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Mittwoch, 9. Dezember 2015

C1-Prüfung der polnischen Sprache




Diese Woche habe ich die C1-Prüfung der polnische Sprache von ECL (European Consortium for... Languages) in Warschau abgelegt. Letztes Jahr hatte ich die B2 Staatsprüfung geschafft. Polnische Staatsprüfungen sind schwieriger, weil sie im Unterschied zu den ECL-Prüfungen auch einen  Grammatik-Teil enthalten.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass der C1-Test schwieriger als derjenige der vorherigen Stufe war, abgesehen von einer einzigen Ausnahme: dem schriftliche Teil. Als ich die B2-Prüfung machte, musste ich einen Aufsatz mit 300 Wörtern schreiben, während man für die C1-Prüfung zwei Aufsätze mit jeweils 300 Wörtern, also 600 Wörter insgesamt, in der gleichen Zeit (anderthalb Stunden) verfassen muss. Deswegen konzentrierte ich mich vor der Prüfung auf den Schreibteil, indem ich alle Artikel aus diesem Blog in ein Heft abschrieb. Als ich zur Prüfung kam, hatte ich schon viel Schreibpraxis.

Da ich zuerst dachte, dass ich die C2-Staatsprüng abgeben würde (es gibt keine C1-Staatsprüfung), lernte ich viel Grammatik. Die meisten Probleme, die ich in dieser Sprache habe, haben mit ihrer lexikalischen Komplexität zu tun. Seit einiger Zeit schreibe ich in einem Heft alle Wörter, deren Konjugation und Deklination mir Schwierigkeiten bereiten. Es ist in der Tat allgemein bekannt, dass man am Besten ein Wort auswendig lernt, wenn man verschiedene Sätze schreibt, die dieses Wort in den verschiedenen Formen enthalten. Ich setze eine Mischung von alten und neuen Technologien ein : ein Heft und eine Excel-Datei, in der ich die Seitennummer mitführe, wo ich die Sätze aufgeschrieben habe, die das jeweilige Wort enthalten. Wenn man etwas in Kursiv schreibt, kann man sich besser daran erinnern, und es funktioniert besser als modernere Werkzeuge wie Supermemo.

Ich bin chronisch mit meinen Polnischkenntnissen unzufrieden (wie übrigens bei jeder anderen Sprache). Sprachen sind eine ungenaue Wissenschaft und wenn man in einer fremden Sprache schreibt oder spricht, kann man eine hohe Fehlerrate tolerieren, die beim Ingenieurwesen nicht denkbar wäre. Ich kenne die genauen Zahlen nicht, ich glaube aber, dass auf der B2-Stufe die Unkenntnis- bzw. die Unrichtigkeitsrate einer Sprache gegen 10 % tendiert, auf der C1-Stufe läuft sie gegen 5 %, und auf der C2-Stufe bewegt sie sich gegen 2 %. Das Kenntnisniveu eines ziemlich gut ausgebildeten Muttersprachlers ist wahrscheinlich vergleichbar mit der C2-Stufe, weil der Unterschied eher in den Geschwindigkeit und in den Reflexen liegt. Ich weiß genau, dass ich die meisten Fehler im Gespräch mache, weil ich schneller spreche, als ich sollte.

Wenn man eine Fremdsprache lernt, wird es zunehmend schwieriger seine Fehlerrate zu senken, je weiter man kommt. Typisch braucht man 2000 Wörter, um 90% einer Sprache abzudecken - genau das sind nämlich die Erfordernisse der B2-Stufe. Wahrscheinlich braucht man 6000 Wörter um 95 % (C1) und 15000 Wörter um 98 % (C2) einer Sprache abzudecken. Selbstverständlich setzt das voraus, dass man die entsprechenden Wörter konjugieren und deklinieren kann.

