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Sonntag, 7. Februar 2016

Taxifahrer


Was ich in Krakau oft tue, ist ein Taxi zu nehmen. Auch heute bin ich mit dem Taxi zur Arbeit gefahren, und es hat mich 12 zloty gekostet - ungefähr 3 Euro. Ungefähr das Gleiche wie eine U-Bahnkarte in München.

Weil Krakau eine sehr kompakte Stadt ist, kann man überall in einer halben Stunde hinfahren, wenn man mit einem Taxi fährt. Normalerweise nehme ein Taxi, wenn ich zu einem neuen Platz fahren muss und ich es eilig habe. Dann fahre ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, weil ich mehr Zeit habe und sehr genau weiß, wo ich wohne. Nachts fahre ich aus Sicherheitsgründen immer mit dem Taxi.

Es gibt viele Firmen in Krakau, die Taxiservices anbieten. Die Preise sind wegen der hohen Konkurrenz niedrig. Das ist der Grund, warum Uber und Car Sharing in Polen nicht verbreitet sind. Außerdem sind Taxi sehr flexibel, sie warten zehn Minuten und länger, ohne dass man dafür bezahlen muss. Sie fahren sowohl alte als auch neue Wagen.

Die Taxifirma, mit der ich normalerweise fahre, hat mich unter dem Namen "Obcokrajowec" (Ausländer) gespeichert. Offensichtlich war ich es nicht wert, mit meinem echten Namen in ihrer Datenbank gespeichert zu werden. Allerdings sind Ausländer in Polen immer noch seltsame Tiere und in Polen leicht zu erkennen.

Ein Ausländer, der Polnisch sprechen kann, ist ein noch seltsameres Tier, das die Neugier der Taxifahrer erweckt. Normalerweise spreche ich nicht während der Fahrt, es sei denn, der Fahrer fängt die Konversation an. Viele Taxifahrer erzählen interessante Geschichten, einige von ihnen haben einige Jahre im Ausland verbracht und dann sind sie nach Polen zurückgekommen.

Normalerweise gebe ich ihnen ein Trinkgeld, was in Polen nicht selbstverständlich ist. Und ich bitte immer um die Quittung. Nicht, weil ich ein ehrlicher Bürger bin, sonder weil man nur auf diese Weise das Taxi mit Sicherheit wiederfinden kann. Es ist mir schon passiert, dass ich mein Mobiltelefon in einem Taxi vergessen habe, aber dank der Quittung konnte ich es wieder finden. Das ist ein Grund mehr, um mit dem Taxi anstatt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren - es ist wahrscheinlicher, dass man verlorene Sachen wieder findet...

Mittwoch, 20. Januar 2016

Ich bereite mich auf die PMBOK-Prüfung vor

PMBOK - "wydanie polskie"


Ich sollte mich mehr auf meine Karriere konzentrieren. Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, einen Vorbereitungskurs auf die PMBOK Prüfung zu besuchen, um danach Projekt Manager zu werden. Der Kurs fand in den Schulungsräumen von Comarch in Krakau statt. Das war für mich eine interessante Erfahrung, und untypisch, auch weil ich der einzige Ausländer war.

Der Kurs hat zehn Tage gedauert, währenddessen ich einige Werkzeuge zu den verschiedenen Aspekten des Projektmanagements gelernt habe: Integration, Bereich, Zeit, Kosten, Qualität, Human Resources, Kommunikation, Risiken... Während des Kurses habe ich Lernmaterial bekommen, aber ich werde die Prüfung mithilfe der sogenannten PMBOK-Bibel vorbereiten, wovon ich die polnische Ausgabe gekauft habe. Das Buch hat mich 30 Euro gekostet, ein bisschen weniger als die Originalausgabe auf Englisch (40 Euro). Ich habe schon geschrieben, dass technische Bücher auf Polnisch billiger sind.

