piwo, Proszę”, wie dieser Herr, oder "Poproszę o piwo". Das heißt “Ein Bier, bitte”. “Ich hätte gern ein Bier” klingt komisch.  Man würde auch nicht einen Gast fragen, ob er noch etwas zu trinken möchte, sondern einfach “Coś (jeszcze) podać ?”  - “(Noch) etwas bringen?“. In Polen, muss man schnell zum Punkt kommen.
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Obwohl die Polen Anglophile sind, verwenden sie polnische Wörter, wenn man englische erwarten könnte. Weil ich nicht wusste, dass “odprawa” auf Polnisch “check-in” heißt, habe ich einmal meinen Flug verpasst. Es sind aber die technische Wörter aus der Informatik, die mir die größten Probleme bereiten. “Query” (Abfrage) ist “zapytanie”, “by default” (defaultmäßig) ist “domyślnie”, “loop” (Schleife) ist “pętlo”, variable ist “zmienna” und “downloads” (Heruntergeladenes) sind “pobrane”.  Trotzdem erfinden meine Kollegen komische neue Wörter, wie zum Beispiel “butony” (ausgesprochen “batony”) für “buttons” (Knöpfe als GUI-Element). Dafür gibt es aber ein schönes polnisches Wort : “przycisk”.

Samstag, 29. November 2014

Włosi (Italiener)



Ich habe gerade das Buch “Włosi” (Italiener) zu Ende gelesen.
Das Buch ist von einem Polen geschrieben worden, der zehn Jahre lang in Italien gelebt hat und subjektiv über das Belpaese berichtet..

Als ich den Buchumschlag gesehen hatte, hatte ich viel Schlimmeres erwartet. Der Autor erzäht aber keine Sachen, die völlig falsch sind und zitiert sogar seine Quellen - Bücher und Artikel. Man kann aber nicht bezweifeln, dass es sich um ein subjektives Buch handelt und der Autor selber sagt es.  Bestimmte Themen werden in der Tat erwähnt, andere dagegen vermieden.

Wie in den meisten von Ausländern geschriebenen Büchern über Italien, macht man eine große Sache aus den regionalen Unterschieden und den vielen Dialekten. Das ist auf jeden Fall sehr unterschiedlich zu Polen, wo es kaum regionale Unterschiede gibt, abgesehen von den großen Ausnahmen Schlesien und Kashubien. Dagegen überraschte es mich, dass er auf das Thema des unterentwickelten Südens eingeht. Es wird sogar über die brutale Unterdrückung und die Ausbeutung der Regierung im Süditalien nach der italienischen Vereinigung gesprochen, die in Italien immer noch teilweise Tabuthemen sind. Er schreibt dagegen sehr wenig über die Mafia, wahrscheinlich weil organisierte Kriminalität kein besonders interessantes Thema für die Leser ist - davon gibt es genug auch in Polen. Wenn das Buch von einem Deutschen oder von einem Ami geschrieben worden wäre, würde es mindestens ein ganzes Kapitel über dieses Thema geben.

Es war zu erwarten, dass er nichts über die große Autonomie schreibt, die die deutsche Minderheit in Südtirol genießt - die deutschsprächige Minderheit in Polen hat lange nicht die gleichen Rechte. Grundsätzlich werden Themen vermieden, die in Polen kontrovers sein könnten, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeiten, Klassenkämpfe, Terrorismus, Gewerkschaften und die Tatsache, dass viele Fabriken in Italien dichtgemacht werden, um in Polen wieder geöffnet zu werden, weil dort die Lohnkosten niedriger sind. Wenn es um Politik geht, schreibt er nur, dass in Italien man immer noch auf denjenigen wartet, der das Land retten wird, und dass die Politik die Leute nicht so sehr gegeneinander ausspielt, wie in Polen. Damit bin ich nicht unbedingt einverstanden.

Ein ganzes Kapitel ist der Modegeschichte in Italien gewidmet, über die industrielle Entwicklung des Landes wird aber kaum berichtet.Es interessiert den Autor nicht,dass Italien die zweitgrößte industrielle Kapazität in Europa hat, nach Deutschland. Anscheinend spricht er nicht gern über Wirtschaft oder Industrie, aber er schreibt, dass in Italien die “internationalen Geschäftsregeln” gelten. Das ist allerdings eine sehr gefährliche Behauptung in Polen, wo viele Leute davon überzeugt sind, dass ein bisschen English und das Kenntnis sogenannter “internationaler Geschäftsregeln” ausreicht, um international erfolgreich zu sein. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, die nationalen Besonderheiten zu kennen, um geschäftlich erfolgreich in einem bestimmten Land sein zu können.

Wahrscheinlich am lächerlichsten in dem Buch ist die Behauptung, dass die Italiener keine Bücher lesen. Angeblich lesen nur diejenigen, deren Handy- oder Notebook-Akkus gerade leer sind. Er zitiert einige Statistiken, schade aber, dass man anhand Statistiken leicht beweisen kann, dass die Polen noch weniger lesen. Darüber hinaus macht er sich lustig über erwachsene Italiener, die Comics lesen,was seiner Meinung nach nur für Kinder ist. Comics werden in Polen tatsächlich nicht als eine Literaturform gesehen, absehen von der großen Ausnahme von Thorgal.

Das Kapitel über Essgewohnheiten in Italien ist jedoch interessant.  Es stimmt, dass Italiener nur frisches Obst essen, das gerade in Saison ist. In Polen dagegen (wie übrigens auch in Deutschland) wird man zum Beispiel das ganze Jahr über Orangen finden, obwohl ich sie nicht unbedingt Orangen nennen würde. Als ich in Deutschland wohnte, nahm ich tatsächlich immer mit dem Auto frisches Obst nach Deutschland mit. Er erwähnt auch andere seltsame Gewohnheiten, wie das Cappuccinoverbot nach Mittag und das Käse-Mahl-Verbot zu dem Spaghetti allo Scoglio (mit Krustentieren). Er bringt den Polen bei, dass auf eine Pizza kein Ketchup gehört - das ist eine schlechte Gewohnheit, dass die Polen von den Amis übernommen haben. Die Polen imitieren sehr gerne die Amis.