Vorausgesetzt, dass mein Kenntnisgrad der polnischen Sprache C1 ist ( warten wir mal auf das Prüfungsergebnis), würde ich viel weitere Stunden lernen müssen, um die C2-Stufe zu erreichen. Es ist unverschämt, dass man 6000 Wörter braucht, um von Null zur C1-Stufe zu kommen, und dass dann möglicherweise noch weitere 9000 Wörter notwendig sind, um nachfolgend C2 zu erreichen. Lohnt es sich überhaupt? Ich glaube nicht, dass ich ausreichend Motivation habe, um meinen Kenntnisgrad der polnischen Sprache zu einem solchen hohen Niveau zu bringen. C1 ist eine sehr hohe Stufe und es gibt nicht viele Ausländer, die so weit kommen. Die C2-Prüfungen der deutschen und englischen Sprache habe ich aber schon abgelegt.


Sonntag, 1. November 2015

Sexmission



Nicht willkommen
Unter den polnischen Komödien halten die meisten Polen "Seksmisja" für die lustigste. Wer sich diesen Film noch nicht angeschaut hat und die Handlung nicht im Voraus erfahren möchte, der sollte nicht weiterlesen.

Seksmisja ist sehr lustig - für Polen. Die Handlung spielt sich in einer Zukunft ab, in der die Erdoberfläche unbewohnbar geworden ist (guter Anfang für eine Komödie) und die Überlebenden unter der Erde leben. In dieser schönen neuen Welt leben nur Frauen. Die Fortpflanzung der Spezies ist inzwischen künstlich und wird von der Regierung völlig kontrolliert.  Es wird sichergestellt, dass keine Männer geboren werden. Männer waren nämlich für Kriege und für alles Schlimmes in dieser Welt verantwortlich. In der Tat glauben die Frauen in dieser Zukunft, dass alle große Wissenschaftler Frauen waren und dass früher Frauen systematisch von Männern gefoltert wurden.

Es werden aber zwei hybernierte Männer geweckt, um ihr Verhalten zu erforschen. Zuerst glauben die zwei Männer, in einem Paradies aufgewacht zu sein, dann wird es ihnen aber schnell klar, dass sie sich in einer Hölle auf Erden befinden. In einem Schauprozess werden die zwei Männer zur Kastration verurteilt. Die Frauen aus der Zukunft wollen kein Risiko laufen, dass die Ordnung gestört wird.

Eine der Frauen, die in Kontakt mit den zwei Männern gekommen war, will aber mehr erfahren. Nachdem sie mit ihnen und mit einer der ältesten Frauen gesprochen hat, entscheidet sie sich dafür, sie bei der Flucht zu helfen. Das Trio flieht auf die Erdoberfläche in Strahlenschutzanzügen, und die einzige Wächterin, die einen Strahlenschutzanzug finden konnte, folgt ihnen.

Auf die Erdoberfläche gekommen stellen die vier aber fest, dass die Erde inzwischen bewohnbar ist und die ganze Zeit an der Nase herumgeführt wurden. Sie finden eine luxuriöse Wohnung, die von der Führerin aller Frauen bewohnt wird. Als sie zurückkommt, greifen sie sie an, und finden heraus, dass sie eigentlich ein als Frau verkleideter Mann ist. Es ist ein Mann, der diese Welt von Frauen führt. Er möchte nicht ein Status Quo ändern, in dem er der einzige Mann in einer Welt von Frauen ist, beziehungsweise ist er zu feige, um das zu versuchen, wie er selber sagt. Die zwei Männer aus der Vergangenheit sind aber einer anderen Meinung.  Zusammen mit ihren neuen Freundinnen machen sie sich in der Wohnung breit und schmieden sie einen Plan, um die Männer in die Welt zurückzubringen...

Die Handlung dieses Films ist auf jeden Fall interessant. Eine häufige Interpretation ist es, dass die Männer die Kapitalisten ( die für eine unvollendete und ungerechte Welt stehen) und die Frauen die Kommunisten ( die das Paradies auf Erde schaffen wollen, das sich aber schnell zu einer Hölle verwandelt) darstellen. Das ist keine selbstverständliche Auslegung und mit ihr sind nicht alle Polen einverstanden. Der Film wurde nämlich zur Zeit des Sozialismus gedreht und musste durch die Zensur.