Der Kurs war interessant, abgesehen davon, dass der Lehrer ständig erwähnte, dass Italiener sehr gerne die Hände beim Sprechen verwenden. Ich erfuhr, dass eine negative Einstellung gegenüber Kunden in Polen überhaupt nicht so durchgängig ist, wie ich dachte und ich in einem früheren Post geschrieben habe. Es ist gut zu wissen, dass man dem Kunden nur geben sollte, was er bestellt hat, und nicht mehr - ansonsten ist das "goldplating", das heißt Funktionalitäten, wofür es nicht bezahlt wurde. Der beste Kunde ist übrigens derjenige, der zurückkommt. Er hat aber nicht immer Recht: Er kann dir sagen, was er will, aber nicht, wie es umgesetzt werden sollte.

Während des Kurses gab es Gruppenarbeiten, wie in der Schule. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor solchen Beschäftigungen, weil man nie genau weiß, wer was machen sollte. Zum Glück waren die Tätigkeiten während des Kurses ein bisschen strukturierter, allerdings auch ein bisschen seltsam. Wir bauten ein Katapult aus Pappe, um ein Ei zu zerstören, suchten nach Nägeln in einem Eimer voll Sand und bauten ein Gebäude nach, das sich in dem nächstem Raum befand. Alle diese Tätigkeiten sollten die verschiedenen Etappen eines Projektes darstellen.

Der Kurs ist jetzt zu Ende und inzwischen habe ich die C1-Prüfung der polnischen Sprachen abgegeben. Jetzt gibt es keine Ausreden: ich muss mich auf die PMBOK-Prüfung vorbereiten. Es ist aber für mich schwierig, mich selber zu motivieren, deswegen setzte ich die gleiche Strategie wie an der Uni ein: Ich lerne außerhalb meiner Wohnung. Ich pauke nur an Wochenenden. Dann sind aber Bibliotheken geschlossen, deswegen habe ich einen anderen Platz gefunden: einen Coworking-Raum in dem größten Handelszentrum in Krakau, Bronowice. Handelszentren in Krakau sind offen auch am Samstagen und Sonntagen. Ich habe fast die Hälfte der PMBOK-Bibel gelesen, mal sehen, wann ich die Prüfung versuchen werde.



Mittwoch, 13. Januar 2016

Spielen auf Polnisch

Theme Hospital auf Polnisch
Computerspiele sind eine Zeitverschwendung, damit sind wir alle einverstanden. Dabei kann man aber wenigstens Fremdsprachen üben. In der Tat habe ich viel English und Deutsch aus Computerspielen gelernt. Man kann Wörter lernen, die in alltäglichen Konversationen nicht auftauchen würden. Wenn es Dialoge gibt, helfen sie dabei, das Hörverstehen zu verbessern. Sie sind meiner Meinung nach dafür noch besser geeignet als Filme.

Man könnte es erwarten, dass es für die meisten Computerspiele keine polnische Version gibt.
Laut dieser Statistik rangiert Polen auf Platz 19 am weltweiten Computerspielemarkt. Groß genug, um eine Übersetzung von Spielen wie Civilization V und Mount and Blade zu gewährleisten - zuletzt habe ich letzteres am Meisten gespielt.

Wenn die Spielverlage keine polnischen Versionen liefern, kümmert sich die Community darum. Davon kann man sich selbst überzeugen, wenn man sich das Portal "Graj po polsku", das heißt "Spiel es auf Polnisch", anschaut. Zu dessen größten Projekten zählt die Übersetzung des Spiels  "Europa Universalis IV" ins Polnische, die aber mit den dauernd veröffentlichten neuen Versionen des Spiels nicht mithalten kann.

Außerdem hat die Community polnische Übersetzungen von Spielen veröffentlicht, die mir sehr gut gefallen, wie zum Beispiel  "Railroad Tycoon 3", "Sid Meier's Pirates" und "Theme Hospital". Allerdings fehlen in einigen dieser Übersetzungen die polnischen Zeichen, so sind sie für das Üben der Sprache nicht am geeignetsten.

Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, gibt es Spiele, die ich nicht spielen würde. Ich schaue mir manchmal "Let's play" Videos von solchen Spielen an. Das sind nämlich sogenannte Computer-Rollenspiele, die am nützlichsten sind, um Fremdsprachen zu üben.