Es mag sich für einen Polen lohnen, dieses Buch zu lesen, nur um die häufigsten Fallstricke der italienischen Sprache zu lernen. “Figa” ist auf Italienisch ein sehr schlimmes Wort, und kein Name, den man einem kleinen Tier geben kann. Man sollte die doppelten Konsonanten richtig aussprechen, weil “penne”  von “pene” und “anni” von “ani” unbedingt unterscheiden sollte. Genauso, wie man  übrigens man in Polen sehr schnell lernen sollte, dass man das Wort “Kurwa” vermeiden sollte und mit Kurven nichts damit zu tun hat. Ansonsten kann einem das gleiche wie einem Bekannten von mir passieren, der beinahe einen Verkehrsunfall verursachte, als er seinem polnischen Fahrer “Attento alla curva” sagte.

Freitag, 21. November 2014

Tibia




Manchmal hat man Lust, jemanden umzubringen. Normalerweise ist das nicht möglich, aber wenigstens kann man immer noch jemanden oder etwas innerhalb eines Videospiels umbringen.

Tibia ist eines der Spiele, das mir am besten gefällt. Es gehört zu dem Genre MMORPG; das heißt Massive Multiplayer Online Role Playing Game. Das Spiel gibt es seit 1997 und im Vergleich mit aktuellen Spielen sieht es ziemlich retro aus, weil es zweidimensional ist. Es wurde von der in Regensburg ansässigen Firma Cipsoft entwickelt,


Tibia hätte ein viel erfolgreicheres Spiel sein können. Leider wurde es vor langer Zeit sogar innerhalb seiner Nische von anderen Spielen überholt, z.B. Runescape. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Cipsoft hat es nicht geschafft, die Botter loszuwerden. Das sind die Spieler, die Programme automatisch für sich spielen lassen. Außerdem gibt es keinen besonderen guten Mechanismus, um schwächere Spieler vor den stärkeren zu schützen. Am schlimmsten ist es aber, dass keine echte Community rund um das Spiel entstanden ist.

Cipsoft hat immer die Politik verfolgt, dass alles im dem Spiel auf English sein muss , und hat die Spieler immer aufgefordert, nur auf Englisch zu sprechen, damit “jeder euch verstehen kann”. Das ist ein ganz unterschiedlicher Ansatz zu demjenigen von Traviangames, einem sehr erfolgreicheren Hersteller von Browserspielen. Traviangames hat für sein erfolgreichstes Spiel “Travian” Hunderte von virtuellen Welten erschaffen, aber in jeder muss eine bestimmte nationale Sprache verwendet werden. Daher existieren Welten, wo Polnisch, Tschechisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Arabisch usw. gesprochen wird.

Auch in Tibia gibt es verschiedene Welten, eine sprachliche Segregation gibt es aber nicht. In der Praxis bildeten Spieler aus unterschiedlichen Ländern in jeder Welt Untergruppen. Heutzutage werden die Welten von Tibia von Spielern aus bestimmten Ländern  dominiert, die nur in ihrer Sprache sprechen und das Leben den Spielern aus anderen Ländern schwer machen.

Die europäischen Tibia-Welten werden von polnischen Spielern dominiert, die amerikanischen von den Brasilianern. Wenn man in Europa spielt, wird man herausfinden, dass fast alle Nachrichten in den Spielforen auf Polnisch sind. Cipsoft hat es seit langem aufgegeben, gegen diesen Zustand zu kämpfen, was allerdings dazu führt, dass die europäischen Welten ziemlich unangenehm für nicht-polnische Spieler sein können. Einige behaupten, dass Tibia von den Brasilianern und den Polen ruiniert worden sei.

In Deutschland ist das Spiel Tibia praktisch unbekannt, dagegen kennt es in Polen fast jeder, sogar  diejenigen die nicht spielen. Es sieht so aus, als würde es jeder Jugendliche spielen oder als hätte es jeder irgendwann gespielt. Die Medien haben oft über Tibia geredet, weil viele in Polen danach süchtig sind, und weil vor einigen Jahren ein Sechzenjähriger seine Mutter umgebracht hat, nachdem sie seinen Rechner ausgeschaltet hatte, während er Tibia spielte.

Ich kam wieder zu Tibia, weil es mich interessierte, wie sich das Spiel inzwischen geändert hatte, und außerdem wollte mich ein bisschen entspannen. Das Spiel wird immer noch von den Polen dominiert, es ist alles aber nicht so schlecht, wie es früher war. Teilweise weil ich mittlerweile Polnisch kann, teilweise weil diejenigen, die noch spielen, älter geworden sind.

Die Welt von Tibia ist enorm, das Spiel ist sehr komplex und ein ganzes Leben würde nicht ausreichen, um alles zu erkunden. Ich kenne das Spiel aber gut genug, um einigermaßen weiterzukommen. Mein Hauptcharakter ist ein Level 38 Druide (es gibt vier Klassen : Krieger, Paladine, Magier und Druide). Es ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass es Level 800 Spieler gibt. Wenn man aber berücksichtigt, dass ich nicht so oft spiele, und dass ich in dem Spiel keine Freunde habe, die mir helfen könnten, ist das ein Ergebnis, mit dem ich zufrieden bin. Und dazu darf ich von Zeit zu Zeit ein paar Monster umbringen.