Ich glaube nicht, dass dieser Film den meisten "westlichen" Zuschauern gefallen wird. Ich habe keine Ahnung, warum er lustig sein sollte. In der einzigen Szene, die ich halbwegs lustig fand, finden die zwei Männer heraus, dass das Passwort zur Erdoberfläche "Kurwa Mac" war, dessen Bedeutung keine der Frauen verstand. Am schlimmsten ist es, dass die Schauspieler und vor allem die Schauspielerinnen sich zu "polnisch" verhalten, und für ein "internationales" Publikum  wahrscheinlich zu langweilig auftreten. Ich fand diesen Film einigermassen lustig erst nachdem ich einige Zeit in Polen verbracht hatte.

Übrigens, wenn man jemanden davon überzeugen möchte, dass der polnische Humour sehr schwarz ist, braucht man nur zu erzählen, dass die beliebteste polnische Kömodie sich in einer postapokalyptischen Welt abspielt, in der Männer regelmäßig kastriert werden.

Montag, 12. Oktober 2015

Neue Gebäude in Krakau

Kraków Arena
Polen hat den Ruf,  die europäische Entwicklungshilfe sehr gut auszunutzen, anders als zum Beispiel Süditalien. Das ist in Krakau klar zu erkennen, einer Stadt, die sehr schnell wächst.
Viele internationalen Firmen, die hier eine Niederlassung öffnen, mieten Räume in einem der vielen neuen Bürozentren, die von der Europäischen Union finanziert worden sind. Das ist auch der Fall für die vielen Gebäuden, die von Comarch erbaut worden sind.

Das neue Flughafenterminal ist gerade eingeweiht worden, und gerade diese Woche hatte ich die Möglichkeit, es zu besichtigen. Die neue Kraków Arena ist nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Sportereignisse (wie zum Beispiel die Volleyball-Weltmeisterschaft des letzten Jahres) und Konzerte finden hier regelmäßig statt. Das Luftfahrtmuseum, wofür sich mein Vater während seines Besuchs in Krakau besonders begeisterte, ist auch nicht weit weg.

Viele der neuen Universitätsgebäude in Krakau sind auch von der Europäischen Union finanziert worden, wie zum Beispiel das Hauptgebäude der Fakultät für Informatik der AGH. Das gilt auch für viele Museen, wie zum Beispiel das Museum für moderne Kunst. Auf das neue Kongresszentrum ist die Stadt besonders stolz. Auch sind viele Gebäude renoviert worden, wie zum Beispiel das Collegius Maius und die Zentralbibliothek der Universität.

Die Europäische Union trug auch zu der Modernisierung von Krankenhäusern, Straßenbahnlinien, Straßen und Fahrradwegen bei. Die meisten von der Europäischen Union finanzierten Projekte sind aber IT-Projekte, wie zum Beispiel das neue Informationssystem der Gemeindeverwaltung.


Samstag, 3. Oktober 2015

Alte und neue Złoty


Eine Millione alter Złoty - damit könnte man ein Cappuccino kaufen
Man verwendet den Euro in Polen nicht, und wegen der letzten Ereignisse in Griechenland sind die Polen nicht gerade begeistert von der Idee, ihn in ihrem Land einzuführen. Das polnische Wirtschaftswunder würde möglicherweise ins Stocken geraten, wenn der Złoty-Kurs auf dem Währungsmarkt nicht frei schwanken dürfte. Andererseits behaupten viele heimische und internationale Firmen, dass sie mit einer gemeinsamen Währung ihre Abwicklungsverfahren vereinfachen könnten und Geld sparen würden. Es ist zugleich ein Vorteil und ein Nachteil, sich außerhalb der Euro-Zone zu befinden.

Auch erfüllt Polen die Budgetanforderungen noch gar nicht, die für einen Eintritt in die Eurozone erforderlich wären. Um ihnen gerecht zu werden, müsste das Land die Sozialausgaben dermaßen kürzen, dass das für einen großen Teil der Bevölkerung inakzeptabel wäre. Daher glaube ich, dass der Złoty noch eine Weile bleiben wird.