Dienstag, 29. Dezember 2015

Dying Light



In diesem Jahr haben zwei polnische Computerspiele weltweite Anerkennung erreicht. Eines davon ist "Witcher 3", von CD Project, worüber ich in einem vorigen Post berichtet habe und welches inzwischen mindestens sechs Millionen mal verkauft wurde. Das andere Spiel ist  "Dying Light", von Techland, das mindestens fünf Millionen mal verkauft wurde .

"Dying Light" ist im Gegensatz zu den zwei anderen Spielen, worüber ich schon geschrieben habe,  "Witcher 3" und "This War of Mine" , ein Spiel, das nicht einmal versucht, originell zu sein. Wie ein anderes erfolgreiches Produkt von Techland, "Dead Island", spielt es in einer post-apokalyptischen, Zombie-verseuchten Welt - ein sehr abgedroschenes Thema.  Wenigstens in diesem Fall hat sich die Epidemie nicht in die ganze Welt ausgebreitet, sondern ausschließlich in der erfundenen Stadt von Harram, die sich stark an Istanbul anlehnt. Die Stadt befindet sich im Spiel in einer Quarantäne.

Der Spielhauptprotagonist, Crane, ist ein US-Agent, der nach Harram geschickt wurde, um das Ausbreiten der Infektion in die ganze Welt zu verhindern. Während des Spiels lernen wir aber, dass das eigentliche Ziel seiner Agentur der Entwurf einer biologischen Waffe auf Basis der Infektion ist. Tatsächlich plant die Agentur in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium, die Stadt Harram flächendeckend zu bombardieren. Crane erfüllt während des Spiels viele Aufgaben, indem er gegen Zombie und plündernde Banden kämpft. andere Überlebenden rettet und die Ärzte in der Stadt unterstützt, die immer noch ein Mittel gegen die Krankheit suchen. Gleichzeitig führt er ohne Hinterfragen die Befehle seiner Agentur aus, obwohl er später typischerweise gegen sie rebelliert und alles Mögliche unternimmt, um die Stadt und ihre Überlebenden vor der Katastrophe zu retten.

Dieses mal auch habe ich dieses Spiel persönlich nicht gespielt, sondern mir nur einige "Let's play" Videos auf Youtube angeschaut. Zum Glück gibt es für dies Spiel eine lokalisierte Version auf Polnisch. Das ist nicht selbstverständlich, weil es für ein anderes Spiel von Techland, Gunslinger, nur eine englische Version gibt.

Es steht außer Zweifel, dass das Produkt sich auf dem letzten Stand der Technik befindet. Die Graphik ist hervorragend und die Spielbarkeit makellos. Andererseits ist das nicht ein Computerspiel-Genre, das mich anspricht. Dem Spieler wird keine Freiheit gelassen, weil die Geschichte sehr linear ist. Zum Beispiel kann man Crane nicht daran hindern, einige Arzneimittel zu vernichten, was zum Tod einiger Überlebenden führt. So etwas würde ich wahrscheinlich nicht tun, und daher ist es für mich unmöglich, mich in den Hauptheld hineinzufühlen. Wenigstens ermöglichen die Spiele der Serie "Witcher" eine Auswahl zwischen verschiedenen Wegen. Andererseits ist eine lineare Geschichte typisch in diesem Genre. Persönlich bevorzuge ich Sandbox-Spiele, die sich in einer offenen Welt abspielen und totale Freiheit geben.

"Dying Light" ist nämlich ein Spiel für diejenigen, die gerne um sich herumschießen und Gebäude, Brücken und Strommaste hinaufklettern. Es ist ein Spielmodus, welcher durch Spiele wie "Assassin's Creed", "Far Cry" und "Uncharted" berühmt wurde. Anscheinend lehnt sich "Dying Light" aber vorwiegend ans Spiel "The Last of Us" an, das von verschiedenen Quellen als Spiel des Jahres 2014 gekürt wurde.  Es ist daher nicht überraschend, das Techland ein ähnliches Spiel produziert hat.


Freitag, 25. Dezember 2015

Lesen auf Polnisch



Weil ich sehr gerne in den Büchern kritzele, kaufe ich Computerbücher normalerweise, anstatt sie aus der Bibliothek auszuleihen. Das ist auch der Grund, warum mich Bücher in elektronischem Format nicht begeistern. Auf diese Weise kann man aber schnell ein Vermögen in Büchern ausgeben.

Inzwischen ist es für mich kein Problem, Computerbücher auf Polnisch zu lesen. Das hat den Vorteil, dass solche Bücher wesentlich billiger sind. Zum Beispiel, wenn ich Angular.JS lernen möchte, könnte ich dazu Bücher auf Polnisch kaufen, entweder eines von einem Polnischen Author oder ein anderes aus dem Englischen übersetzt, die beide weniger als 10 Euros kosten. Wenn ich aber mehr über das gleiche Thema in Deutschland erfahren wollte, würde ich das gleiche Buch auf Englisch oder ein anderes von einem Deutschen Author finden, und in beiden Fällen würde ich mehr also 30 Euro ausgeben müssen.

Ich lese gerade ein Buch über Mikroservices, bei dem das Gleiche gilt. Das Buch auf Polnisch kostet ungefähr 10 Euro, andererseits kostet das Buch im Original, das ich in Deutschland kaufen könnte, ungefähr 40 Euro. Einen solchen Preisunterschied gibt es auch, zum Beispiel, bie dem Buch "Clean Code", das in Deutschland ungefähr viermal kostet als das Buch in Polnisch, das man in Polen kaufen kann. Wenn man Computerbücher kaufen muss und auf Polnisch lesen kann, ist das gut zu wissen. Als ich in Deutschland wohnte, gab ich tatsächlich ein Vermögen in Büchern aus. Von Italien wollen wir gar nicht erst sprechen, dort sind Computerbücher sogar noch teurer.

Lustigerweise sind die in polnisch übersetzten Computerbücher in Polen billiger als die gleichen Bücher in der Originalverfassung auf English. Polen, die kein Englisch lesen können, sind im Vergleich mit vielen ihrer Kollegen im Westeuropa im Vorteil. Sie haben oft keine Auswahl, weil sie ungefähr das Dreifache ausgeben würden, wenn sie unbedingt das Original lesen wollten. Ich nehme an, dass Übersetzungen ins Polnische nicht viel kosten. Das muss die einzige Möglichkeit sein, Bücher in den Markt einzuführen, die ansonsten niemand kaufen würde. Selbstverständlich haben Bücher in polnisch dann keinen Marktwert außerhalb Polens. Außerdem gibt es viele polnische Autoren, die für den heimischen Markt schreiben.

Der Preisunterschied ist nicht so atemberaubend, wenn es um normale Bücher geht. Ein Buch in deutscher Verfassung kostet typischerweise fünf Euro mehr als das gleiche Buch in Polnisch.
Bücher polnischer Autoren, in gebundener Ausgabe, kosten standardmäßig ungefähr vier-sechs Euro. Vergleichbare Bücher in Deutschland oder Italien würden einige Euros mehr kosten.

Wenn ich die jährliche Buchmesse in Kraków besuche, kaufe ich eine Menge Bücher ein, sodass ich für das ganze Jahr etwas zu lesen habe. Außerdem gibt es dort einen Rabatt. Kaum zu glauben, aber die Polen jammern, dass Bücher teuer sind...



Mittwoch, 9. Dezember 2015

C1-Prüfung der polnischen Sprache




Diese Woche habe ich die C1-Prüfung der polnische Sprache von ECL (European Consortium for... Languages) in Warschau abgelegt. Letztes Jahr hatte ich die B2 Staatsprüfung geschafft. Polnische Staatsprüfungen sind schwieriger, weil sie im Unterschied zu den ECL-Prüfungen auch einen  Grammatik-Teil enthalten.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass der C1-Test schwieriger als derjenige der vorherigen Stufe war, abgesehen von einer einzigen Ausnahme: dem schriftliche Teil. Als ich die B2-Prüfung machte, musste ich einen Aufsatz mit 300 Wörtern schreiben, während man für die C1-Prüfung zwei Aufsätze mit jeweils 300 Wörtern, also 600 Wörter insgesamt, in der gleichen Zeit (anderthalb Stunden) verfassen muss. Deswegen konzentrierte ich mich vor der Prüfung auf den Schreibteil, indem ich alle Artikel aus diesem Blog in ein Heft abschrieb. Als ich zur Prüfung kam, hatte ich schon viel Schreibpraxis.