Der Złoty ist eine einigermaßen stabile Währung und wird zu einem Kurs von ca. vier Złoty je Euro getauscht. Das ist aber nicht immer so gewesen. Polen erlebte nämlich am Anfang der Neunziger Jahre eine dreistellige Inflation (die sogar 640% erreichte), wie übrigens auch viele andere osteuropäische Länder. Viele Menschen verloren ihre sämtlichen Ersparnisse. Eine solche Erfahrung kann man nur nachfühlen, wenn man sie selber einmal erlebt hat.

Dann gab es den Wechsel von den alten Złoty zu den neuen. Ein neuer Złoty wurde gegen 10.000 alte Złoty getauscht. Dann konnte es einem passieren, dass man in Polen um 30.000 Złoty gebeten wurde, wenn es in Wirklichkeit um drei Złoty ging. Es gab lauter Gauner, die beim Geldwechsel alte Złoty statt neue herausgaben. Übrigens rechnen viele Leute heute immer noch in ihren Köpfen mit alten Złoty.

Geld war in den Zeiten des Sozialismus nicht viel wert. Es ist ein Gerücht, dass die Preise damals niedriger waren. Es stimmt aber allerdings, dass man lange Schlange stehen musste und es in den Geschäften nicht viel zu kaufen gab.

Das ist der Grund, warum für Leute aus Osteuropa das Geld nicht den gleichen Wert hat wie für die Leute in den sogenannten westlichen Ländern. Für mich ist es immer selbstverständlich gewesen, dass man mit Geld alles - außer Liebe und Freundschaft - kaufen kann. Geld ist aber nur solange etwas wert, wie die Wirtschaft des Landes einigermaßen stabil ist. Wenn sie zusammenbricht, wie es in der Polnischen Volksrepublik passiert ist, ist eine galoppierende Inflation die wahrscheinliche Folge.

Es ist daher nicht überraschend, dass die meisten Polen die Häuser besitzen, in denen sie wohnen, weil sie mehr Vertrauen in Immobilieneigentum als in bedrucktes Papier haben. Es ist sogar üblich, dass man einen Kredit aufnimmt, um in den Urlaub fahren zu können. Es ist besser sein Geld heute auszugeben, wenn es noch etwas wert ist, als es auf der Bank zu lassen, mit dem Risiko, es alles bei der nächsten Krise zu verlieren. Am Ende sind die echten Gewinner während einer hohen Inflation nämlich diejenigen, die hohe Schulden haben.

Deshalb ist es besser hundert Freunde als hundert Rubbel zu haben. Ich habe schon geschrieben, dass Polen ihren Platz in einer Schlange niemals aufgeben würden. Andererseits ist es wahrscheinlicher, dass sie einem Fremden Geld anbieten, der gerade knapp bei Kasse ist. Schließlich ist dein Geld heute etwas wert, aber morgen könnte es nichts mehr wert sein. Deshalb könnte es besser sein jemandem zu helfen, der später den Gefallen erwidern könnte.


Mittwoch, 9. September 2015

Wir kommen nach Krakau, und du wirst unser Fremdenführer sein

Eine Übersicht des Kalvarienbergs Zebrzydowski 

Wir kommen nach Krakau, und du wirst unser Fremdenführer sein. Das wird kein Problem sein, dachte ich. Ich kenne Krakau, oder zumindest glaube ich, es zu kennen. Nachdem ich meine Eltern in einer Wohnung untergebracht hatte, nahm ich sie zu einem Spaziergang im Zentrum mit.

Zuerst machten wir eine Rundfahrt in einem Fahrradtaxi für Touristen. Dann führte ich meine Eltern im Zentrum zu Fuß herum, aber leider stellte sich heraus, dass ich die Stadt doch nicht so gut kenne.
Ich wusste nicht, wem das Denkmal auf dem Hauptplatz gewidmet ist, und warum es dort einen großen begehbaren Kopf gibt. Außerdem verwechselte ich das Florianskator mit dem Barbakan.
Wir stiegen zum Schloss Wawel hinauf, aber wir traten nicht ein, weil es zu viele Leute gab.

Dann führte ich sie zum Museum, das sich unter dem Hauptplatz befinden, und dann zum Turm des ehemaligen Rathauses hinauf. Beide Orte waren enttäuschend. Außerdem überraschte uns ein fast apokalyptisches Gewitter, daher waren wir nass, als wir nach Hause zurückkehrten. Wenigstens lief der Besuch im Kollegius Maius gut.

Am folgenden Wochenende besichtigten wir zwei Sanktuarien im südlichen Teil von Krakau, die dem ehemaligen Papst Johannes Paul II und der heiligen Faustina gewidmet sind. Ich wusste nicht einmal, dass sie existierte, und wer die heilige Faustina überhaupt war. Im Kloster gibt es einen Knochen, der angeblich Wunder wirken kann. Der Papst Wojtila hatte Faustina zur Heiligen erklärt, weil ein Amerikaner eine plötzliche Heilung erlebte, gerade nachdem er diesen Knochen geküsst hatte. Leider wollte aber keiner von uns die Reliquie küssen, deswegen werden wir wahrscheinlich kränklich bleiben. Wir stiegen den Glockenturm hinauf, von dem wir eine schöne Sicht auf die Stadt genießen konnten. Das Sanktuarium von Papst Johannes Paul II beeindruckte uns, aber leider war das Museum geschlossen, als wir dorthin kamen.

Am Tag danach stiegen wir den Hügel hinauf, der sich im westlichen Teil von Krakau befindet. Auch von dort hat man eine herrliche Sicht auf die Stadt. Leider war es sehr heiß und am Ende waren meine Eltern erschöpft. Wir gingen in ein Museum, das Kościuszki gewidmet ist, das aber nicht sehr interessant war. Am Abend aßen wir eine Zapiekanka am Platz Nova. Aber ich schaffte es nicht, eine zu bekommen, die mir schmeckte.

Am nächsten Wochenende fuhren wir zum Kalvarienberg Zebrzydowski. Der Besuch besteht in einem Aufstieg zu einem Hügel und dann in einer Wanderung zu den verschiedenen Kapellen. Der Rundgang erwies sich als zu anstrengend für meine Eltern. Außerdem hatten wir wenig Zeit, weil wir vor hatten, auch nach Wadowice zu fahren. Dort kann man das Haus besichtigen, in dem der Papst Wojtila aufgewachsen ist.  Zur Führung in der italienische Sprache kamen wir um 10 Minuten zu spät, daher gingen wir mit einer polnischen Gruppe zusammen - aber meine Eltern verstanden dabei kein Wort.

Für unserem letzten gemeinsamen Ausflug kauften wir Tageskarten für den Stadtverkehr in Krakau und fuhren wir mit Bus und Straßenbahn in der Stadt herum. Da es sich aber um einen Werktag handelte, waren die Fahrzeuge ziemlich voll und es wurde nicht zu einer umwerfenden Erfahrung.

Trotz einiger erlebten Unannehmlichkeiten sagten mir meine Eltern, dass sie eine Menge Spaß in Krakau gehabt hatten. Sie kauften viele Sachen in Geschäften und an Buden ein, und zu meiner Überraschung schmeckte ihnen das Essen. Sie waren auch in vielen Einkaufszentren. Mein Vater war mehrmals im Flugzeugmuseum.

Vielleicht liegt das an mir und ich ärgere mich zu leicht. Keiner ist als Meister oder als Fremdenführer geboren worden.  Man kann sich aber immer  noch verbessern. An diesem Sonntag bin ich wieder zum Kalvarienberg gefahren und habe den Rundgang dann wirklich gemacht. Zusätzlich bin ich den Hügel hinaufgestiegen. Insgesamt habe ich für alles fünf Stunden gebraucht. Länger, als ich erwartet hatte.

Mittwoch, 26. August 2015

Blitzer und Parkverbote

In Krakau heißt das .... gebührenpflichtiger Parkplatz!