Da ich zuerst dachte, dass ich die C2-Staatsprüng abgeben würde (es gibt keine C1-Staatsprüfung), lernte ich viel Grammatik. Die meisten Probleme, die ich in dieser Sprache habe, haben mit ihrer lexikalischen Komplexität zu tun. Seit einiger Zeit schreibe ich in einem Heft alle Wörter, deren Konjugation und Deklination mir Schwierigkeiten bereiten. Es ist in der Tat allgemein bekannt, dass man am Besten ein Wort auswendig lernt, wenn man verschiedene Sätze schreibt, die dieses Wort in den verschiedenen Formen enthalten. Ich setze eine Mischung von alten und neuen Technologien ein : ein Heft und eine Excel-Datei, in der ich die Seitennummer mitführe, wo ich die Sätze aufgeschrieben habe, die das jeweilige Wort enthalten. Wenn man etwas in Kursiv schreibt, kann man sich besser daran erinnern, und es funktioniert besser als modernere Werkzeuge wie Supermemo.

Ich bin chronisch mit meinen Polnischkenntnissen unzufrieden (wie übrigens bei jeder anderen Sprache). Sprachen sind eine ungenaue Wissenschaft und wenn man in einer fremden Sprache schreibt oder spricht, kann man eine hohe Fehlerrate tolerieren, die beim Ingenieurwesen nicht denkbar wäre. Ich kenne die genauen Zahlen nicht, ich glaube aber, dass auf der B2-Stufe die Unkenntnis- bzw. die Unrichtigkeitsrate einer Sprache gegen 10 % tendiert, auf der C1-Stufe läuft sie gegen 5 %, und auf der C2-Stufe bewegt sie sich gegen 2 %. Das Kenntnisniveu eines ziemlich gut ausgebildeten Muttersprachlers ist wahrscheinlich vergleichbar mit der C2-Stufe, weil der Unterschied eher in den Geschwindigkeit und in den Reflexen liegt. Ich weiß genau, dass ich die meisten Fehler im Gespräch mache, weil ich schneller spreche, als ich sollte.

Wenn man eine Fremdsprache lernt, wird es zunehmend schwieriger seine Fehlerrate zu senken, je weiter man kommt. Typisch braucht man 2000 Wörter, um 90% einer Sprache abzudecken - genau das sind nämlich die Erfordernisse der B2-Stufe. Wahrscheinlich braucht man 6000 Wörter um 95 % (C1) und 15000 Wörter um 98 % (C2) einer Sprache abzudecken. Selbstverständlich setzt das voraus, dass man die entsprechenden Wörter konjugieren und deklinieren kann.

Vorausgesetzt, dass mein Kenntnisgrad der polnischen Sprache C1 ist ( warten wir mal auf das Prüfungsergebnis), würde ich viel weitere Stunden lernen müssen, um die C2-Stufe zu erreichen. Es ist unverschämt, dass man 6000 Wörter braucht, um von Null zur C1-Stufe zu kommen, und dass dann möglicherweise noch weitere 9000 Wörter notwendig sind, um nachfolgend C2 zu erreichen. Lohnt es sich überhaupt? Ich glaube nicht, dass ich ausreichend Motivation habe, um meinen Kenntnisgrad der polnischen Sprache zu einem solchen hohen Niveau zu bringen. C1 ist eine sehr hohe Stufe und es gibt nicht viele Ausländer, die so weit kommen. Die C2-Prüfungen der deutschen und englischen Sprache habe ich aber schon abgelegt.


Sonntag, 1. November 2015

Sexmission



Nicht willkommen
Unter den polnischen Komödien halten die meisten Polen "Seksmisja" für die lustigste. Wer sich diesen Film noch nicht angeschaut hat und die Handlung nicht im Voraus erfahren möchte, der sollte nicht weiterlesen.

Seksmisja ist sehr lustig - für Polen. Die Handlung spielt sich in einer Zukunft ab, in der die Erdoberfläche unbewohnbar geworden ist (guter Anfang für eine Komödie) und die Überlebenden unter der Erde leben. In dieser schönen neuen Welt leben nur Frauen. Die Fortpflanzung der Spezies ist inzwischen künstlich und wird von der Regierung völlig kontrolliert.  Es wird sichergestellt, dass keine Männer geboren werden. Männer waren nämlich für Kriege und für alles Schlimmes in dieser Welt verantwortlich. In der Tat glauben die Frauen in dieser Zukunft, dass alle große Wissenschaftler Frauen waren und dass früher Frauen systematisch von Männern gefoltert wurden.

Es werden aber zwei hybernierte Männer geweckt, um ihr Verhalten zu erforschen. Zuerst glauben die zwei Männer, in einem Paradies aufgewacht zu sein, dann wird es ihnen aber schnell klar, dass sie sich in einer Hölle auf Erden befinden. In einem Schauprozess werden die zwei Männer zur Kastration verurteilt. Die Frauen aus der Zukunft wollen kein Risiko laufen, dass die Ordnung gestört wird.

Eine der Frauen, die in Kontakt mit den zwei Männern gekommen war, will aber mehr erfahren. Nachdem sie mit ihnen und mit einer der ältesten Frauen gesprochen hat, entscheidet sie sich dafür, sie bei der Flucht zu helfen. Das Trio flieht auf die Erdoberfläche in Strahlenschutzanzügen, und die einzige Wächterin, die einen Strahlenschutzanzug finden konnte, folgt ihnen.

Auf die Erdoberfläche gekommen stellen die vier aber fest, dass die Erde inzwischen bewohnbar ist und die ganze Zeit an der Nase herumgeführt wurden. Sie finden eine luxuriöse Wohnung, die von der Führerin aller Frauen bewohnt wird. Als sie zurückkommt, greifen sie sie an, und finden heraus, dass sie eigentlich ein als Frau verkleideter Mann ist. Es ist ein Mann, der diese Welt von Frauen führt. Er möchte nicht ein Status Quo ändern, in dem er der einzige Mann in einer Welt von Frauen ist, beziehungsweise ist er zu feige, um das zu versuchen, wie er selber sagt. Die zwei Männer aus der Vergangenheit sind aber einer anderen Meinung.  Zusammen mit ihren neuen Freundinnen machen sie sich in der Wohnung breit und schmieden sie einen Plan, um die Männer in die Welt zurückzubringen...

Die Handlung dieses Films ist auf jeden Fall interessant. Eine häufige Interpretation ist es, dass die Männer die Kapitalisten ( die für eine unvollendete und ungerechte Welt stehen) und die Frauen die Kommunisten ( die das Paradies auf Erde schaffen wollen, das sich aber schnell zu einer Hölle verwandelt) darstellen. Das ist keine selbstverständliche Auslegung und mit ihr sind nicht alle Polen einverstanden. Der Film wurde nämlich zur Zeit des Sozialismus gedreht und musste durch die Zensur.

Ich glaube nicht, dass dieser Film den meisten "westlichen" Zuschauern gefallen wird. Ich habe keine Ahnung, warum er lustig sein sollte. In der einzigen Szene, die ich halbwegs lustig fand, finden die zwei Männer heraus, dass das Passwort zur Erdoberfläche "Kurwa Mac" war, dessen Bedeutung keine der Frauen verstand. Am schlimmsten ist es, dass die Schauspieler und vor allem die Schauspielerinnen sich zu "polnisch" verhalten, und für ein "internationales" Publikum  wahrscheinlich zu langweilig auftreten. Ich fand diesen Film einigermassen lustig erst nachdem ich einige Zeit in Polen verbracht hatte.

Übrigens, wenn man jemanden davon überzeugen möchte, dass der polnische Humour sehr schwarz ist, braucht man nur zu erzählen, dass die beliebteste polnische Kömodie sich in einer postapokalyptischen Welt abspielt, in der Männer regelmäßig kastriert werden.