Ich habe in einem vorherigen Post geschrieben, dass man in Polen auf die vielen Blitzer aufpassen sollte, wenn man im Land herumfährt. Ein gutes Navi wird vor den Blitzern warnen. Während meiner letzten Autofahrten in Polen  habe ich aber mein Mobilgerät mit Google Maps als Navigator eingesetzt. Leider enthält diese Software keine Daten über Blitzer, daher bekam ich zwei Strafen wegen zu hoher Geschwindigkeit.

Diesen Monat habe ich einen bedrohlichen Brief aus dem Straßensverkehrinspektorat bekommen, der mich darüber informierte, dass ich im April dieses Jahres die Höchstgeschwindigkeit in einem Stadtgebiet um 30 km/h überschritten hatte. Das wird mich 200 zloty (50 euro) und sechs Punkte im Verkehrssünderregister kosten. Der Maximalwert ist 24 Punkte, aber soweit ich weiß verfallen Punkte in Polen nach einem Jahr, wenn die Strafen bezahlt worden sind. Da ich einen deutschen Führerschein besitze, können, wie ich herausgefunden habe, die polnischen Behörden mir den Führerschein nicht wegnehmen, aber sie können mir das Fahren in Polen verbieten. Ich sollte mehr aufpassen.

Jedenfalls bin ich nicht der Einzige, der Verkehrsstrafen bekommen hat. Meine Eltern sind diesen Monat in Krakau und haben zwei Strafen wegen Parkverbot bekommen. In der Nachbarschaft, wo meine Eltern eine Unterkunft durch Airbnb gefunden haben, hat die Stadtverwaltung mehrere Parkuhren aufgestellt. Mein Vater wurde dadurch verwirrt, dass die gebührenpflichtigen Parkplätze mit weißen Streifen markiert sind und sich neben einem Straßenzeichen befinden, das ein "P" zeigt. In Italien würde das auf kostenfreies Parken hinweisen, aber in Polen heißt das gebührenpflichtig ! Sie dürfen ihr Auto vor der Wohnung parken, in der sie untergekommen sind, obwohl es dort ein Parkverbot-Straßenzeichen gibt! Davor waren sie von ihrer Hausbesitzerin gewarnt worden, an ihren Hinweis glaubte sie aber nicht und daher bekamen sie zwei Strafen, bis sie endlich verstanden, wie es hier funktionert....

In Polen scheint die Polizei immer plötzlich und magisch zu erscheinen, jedes mal wenn man sein Auto in einer Parkverbotszone geparkt hat. Einmal bekam ich auch eine Strafe, als ich mein Auto in einer gebührenpflichtigen Parkzone verlassen hatte und dabei vergessen hatte, ein Parkticket zu kaufen.

Mein Vater erwägte die Möglichkeit, die Strafen nicht zu bezahlen. Es ist nämlich bekannt, dass in Ausländer, die in Italien unterwegs sind, typischerweise ihre Strafen nicht bezahlen, selbst wenn sie ihnen nach Haus geschickt werden. Es gibt nämlich in Italien kein Zentralsystem für Verkehrsstrafen, daher werden Ausländer nicht einmal zur Kasse gebeten, wenn sie von Polizeistreifen aufgehalten werden. In Polen soll es aber anders laufen. Ich habe von ausländischen Autofahrern gehört, die von der Polizei aufgehalten wurden und ihre alten Verkehrsstrafen mit Zinsen bezahlen mussten, ansonsten wäre ihr Auto beschlagnahmt worden.

Schließlich bezahlte mein Vater (oder besser gesagt, ich) die Strafen, die sich auf die Gesamtsumme von 100 Zloty, das heißt 25 Euro, belief. Es hätte schlimmer sein können. Wenigstens mussten sie nicht den Schock erleben, dass ihr Auto von einer Parkkralle blockiert wurde, wie es mir passierte, als ich mein Auto in Tschechien in einer anderen Touristenfalle parkte. So etwas kann man in Krakau auch erleben, wenn man das Auto in der Altstadt parkt...

Samstag, 15. August 2015

Neuer Polnischer Kapitalismus

"Neuer Polnischer Kapitalismus" von Jane Hardy
1989 wechselte Polen vom Kommunismus zum Kapitalismus. Es ist im Allgemeinen bekannt, dass Polen eine Schocktherapie umsetzte, die Staatsunternehmen zerlegte, sie an Privatunternehmer verkaufte und das Land fremdem Kapital öffnete, ohne auf irgendeine Weise lokale Firmen zu schützen. Anders als zum Beispiel in Russland und Jugoslawien, war die Schocktherapie in Polen einigermaßen erfolgreich und das Land wurde zu einem kapitalistischen Mekka, dessen BNE ununterbrochen wächst. So wurde uns wenigstens gesagt.

Die Wirklichkeit ist aber komplizierter. Die Privatisierung von Staatsunternehmen war nicht ausführlich. Vierzehn der fünfzehn größten Gesellschaften in Polen gehören dem Staat. Sie sind in Branchen wie Öl (Orlen, PGNiG, Lotos), Bergbau (KGHM Polska Miedź), Versicherung (PZU), Finanz (PKO SA), Energie (PGE) und Logistik (PKP) tätig. Die Mehrheitsmeinung in Polen ist, dass Firmen aus strategischen Branchen in Staatsbesitz bleiben sollten, ansonsten könnten sie in den Besitz von ausländischem Kapital geraten oder von Oligarchen erworben werden, die keinen Mehrwert erzeugen würden, wie es häufig der Fall in Russland ist. Ob diese Firmen vom Staat gut verwaltet werden - da scheiden sich die Geister.

Die Privatisierung in Polen traf hautpsächlich die Fertigungsbranche, wie zum Beispiel die Auto- und Elektrogeräteindustrie. Die meisten Staatsunternehmen wurden an ausländische Investoren verkauft, die sie in mehrere Teile zerlegten. Dabei behielten sie die guten Teilen und lösten die schlechten auf.  Manchmal war das einzige Ziel eines Einkaufs die Erwerbung von Immobilien und Personal, damit die Firma Fuß in dem Land fassen konnte. Das Ergebnis dieses Prozesses war die Schaffung eines ziemlichen effizienten Fertigungssektors in Polen, der aber fast vollständig im Besitz von fremdem Kapital ist. Die polnischen Arbeiter zeigten sich produktiver als diejenigen anderer Länder in Osteuropa, teilweise weil Polen schon während der kommunistischen Ära Waren für den Export nach den westlichen Märkten herstellte.

Die Transformation verursachte aber hohe soziale Kosten. Der Staat gewährleistet nicht mehr, was früher selbstverständlich war ( Wohnung, Arbeit, Gesundheitsversorgung, Ausbildung, Kinderkrippen...). Die Arbeitslosigkeit ist nicht so hoch, nur weil viele Jugendliche von den offenen Grenzen Gebrauch gemacht haben und ausgewandert sind. Diejenigen, die in Polen geblieben sind,
müssen von Gehältern überleben, die sich im Bereich von 300 Euro bewegen, daher suchen sie oft einen zweiten Job. Es muss erwähnt werden, dass importierte Waren in Polen ebenso viel wie in der Eurozone kosten. Die Gewerkschaften sind stark in Staatsunternehmen, sind aber ziemlich ineffektiv in privaten Firmen, in denen eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sogar zur Entlassung führen kann.

Das Gefühl ist aber verbreitet, dass es im Land unausweichlich aufwärts geht. Weil es den Polen nicht erlaubt wird, die Mängel an Waren und die Schlangen der Kommunistischen Ära zu vergessen, muss auf sie das Einkaufen in einem der vielen Einkaufszentren fast befreiend vorkommen, selbst wenn sie wenig Geld haben. Dank den Finanzierungen der Europäischen Union konnte eine bessere Infrastruktur gebaut werden, wie zum Beispiel Straßen, Flughäfen, Eisenbahnlinien, Aquädukte, Krankenhäuser und Universitätsgebäuder. Es gibt lokale Unternehmen, die einen ungleichen Kampf gegen multinationale Firme führen, die sogar Steuererleichterungen in Polen genießen. Weil die Polen sich aber immer noch am meisten vor den Russen und vor einer möglichen Rückkehr des Kommunismus fürchten, unterstützen sie nach wie vor den Weg zum Neoliberalismus.